Gestatten? Mein Sohn und sein unsichtbarer Freund

Wir haben seit einiger Zeit einen Mitbewohner. Er heißt Olive. Und ist ein eher stiller, unauffälliger Zeitgenose. Meistens. Denn ab und zu leistet er sich so richtige Dinger. Kippt die Milch um und verteilt sie mit dem Löffel, dass sie auch wirklich den gesamten Tisch inklusive Tageszeitung bedeckt. Bringt Sand aus der Sandkiste mit und verteilt ihn auf dem Esszimmerteppich. Steckt heimlich die Steinesammlung in meine Stiefel. Oder zieht den kleinen Bruder mal eben am Ohr. Olive ist ein unsichtbarer Freund.

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„Muss mal Aa“ – der unverkrampfte Umgang von Kindern mit dem Toilettengang

Kaum können Kinder sprechen, interessieren sie sich auch für ihren Windelinhalt – und kurz darauf für das, was dann ins Töpfchen geht. Das ist dann Pipi und natürlich Aa, wahlweise Kacka. Bei uns im Bekanntenkreis ist das etwa fifty-fifty, die Aa- und die Kacka-Fraktion. Mein Sohn sagt Aa, wir sagen es also auch. Das Wort meiner Kindheit, ich hatte es schon fast vergessen! Da war es auf einmal wieder. Heute wird es ein bisschen, sagen wir mal unappetitlich in meinem Post, aber es geht um die normalste Sache der Welt und darüber, wie NORMAL sie für unsere lieben Kleinen ist.

Es ist schon erstaunlich, wie frei Kinder über ihre Ausscheidungen reden.

Kinder sprechen gerne über ihre Windelinhalte

Der Toilettengang gehört für sie einfach zum Alltag dazu. Klar, tut es für uns ja auch. Aber wir sagen halt nicht jedem im Restaurant, dass wir jetzt mal Aa machen gehen. Oder Kacka. Wir sagen zwar auch nicht mehr „Ich muss mir mal die Nase pudern“, aber soweit geht dann unsere Information an das Gegenüber doch nicht. Ist auch gut so. Ich will gerade wenn ich beruflich unterwegs bin, nicht unbedingt wissen, ob mein Interviewpartner nun geschwind mit hochrotem Gesicht auf dem Topf… nein, ich wollte es mir ja gerade NICHT vorstellen.

Stop, Schluss mit dem Kopfkino!

Kinder hingegen, die sind da völlig unbefangen. Mein Sohn ruft im Restaurant auch gerne mal laut hinter mir her:

„Musst Du Aa oder Pipi, Mama?“

Wenn kinder trocken werden: Das Interesse für die Toilette und das, was dort passiert. Kolumne und lustiger text. #erziehung #trockenwerden

Das  sind die Momente, wo ich froh darüber bin, wenn der Laden etwas zu laut von Musik beschallt wird. Er fragt das auch gerne mal andere Leute, wenn die aus dem Klo rauskommen. Mit echtem Interesse, schließlich sind das wichtige Themen für einen Dreijährigen, der die Welt kennenlernt. Wieso auch nicht – es sind biologische Vorgänge und sie sind Teil unseres Lebens. Selbst die Queen geht auch Klo. Und die Frau Bundeskanzlerin muss auch mal. Man kommt da einfach nicht drum rum. Da ist es nur legitim, wenn Kinder sich damit befassen. Und mein Sohn interessiert sich zurzeit sehr dafür.

Trockenwerden: Der Klogang wird zum Event

Aber sein Interesse geht noch viel weiter. Er hat rausgefunden – im Selbstversuch – dass Aa-machen ja meistens länger dauert als Wasser lassen. Kinder, die Trockenwerden interessieren sich für sowas. Und so kommentiert er gerne, wenn andere aufs Örtchen gehen. Wenn es dann mal länger dauert, weiß er sofort Bescheid. Ganz gleich, ob sich derjenige oder diejenige vielleicht nur die Zähne geputzt hat, die Nase gepudert oder den Soßenfleck aus der Hose gewaschen hat. Das erkennt er sogar beim Baggerfahrer, der aufs Dixieklo verschwindet (siehe auch hier). Und weil die bloße Erkenntnis einem einfach alles-wissenden-Dreijährigen nicht ausreicht, ist eine seiner Lieblingsfragen zurzeit: „Hast du eine oder zwei Aa-Würste gemacht?“

Das sind diese Momente, wo ich verstehe, was die Leute meinen mit, sie hätten noch nie soviel gelacht, wie mit ihren Kindern. Es ist einfach so. Sie dürfen so etwas fragen – und das ist toll. Einfach diese Neugier auf die Welt – und dazu gehört halt auch der tägliche Klogang und auch der dezente Hinweis an andere „Du hast gepupst, das stinkt.“

Ich find es herrlich!

Jedenfalls solange ich nicht im Restaurant vor allen anderen nach der Zahl der Würste gefragt werde. Und ich rede hier nicht von den Wiener Würstchen neben dem Sauerkraut.

Achja, wenn mir vorher jemand erzählt hätte, was das Trockenwerden für Nachteile mit sich bringt…

Mutterliebe: Oh Baby, du wirst so schnell groß!

Wer diesen Blog liest, weiß, dass ich gerne mal etwas polemisch werde. Und mich auch gerne mal aufrege. Oder lustig mache. Aber ich kann auch anders. Denn bei aller Polemik gegenüber Supermüttern, Übermüttern, Rabenmüttern und was es sonst so an Mutter-Arten gibt: Uns alle verbindet, dass wir unsere Kinder lieben. So wie sie sind. Das tun wir jeden Tag, jede Zeit. Aber es gibt so Momente, wo diese Liebe einfach so groß ist ,dass es mich überkommt.

Neulich wieder. Als mein Baby links neben mir schlief. Und der Große rechts neben mir. Ich wachte auf, in der einen Hüfte piekste mich das spitze Knie meines Großen. Auf der anderen Seite kuschelte sich der Babyspeck des Kleinen. Das sind diese Momente, in denen man einfach die Zeit anhalten möchte, diese Momente, die man am liebsten immer wieder abrufen möchte, an die man sich immer wieder erinnern möchte.

Da ist mein Großer, der im Wachzustand auch mal ganz schön nerven kann! Ohja, diese Dreijährigen. Da sind diese kleinen Machtkämpfe, das Quengeln, das ständige Bestimmenwollen – was einen auch mal in den Wahnsinn treiben kann, wie ich auch mal hier geschrieben hatte. Aber wenn er schläft und sein Gesicht so friedlich ist, mit diesen langen Wimpern, dieser feinen Haut, dem leichten Lächeln. Die Mamaliebe überkommt einen, so ein warmes Gefühl. Mein Großer, was bist du schnell großgeworden. Du warst doch gerade erst der kleine Mann im Strampelanzug, der etwas ungelenk die ersten Greifversuche unternahm! Mein Großer, was kannst du mich zum Schimpfen bringen! Wenn du einfach nicht hören willst, zum fünften Mal das Spielzeug durch die Gegend wirfst und dich auf deinen kleinen Bruder setzt! Und jetzt liegst du hier so friedlich, so süß – was hab ich dich lieb!

Und dann das Baby neben mir. Die langen Wimpern, der Babyspeck, dieser Babygeruch. Die tiefen Babyatemzüge, die kleinen Seufzer. Acht Monate – und eben hatte ich doch noch den dicken Bauch! Jetzt ziehst du dich überall hoch, übst das Krabbeln: Bist du groß geworden! Es ist immer wieder ein Wunder, so ein Baby, wie ich schon hier geschrieben hatte. Ein Wunder, das ich auch beim zweiten Kind noch gar nicht richtig begreife. Ich bin Mama, ich habe zwei Kinder!

Es sind diese friedlichen Minuten, bevor der morgendliche Trubel beginnt und meine friedlich schlummernden Engelchen zu kleinen Quatschmacher-Bengeln mutieren, die ich genieße, die ich festhalten möchte. Und die ich nicht missen würde.

Allein diese Momente wiegen den ganzen Stress auf, den  man mit Kindern hat. Alle schlaflosen Nächte. Allen Trubel, alle Trotzanfälle, alle Sorgen. Und das Schöne: Es gibt nicht nur diese beschriebenen Momente am Morgen. Sie lauern überall diese schönen Momente. Und versöhnen einen, wenn man gerade wieder am Rande des Mama-Nervenzusammenbruchs entlangschlittert.

 

 

Eltern im ständigen Wettbewerb: Wer hat den ersten Zahn und wer macht den ersten Schritt?

Eltern scheint der Wettbewerb angeboren zu sein. Größer, schneller, weiter. Wer hat den ersten Zahn? Wer krabbelt als erstes? Wer malt die schönsten Bilder? Wer backt den schönsten Kuchen? Wer feiert den schönsten Geburtstag? Wer kann als erstes zählen, schreiben, rechnen und wer macht das beste Abitur?

Eltern sind ständig am Vergleichen

Kaum ist das Baby da, beginnt der Wettbewerb. In Krabbelgruppen und auf Spielplätzen wird sie millionenfach gestellt, die Frage „Und, kann er schon…“ wahlweise kann man da jetzt den Satz beenden mit „krabbeln.“ Oder „alleine stehen“. Oder „aufs Töpfchen gehen“. Mit Genugtuung wird registriert: Ah, der ist schon einen Monat älter als meiner und kann noch nicht robben! Als ob es die eigenen Leistung wäre und man selbst tagelang mühsam das Schlammrobben erprobt hat.

Später wird das mit den Wettbewerben ja noch viel schlimmer: In der Schule messen wir uns an den Leistungen unserer Kinder und wenn wir dann selbst Enkel haben, erzählen wir jeder Kassierin stolz, dass unsere Kleine ja schon krabbeln kann. Ich gebe es ja zu, ich kann mich dem auch nicht entziehen. Natürlich ist man stolz auf die ersten Schritte des Kindes und irgendwie sieht man es als Bestätigung dafür, dass man alles richtig gemacht hat, wenn der Sohnemann besonders schnell laufen lernt.

Aber wir sollten nicht vergessen, dass es hier um Entwicklungsschritte geht, die wir oft gar nicht beeinflussen können. Und nur weil der süße Kleine mit 10 Monaten die ersten SChritte machte, wird er nicht gleich erfolgreicher Bankmanager. Und auch die Abiturnote hängt nicht kausal mit dem Trockenwerden zusammen, habe ich mir sagen lassen.

Mamas im DIY – Wahn und Wettbewerb um den schönsten Kindergeburtstag

Doch der Wettbewerb geht noch viel weiter. Wir Mütter stehen ja auch unter einander im ständigen Wettbewerb. Das fängt an mit den Kuchen beim Kindergartenfest. Ohweh, die Mama bringt nur eine Fertigbackmischung. Das arme Kind. Bestimmt total vernachlässigt. Wenn die Mama noch nicht einmal selbst die Zutaten zusammenrühren kann.

Weiter geht es mit den Kindergeburstagen, über die ich mich schon reichlich ausgelassen habe – siehe hier. Als ob man die Liebe zum Kind mit einer dreistöckigen Fondanttore beweisen müsste. Weiter geht es mit den Rutschen und Trampolinen in den Gärten, wo seit einiger Zeit ein Wettrüsten stattfindet. Darüber schreibe ich nächste Woche mal mehr. Mir brennt es in den Fingern, aber das ist ein eigenes Thema.

Wieso stehen wir im ständigen Wettbewerb? Wer hat diesen Wettbewerb eigentlich erfunden? Ist es angeboren? Und vor allem: Muss das sein?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich darauf eigentlich keine Lust habe. Und dennoch mich immer wieder dabei ertappe, dass ich mich dem auch nicht ganz entziehen kann. Kann sich überhaupt jemand dem Ganzen entziehen? Wie macht Ihr das? Ich bin gespannt auf Eure Gedanken!