„Und dann geht das Wasser ins Klärwerk!“ – was Dreijährige halt so interessiert

Mein Sohn hat ein neues Interesse. Halt, so neu ist es gar nicht. Es geht nun schon seit ein paar Monaten so. Und das Interesse lässt sich nicht nach. Das Interesse nach dem Weg des Abwassers. Wo landet unser Abwasser? Natürlich im Klärwerk. Das findet mein dreijähriger Sohn sowas von spannend, dass diese rhetorische Frage unseren Alltag mittlerweile … sagen wir mal… so ein bisschen dominiert.

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Knopf drücken sonst Trotzanfall: Dreijährige und ihr merkwürdiger Hang zum Knöpfedrücken

Auf dem Weg zum Kindergarten kommen wir an einer Ampel vorbei. Und ich hoffe jedesmal, dass da nicht jemand vor uns auf den Ampelknopf drückt. Denn sonst geht das Geschrei los: „Ich wollte aber den Knopf drücken!“ Wutanfall par excellence. Um die gute Laune nicht kurz vor dem Abschied in den Kindergarten wieder zu drücken, gebe ich dann nach. Es wird eine Ampelphase gewartet, auch wenn wir bequem bei Grün hätten rüberlaufen können. Damit das Kind dann noch einmal den Knopf drücken kann. Morgen gerettet, Trotzanfall aus dem Weg gegangen. Weiterlesen

Kindermund: Und warum?

Mein Großer ist dreieinhalb Jahre alt und seit einiger Zeit mitten in der Warum-Phase. Warum? Warum nicht? Und was dann? Und wieso das? Und warum, warum, warum??? Es ist unglaublich, was man alles dazulernt, um die Fragen zu beantworten. Denn den Kleinen fällt so einiges auf, was für uns selbstverständlich scheint. Manchmal ganz schön verblüffend, was den Kindern so in den Sinn kommt und was in ihren kleinen Köpfen so umgeht. Ein Beispiel von heute:

Nach dem Kindergarten kommen wir an einem Kinderspielzeug-Laden vorbei, der vor kurzem gebrannt hatte. Nun hat er wieder – pünktlich zur Weihnachtszeit – aufgemacht und den Eingang zur Feier des Tages mit ganz vielen Luftballons geschmückt.

Mama, warum hängen da so viele Luftballons?“

Weil der Laden wieder aufmacht.

Ja, aber wieso hängen die Luftballons auf?

Zur Feier des Tages. Damit man sieht, dass der Laden wieder aufhat.

Und wieso soll man das sehen?

Damit die Leute reinkommen.

Und wieso?

Damit die Leute da Spielzeug kaufen.

Und warum?

Damit der Laden Geld verdient.

Aber warum denn?

Weil das der Beruf von der Frau ist: Sie verkauft Spielzeug und verdient damit Geld.

Und warum ist das ihr Beruf?

Weil ihr das Spaß bringt. Jeder sucht sich einen Beruf, mit dem er Geld verdient und der ihm Spaß bringt. (Man will das Kind ja nicht gleich demotivieren: Arbeiten bringt natürlich Spaß!)

Aber wieso will die Geld verdienen?

Damit sie mit dem Geld einkaufen gehen kann. (Kapitalismus in Kurzform)

Und warum?

Weil die Ladenbesitzerin ja auch was essen will und Kleider anziehen möchte.

Aber wieso?

Ohne Kleider ist es ja ganz schön kalt. Und ohne Essen hat man Hunger.

Und warum denn?

Ich sage nur so viel: Es ging noch eine Weile so weiter. Bis er auf dem Weg nach Hause einen Hundehaufen auf dem Fußweg entdeckte und ihm die nächste Frage einfiel:

Wieso machen denn die Hunde auf den Fußweg?

Das sind ja noch die einfachen Fragen. Manchmal wird es richtig philosophisch:

Mama, warum muss uns das Essen denn gut schmecken?

Trödeln, Trotzanfall, Tränen: Ein ganz normaler Morgen mit Dreijährigen

Es war mal wieder einer dieser Tage. Wecker klingelt. Das Baby trinkt noch. Seit einer Stunde schon. Der Dreijährige hingegen will noch gar nicht aufwachen und dreht sich noch mal um. Eine halbe Stunde später sind alle angezogen. Das Baby nach dem gewohnten Windel-Zweikampf, Papa und Mama haben es selbst hinbekommen. Nur der Große, der spielt noch Verstecken unter der Bettdecke. Dann will er die Treppe ins Esszimmer getragen werden. Schließlich wird sein kleiner Bruder ja auch getragen. Der ist, nur mal so zur Erinnerung, 10 Monate alt und kommt die Treppe zwar selbst hoch aber runter bisher nur im Sturzflug (haben wir aber noch nicht ausprobiert). Der Große ist drei Jahre alt. Und das ist das Problem.

3 Jahre! Das heißt: Mitten in der ersten Selbstfindungsphase, mitten im Trotzalter, mitten in der Welt der Tobsuchtsanfälle. Und mitten in der Entdeckung der Langsamkeit (es sei denn, es geht darum, vor Mama und der Zahnbürste wegzulaufen).

Mit drei Jahren mitten in der Autonomiephase

Ich habe ja schon ein paarmal über dieses vergnügliche Alter geschrieben (unter anderem über die Trödelei, der Frage nach den ständigen Rollenspielen und darüber wie liebenswert und anstregend sie sind). Und irgendwie war heute so ein Morgen, an dem alles zusammenkam. Trödeln, Aufstand, Trotzanfall. Ein Morgen, der so ganz und gar exemplarisch ist für das, was hier Tag für Tag bei uns so passiert. Und ich bin mir sicher – so ist es nicht nur bei uns!

Wir sind also endlich alle unten angekommen. Der Große durfte auch mal Baby sein und wurde runtergetragen. Er will sich erst nach dem Frühstück umziehen, das ist auch okay, denn dann kleckert er sich wenigstens nicht den frischen Pulli voll (mehr vom bodenlosen Wäschekorb findet Ihr hier). Aber anstatt sich an den Tisch zu setzen, muss er erst einmal seine Kuscheltiere neu drapieren. Dann entdeckt er noch ein Auto in der Ecke, was eingeparkt werden muss, stellt fest, dass er dringend noch ein Bild malen will, nein doch lieber tuschen und zwar sofort, aber bitte nicht mit dem kleinen Pinsel, er will den dicken Pinsel, nein, nicht den, sondern den anderen, aber nun ist das Blatt Papier eingeknickt, so kann er nicht malen. Und überhaupt!

Trotzanfall Nummer eins. (Ich habe es auch schon mit Härte probiert: Es wird gegessen und nicht gemalt. Bringt auch nix. Wenn man in Ruhe kurz die Zeitung lesen will, empfiehlt es sich, das Kind malen zu lassen.)

Uhhhh. Ein lautes Geheul. Hat er sich beruhigt, bekommt man ihn davon überzeugt, nun doch auch mal das Müsli zu probieren. Heute waren da aber komische rote Stückchen drin (Apfelschale), nein, das geht so nicht. Dass es gestern so noch ging – vergessen.Heute geht es nicht. Punkt.

Stressfalle mit Kindern: Jeden Morgen dasselbe

Papa darf zur Arbeit und verlässt im Laufschritt das Haus. Mir scheint, so etwas wie Erleichterung in seinem Gesicht zu sehen, als er die Tür hinter sich zuzieht. Aber Sohnemann lässt ihn so nicht einfach gehen! Ein Tschüss-Kuss reicht nicht! UHHHHH. Lauter  Sirenenton. Ich will Papa noch einen Kuss geben. UUUUUU- noch lauterer Sirenenton, ich will auch noch winken! Also Tür auf, Mann gerade noch so gestoppt, der kehrt um, Kuss, winken, Tschüss.

Nun also. Kalten Kaffe runterschlucken. Baby anziehen. Dem Großen noch mal sagen, dass ja im Kindergarten das Frühstück beginnt und alle auf ihn warten und man andere nicht warten lässt. Erkläre ich ihm ständig, ist ihm völlig egal.

Er will auf einmal doch ein Marmeladenbrot. Umziehen? Kann er nicht alleine. Hat er wohl verlernt, das passiert ihm ständig.

Also ziehe ich mich erst mal an. „Wir gehen dann schon mal los.“ UHHHH. Sirenenton ist wieder an! Er zieht sich immerhin den Schlafanzug selbst aus. Dann soll ich weitermachen. Mache ich auch, aber er muss zwischendurch immer noch mal etwas erledigen. Ball wegschießen, den Bruder umschubsen, was man halt so zu erledigen hat als Dreijähriger.

Zwischendrin zieht er sich die Socken wieder aus. Ich zieh sie wieder an. Er muss noch mal auf Klo. Er zieht sich die Schuhe falsch rum an. Ich ziehe sie richtig rum an. Er will den Knoten selbst machen. Es dauert ewig. Endlich sind wir vor der Tür. Da will er doch das Fahrrad nehmen. Setzt an zu einem lauten Sirenenton. Schnell Tür auf, Fahrrad aus dem Garten geholt, Helm auf – kann ich selbst! noch schnell im Keim erstickt, los geht es. Mit Fahrrad kommt man wenigstens schneller voran.

Kindergarten erreicht. Auf dem letzten Drücker. Natürlich. Sohn sogar wieder gut gelaunt. Will mich überraschen: „Ich ziehe mich selbst aus.“ Ich soll mich umdrehen. Ich tue das. Und höre nichts. Drehe mich um. Sohn sitzt da, Pulli auf dem Kopf, die Haare drin verfangen. Er sieht mich: „UUUUUUUU, ich wollte dich überraschen!“ Also: Umdrehen, nicht gucken. Es geht ein paarmal hin und her. Er schafft es vor lauter Eifer nicht, den Pulli auszuziehen und schließlich ist das Geschrei groß. Die Wut über sich selbst überkommt ihn.

Mein Sohn mutiert zum Wutzwerg. Rumpelstilzchen ist kann noch was von ihm lernen.

Ein Geheul, ein Geschrei, vor allen anderen. Am liebsten würde ich ihn einfach stehen lassen, sollen doch die Erzieherinnen jetzt das Erziehen übernehmen! Geht natürlich nicht. Lachen wäre auch eine Option, denn irgendwie ist er ja sehr süß in seiner hilflosen Wut. Geht auch nicht. Ich versuche es mit in den Arm nehmen. Geht kurz gut, er beruhigt sich, legt dann aber wieder los. Ignorieren. Hilft nur kurz. Irgendwann ist auch diese Wut verraucht und er geht spielen. Ein Glück verfliegt die Wut auch immer so schnell wie sie kam.

Was hilft gegen diese Trotzanfälle?

Puh. Eineinhalb Stunden und vier Trotzanfälle plus einige geschickt umschiffte. Wer kann das toppen?! Ich bin gespannt auf Eure Berichte.  Drei Jahre ist so ein schönes Alter – denn die lieben Kleinen lernen so viel und plappern so lustige Sachen. Wir haben viel Spaß und wenn ich abends mit ihm kuschel, dann nehme ich mir vor, am nächsten Tag mal gar nicht zu meckern. Und dann steht man auf und… alles geht von vorne los. Erziehen ist schon echt anstrengend manchmal. Nein, falsch. Nicht nur manchmal. Meistens. Dabei hatte ich mir mal vorgenommen: Ich werde nie eine Meckermami sein. Dieser Vorsatz lässt sich leider nur bedingt einhalten.

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Immer diese Trödelei! Oder: Pünktlichsein mit Kindern

Früher, da ging man mal eben schnell noch mal in den Supermarkt. Oder zum Bäcker. Schuhe an, Jacke, Portemonnaie und los. Heute, da ist es jedes Mal, als ob man auf eine Weltreise geht. Schuhe an, Jacke, Handtasche um. Soweit so gut. Aber dann kommen da ja noch zwei Persönchen, die auch mitkommen. Und auch Schuhe, Jacke, Mütze brauchen. Bis man heute mal loskommt, dauert es. Es ist ein Phänomen, wie lange. Ich hätte es mir vorher kaum träumen lassen. Und es ist total egal, wie rechtzeitig man sich fertig macht. Man kommt mit Kindern immer auf den letzten Drücker.

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Dreijährige: Bespielen oder spielen lassen?

Das mit dem Spielenlassen und Bespielen ist so eine Sache. Wenn es gewünscht wird, lese ich gerne eine Stunde lang vor. Ich habe auch kein Problem damit, wenn es viermal dasselbe Buch sein soll. Duplos bauen ist auch eine feine Sache und auch die Holzeisenbahn lasse ich gerne mal im Kreis fahren. Ich schaue gerne beim Malen zu und reiche neues Papier und bewundere die fertigen Werke. Kneten finde ich auch klasse und in der Sandkiste habe ich meinen Spaß damit, den zehnten Sandkuchen zu essen. Noch lieber backe ich richtigen Kuchen und lasse meinen Gr0ßen dabei den Mixer halten. Viel Spaß haben wir zwei (und das Baby im Kinderwagen) auch damit, Einkaufen zu gehen, die Birnen und Butter aufs Band zu legen.

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Nur wenn wir sie auch mal alleine spielen lassen, lernen Kindern, alleine zu spielen.

Bespielen rund um die Uhr: Wie viel Animation brauchen Kinder?

Aber ich gebe es zu: Ich kneife. Ich kneife, wenn es heißt: „Mama, wollen wir Flugzeug spielen?“ Denn ich weiß, was dann kommt. Rollenspiele mit einem Dreijährigen! Mein Großer ist der Pilot und ich soll neben ihm sitzen. Dann geht es los, ein ohrenbetäubendes „BRRRRRRRRRUMMMMMM“. Das dauert eine Weile an. Dann landet der Flieger. Um dann wieder abzuheben. Das kann gerne ein Stunde lang dauern. Meine Stichworte kenne ich schon: „Anschnallen nicht vergessen.“ Dann heißt es, neben der Lärmquelle zu sitzen und eine gute Miene zu machen.

ROLLENSPIELE. Als Kind liebte ich sie. Heute kneife ich, wenn ich kann.

Wenn es wieder heißt: „Mama, ich bin der Autofahrer und du musst dich neben mich setzen.“ Und wir eine Stunde lang auf dem Sessel durch die Gegend heizen. Er ist der Fahrer, natürlich ein schneller und natürlich ist das Auto LAUT.

Alleine spielen: Ab wann können Kinder das?

Nein. Ich mag diese Spiele nicht. Ich bin kein geduldiger Beifahrer. Und als Co-Pilot eigne ich mich auch nur bedingt.  Ich weiß: Rollenspiele sind ganz wichtig. Besonders für Dreijährige. Sie verarbeiten dabei, was sie im Alltag erleben. Sie lernen dabei und vertiefen ihre Fähigkeiten. Ist mir alles klar. Aber sollten sie so etwas nicht mit anderen Kindern spielen? Müssen wir Eltern für alles herhalten? Sind wir überhaupt die richtigen Spielpartner?! Müssen wir Kinder ständig bespielen?

Ich habe einmal gelesen, ich glaube es war bei Remo Largo, von dem ich viel halte, weil er so herrlich undogmatisch ist, dass wir Erwachsene Kindern vor allem den Alltag vorleben sollen und sie in unseren Alltag einbeziehen sollen. Spielen sollen sie vor allem mit anderen Kindern. Um von ihnen zu lernen. Um sich zu sozialisieren. So sehe ich es auch.

Natürlich spiele ich gerne mit meinen Kindern. Es bringt mir auch Spaß. Aber doch nicht rund um die Uhr! Und brauchen Dreijährige wirklich dieses ständige Bespielen? Die Rund-um-die-Uhr-Animation?

Nein.

Wenn ich sehe, wie mein Großer auch mal im Spiel versinken kann. Wie er gedankenverloren mit einem Matchbox-Auto durchs Kinderzimmer fährt, dabei verschiedene Stimmen imitiert, sich eine Rennstrecke ausdenkt, das Auto im Stau stehen lässt und volltankt – alles ohne Stichworte und Interventionen von mir, dann bin ich fest davon überzeugt, dass es Kindern gut tut, auch einmal mit sich selbst zu spielen. Auch mal einen Moment Langeweile zu haben. Um dann auf eine neue Idee zu kommen. Man muss ihnen nicht ständig neue Spiele vorschlagen, neue Reize setzen, dazwischen reden, wenn er gerade dabei ist, in den „Flow“ zu kommen. Kinder brauchen uns nicht als Animateure und nein, wir müssen sie nicht ständig bespielen, damit sie glücklich sind.

Man muss Kinder nicht ständig bespielen

Genau dieses Reinreden beobachte ich oft auf dem Spielplatz. Da sitzt Finn-Luca im Sand und siebt konzentriert, lässt den Sand in ein Loch fallen und siebt weiter. Schon fünf Minuten lang. Doch der Finn-Lucas-Mama scheint das nicht zu reichen. „Guck mal, Finn-Luca, tu den Sand doch mal ins Förmchen und mach einen Sandkuchen.“ Finn-Luca guckt gar nicht hoch. Sie also lauter „Fi-inn-Lu-uca. Nimm doch noch das Förmchen dazu.“ Finn-Luca hört nicht. Sie kräht „Finni! Mit dem Förmchen bringt das viel mehr Spaß.“ Finni guckt schließlich hoch, sie wedelt mit dem Förmchen, legt ihm das vor die Nase. Widerwillig nimmt er das Förmchen, wirft es weg und steht meckernd auf. Finni hat Hunger und keine Lust mehr zu spielen. Finnis Mama seufzt: „Nie kannst du dich mal auf eine Sache konzentrieren.“

Ich lasse meinen Großen gerne in den Flow kommen. Ja, nicht ganz ohne Eigennutz. Denn dann habe ich auch mal fünf Minuten, vielleicht in der Zeitschrift zu blättern oder einfach nur den Kaffee zu trinken, Wolken anzuschauen und mal nix zu tun. Nun ja, wenn mich der Kleine lässt. Der ist nämlich immer dann im Flow, wenn der Große nicht im Flow ist. Und ist der Große im Flow, dann will der Kleine garantiert grad von Flow nix wissen. Ha! Aber der Plan steht: In einem Jahr ist der Kleine groß genug. Dann spielen sie gemeinsam und haben einen Doppel-Flow und ich einen doppelten Kaffee samt Zeitschriftenartikel.

Was meint Ihr: Dreijährige bespielen  oder auch mal langweiligen lassen? Brauchen sie diese Daueraction? Müssen wir Eltern Animateure für unsere Kinder sein und jedes Spiel mitmachen? Oder kann man sich auch mal ohne schlechtes Gewissen vorm X.Ten Rollenspiel (Polizei, Feuerwehr oder Einkaufsladen) drücken?

Dreijährige: So liebenswert und so anstrengend

Manche sagen ja, es ist so eine Art erste Pubertät. Das vierte Lebensjahr. Wenn ich meinen Großen so anschaue (3 Jahre und 3 Monate alt), dann kann ich nur zustimmen. Ich will es mal so ausdrücken: Der Wutzwerg ist bei uns recht häufig zu Besuch!

Es ist so ein tolles Alter: Sie haben ihre Augen überall, freuen sich über Kleinigkeiten wie ein Löwenzahn im Kopfsteinpflaster, an denen wir achtlos vorbeigehen. Sie können sich alleine anziehen (theoretisch zumindest), sie können alleine auf Klo gehen und man muss keine Windelkartons mehr schleppen. Sie können mit Löffel und Gabel essen (auch das theoretisch zumindest) und aus ganz normalen Wasserflaschen trinken, so dass man diese Kinderbecher nicht mehr mit sich rumschleppen muss. Sie lachen viel, haben ihren eigenen Kinderhumor entwickelt, können auch schon mal alleine spielen und einen mitnehmen auf Entdeckungsreise in ihre kleine Welt, die für sie so groß und aufregend ist.

Dreijährige sind anstrengend – und einfach toll!

Und sie sind so süß, diese Dreijährigen! Sie sind richtige kleine Persönlichkeiten geworden, haben einen eigenen Charakter entwickelt. Sie können reden und man kann sich mit ihnen unterhalten.

Und damit fängt aber auch das Dilemma an.

Denn sie wollen eine eigene Persönlichkeit sein. Nur weiß diese eigene Persönlichkeit nicht immer, was sie eigentlich wirklich will. Oder wieso sie etwas nicht will.

Tatsache ist nur: ICH WILL! Oder wahlweise: ICH WILL ABER NICHT!

Dahinter kann man jetzt ganz beliebig setzen: … Schuhe anziehen. Schuhe ausziehen. In den Kindergarten. Aus dem Kindergarten zurück nach Hause. Zum Einkaufen. Aus dem Supermarkt wieder raus.

A propos Supermarkt: Hier gibt es viel, was man will. Mein Großer leitet das immer mit dem schönen, noch ganz harmlos klingenden Satz ein:

Ich wollte doch heute eigentlich noch…

Auch hier kann man diese optionalen Textbausteine setzen:

Schokoladenpudding essen, Eis essen, Gummibärchen kaufen. Das harmloseste ist, wenn er im März unbedingt Weintrauben essen will. Ich kaufe eigentlich keine Weintrauben, die einmal um die Erde geflogen werden, aber auf diesen Wunsch gehe ich gerne noch ein. Es gibt Schlimmeres.

Wutanfälle und Trotzphase: Große Herausforderungen

Wie zum Beispiel diese unglaublichen Wutanfälle, die diese kleinen süßen Kinder von null auf hundert entwickeln können. Gerade noch lustige Kinderscherze gemacht und so niedlich glucksend gelacht und schon verzieht sich das Gesicht, öffnet sich der Mund und Achtung! Die Heulboje legt los. Ein laaaanggezogener Heulton. UUUUUUUU. AAAAAAAA. Dann ein gejammertes „Ich will aber so gerne“. Kurzes Warten. Gucken zu Mama. Reagiert sie? Nein? Okay. Lautstärke steigern. Da geht noch was. UUUUUUUUAAAAAAA: „Ich wollte aber doch heute so gerne Schokopudding essen.“ Und was macht Mama? Sagt einfach „Ich esse auch gerne Schokoladenpudding, aber heute gibt es keinen.“ Frechheit! Also nochmal ein bisschen am Lautstärkeregler drehen. UUUUAAAA: „Ich will aber so gerne.“

Ich sage nur so viel: Er kann verdammt laut sein. Und es kann verdammt nerven. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft am Tag ich diesen Heulbojenton höre. Beim Schuhe anziehen. Beim Schuhe ausziehen. Beim Brot schmieren. Ach, es fängt schon beim Aufstehen an. Und endet, wenn es ins Bett geht (über DIESEN täglichen Spaß mehr in meinem Post hier).

Ja, ich weiß. Erste Abgrenzung von den Eltern. Entdeckung des eigenen Ichs. Des eigenen Willens. Wichtiger Schritt in die Selbständigkeit. Wäre schlimm, wenn diese Phase nicht da wäre.

Aber das ändert nichts daran, dass man manchmal einfach nicht mehr kann. Keine Lust mehr hat auf das ständige Theater. Sie sind so süß und so anstrengend! Wichtige Phase für die Entwicklung schön und gut. Aber muss sie so lang sein?! Kann das nicht an zwei, drei Tagen fertig entwickelt sein?!

Dreijährige testen Grenzen aus – immer. Ständig. Überall.

Ständig dieses Grenzenaustesten. Der Große hüpft auf dem Bett rum. Fröhlich, macht Faxen, wir haben Spaß. Sein kleiner Babybruder liegt in einer Ecke auf dem Bett, guckt zu, gluckst und findet das auch klasse. Doch von einer Minute auf die andere kippt der Spaß: Der Große hüpft mit einem frechen Grinsen zu seinem Bruder und lässt sich auf ihn plumpsen. Mit voller Absicht. AHHHHH!

Muss das denn sein?!

Ich will das nicht, ständig Nein sagen, schimpfen und ermahnen.

Manchmal denke ich abends: Jetzt habe ich wieder so furchtbar viel gemeckert heute. Ich bin doch die Art Mama geworden, die ich nie sein wollte. Wer will schon eine alte Keifschachtel sein?

Ich habe es auch mit Ignorieren probiert. Funktioniert nicht auch nicht.

Es ist nur eine Phase! Aber was für eine!

Es hilft wohl nix: Zähne zusammenbeißen. Durch diese Phase müssen wir Eltern durch. Man merkt sich ja selektiv das, was einem grad in den Plan passt. In meinem Fall ist das eine Studie, die besagte, dass Kinder mit heftigen Trotzanfällen intelligent sind. Das ist nun mein Mantra, wenn der Wutzwerg wieder zu Besuch ist und mein niedlicher Kleiner, der so lieb kuscheln kann und so witzige Dinge sagen kann, zu einem jaulenden, ja, ich nenne es jetzt mal Monsterchen, mutiert: Es ist eine Phase. Er ist ja nur so intelligent. Er bildet grad seine Persönlichkeit. Ganz wichtig. Ein großer Schritt in die Selbständigkeit. Es ist nur eine Phase. Ganz wichtig in der Entwicklung. Nur eine Phase, nur eine…. AHHHHH NUN REICHT ES ABER!

Was mich aufrecht hält, ist dass es allen Eltern von Dreijährigen so zu gehen scheint. Auch der abendliche Kampf ums Zu-Bett-Gehen scheint nicht nur in unserem Haus so ausgefochten zu werden. Tut es gut, zu wissen, dass man nicht alleine ist…

Und wenn er dann wieder seine dünnen Ärmchen um mich schlingt und sagt „Mama, ich hab dich lieb“, dann schmilzt einem das Herz. Sie sind ja so süß! Und weil sie oft schon so groß und vernünftig wirken, vergisst man oft, dass sie ja noch so kleine Kinder sind. Drei Jahre alt!

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