Wieso Schule die Stärken der Kinder mehr fördern sollte als die Schwächen

Ist es in der Kindergartenzeit noch einfacher, sich als Eltern dem Förderdruck zu entziehen, kommt mit der Einschulung ein ganz neuer Druck von außen dazu: die Erwartungen der Lehrer. Auch wenn in den meisten Fällen die Schule spielerisch beginnt und es noch nicht mit Noten losgeht, schwebt über allem ein unausgesprochenes „in der vierten Klasse geht es um die Wurst“. Nämlich um die Empfehlung für die weiterführende Schule. Klar, dass Eltern das Bestmögliche für ihre Kinder wollen. Aber wieso ist heute ein „Befriedigend“ nicht mehr befriedigend? Und ein „Gut“ nicht mehr gut genug? Der Druck wird an die Schüler weitergegeben – oft schon im Vorschuljahr, wo die Kinder mit Vorschulheften die Buchstaben und Zahlen lernen, als wäre das Voraussetzung für die Einschulung. Es ist schwer, sich diesem Druck und dem damit verbundenen „Mein Kind kann schon“-Wettbewerb zu entziehen, denn wer möchte schon seinem Kind die Zukunft verbauen? Dabei ist es viel wichtiger, den Blick auf die Stärken der Kinder zu richten statt auf die Schwächen. Letzteres ist leider das, was in den Schulen seit eh und je praktiziert wird. Der Fokus richtet sich viel zu sehr auf das, was die Kinder nicht können, als darauf, sie in dem zu bestärken, wodrin sie gut sind. Wieso eigentlich?

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Mein neues Buch ist da: Einblick ins Inhaltsverzeichnis

Endlich ist es soweit: Mein neues Buch ist erschienen! „Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Erziehung einfach unperfekt: Wie du deine Kinder entspannt beim Großwerden begleitest“ ist ganz frisch aus der Druckerei in die Buchläden und auch bei mir eingezogen. Ich hatte euch ja schon einmal beschrieben, worum es mir im Buch geht: Nämlich darum, wie wir unser Familienleben ohne Druck und Stress leben und vor allem, wie wir unsere Kinder ohne Druck erziehen können. So, dass unsere Kinder im eigenen Tempo wachsen – wenn wir unsere Kinder nämlich ihr eigenes Tempo lassen, dann erreichen sie ihre Meilensteine ohne Tränen und Streit. Denn jedes Kind hat sein eigenes Tempo und die Entwicklungsspannen in den ersten Jahren gehen enorm weit auseinander. Ich möchte mit „Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ Mut machen, den eigenen Weg fürs Familienleben zu finden, den eigenen Weg, die Kinder zu erziehen, den eigenen Weg fürs Mutter- und fürs Vatersein. Ich möchte Mut machen, sich nicht von vermeintlichem „Das machen alle so, deshalb muss ich das auch“ unter Druck setzen zu lassen, sondern in die eigenen Fähigkeiten und die Fähigkeiten des Kindes zu vertrauen. Denn der meiste Druck und Stress ist wirklich umsonst und oft sogar kontraproduktiv: Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, lernen Kinder die neuen Entwicklungsschritte von alleine viel schneller, als wenn man vor dem richtigen Zeitpunkt anfängt, an ihnen zu ziehen. Wie das Fahrradfahren. Oder das Trockenwerden. Oder die Beikosteinführung. Damit ihr einen kleinen Einblick ins Buch bekommt, stelle ich euch hier einmal das Inhaltsverzeichnis vor. In jedes Kapitel führt eine Kolumne (so wie ihr sie vom Blog kennt), dann gibt es wissenschaftliche Hintergründe und natürlich viele praktische Tipps:

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„Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ – mein neues Buch

Am 9. Juni erscheint mein neues Buch! Und obwohl es mittlerweile mein siebtes Buch ist, ist es immer wieder aufregend, wenn sich der Moment nähert, an dem ich das Buch, an dem ich so lange geschrieben habe, endlich in den Händen halte. Auch mein nächstes Buch erscheint wieder im Trias Verlag und auch dieses Mal geht es um eine Thema, das mir sehr am Herzen liegt. „Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Erziehung einfach unperfekt. Wie du deine Kinder entspannt beim Großwerden begleitest“ heißt es. Worum es geht? Kurz gesagt: Darum, wie Eltern ihren eigenen Weg finden. Einen Weg ohne Stress, ohne Druck, einen Weg, der zur Familie passt. Denn jedes Kind ist anders, jede Mutter ist anders, jeder Vater ist anders. Ich greife in dem Buch die typischen Streitthemen auf, bei denen sich unter Eltern oft die Geister scheiden und die uns besonders herausfordern: von der ersten Zeit mit Baby, das Stillen, die Trotzphase, das Lernen wie Laufenlernen, Trockenwerden, Sprechenlernen, Einschlafbegleitung, Ernährung, Benehmen am Tisch, Streng sein oder nicht streng sein, Regeln vermitteln, die Bedeutung des freien Spielens bis hin zum Mamasein an sich und dem Wettbewerb unter Müttern.

Das Buch ist als Begleiter für die ersten Jahre mit Kind gedacht – und das nicht nur für Baby- und Kleinkindeltern. Vielleicht ja auch für Großeltern? Oder als Geschenk für die manchmal aufdringlichen Schwiegereltern?! Dabei gibt es zu jedem Kapitel eine Kolumne – so wie ihr sie hier vom Blog kennt! – und dann ein Zitat von Philosophen, Autoren oder aber Sprichwörter aus der ganzen Welt, die als Leitfaden helfen, die zusammenfassen, worauf es bei der Fragestellung ankommt. Ich habe für das Buch mehrere große Stapel von Sekundärliteratur gelesen, um für euch das, was wissenschaftlich bekannt ist, zusammenzufassen. Denn die Erkenntnisse sind die Leitplanken, die unseren Weg als Eltern weisen. Innerhalb dieser Leitplanken muss jede/jeder ihren/seinen eigenen Weg finden. Und eben dabei möchte ich eine Hilfestellung geben.

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Wie helfe ich meinem schüchternen Kind? Interview und Buchtipp

Schüchterne Menschen gehen oft ein bisschen unter. Besonders schüchterne Kinder, die manchmal nicht ins System zu passen scheinen. Das Kind würde ja nur am Rand sitzen und sich nicht im Spiel beteiligen, hört man da als Elternteil. Oder die mündliche Mitarbeit im Unterricht wird bemängelt, weil quasi kaum vorhanden. Zwei meiner drei Kinder sind auch eher schüchtern und ich erinnere mich noch gut, wie es war als einzige Mutter beim Seepferdchenkurs auf der Bank neben dem Schwimmbecken zu sitzen statt mit den anderen Müttern Kaffee trinken zu gehen. Ich weiß noch gut, wie es ist, wenn man als einzige Mutter bei der Kindergeburtstagsparty da bleibt, weil das Kind nicht alleine bleiben möchte. Was ich aber auch gemerkt habe: Wenn ich meinen Kindern Zeit gebe, ihnen den Rücken stärke, dann kommt irgendwann der Moment, an dem sie auch bereit sind, alleine beim Schwimmkurs oder der Geburtstagsparty zu bleiben. Druck und Zwang wirken eher kontraproduktiv. Geduld und immer wieder bestärken hingegen haben gut funktioniert. Meine Autorenkollegin Inke Hummel, die ich sehr schätze und für ihre undogmatische Art mag, hat nach ihrem Pubertätsratgeber, den ich hier vorgestellt habe, nun das absolut lesenswerte Buch „Mein wunderbares schüchternes Kind. Mut machen, Selbstvertrauen bestärken, liebevoll begleiten“ geschrieben. Ein liebevoll geschriebener, auf die Bedürfnisse der Kinder eingehender Ratgeber für Eltern schüchterner Kinder, der sehr praxisnahe und pragmatische Tipps enthält und wirklich umsetzbare Strategien für typische Alltagssituationen zeigt. Im Interview verrät Inke mir, wie wir Eltern unsere schüchternen Kinder unterstützen können:

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„Wichtig ist es, Sorgen ernst zu nehmen“: Kostenlose Onlineberatung für Eltern und Jugendliche

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Kein Zweifel, das Jahr 2020 hat von uns allen viel abverlangt. Besonders von uns Familien. Nicht nur wir Eltern, auch unsere Kinder wurden dabei vor besondere Herausforderungen gestellt. Gerade in diesen verrückten, fordernde Zeiten finde ich gute Beratungsangebote umso wichtiger – und bin der Meinung, dass sie noch viel bekannter gemacht werden müssten. Vor allem niedrigschwellige Angebote spielen da eine besondere Rolle. So wie die bke onlineberatung – die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V., der Fachverband der Erziehungs- und Familienberatung – die anonym und kostenfrei nicht nur Eltern sondern auch Jugendliche in Gruppenchats, Mailberatung und Einzelchats berät und ein Forum zum Austausch bietet. Eltern und Jugendliche können sich dabei zu Fragen um das Leben mit Baby und Kleinkind, Schulprobleme, Pubertät oder Themen wie Patchworkfamilie oder andere Herausforderungen im Familienleben professionellen Rat und Austausch einholen. Worum es bei der Onlineberatung geht, wie geholfen wird und welche Themen zurzeit besonders wichtig sind, habe ich die Sozialpädagogin Dana Mundt, Mitglied im Leitungsteam der bke-Onlinberatung) in einem Interview befragt:

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In Beziehung bleiben – auch in der Pubertät: Interview und Buchtipp

Wenn man denkt, man hat das Schlimmste hinter sich und dann kommt die nächste, öhm, sagen wir mal, spannende Phase. Bei uns ist das so: Pünktlich, wenn meine Kleine aus der Trotzphase raus ist, wird mein Ältester in die Pubertät kommen. So in etwa jedenfalls. Das Familienleben soll ja auch nicht langweilig werden! Und ich kann mir jetzt schon ausrechnen, dass, wenn der Große und der Mittlere mit der Pubertät durch sind, ihre kleine Schwester damit durchstarten wird. Kurz: Es liegen spannende, aufregende und ja, ich befürchte auch anstrengende Jahre vor uns! Aber das Gute: Ich habe jetzt schon ein Buch, das mich in dieser Zeit begleiten wird. Ein richtig gutes, informatives, wunderbar leicht geschriebenes und vor allem einfühlsames Buch zum Thema Pubertät: „Miteinander durch die Pubertät: Gelassener begleiten, weniger streiten, in Kontakt bleiben“ heißt es und geschrieben hat es die wunderbar sympathische Inke Hummel. Die Pädagogin beschreibt, wie man mit seinen Teenager-Kindern in Beziehung bleibt und die Bindung aufrecht erhält, auch in den stürmischen, nicht immer leichten Pubertätsjahren. Einige Tipps verrät sie mir heute in einem Interview:

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„Erziehen ist ein Kinderspiel“! Interview und Buchtipp

„Erziehen ist ein Kinderspiel“? Ach, wenn es doch manchmal so wäre! Manchmal gibt es diese Momente, da ist in Sachen Erziehung gar nichts leicht und schon gar nicht wie ein Kinderspiel. Wenn die Kinder trotz allem im Wutanfall am Boden liegen, sich kurz vorm Schlafengehen streiten und gleich nach dem Aufstehen „mir ist langweilig“ krähen. Und nicht nur die eigene Familie lässt einen manchmal an diesem „Kinderspiel“ zweifeln. Noch viel schlimmer sind andere Mütter. Und all diese guten Ratschläge. Bevor ich mein erstes Kind bekam, hatte ich keine Ahnung, wie viel Dogma das Thema Erziehung begleitet. Es ist unfassbar, wie verbissen und engstirnig Frauen werden können, wenn es um bestimmte Erziehungsthemen geht. Und das macht wiederum das Leben schwer. Es ist wirklich an der Zeit, mehr Leichtigkeit in das Thema Erziehung zu bringen – weniger Perfektionismus, weniger Druck, mehr Mut zu eigenen Fehlern und vor allem zum eigenen Weg. Und deshalb mag ich auch keine klassischen Erziehungsratgeber, wo ein Tipp nach dem anderen kommt, der erhobene Zeigefinger aus den Seiten herauspiekt und einen mit dem schalen Gefühl des schlechten Gewissens neben dem Buch sitzen zu lassen. Was ich mag: Bücher, die einem Anregungen geben, die einem Wege aufzeigen, aus denen man sich bedienen kann, so wie es zum eigenen Leben am besten passt. Denn jede Familie ist anders! Gerade im Familienleben ist Dogma deshalb völlig fehl am Platz.

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Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen?

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Ich erinnere mich noch gut an den Geburtsvorbereitungskurs, damals vor mehr als neun Jahren, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. „Ihr macht euch jetzt in der Schwangerschaft Sorgen um eure Kinder. Und ich sage euch: Das wird nicht aufhören. Ihr werdet euch immer Sorgen um eure Kinder machen. Immer.“ Die Dame ist ein bisschen arg theatralisch, dachte ich damals. Wie die anderen Teilnehmer wohl auch, wie die Blicke zeigten, die wir wechselten. Heute, mehr als neun Jahre später, weiß ich genau, was gemeint war. Denn die Sorgen um die Kinder hören nicht einfach auf, nur weil sie älter werden oder weil man beim zweiten oder dritten Kind mehr weiß. Denn auch, wenn sich einige Sorgen mit der Zeit auflösen, kommen andere Sorgen hinzu. Und auch, wenn man beim zweiten (oder dritten) Kind schon viel routinierter ist und deshalb viele Dinge besser einschätzen kann, bringt jedes Kind neue Sorgen mit. Weiterlesen

Filme, Spielzeug, Ausflüge: Muss denn alles immer pädagogisch wertvoll sein?

Natürlich wollen wir alle immer nur das Beste für unsere Kinder. Dass es ihnen gut geht – und dass sie sich natürlich bestmöglich entwickeln. Dafür kaufen wir ihnen das bestmögliche Spielzeug. Und lassen sie so wenig wie möglich digitale Medien benutzen und natürlich so selten wie möglich fernsehen. Stattdessen lesen wir viele schlaue Sachbücher, basteln mit Knete und Fingerfarben (alle Sinne anregen! Ihr wisst schon!) und lassen unsere Kinder mit handgeschnitzten Holzbausteinen Türme bauen, um ihre Feinmotorik bestmöglich zu stärken. Im Wald schicken wir sie balancierenderweise über Baumstämme, soll ja so gut sein für die Entwicklung des Gehirns und so. Achja und wenn wir sie mal fernschauen lassen, dann natürlich nur schlaue Wissenssendungen. Und auf dem Tablet dürfen sie an die Lern-App, die ihr logisches Denken trainieren soll. Ja. Wir haben hier Knete und Fingerfarben. Wir haben Holzbausteine und über Bäume balancieren wir auch. Meine Kinder lieben „Checker Tobi“ und ich find ihn auch echt klasse. Ich mag die Kindersachbücher mit den vielen Klappen sehr und die Lern-App für die Schule auch. Soweit, so gut, so pädagogisch wertvoll. Aber: Das ist alles nur ein Teil. Ein Teil der Wirklichkeit. Der andere Teil der Wirklichkeit ist weniger pädagogisch wertvoll. Der besteht aus Plastikfiguren aus Ü-Eiern, aus ferngesteuerten Autos, sinnfreien Zeichentrickserien und Fantasybüchern. Denn ganz ehrlich: Es muss doch nicht immer alles pädagogisch wertvoll sein! Weiterlesen

Lasst sie einfach spielen! Was Kinder durchs freie Spielen lernen

Kürzlich erst. Da lag wieder so ein Flyer herum. „Die beste Vorbereitung für die Schule“ stand da drauf. Es  war die Rede von Zeitfenstern, die sich schließen könnten. Von Vernetzung von Gehirnzellen. Feinmotorik. Das hat ja auch alles seine Berechtigung. Und wenn die Kinder Spaß daran haben, ist es auch ok. Aber wenn ein Kurs nur besucht wird, weil „alle es so machen“ oder man glaubt, dass das Kind sonst etwas Elementares für die weitere Zukunft verpasst – dann sollte man sich schleunigst wieder abmelden. Denn die beste Vorbereitung aufs Leben (und ja, auch auf die Schule) ist das freie Spielen! Und zwar nicht das von uns Großen angeleitete Spiel,  bei dem wir Erwachsenen unseren Kindern unserer Regeln und unsere Problemlösungsstrategien aufdrücken wollen, sondern das freie Spiel, ungestört, mit anderen Kindern oder auch alleine. Dabei lernen die Kinder mehr, als man auf den ersten Blick denken mag. Weiterlesen