Bahnfahren mit Kinderwagen: Spaß ist was anderes

Da ich mitten in der Innenstadt wohne, erledige ich alles zu Fuß – oder wenn es weiter weggeht mit dem Auto. Ganze selten muss ich mal Bus oder Bahnfahren. Während meine Kinder es superspannend finden, vermeide ich das Bahnfahren, wo es geht. Freitag musste ich aber mal wieder Zugfahren und wurde dran erinnert, wieso ich die öffentlichen Verkehrsmittel ungern benutze – mit Kinderwagen oder Buggy und Kind an der Hand.

Bahnfahren mit Kindern: Bericht über die fehlende Kinderfreundlichkeit in unserer Gesellschaft und bei der Bahn. So macht es keinen Spaß.

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Ein Spielplatz mit Öffnungszeiten: Wie kinderfreundlich sind wir eigentlich?!

Neulich waren wir auf einem Spielplatz. Und hätten dort eigentlich gar nicht spielen dürfen. Denn der Spielplatz hatte grad Mittagspause. Ja, ich gebe es zu: Wir haben uns nicht an die Vorschrift gehalten. Unsere Kinder haben trotzdem gespielt. Vor dem Spielplatz, der direkt hinterm Deich war, kein Altenheim oder überhaupt sonstige Bebauung in der direkten Nachbarschaft hatte, stand ein Schild: Geöffnet von 8-12.30 Uhr und von 14.30 bis 20 Uhr. Da fragt man sich dann schon: Wie kinderfreundlich sind wir eigentlich? Was sagt so ein Schild über unsere Gesellschaft aus?!

Spielplatz, Kinderfreundlichkeit, Geburtenrate

Ein Spielplatz mit Mittagspause: Wie kinderfreundlich sind wir?!

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Die Abwesenheit von Kindern in unserer Gesellschaft: Verlasst Eure Komfortzone! – #geburtenraten

Dank einer neuen Formel sind wir nun Letzter in Sachen Geburtenrate. Und werden es, so befürchte ich, noch eine ganze Weile lang bleiben. Denn es gibt einfach zu viele Stellschrauben, an denen man drehen muss. Über die Gründe haben sich schon viele geäußert, ich habe viele schlaue Texte gelesen – und möchte deshalb nicht alles noch einmal durchkauen. Sondern lieber davon schreiben, dass wir jetzt schon eine kinderlose Gesellschaft haben. Und das auch das einer Gründe ist, weshalb die Rate so niedrig ist. Als ich selbst mal ohne Kinderwagen unterwegs war, fiel mir die Abwesenheit von Kindern in unserer Gesellschaft erst so richtig auf. Unheimlich ist es. Und ein Vorgeschmack auf das, was uns noch erwartet: Kommt da eine ewige Busreisefahrt mit grauhaarigen Senioren mit praktischen Kurzhaarfrisuren, beigen Anoraks und moosgrünen Jerseyhosen auf uns zu?

Wo sind die Kinder? Schon jetzt fehlen sie im Alltagsbild.

Wo sind die Kinder? Schon jetzt fehlen sie im Alltagsbild.

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Aufreger: Mit dem Kinderwagen unterwegs

Ach, manchmal liebe ich diese ausgesuchte Höflichkeit in unserem Land. Wozu soll man auch Kantsteine absenken? Können doch Kinderwagen und Rollatoren einfach runterrumpeln. Im Fahrstuhl für Kinderwagen Platz machen? Ach was, soll die Mama mit dem quengelnden Kind doch warten! Die hat doch Zeit! Elternzeit und so.

Kinderfreundliche Gesellschaft? Pustekuchen!

So fährt man also durch die Stadt. Rumpelt über die hohen Kantsteine. Wird dann fast am Zebrastreifen umgefahren. Wenn man dann noch ein Kleinkind an der Hand hat, was sich gerne mal nach einer Blume bückt, die zwischen dem Kopfsteinpflaster wächst, wird das echt gefährlich.

Weiter geht es. Den hohen Kantstein runter. Auf die Straße. Denn auf dem Bürgersteig stehen Mülltonnen, Fahrräder und Reifen schief geparkter Autos. Dann wieder hoch auf den Fußweg. Schnell, Auto kommt von hinten und geht nicht vom Gas. Rumpel, Baby schläft noch, weiter geht’s. Ah, anhalten, Oma steht im Weg, geht nicht zur Seite, wieso auch, hab ja nur einen Kinderwagen vor mir und sie kann mit ihrem Hund natürlich nicht an den Rand gehen. Der muss nämlich grad genau in die Mitte des Fußweges kacken. Rumpel, Kantstein runter, Baby wacht auf, meckert, kann ich auch verstehen, Kantstein wieder hoch, Rumpel, Baby schläft wieder ein. Umdrehen nach Oma, die zieht Hund an Leine weiter, lässt Hundehaufen liegen. Nächste Mutter mit Kinderwagen fährt mitten durch den noch dampfenden Haufen bevor ich warnende Laute von mir geben konnte.

Hilfloses Schulternzucken. Das kenne ich auch zu gut. Wie oft stand ich vor unserer Haustür, bewaffnet mit Sprüh-Reinigungsmittel, Küchentüchern und einem leichten Würgereflex im Hals, während ich die Reifen von den Hinterlassenschaften anderer Leute Hunde säuberte. Hab ich schon mal erzählt, wie fein diese Rillen im Profil der Kinderwagenreifen sind???

Weiter durch die Stadt. Im Slalom um andere Leute rum, um Mülltonnen, parkende Autos, ab ins große Kaufhaus. Das mit den tollen Türen, die nicht automatisch aufgehen. Ah. Es lebe die „Zaubertür“, wie mein Großer sie nennt, die automatischen Türen. Aber das große Kaufhaus hat sowas nicht. Da muss man drücken. Und dann nach der Windschleuse zwei Meter weiter. Noch mal drücken. Die Türen sind aus Glas. Sie sind schwer.

Meine Technik: Umdrehen, rückwärts mit dem Po die Tür aufstoßen, Kinderwagen hinterherziehen. Sieht sportlich aus. Ich beherrsch es ganz gut nach drei Jahren Übung.

Denn meistens hält sie einem keiner auf. Klar, ich bin fit und wie gesagt sehr geübt in dem mit dem Po Türen öffnen. Aber das kann ja nicht jeder wissen. Ich bin keine 1,60 Meter groß, eher dünn und der Kinderwagen ist riesig. Die Tür auch. Trotzdem ist es eher die Ausnahme, dass mal der, der vor mir geht, sich umdreht und die Tür aufhält. Oder die, die hinter mir geht, nach vorne eilt und mir hilft. Nee. Wenn sie nett sind, gehen sie einfach. Oder sie glotzen und gucken doof. Ohne sich zu rühren. Und ohne sich zu bedanken, wenn ich IHNEN die Tür aufhalte.

Wenn mir mal jemand die Tür aufhält, bin ich so perplex, dass ich fast ins Leere laufe, weil ich mich umdrehen will und mit meinem Popo nirgends gegen boxen kann.

Schön sind auch Treppen. Treppen zu Geschäften. Treppen in Geschäften. Und Menschen, die einfach nur doof glotzen, wenn man den Wagen darüber rumpelt – 10 Kilo Wagen, 10 Kilo Baby und 5 Kilo Einkäufe. Hebt man mal so eben vier große Stufen hoch. Rumpel, Pumpel. Bringt ja auch Spaß. Und welcher Idiot hat sich gedacht, vor einer orthopädischen Praxis braucht man 7 große Treppenstufen?!

Ein Glück wohne ich mitten in der Stadt und muss  nur selten Bus fahren. Sonst würde ich hier wahrscheinlich morgen noch über meine Erlebnisse schreiben… Aber weil ich mich ja nicht so viel aufregen will, nehme ich mir jetzt mal vor, mich über die Menschen zu freuen, die mir wider Erwarten helfen. Den Kinderwagen drei Stufen hochtragen. Im Fahrstuhl Platz machen. Die Tür aufhalten. Dafür sogar warten und dabei noch freundlich lächeln. Über die netten Kommentare alter Damen im Fahrstuhl, die sich über meine Kinder freuen, ihnen zulächeln. Über die vielen Menschen, die mir von ihren Enkeln erzählen, von ihren Kindern und von ihren Erinnerungen als Kind. Denn ein Glück, bei aller Aufregung:

Es gibt sie noch, die höflichen, kinderfreundlichen, lächelnden Menschen in unserem Land. Danke, dass es Euch gibt!!!