Kinder spielend auf die Zukunft vorbereiten: Kinder lernen am besten durchs Spielen

Heute Geige, morgen Englisch und übermorgen Ausdruckstanz? Machen meine Kinder nicht. Ich finde, dass Kinder am besten lernen, wenn sie spielen. Zuhause, auf dem Spielplatz, in der Natur, mit anderen Kindern. Spielerisch lernen – im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb versuche ich die Zahl von Nachmittagskursen so klein wie möglich zu halten. Bei zwei Kindern wäre man sonst auch nur noch dabei, von Kurs zu Kurs zu eilen. Jetzt haben auch Wissenschaftler bestätigt: Durch das freie Spielen lernen Kindern am besten die Fähigkeiten, die sie auf die Zukunft vorbereiten.

Chaos im Haushalt, Höhlebauen, Aufräumen

Kaum aufgestanden, fangen meine Kinder an zu spielen, das Esszimmer wird dann ruckzuck zur Autowerkstatt. Da lernen sie dann ganz spielerisch die Tücken der Statik.

Diese Zukunfts-Fähigkeiten werden neudeutsch auch 21st Century Skills genannt. Es sind die Fähigkeiten, die Kinder für ihre Zukunft brauchen. Und diese Fähigkeiten lernen Kinder am besten durchs Spielen. Ich kann mich noch gut an früher erinnern, als ich als kleines Kind den ganzen Nachmittag mit anderen Kindern umhergestrolcht bin, Verstecken gespielt habe, Schule oder Wettrennen auf dem Skateboard veranstaltet habe. Es war das Größte für mich! Und dann lese ich, dass die Kinder acht Stunden pro Woche weniger spielen als Kinder vor 20 Jahren!

Acht Stunden – das ist mehr als eine Stunde pro Tag, die sie weniger mit Spielen verbringen. Was machen sie nur stattdessen?! Im Auto sitzen und vonm Kindergarten zum Yogakurs gekarrt werden?

Spielerisch lernen:  So erwerben Kinder die Fähigkeiten für die Zukunft

Wieso Spielen so wichtig ist, erklärt der amerikanische Psychologe Scott Barry Kaufmann ganz gut: „Spielen macht Spaß und ist die einfachste, natürlichste und schönste Weise, unbewusst und ganz nebenbei zu lernen. Es ist die kindliche Art, die Welt auf fantasievolle Weise zu erkunden und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.“ Daher sei es wichtig, Kindern reichlich Raum zum Spielen zu geben. Raum für das freie Spielen, Raum für das freie Lernen das spielerische Lernen, das Lernen im Spielen und durchs Spielen. Im Spiel, sagt Kaufman, erlernen Kinder viele Grundlagen, die es ihnen leichter machen, sich auf immer neue Situationen einzustellen: „Dabei ist sowohl die Beschäftigung mit Objekten, als auch das Eintauchen in Fantasiewelten von Bedeutung.“

Kinder brauchen keine teuren Kurse und Fördermaßnahmen. Das freie Spielen wurde bisher oft unterschätzt ,dabei lernen sie dabei so viele wichtige Fähigkeiten.

Was sich für mich schlüssig anhört. Lernen durch Spielen. Sich ausprobieren im Spielen, die eigenen Fähigkeiten verbessern und anwenden. Ein anderer US-Wissenschaftler namens Fergus Peter Hughes sagt, dass das Schaffen von imaginären Welten und Rollenspiele ein Trainig für soziale Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikation, Kreativität, Teamfähigkeit und Lösungskompetenz sind – und zwar in jedem Kindesalter. Ebenfalls gut für die Kinder: das Spielen mit Bauklötzen, Legos oder Duplos, denn durch das Aufeinanderstapeln und wieder Zusammenstürzen lernen sie durch Fehler und Irrtum ganz einfach, wie unsere Welt aufgebaut ist, was Statik ist und so weiter. Abgesehen von der Geschicklichkeit, die trainiert wird. Wie die physikalischen Gesetze wirken, kann man in Kursen und Sommeruniversitäten lernen. Oder ganz einfach durchs Spielen und Ausprobieren. Lernen, indem man die Welt begreift und zwar spielerisch. Trial and Error – im Spiel.

Und eben jene oben genannten Fähigkeiten werden im Fachjargon als 21st Century Skills bezeichnet – die Kompetenzen, die für die Zukunft unserer Kinder wichtig sind. Denn die Welt dreht sich immer schneller – reines Auswendiglernen bringt ein nur bedingt weiter, wenn das, was man gerade in den Kopf hineingepaukt hat, im nächsten Jahr schon wieder überholt ist.

(Das war übrigens immer mein Reden in der Schule, wenn wir mal wieder viel zu viel für eine Klausur auswendig lernen mussten, anstatt uns im Lösungswegesuchen und Anwenden zu erproben.)

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Lasst die Kinder spielen! In ihrer eigenen Welt!

Jedes Kind ist kreativ und das freie Spiel fördert die Kreativität der Kinder

Wenn ich sehe, wie kreativ Kinder sind, was die sich ausdenken, in welchem Tempo aus ihnen neue Ideen sprudeln, wie sich Kinder immer wieder neue Spiele und Fantasiewelten ausdenken und wie sie am Fließband immer neue Bilder produzieren – dann  frage ich mich, an welchem Punkt im Leben, diese Kreativität eigentlich flöten geht?! Ist es die Schule, sind  es die Lehrer, ist es das Umfeld oder sind wir Eltern Schuld?!

Vielleicht geht die Kreativität schon Stück weit flöten, wenn wir ständig ins freie Spiel unserer Kinder einschreiten und vermeintlich gute Tipps geben, etwa wie der Feuerwehrmann jetzt zu löschen hat. Oder ins Bildermalen reinquatschen, dass der Himmel doch nun mal oben zu sein hat. Muss das wirklich so sein? Wer sagt das eigentlich?! Wir schränken die Fantasie unserer Kinder ein. Indem wir ihnen vorgeben, was sie zu malen oder zu spielen haben. Oder so vorgefertigte Spielzeuge kaufen, die den Kindern keinen Freiraum mehr lassen, sich selbst etwas dazu auszudenken oder eine Spielwelt aufzubauen. Ein komplett fertig eingerichtetes Puppenhaus etwa. Oder einen fix und fertig aufgebauten Zoo, in dem man allerhöchstens noch die Tiere einräumen kann und dann da sitzt mit den Gehegen. Freies Spiel entfaltet sich hier eher selten – zu eng sind die Grenzen, die dem Spielen der Kinder gesetzt sind.

Erziehung von Kindern: Um auf die Schule und das Leben vorbereitet zu sein, brauchen Kinder vor allem Zeit zum freien Spielen.

Ich bin da eher ein Fan von Bauklötzen, Legos oder einzelnen Elementen, aus denen man einen Bauernhof oder Zoo immer wieder neu und anders aufbauen kann. Kinder brauchen gar nicht viel zum Spielen – wer mal gesehen hat, was Kinder mit einem großen Pappkarton anstellen, der weiß, was ich meine! Meine Jungs hatten aus einem großen Karton wahlweise ein Haus, ein Raumschiff oder ein Auto gezaubert. Der Karton sah immer gleich aus – jedenfalls in den Augen von uns Erwachsenen. In der Fantasiewelt meiner Kinder war es jedesmal etwas aufregend anderes. Das ist das, was man freies Spiel nennt, das ist Entfalten der kindlichen Kreativität, das ist einfach SPASS! Und wenn dann nebenbei auch noch gelernt wird, dann ist doch alles super.

Abgesehen davon, dass so eine Beschäftigung wie Fernsehen der Tod einer jeden Kreativität ist.

Es geht doch nichts über das freie Spiel der Kinder!

Lasst den Kindern Zeit, lasst ihnen Freiraum, ihre Fantasie!

Ein Glück scheine ich nicht alleine mit meiner Meinung zu sein (auch wenn man in dem Dschungel von Frühförderungsangeboten manchmal den Eindruck bekommt) – denn wie ich in einer Pressemitteilung (von denen mir als Journalistin viele im Emailpostfach eintrudeln) las, ist mehr als die Hälfte der Eltern (54 Prozent) der Meinung, dass Kinder durch das freie Spiel alles Notwendige für ein erfolgsreiches Schul- und Berufsleben lernen. Das war eine forsa-Umfrage, die Lego in Auftrag gegeben hatte. Befragt wurden Eltern mit Kindern zwischen 1 und 5 Jahren – also Eltern wie ich.

Die Studie ergab auch, dass Ein- bis Fünfjährige im Durchschnitt sieben Stunden am Tag mit Spielen verbringen. Was ich wiederum eher wenig finde – wie seht Ihr das?

Kinder lernen am besten durchs Spielen

Ich habe ja vorhin von den 21st Century Skills geschrieben –  von denen laut der Umfrage mehr als 90 Prozent noch nie etwas gehört haben. Ich muss gestehen, ich habe davon auch erst vor kurzem in einem Zeitungsartikel gelesen. Witzigerweise sagen aber eben jene befragten Eltern, dass Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit die wichtigsten Fähigkeiten für die Zukunft ihrer Kinder sind – gefolgt von Durchsetzungsfähigkeit und Lösungskompetenz. Scrollt mal schnell nach oben – das sind genau diese von Fachleuten 21st Century Skills titulierten Fähigkeiten.

Ha! Wir Eltern wissen halt doch intuitiv, was gut ist für unsere Kinder!

Nämlich sie Kinder sein zu lassen. Sie spielen zu lassen. So wie sie wollen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und all die Erwachsenendinge lernen sie noch früh genug! Neurowissenschaftler sagen, dass die Kindheit die wichtigste Zeit ist – weil sich in diesen Jahren das Gehirn entwickelt. Und diese Entwicklung eben davon abhängt, wie wir diese ersten Jahre verbringen. Eine Erkenntnis, aus der viele den Schluss ziehen, man müsste so viel Wissen wie möglich in diese kleinen Kinderköpfe pressen – das berühmte Zeitfenster, was sich schließen könnte, Ihr wisst schon!

Wie froh bin ich, dass Psychologen nun sagen, dass man diese ganzen Förderkurse nicht unbedingt braucht, um Kinder auf die Schule vorzubereiten. Dass die Kinder auch durchs Spielen das lernen, was sie fürs die Schule brauchen. Ganz spielerisch lernen sie das. Ja, auch, weil ich so kein schlechtes Gewissen mehr habe, dass ich schlicht zu faul bin, viermal die Woche zu irgendwelchen Kursen zu fahren. Da trinke ich doch lieber einen Kaffee auf dem Spielplatz und baue mit den Kindern eine Sandburg, wobei sie dann ganz nebenbei die Grundkenntnisse der Statik lernen! Ich bin auch sehr froh, dass in unserem Kindergarten das freie Spiel der Kinder sehr gefördert wird – und den Kindern dafür viel Raum gelassen wird.

Natürlich lernen sie nicht alles im freien Spiel – malen und mit der Schere schnibbeln geht nicht durchs Spielen, aber auch dafür braucht man keine speziellen Kunstkurse, sondern ein bisschen Basteln am Nachmittag und im Kindergarten, alles spielerisch, ohne Zwang. Statt teurer Töpferkurse tut es das Kneten und solche Dinge wie mit Messer und Gabel essen, schauen sich die Kleinen am besten bei uns Großen am gemeinsamen Essenstisch ab. So lernen sie spielerisch die Welt der Erwachsenen kennen. Zum freien Spiel zähle ich übrigens auch das Vorlesen – durch das die Kinder so viel lernen, genauso wie beim gemeinsamen Spaziergang durch den Wald oder am Strand. Es artet doch eh jeder Spaziergang mit Kindern in ein einziges Spiel aus- bei uns jedenfalls.

Ich habe übrigens auch gelesen, dass es für die Kinder auch gut ist, am Alltag der Erwachsenen in sofern teilzuhaben, dass sie mit zum Einkaufen kommen, beim Essenmachen helfen oder die Wäsche mit aufhängen. Dabei lernen sie unsere Welt kennen – und sie greifen eben jene Erfahrungen in ihren Rollenspielen auf und entwickeln sie da weiter. Und ganz ehrlich: Wer mal meine Jungs dabei gesehen hat, wie begeistert sie zuschauen, wenn der Papa ein Fahrrad repariert, der versteht, dass das auf keinen Fall schaden kann.

Wie seht Ihr das? Habt Ihr mal nachgerechnet, wie viele Stunden am Tag Eure Kinder wirklich Zeit zum Spielen haben? Wie fördert Ihr das Spielen und die Kreativität Eurer Kinder? Denkt Ihr auch, dass Kinder durch das freie Spiel am besten lernen? Bereitet Spielen die Kinder ausreichend auf die Zukunft vor?

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Ein Kommentar zu “Kinder spielend auf die Zukunft vorbereiten: Kinder lernen am besten durchs Spielen

  1. Schöner Artikel, freies Spiel ist ansolut wichtig, um die Entwicklung von Kindern zu fördern, auch wenn ich nicht unterschreiben kann, dass sie dabei alles lernen, was sie für die Schule brauchen (was ist mit Kleidung an- und ausziehen, Fahrrad fahren, mit der Schere schneiden, mit Messer und Gabel essen?). Du hast gefragt, wie wir 7 Stunden freies Spiel als täglichen Durchschnitt empfinden: Ich empfinde das als verblüffend viel, das ist ja fast ein Vollzeit-Arbeitstag. Wenn man bedenkt, dass in der Alltagsgruppe im Durchschnitt 12 Stunden täglich für Schlaf draufgehen, sind wir ja schon bei 19 von 24 Stunden. Bleiben noch 5 für Dinge wie Mahlzeiten, Vorlesen, Einkaufen, Wegzeiten zur Krippe/zum Kindergarten, die dortigen Ausflüge/Singkreise/Bastelangebote, Wickel- und Toilettengänge, Baden, Besuche bei Oma, ab und an mal Kinderturnen schadet ja auch nicht… auch wenn man das natürlich nicht alles jeden Tag macht, kann ich mir vorstellen, dass täglich 5 Stunden für den Rest knapp sind, so dass es mich wundert, dass tatsächlich 7 Stunden Freispielzeit am Tag bleiben.

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