Können Mütter Feministinnen sein? Oder umgekehrt: Können Feministinnen Mütter sein? Ja, natürlich!

Ob ich mich als Feministin betrachte? Ja, natürlich. Feminismus ist ein Thema, das mir schon immer wichtig war – denn nein, es gibt immer noch keine echte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen und ich habe ehrlichgesagt das Gefühl, dass wir in dieser Hinsicht gesellschaftlich seit meiner Jugend irgendwie auf der Stelle tanzen. In mancherlei Hinsicht sogar einen Schritt rückwärts gegangen sind. Nun, letztens wurde mir der Feminismus jedoch abgesprochen. Der Grund: Ich sei ja Mutter. Und als Feministin könne man keine Mutter sein. Oder umgekehrt: Mütter können ja keine Feministinnen sein. Schließlich sei Kinderbekommen eine Kapitulation vor dem Patriarchat. WTF? Ja, ganz ehrlich: Ich hatte auch ein riesengroßes Fragezeichen im Gesicht. Ist man nur eine „echte Feministin“, wenn man kinderlos bleibt? Muss eine „echte Feministin“ so sein wie ein Mann und sich so verhalten wie ein Mann? Legt man den Wunsch nach Gleichberechtigung ab, wenn man mit einem Baby aus dem Kreißsaal kommt? Kann man sich mit einem Kind auf dem Schoß weniger gut für gleiche Rechte einsetzen? Ganz im Gegenteil. Wenn man ein Kind bekommt, dann geht es mit dem Kämpfen um mehr Gleichberechtigung eigentlich erst so richtig los. Denn sobald man Mutter ist, bekommt man die Ungleichheit mit voller Wucht zu spüren, quasi wie einen Faustschlag im Gesicht. Und deshalb brauchen für einen Feminismus gerade für Mütter.

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Interview: Wieso wir eine Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt brauchen

Mutterschaftsurlaub, klaro, kennt jeder, ist gesetzlich geregelt. Wobei, wer Kinder hat, weiß, dass das Wort „Urlaub“ in diesem Fall nicht wirklich zutrifft. Doch was ist mit den Vätern? Sie können Urlaub nehmen. Oder ihren ersten Elternzeitmonat direkt in die Zeit nach der Geburt legen. Aber eine bezahlte Freistellung für sie? Für die Zeit, in der man auch als Familie geboren wird, in der alles neu ist, die Mutter oft noch geschwächt von der Geburt, im Wochenbett, für die Zeit, in die man sich eingrooven muss – eine bezahlte Freistellung für Väter gibt es nicht. Dabei gibt es seit 2019 sogar eine EU-Richtlinie, die genau das fordert und bis August 2022 in Kraft getreten sein muss. Das Problem: Während einige Staaten die „EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige (2019/1158)“ schon umgesetzt haben, sieht Deutschland momentan keinerlei Handlungsbedarf. Eine Petition möchte das nun ändern. Die Initiatoren der Petition, unter anderem das Väterzentrum Dresden und Men’s Health Dad, fordern eine Vaterschaftsfreistellung von 10 Tagen mit Lohnfortzahlung für alle frischgebackenen Väter ab dem Zeitpunkt der Geburt. Worum es bei der Petition genau geht und welche Vorteile eine Vaterschaftsfreistellung nicht nur für die Väter, sondern auch für die Mütter, die Kinder und ja, auch die Gesellschaft hat, habe ich einmal Marco Krahl von Men`s Health Dad gefragt:

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Wieso Männer im Haushalt nicht helfen sollten…

Ganz ehrlich? Wollt ihr einen Gehilfen oder einen gleichberechtigten Partner? Jemand, der mit euch zusammen den Haushalt schmeißt und nicht nur auf Anweisungen wartet? Ja eben. Deshalb sollte man nicht davon sprechen, dass Männer im Haushalt helfen. Und sie sollten gefälligst auch nicht helfen, sondern schlicht und ergreifend ihren Part übernehmen. Das vermeintliche Lob „der Mann hilft ja so toll im Haushalt mit“ degradiert den Mann zum Gehilfen, zum Assistenten und macht die Frau zur Managerin.

Die älteren unter uns kennen sicher noch diesen Werbespot, wo eine Frau gefragt wird, was sie beruflich macht, ihr Alltag als Hausfrau mit Putzen und Aufräumen und Kinderbetreuung im Zeitraffer gezeigt wird und sie stolz sagt „ich bin die Managerin eines kleinen Familienunternehmens“. Eben das meine ich. Eine Managerin ist die, die die gesamte Verantwortung und damit die Last trägt. Sie delegiert -aber muss dabei immer im Hinterkopf haben, was zu delegieren ist und als gute Managerin auch die Ausführung überprüfen. Und eben das funktioniert auf Dauer nicht. Das macht kaputt. Deshalb sollten Männer im Haushalt nicht helfen.

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Witze über Väter, die ihre Kinder merkwürdig anziehen, finde ich doof. Und nicht nur das.

„Wenn die Mutter das Kind anzieht. Wenn der Vater das Kind anzieht.“

„So geht der Papa ins Bett. Und so geht die Mama ins Bett.“

„So warten Mamas, dass ihr Kaffee durchläuft. So warten Papas auf ihren Kaffee.“

„Wenn Mama einkauft. Wenn Papa einkauft.“

„Mit Mama auf den Spielplatz. Mit Papa auf den Spielplatz.“

Kennt ihr diese Sprüche, die in den sozialen Medien herumgehen? Mit lustig gemeinten Bildchen oder Videos? Ja. Lustig gemeint. Auf den ersten Blick muss auch ich jedes Mal schmunzeln. Aber nur kurz. Denn so richtig lachen kann ich über diese Witzchen nicht. Und nein, es ist auch nicht zum Lachen, dass es diese Witze überhaupt gibt. Sie überhöhen die Mutter und werten den Vater ab – und sie unterstützen blöde Klischees über verstaubte Rollenmodelle, die wir im Jahr 2021 eigentlich endlich mal überwinden sollten. Ich soll mich nicht so anstellen, ich alte Spaßbremse? Das ist doch alles nur lustig gemeint und man kann doch einfach mal lachen und muss nicht immer alles so bierernst sehen? Habe ich mir auch mal eingeredet. Aber ich bin davon abgekommen. Denn die Themen Vereinbarkeit und Gleichberechtigung sind einfach zu ernst, zu dringend, zu wichtig. Und derartige Witze stehen uns dabei leider im Weg.

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Mehr Vereinbarkeit: Was sich Mütter wünschen

„Vereinbarkeit von Beruf und Familie“: Das liest sich so schön in den Parteiprogrammen. Das ist so ein tolles Schlagwort, das man mal fallen lassen kann in Talkshows und Interviews. „Wir tun was für die Vereinbarkeit“ oder auch pathetischer „eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eines unserer Herzensanliegen“ – das kann man mal sagen. Das ist modern, das ist weltoffen, das ist etwas, was alle gut finden und wo keiner meckert. Eine gute Sache! Ja. Eben. Eine gute Sache. Eine verdammt überfällige Sache. Eine Sache, die eben nicht einfach ist (und es doch sein könnte, wenn nur die Rahmenbedingungen stimmen würden!). Eine Sache, die sich viel zu oft in Lippenbekenntnisse verliert. Denn es liegen uns Eltern noch viel zu viele Steine im Weg. Und entlang des Weges gibt es immer noch viel zu viele Baustellen, die seit Jahren offen liegen und an denen sich nichts tut. Oder nur mal hier und da etwas tut und dann wieder jahrelang nichts. Es muss sich noch viel tun, bis Vereinbarkeit wirklich gelebt werden kann. Bis man bestenfalls gar nicht mehr darüber reden muss, dass sich etwas ändern muss, weil es einfach so selbstverständlich geworden ist. Von echter, gelebter Vereinbarkeit sind wir noch weit entfernt. Es gibt einfach zu viele Baustellen. „Wir setzen uns für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ ein ist immer noch eine Floskel und das Kindergeld um 5 Euro zu erhöhen ist definitiv nicht das, was ich unter diesem „wir tun was für Vereinbarkeit“ verstehe. Ich habe einmal meine Leserinnen auf Instagram gefragt, welche Rahmenbedingungen sich für sie ändern müssen und was sie sich wünschen für mehr, echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „“Vereinbarkeit fängt mit Verständnis an“, schrieb mir eine Leserin – und damit hat sie einfach recht! Das Verständnis fehlt an allen Ecken und Enden. Aber es muss sich noch mehr tun – hier kommen die spannenden Antworten, die, wie ich finde, sich Politiker ganz genau durchlesen sollten, bevor sie in der nächsten Talkshow wieder verkünden, dass ihnen ja die Vereinbarkeit sehr am Herzen liegt:

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Wieso wir uns unser Dorf selbst bauen müssen: Ohne Netzwerke keine Vereinbarkeit

Früher war mehr Dorf als heute. Als ich klein war, tobten wir Kinder den ganzen Nachmittag durch die Nachbarschaft. Spielten mal in dem einen Garten, mal in dem anderen und abends um sechs liefen wir alle nach Hause zum Abendessen. Es war niemand „zuständig“ für uns, wir hatten keine Daueranimation, sondern spielten, spielten, spielten – und die besten Spiele waren die, wo sich keine Erwachsenen einmischten. Was unsere Eltern in der Zeit machten? Keine Ahnung. Sie waren jedenfalls nicht immer zuhause. Denn während wir so spielten, machten sie sich auf den Weg in den Supermarkt, zum Sport oder zu einer Freundin. Oder waren schlicht noch mal arbeiten. Dann riefen sie uns quer über die Straße zu, dass sie noch mal außer Haus sind und dass wir, wenn was ist, doch einfach bei den Nachbarseltern klingeln sollten. Und das alles ohne Handy! Es klappte. Die Eltern in der Straße und auch die Eltern befreundeter Kinder sprangen ein, holten uns auch mal vom Kindergarten ab und zum Turnverein liefen wir eh selbst ohne Eltern. Das ist die Art von Dorf, die heute viel zu oft fehlt. Wir müssen uns unser Dorf selbst bauen. Denn ohne dieses Dorf ist Vereinbarkeit nur schwer möglich.

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Zweierlei Maß – von „engagierten Vätern“ und „Rabenmüttern“

Der Vater ist gerade auf den Spielplatz gekommen, das Handy unters Kinn geklemmt. Während er seinem Sohn aufs Klettergerüst hilft, schallen Wortfetzen herüber. „Müssen wir unbedingt morgen im Meeting besprechen“ und „ich schick gleich ne Mail“. Sohnemann ist gerutscht und buddelt im Sand, der Vater tippt aufs Smartphone und bekommt nicht mit, wie Sohnemann ihm ein Sandeis bringt, bis Sohnemann ihm das Eis, also den Sand, über die Hose kippt. Er lacht und gibt seinem Sohn einen Kuss, bevor er sich wieder dem Smartphone widmet. „Ich finde es ja toll, wenn sich Väter so engagieren“, wispert eine Mutter der anderen zu. „Wie süß er mit seinem Kleinen umgeht“, sagt die andere. Wieder eine andere sagt „toll, dass das möglich ist, auch auf dem Spielplatz zu arbeiten und Zeit mit dem Kind zu verbringen.“ Es ist 16.30 Uhr. Während der Vater weiter am Sandkastenrand sitzt, kommt eine andere Mutter mit ihrer Tochter auf den Spielplatz. „Die arme Kleine, ihre Mutter arbeitet immer bis vier“, wispert es am Sandkastenrand. „Der ist die Arbeit wichtiger als ihr Kind“, antwortet die andere. Die vollzeitarbeitende Mutter klemmt sich das Handy unters Ohr und während sie ihrer Tochter auf die Rutsche hilft, schallen Wortfetzen herüber: „Müssen wir im Meeting besprechen. Ich schick gleich ne Mail.“ Am Sandkastenrand werden die Augen verdreht: „Die arbeitet selbst noch auf dem Spielplatz anstatt mit ihrer Tochter zu spielen.“

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Eltern als Team: Buchtipp und Interview wie Vereinbarkeit gelingen kann

Vereinbarkeit ist so eine Sache, von der man vor dem ersten Kind eigentlich kaum Vorstellungen hat. Klar, jeder weiß vor der Geburt des ersten Kindes, dass es nicht so einfach ist, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen. Klar, man kennt die Tipps, wie man auch in der Elternzeit mit dem Beruf in Kontakt bleibt. Klar, man überlegt sich vorher, wie viel man arbeiten möchte und meistens auch, wann man wieder einsteigen möchte. Und meistens tauscht man sich auch mit seinem Partner darüber aus. Meistens. Nicht immer. Oder: viel zu wenig. Weil man denkt, man kenne den anderen. Man glaubt, man habe dieselben Vorstellungen. Und dann will man nach der Elternzeit wieder einsteigen und stellt fest, dass alles noch viel schwerer ist, als man geglaubt hat. Der Chef sieht das mit dem Teilzeitanspruch anders. Das Kind wird ständig krank. Der Partner sieht nicht ein, wieso er trotz Vollzeitjob abends noch in der Küche helfen soll oder wieso er auch mal einen Kinderkrankentag einlegen sollte, obwohl er doch mehr Geld ins Haus bringt. Vereinbarkeit ist so eine Sache, die viel Konfliktpotenzial birgt – zu vielen Seiten. Und ein Thema, das gesellschaftlich sehr relevant und auch brisant ist. Mein geschätzter Kollege Birk Grüling hat ein absolut lesenswertes Buch geschrieben, wie Vereinbarkeit gelingen kann und die wichtigste Schlussfolgerung steht schon im Titel: „Eltern als Team“. Wie wichtig es ist, gemeinsam an der Vereinbarkeit zu arbeiten, wieso Kommunikation einer der Schlüssel ist und was sich an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern muss, erzählt Birk mir im Interview. Und da sein Buch voll mit praktischen Tipps ist, gibt er auch hier einige Tipps:

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Wie Familien mal wieder vergessen werden. Oder: Was sind Familien der Gesellschaft wert?

Man stelle sich mal vor: Der Wirtschaftsminister tritt zurück. Drei Monate vor der Wahl. Ist ja nicht mehr lange hin, trotzdem muss ja jemand seinen Job machen. Ist ja wichtig. Und da lässt man einfach den Finanzminister seinen Job mit erledigen. Das kann man ja so nebenher machen, statt einem Ministerposten macht man eben zwei gleichzeitig. Kann man sich nicht vorstellen? Tja. Genau das ist geschehen, nur dass es die Familienministerin war, die zurückgetreten ist und die Justizministerin ist, die nun parallel noch das Amt der Familienministerin mit übernimmt. Ich bin mir ziemlich sicher: Bei einem zurückgetretenen Wirtschaftsminister hätte man den vakanten Posten nicht so gelöst. Denn Wirtschaft, das ist wichtig. Was im Umkehrschluss zeigt, wie unwichtig Familienpolitik ist – in den Augen der Verantwortlichen. Was hatten wir uns damals über Schröders Zitat „Familie und Gedöns“ aufgeregt. Lange ist es her. Leider muss ich feststellen: Es hat sich an der Einstellung nicht viel geändert. Was eben die Geschehnisse von gestern zeigen. Und was die ganze Coronapandemie uns zeigt, in der man uns Familien einfach mal alleine gelassen hat. Die bekommen das schon hin! 150 Euro pro Kind haben sie doch bekommen, sollen sich mal nicht so anstellen. Das man mit diesen 150 Euro gerade mal so die Kosten von den Druckerpatronen bezahlen kann, die man fürs Homeschooling verbraucht hat, interessiert keinen.

Was den Stellenwert der Familien in der Politik, ja, in der Gesellschaft zeigt.

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„Du bist der Mann, du musst doch das Geld verdienen“ – ein Gastbeitrag übers Hausmann-Sein

Einmal die Rollen mit der Frau tauschen und „Hausmann“ sein – davon hatte Philipp Weber tatsächlich schon länger geträumt. Er hat den Schritt dann schließlich umgesetzt. Über seine Erfahrungen berichtet er mir heute in einem Gastbeitrag, ich freue mich sehr! Lest selbst, wie Philipp dazu kam und welche Erfahrungen er gemacht hat:

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