Das Frauenbild in Märchen am Beispiel von Aschenputtel. Was für einen Mist muten wir unseren Kindern zu?!

Meine Tochter hat sich ein Aschenputtel-Hörspiel angehört. Ich hörte mit. Und dachte: Was für ein verdammter frauenfeindlicher, rückständiger Mist! Am liebsten hätte ich ausgestellt, aber ich entschied mich, mitzuhören und am Ende mit meiner Tochter zu reden. Darüber, wie Frauen in Märchen dargestellt werden. Und wieso ich das anders sehe. (Spoiler: Sieht sie auch so) Aschenputtel jedenfalls ist das beste Beispiel dafür, wieso Grimms Märchen aus der Zeit gefallen sind. Wieso es neuer Märchen bedarf. Denn: Viel frauenfeindlicher als Aschenputtel geht kaum! Was für einen Mist muten wir unseren Kindern zu? Und wieso machen wir das?! Weil Märchen Allgemeinbildung sind? Teil der Kultur? Oh no, irgendwo muss man eine Grenze ziehen. Aschenputtel ist nur ein Beispiel für viele Märchen, aber ein besonders Gutes:

Weiterlesen

Wieso werden Alleinerziehende so stigmatisiert?

Da musste ich mich doch aufregen beim Zeitunglesen! Ein Beispiel für Gut gemeint, aber leider nicht zu Ende gedacht: In Lübeck gab es eine Jobmesse für Alleinerziehende. Herauskam ein stigmatisierender Artikel in den Lübecker Nachrichten, aus dem klar wurde, dass es vor allem um Jobs im Niedriglohnsektor ging. Der Text spielte mit der gesamten Palette an Vorurteilen. Die Message: Alleinerziehende sind zu blöd, einen Job zu finden, alle arm und sowieso zu bemitleiden und allenfalls in schlecht bezahlten Berufen unterzubringen. Die Gründe für die schwere Vermittelbarkeit, die im Text genannt wurden, offenbarten übrigens , dass es mehr an der Familienfeindlichen Einstellung der Arbeitswelt liegt, als an der Tatsache alleinerziehend zu sein: unzureichende Kinderbetreuung, Arbeitszeiten, die außerhalb von Kita-Öffnungszeiten liegen, unflexible Arbeitgeber, die kein Verständnis für Kinderkrankentage haben.

Weiterlesen

Wieso 10 km/h einen Unterschied machen

Wir wohnen in einer Spielstraße. Wo die spielenden Kinder regelmäßig von Autofahrern angepöbelt werden. Weil sie sich am Durchrasen gestört fühlen. All diesen pöbelnden Autofahrern dort draußen möchte ich einmal einige Zahlen nennen. Der häufigste Grund für Unfälle mit Kindern innerhalb von Ortschaften: überhöhte Geschwindigkeit. Kinder können – und das ist durch die Entwicklung bedingt – Geschwindigkeiten nun mal nicht richtig einschätzen. Erst mit neun, zehn Jahren lernen sie es. Drei- bis Vierjährige können noch nicht einmal richtig ein stehendes von einem fahrenden Auto unterscheiden, wie eine Studie aus England zeigte. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass in Tempo-30-Zonen 40 Prozent weniger Unfälle als in vergleichbaren Tempo-50-Zonen passieren. Tritt ein Kind 15 Meter vor ein 50 Km/h fahrendes Auto, trifft das Auto mit einer Geschwindigkeit von 47 km/h auf dieses Kind – vorausgesetzt, der Fahrer oder die Fahrerin macht eine Vollbremsung. Fährt dieser PKW jedoch nur 30 km/h, so kommt er bei einer Vollbremsung rechtzeitig vor dem Kind zum Stehen. Dem Kind passiert nichts. Selbst, wenn das Auto das Kind erwischen würde, wäre die Gefahr, schwer verletzt zu werden, deutlich geringer.

Weiterlesen

41 Prozent der Eltern werden im Arbeitsleben diskriminiert: Es muss sich dringend etwas ändern!

Ob denn ihr Mann damit einverstanden sei, dass sie als mehrfache Mutter eine Berufstätigkeit aufnehme, wurde sie gefragt. Sie saß im Bewerbungsgespräch und ihr kamen die Tränen, schrieb mir eine Leserin. Zur Erinnerung: Seit 1977 dürfen Frauen auch ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten gehen. Seit 1977, by the way, das wurde drei Jahre vor meiner Geburt eingeführt. Dass 1977 für so ein Gesetz skandalös spät war, ist die eine Sache. Die andere Sache ist die, was das über das Mütterbild aussagt, wenn Frauen diese Frage im Jahr 2022 noch gestellt wird. Eine andere Leserin erzählte mir vor kurzem, dass ihr im Bewerbungsgespräch zum Vorwurf gemacht wurde, dass sie ihre Elternzeit im Lebenslauf „unterschlagen“ hatte. Dabei gibt es keine Verpflichtung, die Elternzeit im Lebenslauf anzugeben. Ein Leser berichtete mir, dass er direkt, als er aus der Elternzeit an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte, eine Kündigung vorfand. Denn der Kündigungsschutz gilt nur acht Wochen vor der Elternzeit und während der Elternzeit, nicht danach. Das sind nur einige Beispiele für Diskriminierungen von Eltern. Dass das keine Einzelfälle sind, zeigt eine gerade veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: 41 Prozent aller befragten Eltern sagten demnach, dass sie am Arbeitsplatz aufgrund ihrer Elternschaft Diskriminierung erlebt haben.

Weiterlesen

Sprache schafft Wirklichkeit – Zeit sie zu ändern!

Wieso spricht man von Rabenmüttern, aber nicht von Rabenvätern? Wieso liest man im Duden über Muttergefühle, aber nicht über Vatergefühle? Wieso gibt es den Begriff Berufstätige Mütter aber nicht explizit berufstätige Väter? Wieso spricht man von Mutter-Kind-Bindung und viel zu selten von der Vater-Kind-Bindung? Wieso heißt es Mutterinstinkt und nicht Vaterinstinkt? Wieso wird allgemeinhin für eine Mutter-Kind-Kur geworben, aber nicht für die ebenso beantragbare Vater-Kind-Kur?

Weiterlesen

Wir Eltern sind es unseren Kindern schuldig, solidarisch untereinander zu sein

Kinder haben keine Lobby. Das zeigt uns nicht zuletzt die Pandemie, fast täglich. Umso wichtiger ist es, dass wir Eltern solidarisch sind. Dass wir uns untereinander unterstützen statt übereinander herzuziehen, uns über andere Eltern zu stellen, die Not anderer Eltern in Frage zu stellen. Denn nur, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, dann können wir für die Belange unserer Kinder einstehen. Solidarisch ist es eben nicht, wenn man den Eltern, die sagen, dass sie die 100 Euro Kitabeitragserhöhung nicht ohne Einschränkungen ertragen, entgegnet: „Also ich kann es mir leisten und ich zahle gerne dafür, dass meine Kinder eine gute Betreuung erhalten.“ Das ist arrogant, nicht solidarisch. Damit stellt man sich über diese Eltern, zweifelt deren Bedenken an. Solidarisch wäre es hingegen, diese Bedenken ernst zu nehmen, anzuerkennen, dass diese Probleme da sind und das es nicht allen so gut geht wie einem selbst. Solidarisch wäre es, zu sagen „ich stehe dir bei, wir sorgen zusammen dafür, dass unsere Kinder die gleichen Chancen haben, egal, wie viel die Eltern verdienen.“

Es ist auch nicht solidarisch, den Eltern, die sagen „wir können es uns nicht leisten, unser Kind vorübergehend zuhause zu behalten, um es vor Coronainfektionen zu schützen“, zu entgegnen, dass man das ja so toll hinbekäme und einem die Gesundheit der Kinder so wichtig sei. Glaubt mir, auch den Eltern, die ihre Kinder trotz hoher Coronazahlen in Kita und Schule schicken, ist die Gesundheit der Kinder wichtig. Statt sich also selbst zu erhöhen, könnte man über die Tatsache nachdenken und sagen „es kann nicht sein, dass der Beruf der Eltern darüber entscheidet, ob sich Kinder mit Corona infizieren“ und dafür einstehen, dass Kitas und Schulen sicher für unsere Kinder werden.

Solidarisch sein heißt, für die laut zu werden, die nicht laut werden können. Für die einzustehen, die Unterstützung brauchen. Es heißt auch, anzuerkennen, dass es eben nicht nur die eigene Realität gibt. Wenn wir die Augen öffnen für die vielen Realitäten um uns herum, uns von unserem Besserwisserross begeben, dann können wir gemeinsam für eine bessere Realität für unsere Kinder einstehen. Denn zumindest da sollten wir Eltern doch alle einer Meinung sein: Unsere Kinder haben es verdient, dass man sich für sie einsetzt, dass man sie nicht vergisst. Nicht nur in Pandemiezeiten. Sondern auch ganz allgemein.

Rolle rückwärts in die 50er? Wie weit sind wir wirklich gekommen?

Kürzlich drüber gestolpert: „Die Hüterin der Gemütlichkeit ist die Frau, so wie sie von jeher Hüterin des Heimes und des häuslichen Herdfeuers war. Solch eine gütige Fee sollte in unserer nüchternen und märchenlosen Zeit jede Frau ihrem Mann sein, wenn sie ihm das Wunder einer stillen Dämmerstunde in warmer, ruhiger Häuslichkeit beschert. Sie kann ihm Kaffee kochen, eine Zigarette anzünden, die Polster des Lehnsessels zurechtrücken – und die Pantoffeln bereitstellen.“ Na, habt ihr heute schon dem Gatten die Pantoffeln bereitgestellt und die Kissen zurechtgerückt?! Dieses Zitat habe ich mir nicht ausgedacht, es stammt aus einer Frauenzeitschrift aus dem Jahr 1949. Als ich es las, fiel ich fast vom Stuhl. Erst vor Lachen. Das mir dann jedoch im Halse steckenblieb, so dass mein Vom-Stuhl-Fallen eher vom Entsetzen her rührte. Es hört sich an wie eine Satire, war aber seinerzeit völlig ernst gemeint. Und beschreibt ein Rollenbild, das sich in den Köpfen festzementierte. Bis 1977 konnte ein Ehemann seiner Frau nämlich noch verbieten, zu arbeiten. Denn sie durfte laut Gesetz nur dann arbeiten gehen, wenn es „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war“. Verrückt, dass sich das solange nach Studentenprotesten und Frauenbewegung hielt. In Schweden übrigens wurde schon 1939 beschlossen, dass Frauen ein uneingeschränktes Recht auf Erwerbstätigkeit hatten – und beide Eheleute hatten dieselben Rechten und Pflichten in Sachen Haushaltsführung, Familienunterhalt und Kindererziehung. Tja.

Weiterlesen

Was Eltern sich von einer neuen Regierung erhoffen – nicht nur in Sachen Familienpolitik

Es wurde gewählt und auch, wenn noch nicht klar ist, wie die Regierung genau aussehen wird, die unser Land regiert, ist eine Sache klar: Es muss viel passieren, denn es gibt große Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft, die von uns und besonders die der Kinder. Deshalb habe ich auf Instagram einmal meine Leser*innen gefragt, was sie sich von einer neuen Regierung erhoffen und welche Dinge ihrer Meinung nach unbedingt angepackt werden müssen. Es ist Zeit, dass die Politik mehr an uns Familien denkt, besonders an unsere Kinder! Hier kommen die Gedanken meiner Instagram-Leser*innen:

Weiterlesen

Haben Autos eine größere Lobbys als Kinder?

Manchmal habe ich das Gefühl, als ob Autos in diesem Land wichtiger sind als Kinder. Wenn Parkplätze wichtiger sind als Kinderspielplätze. Wenn Autofahrer dicht an spielenden Kindern vorbei rasen und statt vom Gas zu gehen auch noch hupen. Wenn das Spielstraßen Schild einfach mal übersehen wird. Wenn sich über Kinderlärm mehr aufgeregt wird als über Autolärm. Wenn übers Tempolimit mehr diskutiert wird als über Kinderbetreuung (statt einfach ein längst überfälliges Tempolimit einzuführen). Wenn Autos immer größer werden und immer mehr Raum einnehmen – und Kinder immer mehr verdrängt werden. Wenn sich über die Erhöhung des Benzinpreises mehr aufgeregt wird als über die Tatsache, das viele Schulen immer noch kein stabiles WLAN haben. Wenn der Verkehrsfluss in der Straßenplanung wichtiger ist als die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, insbesondere der Fußgänger.

Weiterlesen

Weniger Stress im Alltag durch Routinen und Rituale

Seien wir doch mal ehrlich: Das Leben ist chaotisch. Kinder werden krank (meistens über Nacht und meistens dann, wenn bei der Arbeit ein wichtiger Termin ansteht. Eltern werden krank. Kollegen werden krank und alles bleibt an uns hängen. Der Kindergarten ist wegen Fortbildung geschlossen. Die Geigenstunde fällt aus. Die ganze Schule fällt aus wegen Schneechaos. Oder es kommt halt einfach mal eine ganze Pandemie dazwischen und man sitzt monatelang im Homeoffice und spielt nebenbei Lehrerin. So ist das Leben. Es passiert immer etwas Unvorhergesehenes. Jeden Tag. Wäre ja auch langweilig, wenn wir alles vorher wüssten. Wir müssen ständig reagieren und haben das Geschehen um uns herum nicht immer unter Kontrolle. Dabei strebt unser Gehirn danach, Dinge zu kontrollieren: Wir wollen das Gefühl haben, das Ruder selbst in der Hand zu halten. Das menschliche Gehirn möchte Vorhersehbarkeit. Unsicherheit und Unberechenbarkeit werden vom Gehirn als Gefahr eingestuft, als ein Problem, das gelöst werden muss. Was wiederum zu Stress führt, zu einer Ausschüttung von Cortisol, das unter anderem zielgerichtetes Verhalten behindert und den Körper in eine Alarmbereitschaft versetzt. Diese Alarmbereitschaft wiederum hindert unser Gehirn daran, sich auf Dinge zu konzentrieren. Die Folge: Es kann schlechter und weniger effizient arbeiten. Ganz abgesehen davon, dass dauerhafter Stress krank macht, wie wir ja wissen.

Weiterlesen