Vom ständigen Geben als Mama – ein Gastbeitrag über den Wunsch, auch einmal Trost zu empfangen

Als Mama gibt man – rund um die Uhr. Man gibt Leben, Liebe, Wärme, Geborgenheit. Diana vom Blog zweitoechter hat mir einen wunderbaren Gastbeitrag dazu geschrieben, was man als Mutter gibt – und was sie vermisst: „Die werdende Mutter verzichtet auf bestimmte Lebensmittel und gibt dem Kind damit die besseren Startvoraussetzungen, als wenn sie sie weiter konsumieren würde. Wenn der Babybauch wächst, streichelt sie das wachsende Kind durch die Bauchdecke. Einmal auf der Welt bekommt das kleine Wunder die ganze Aufmerksamkeit und die frischgebackene Mutter bleibt im Hintergrund mit ihren Wehwehchen und dem Hormonchaos. Die Tage und Nächte werden länger mit einem Neugeborenen und die Wünsche frommer. Zuletzt träumte sie vielleicht von einer ausgiebigen Massage, nun empfindet sie eine 5-minütige Dusche als Wellnesstag. Während sie nachts auf- und ablaufend das Baby wiegt, schenkt sie ihm auch nach vielen Stunden immer wieder die Wärme und Aufmerksamkeit, die es braucht.

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Wieso wir uns unser Dorf selbst bauen müssen: Ohne Netzwerke keine Vereinbarkeit

Früher war mehr Dorf als heute. Als ich klein war, tobten wir Kinder den ganzen Nachmittag durch die Nachbarschaft. Spielten mal in dem einen Garten, mal in dem anderen und abends um sechs liefen wir alle nach Hause zum Abendessen. Es war niemand „zuständig“ für uns, wir hatten keine Daueranimation, sondern spielten, spielten, spielten – und die besten Spiele waren die, wo sich keine Erwachsenen einmischten. Was unsere Eltern in der Zeit machten? Keine Ahnung. Sie waren jedenfalls nicht immer zuhause. Denn während wir so spielten, machten sie sich auf den Weg in den Supermarkt, zum Sport oder zu einer Freundin. Oder waren schlicht noch mal arbeiten. Dann riefen sie uns quer über die Straße zu, dass sie noch mal außer Haus sind und dass wir, wenn was ist, doch einfach bei den Nachbarseltern klingeln sollten. Und das alles ohne Handy! Es klappte. Die Eltern in der Straße und auch die Eltern befreundeter Kinder sprangen ein, holten uns auch mal vom Kindergarten ab und zum Turnverein liefen wir eh selbst ohne Eltern. Das ist die Art von Dorf, die heute viel zu oft fehlt. Wir müssen uns unser Dorf selbst bauen. Denn ohne dieses Dorf ist Vereinbarkeit nur schwer möglich.

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Ja, wir dürfen uns freuen, wenn die Kinder ins Bett gehen!

Es gibt Dinge, für die muss sich niemand entschuldigen. Eine Mutter sagte letztens auf dem Spielplatz „heute freue ich mich echt darauf, wenn die Kinder im Bett liegen“. Kaum hatte sie es gesagt, entschuldigte sie sich sogleich dafür und versicherte, dass sie ihre Kinder ja liebe und überhaupt jede Minute mit ihnen genieße. Dabei hatte niemand etwas Negatives gesagt, im Gegenteil, alle umstehenden Mütter nickten wissend. Denn ganz ehrlich: Kennen wir das nicht alle? Diese Tage, an denen die Zeit so langsam vergeht? An denen wir uns danach sehnen, einfach Zeit für uns zu haben? Zeit, ohne dass jemand was von uns will? Einfach nur Ruhe? Kennen wir nicht alle diese Tage, an denen unsere Kinder uns wahnsinnig machen? Diese Tage, an denen wir so müde sind, dass selbst der vierte Kaffee unsere Augen nicht offen hält?

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Gastbeitrag: Tipps, wie man sich selbst mehr Zeit widmet

Wie schaffe ich es, mich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und im Alltag mehr Zeit und Ruhe für mich zu finden? Das ist gar nicht so einfach, sondern so komplex, dass ich ein ganzes Buch darüber geschrieben habe: „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“. Da das Thema mir so am Herzen liegt, freue ich mich sehr, dass mir Judith, Coach für Mütter, einen Gastbeitrag geschrieben hat, in dem sie Tipps gibt, wie wir uns selbst mit kleinen Schritten mehr Platz im Alltag einräumen, egal, wie stressig er ist:

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Hilfe, der Lockdown hat meine Kreativität geraubt! Von Schreibblockaden und anderen Hindernissen

Vor mir blinkt der Cursor. Auf der leeren Seite. Mal wieder. Eine leere Seite. Ein blinkender Cursor. Ein Gehirn, das wie leergepustet ist. Leerer als eine Flasche Wein nach einer Studentenparty. Leerer als eine Tüte Gummibärchen nach einem Kindergeburtstag. Was wollte ich gleich noch mal schreiben? Erstmal Kaffee. Dann fällt mir schon was ein. Während ich warte, dass das Koffein seine Arbeit macht, starre ich die weiße Seite an. Der blinkende Cursor ruft „hey, schreib was!“ Erst dezent. Dann immer lauter. Schriller. Mahnender. Das Gehirn ist immer noch leer. Der einzige Gedanke, der mir kommt: „Erstmal Schokolade.“ Doch am Ende ist die Tafel Schokolade leer, das Gehirn leider auch. Schreibblockade. Mal wieder. Macht sich breit, hat es sich gemütlich eingerichtet in den letzten Tagen, Quatsch Wochen. Seit einem Jahr. Der blinkende Cursor erinnert mich täglich an die guten Ideen, die eigentlich aus meinen Fingern fließen sollten. Doch sie kommen nicht. Haben sich versteckt. Oder einfach aufgegeben?

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Wenn es einfach nicht mehr geht: Was ist Elternburnout?

Burnout – bekommen das nicht nur Manager? So war bis vor kurzem die gängige Meinung. Burnout, das war etwas, das durchs Arbeiten ausgelöst wird. Ständig auf Achse, schuften bis zum Umfallen und tausend Dinge auf einmal erledigen – bis zum Ausbrennen. Doch Eltern können genauso von einem Burnout getroffen werden! Was dazu führt und wie sich das äußert, dazu habe ich in in diesem Abschnitt in meinem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“ geschrieben:

Wenn der Akku leer ist: Was ist ein Burnout?

Für den Begriff Burnout, auf Deutsch „Ausbrennen“, gibt es verschiedene Definitionen. Die amerikanische Psychologin Kathleen A. Kendall-Tacket beschreibt den Burnout als „Leben ohne Freude“. Burnout sei ein „schleichender Verbrauch emotionaler und geistiger Kraft und Entwicklung innerer Leere mit entsprechenden sozialen und psychischen Folgen“, schrieb die Sozialpsychologin Christina Maslach im Jahr 1982. Bereits in den 1970er-Jahren hat der US-Psychoanalytiker Herbert Freudenberger den Zustand chronischer Erschöpfung untersucht und prägte dabei den Burnout-Begriff, der im letzten Jahrzehnt noch einmal so richtig in Mode kam. Er stellte damals fest, dass Burnout vor allem bei Menschen auftritt, die hohe Ansprüche an sich selbst haben und hohes Engagement zeigen. Andere Psychologen heben auch hervor, dass ständig überzogene Erwartungen von außen zu einem Burnout führen können. Burnout ist den Definitionen zufolge ein Zustand chronischer Erschöpfung ohne zwischenzeitliche Entlastung. Es ist das dauerhafte Gefühl „mir wächst alles über den Kopf“, ein ständiges Über-die-eigenen-Kräfte-Leben. Körper und Geist werden geradezu verschlissen. Zwischen den Überanstrengungsphasen fehlen dem Körper Pausen für die Regeneration.

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Schluss mit der alten „mache ich genug?“- Leier!

Es gibt eine Frage, die Mütter schon in der Schwangerschaft begleitet – und die so schwer loszuwerden ist. Sie schleicht sich ein, unbemerkt, irgendwo ins Unterbewusste, um dann in entscheidenden Momenten einfach hervorzuspringen und laut „buh“ zu rufen. Es ist die Frage nach dem „mache ich genug?“ – die es in den unterschiedlichsten Variationen gibt. Und die einen Druck aufbaut, ganz ohne, dass wir es wollen. Mal heimlich und leise, mal laut und polternd macht sich dieser Druck bemerkbar. Manchmal hämmert er dezent, aber ausdauernd und zermürbend auf uns ein, mal macht er voller Wucht ein plötzliches schlechtes Gewissen. Alles ausgelöst durch die 1000 Variationen der Frage „mache ich genug?“ Kennt ihr sie auch, diese Variationen, die immer wieder aufpoppen im Mutteralltag?

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Quality Time und Quantity Time: Was war früher anders?!

(Auszug aus meinem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein„)

Obwohl heute mehr Mütter berufstätig sind und Kinder früher in den Kindergarten oder die Krippe kommen, verbringen die heutigen Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern als noch vor 50 Jahren. Eine Studie von Forschern aus Kalifornien hat dafür Eltern in elf westlichen Ländern wie Kanada, Dänemark, Frankreich und Deutschland unter die Lupe genommen und die Daten von  1965 bis 2012 ausgewertet. Dabei haben die Eltern ihre täglichen Tätigkeiten genau dokumentiert. Unter Kinderbetreuung wurden sämtliche Tätigkeiten erfasst, die sich um die Kinder drehen wie Essen vorbereiten, Kinder baden, wickeln, ins Bett bringen, Spielen, Vorlesen oder auch bei den Hausaufgaben helfen. 1965 verbrachten Mütter demnach 54 Minuten Kinderzeit am Tag, 2012 waren es 104 Minuten am Tag. Bei Vätern waren es 1965 16 (!) Minuten und 2012 59 Minuten. Was machten denn die Frauen 1965 anders als die Mütter heute? Weiterlesen

Was Müttern ein schlechtes Gewissen macht – und wieso sie keins haben müssen!

Spiele ich genug mit meinem Kind? Ist es ok, wenn mein Kind keine Obstmandalas kredenzt bekommt? Arbeite ich zu viel? Muss ich mehr arbeiten wegen der Rentenpunkte? Habe ich heute zu viel geschimpft? Zu wenig gespielt? Guckt mein Kind zu viel fern? Essen wir zu viel Fertiggerichte? Ist es egoistisch, auch mal etwas alleine zu unternehmen? Werde ich allen Kindern gerecht? Alles Fragen, die sich Mütter von heute stellen. Das schlechte Gewissen ist immer da, mal mehr, mal weniger ausgeprägt klopft es im Hinterkopf an, in den unmöglichsten Situationen. Als ich das neue Buch von meiner lieben Bloggerkollegin Bea von Tollabea las, schrieb ich Ihr, dass ich es sehr mag, wie sie Müttern dieses permanent schlechte Gewissen nehmen möchte. Etwas was ich ebenfalls mit meinen Büchern erreichen möchte – und was auch der Grund war, vor vielen Jahren diesen Blog zu starten.

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Schritt für Schritt. Nur auf den nächsten Meter schauen. Nicht auf die ganze Straße.

Tagsüber lassen sich die Gedanken beiseite schieben. Im Dreikampf Home Office – Homeschooling – Kindergartenkinder bei Laune halten (plus die inoffizielle Disziplin Haushalt) bleibt kein Platz für Gedanken. Keine Zeit für Sorgen. Das Gehirn hat schlicht nicht die Kapazität, sich auch noch damit zu beschäftigen, wie lange es noch so weitergeht. Und was als nächstes kommt. Und ob es nicht wieder einen Schritt zurück. Vielleicht ist es auch ganz gut so, dass wir tagsüber so beschäftigt sind, dass kein Platz für Sorgen bleibt. Aber nachts, wenn alles schläft, wenn die Geräusche verstummen, kein Kind „Mama“ ruft und die Wäscheberge im Dunkel des Schlafzimmers verschwinden… dann kommen sie die Gedanken. Die Sorgen. Die offenen Fragen. Die Frage, die immer wieder kommt, die sich immer wieder in den Vordergrund drängt, egal wie oft ich sie in die hinterste Gehirnwindung verbanne, diese Frage ist: Wie lange geht es so weiter? Und eben das ist die Frage, die einem keiner beantworten kann. Und eben diese zeitliche Ungewissheit, diese fehlende Perspektive, die ist es, die einen verrückt machen kann. Die zermürbt. Kein Experte weiß eine Antwort, kein Politiker. Weil es eben keine Antwort gibt. Und die Schätzungen der Experten machen nicht gerade Mut: Monatelang kann es so weitergehen. Bis es einen Impfstoff gibt (im Frühjahr 2021?!) wird es nicht die Normalität geben, die wir kennen. Das kann einen wahnsinnig machen. Weil es wahnsinnig ist. Was mir hilft? Immer nur an den nächsten Schritt zu denken. Nicht an die ganze lange Straße, die vor einem liegt. Weiterlesen