So werden Geschwister ein Team – die besten Tipps

Während ich diesen Text schreibe, toben meine beiden Jungs durchs Kinderzimmer und haben sich eine Rutsche aus Matratzen gebaut. Ihre kleine Schwester schaut ihnen staunend zu. Und ich? Kann nebenher arbeiten. Harmonie am Nachmittag, friedlich spielende Geschwister – das habe ich mir kaum zu träumen gewagt. Natürlich geht es nicht immer so friedlich zu bei den beiden Brüdern. Manchmal, ach Quatsch, oft kracht es zwischen ihnen, aber gewaltig. „Du blödester Bruder der ganzen Welt!“ ist da noch das harmloseste, was zwischen ihnen fällt, ab und zu wird auch mal ein Kuscheltier geworfen und wenn es hart auf hart kommt, schubsen und rangeln sie wie nichts Gutes. Aber – und das finde ich beruhigend: Geschwisterstreit ist ganz normal. Kein Grund zur Sorge. Es ist ein Training fürs spätere Leben, eine Art Bootcamp. Denn untereinander lernen die Jungs soziale Fähigkeiten, die sie für ihr weiteres Leben brauchen. Und trotz aller Streitereien (die einen wirklich manchmal zur Weißglut bringen können!) weiß ich eines: Meine Kinder sind ein richtig gutes Team und wenn es ernst wird, dann sind sie füreinander da. Es ist gar nicht so schwer, dass aus Geschwistern ein echtes Team wird! 

In meinem Buch „Willkommen Geschwisterchen“ habe ich diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet – denn bei dem Thema „Vorbereiten aufs zweite Kind“ geht es nicht nur darum, wie man das große Kind aufs Baby vorbereitet. Die wahren Herausforderungen kommen nämlich erst, wenn die Kinder schon etwas größer sind! Dann geht es darum, Eifersucht unter Geschwistern vorzubeugen, den leidigen Geschwisterstreit zu handeln und eben darum, die Geschwister so zu stärken und zusammenzuschweißen, dass sie ein echtes Team werden, Brüder und Schwestern, die zusammenhalten. Denn die Geschwisterbeziehung ist in den meisten Fällen die längste Beziehung unseres Lebens. Weshalb ich meinen Kindern von Herzen wünsche, dass sie immer zusammenhalten und füreinander da sind. Natürlich kann man keine Freundschaft unter Geschwistern erzwingen. Oft sind Geschwister so unterschiedlich, dass sie kein freundschaftliches Verhältnis entwickeln. Und man sucht sich seinen Bruder und seine Schwester ja nicht aus. Aber das hindert sie nicht darin, ein Team zu sein, aufeinander aufzupassen und da zu sein, wenn einen der andere braucht.

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Zwei große Brüder, die füreinander da sind und sich um ihre kleine Schwester kümmern: So wird aus Geschwistern ein echtes Team.

Aber wie kann man das fördern, dass sich Geschwister gut miteinander verstehen?

Das ist gar kein Hexenwerk.

  • Gemeinsame Familienzeit macht stark

Natürlich ist auch Exklusivzeit mit den Eltern wichtig. Das Gefühl „Mama ist jetzt nur für mich da“ ist wichtig und sollte ein Kind auch immer wieder haben. Aber ich finde, ganz ehrlich: Das Ding mit der Exklusivzeit wird überbewertet. Ebenso wichtig ist die gemeinsame Familienzeit. Das Zusammensein als Familie, gemeinsame Unternehmungen. Ich kenne Familien, da trifft man am Wochenende immer nur die halbe Familie  – die Tochter mit der Mama, der Sohn mit dem Papa. Das ist natürlich viel Exklusivzeit – aber wenig Familienzeit. Gemeinsame Unternehmungen stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Beziehung der Geschwister. Das sind gemeinsame Ausflüge in den Wald, ins Museum, auf den Spielplatz, genauso wie gemeinsame Rituale wie das gemeinsame Abendessen oder das ausgiebige gemeinsame Frühstück am Wochenende. Oder das gemeinsame Vorlesen beim Insbettbringen – wo man als Elternteil nicht nur ein Kind ins Bett bringt, sondern beide gleichzeitig. Was wir abends nach dem gemeinsamen Vorlesen immer machen ist ein Tagesrückblick, wo wir reihum uns erzählen, was wir besonders gut und besonders blöd fanden. Darauf freuen sich meine Jungs tatsächlich jeden Abend – und gerne besprechen sie auch zusammen, wie sie denn den Tag fanden und freuen sich, wenn es die gleichen Dinge waren.

  • Die Geschwister für ihre Teamfähigkeit loben

Man sollte ja grundsätzlich nicht zu viel loben und keine Banalitäten. Aber ab und zu kann man schon mal ein „Ihr seid ja ein super Team“ oder „toll, wie ihr heute ohne Streit zusammengespielt habt“ fallen lassen, genauso wie ein Lob an den Größeren, dass er dem  Kleineren so toll geholfen hat oder umgekehrt. Gemeinsamer Stolz auf eine Sache schweißt zusammen.

  • Gemeinsame Spielnachmittage

Gemeinsame Gesellschaftsspiele stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl, besonders, wenn es Spiele sind, wo die Kinder sich gegen die Eltern verbünden können. Dabei sollte man darauf achten, dass es Spiele sind, die für alle Altersklassen geeignet sind (einige Tipps für Spiele, die 3-5 Jährige zusammenspielen können, findet Ihr hier), so dass niemand benachteiligt ist. Gesellschaftsspiele helfen außerdem dabei, Regeln zu lernen und auch zu akzeptieren. Und auch das faire Verlieren lässt sich so am besten lernen.

  • Gemeinsame Geschenke

Wenn die Kinder vom Alter her nicht zu weit auseinander sind, ist es immer schön, zu Weihnachten auch eine Sache zu schenken, die sie gemeinsam nutzen können. Das regt auch gleich zum gemeinsamen Spielen an. Auch eine schöne Geste: Die Kinder dazu ermutigen, sich gegenseitig eine Kleinigkeit zum Geburtstag zu basteln und zu schenken.

  • Keine Entschuldigungen erzwingen

Geschwisterstreit ist ganz normal – und lässt sich nicht verhindern. Und hat ja, wie ich geschrieben habe, auch seine Vorteile – Stichwort: Bootcamp fürs Leben. Wir Eltern neigen aber leider dazu, reflexhaft eine Entschuldigung zu erzwingen. Aber ganz ehrlich: Was bringt so eine Entschuldigung? Sie kommt nicht vom Herzen, ihr geht keine Einsicht voraus und das Geschwisterkind, bei dem sich entschuldigt wird, weiß auch ganz genau: Diese Entschuldigung ist nur gezwungen, sie ist nicht ehrlich gemeint. Kurz: Eine erzwungene Entschuldigung bringt niemanden etwas. Außer dass sie vielleicht das Gewissen von uns Eltern beruhigt. Kinder vertragen sich übrigens meistens so schnell wieder, wie sie sich in die Haare bekommen haben!

  • Geschwisterrivalität nicht noch weiter anheizen

Viele Streitereien entstehen, weil sich Geschwister im Wettbewerb sehen. Eine gewisse Rivalität ist auch normal und gesund (deshalb auch hier: keine Sorge, ein gewisses Maß ist ganz normal!) – denn Rivalität ist auch ein Antrieb, ein Motor für die Entwicklung. Das kleine Kind eifert deshalb zum Beispiel dem größeren nach und erlernt neue Dinge, um mitzuhalten. Entsteht die Rivalität jedoch aus einem Ungerechtigkeitsgefühl, dann kann sie die Beziehung der Geschwister belasten – und zwar ein Leben lang. Und deshalb sollten wir Eltern auf Vergleiche zwischen den Geschwistern verzichten. Auch wenn wir denken, es könnte motivierend wirken, Sätze wie „Schau mal, wie toll dein Bruder alleine die Schuhe anzieht“ oder „Deine Schwester konnte in deinem Alter aber schon alleine aufs Klo“ sollten wir uns verkneifen! Denn sie erhöhen den Konkurrenzdruck unter Geschwistern.

Deshalb wichtigste Regel für uns Eltern: Wir dürfen unsere Kinder nicht gegeneinander ausspielen. Jedes Kind ist anders, jedes Kind ist besonders, jedes Kind hat sein Tempo. Und jedes Kind soll das Gefühl haben „ich bin gut, so wie ich bin“. Besser ist es, die jeweiligen Stärken zu betonen, anstatt herumzukritisieren. Das gilt übrigens auch später, wenn die Kinder in die Schule gehen: Das heikle Thema schlechte Schulnoten sollte man vielleicht besser unter vier Augen besprechen und nicht in Anwesenheit des großen Bruders, der besserwisserisch die Augen verdreht.

  • Ein Lustigmachen auf Kosten des anderen unterbinden

Echte Teammitglieder machen sich nicht über den anderen lustig. Und deshalb ist das eine Regel, die in der Familie herrschen sollte: Wir machen uns nicht über die anderen Familienmitglieder lustig. Und das müssen auch wir Eltern beachten und mit gutem Beispiel vorangehen. Natürlich kann man zusammen lachen, am besten mit einer Portion Selbstironie (und auch hier mit gutem Beispiel vorangehen und über eigene Missgeschicke selbst lachen) – aber nie verletzend werden und auch solche Sätze der eigenen Kinder immer unterbinden.

Wie wird aus Geschwistern ein Team und was tut man bei Eifersucht unter Geschwistern?

Gerade im Urlaub wachsen meine Jungs jedes Mal zu einem echten Team zusammen.

Geschwister wachsen zu einem Team zusammen

Meine Jungs wachsen gerade im Urlaub besonders dicke zusammen. Wenn wir als Familie entspannt in den Tag hineinleben, ohne Termindruck und sie einfach nur spielen können: Dann werden auch die Streitereien weniger. Und das ist auch etwas, das man unbedingt im Alltag umsetzen sollte: Weniger Termine, weniger Stress, mehr freies Spielen. 

Mehr Tipps, wie man Geschwisterstreit vermeidet und das Leben mit mehreren Kindern meistert, findet Ihr in meinem Buch „Willkommen Geschwisterchen„. Und wenn Ihr gleichzeitig auch den Alltag von Termindruck entrümpeln wollt, Stress vorbeugen wollt und kleine Auszeiten für Euch selbst sucht, dann möchte ich Euch auch mein anderes Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein. Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter“ ans Herz legen. Beide sind im Trias Verlag erschienen.

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Ein Kommentar zu “So werden Geschwister ein Team – die besten Tipps

  1. Hallo Nathalie. Ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Und von dem ersten Beitrag bin ich schon begeistert.Wir haben 2 Kinder ( Mädchen und Junge) und bei denen fliegen auch ziemlich oft die Fetzen :-) und dann denkt man sich, warum könnt ihr nicht in Ruhe zusammen spielen. Aber dann sagen wir uns, sie lernen schon früh Konflikte zu lösen.
    Dann sind da diese Momente, wo sie ein Herz und eine Seele sind und sich sagen, wie lieb sie sich haben, da geht einen das Herz auf. Beide teilen sich ein Zimmer und sind dadurch sehr eng miteinander.
    Aber wie du schon schreibst, muss man sehen, dass die Kids ( einzeln) nicht zu kurz kommen. Ich habe dafür den Mama-Tochter Tag und Mama-Sohn Tag eingeführt, Beide sind davon total begeistert. Endlich mal ganz alleine im Mittelpunkt zu stehen.
    Ich wünsche dir eine sonnige und ruhige Restwoche ;-)
    VLG

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