Morgens im Kindergarten-Bullshitbingo

Einer meiner Gründe für diesen Blog war ja auch mal, Euch zu zeigen: Hey, Ihr seid nicht alleine! Niemand ist perfekt und irgendwie sitzen wir alle im selben Boot. Denn es hilft ja zu wissen, dass das irgendwie doch alles ganz normal ist, was uns der Alltag beschert. Besonders schön anzusehen ist das morgens im Kindergarten, wo alle Eltern dieselben Sätze abspulen und alle Kinder noch fast schlaftrunken dieselben Antworten geben oder halt nicht geben. Das ist doch irgendwie tröstlich: Es ist nicht nur bei uns so! Ich hab‘ da mal für Euch mitstenografiert und unseren Morgen in einem Morgens im Kindergarten – Bullshitbingo aufgearbeitet.

Gummistiefel, ganznormalemama, Bullshitbingo

Aus „Ziehst Du bitte Deine Schuhe aus?“ wird morgens ganz schnell „Zieh jetzt Deine Schuhe aus!“

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Immer diese Trödelei! Oder: Pünktlichsein mit Kindern

Früher, da ging man mal eben schnell noch mal in den Supermarkt. Oder zum Bäcker. Schuhe an, Jacke, Portemonnaie und los. Heute, da ist es jedes Mal, als ob man auf eine Weltreise geht. Schuhe an, Jacke, Handtasche um. Soweit so gut. Aber dann kommen da ja noch zwei Persönchen, die auch mitkommen. Und auch Schuhe, Jacke, Mütze brauchen. Bis man heute mal loskommt, dauert es. Es ist ein Phänomen, wie lange. Ich hätte es mir vorher kaum träumen lassen. Und es ist total egal, wie rechtzeitig man sich fertig macht. Man kommt mit Kindern immer auf den letzten Drücker.

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Entschleunigen mit Kindern: Einfach die Welt aus Kinderaugen sehen

Alle reden von Entschleunigung. Der Work Life Balance. In Umfragen sehen sich die Menschen danach, einmal inne zu halten, den Moment zu genießen, ihn mehr zu würdigen. Das Tempo unserer Gesellschaft ist vielen zu schnell, das Hamsterrad lässt sich nicht anhalten, obwohl die meisten eigentlich gar nicht in ihm stecken wollen. Doch Entschleunigung geht eigentlich ganz einfach.

Man muss sich nur dem Tempo der Kinder anpassen.

Sie zeigen uns, wie es geht: Auf dem Weg zum Kindergarten wird in jede Hüpfe gehüpft. Jeder Vogel wird bestaunt, vor jedem Bagger und jedem  Müllauto inne gehalten und geschaut. Hier muss noch ein Blatt aufgehoben werden, da noch einmal durch die Öffnung in der Mauer geluschtert werden. Wenn ein Regentropfen fällt, dann wird in den Himmel geschaut und ausgiebig über die Form der Wolken diskutiert. Entschleunigen mit Kindern ist einfach. Man muss die Welt nur aus Kinderaugen sehen. Man muss sich darauf einlassen. Und das Entschleunigen zulassen.

Schweden, Entschleunigung, Achtsamkeit

Entspannter Sommertag in Schweden – da entschleunigt man von alleine…

Entschleunigung, Work Life Balance, Achtsamkeit: Macht es wie die Kinder!

Kinder sind die perfekten Entschleuniger. Sie kümmern sich nicht um Termine, um Kindergarten-Schließzeiten oder die Öffnungszeiten eines Supermarktes. Sie freuen sich, wenn sie ihre Schuhe selbst anziehen dürfen, sei es auch falsch herum als Entenfüße. Sie lachen über das Geschnatter der Ente und bleiben stehen, um zu sehen, ob sie noch andere Geräusche drauf hat. Sie wollen an jeder Brücke einen Stein ins Wasser werfen, um zu sehen, ob es auch schön platscht. Schon Babys sind perfekte Entschleuniger. Sie können ewig lange auf eine Rassel starren, die man vor ihren Augen hin und her führt. Oder mit den Armen rudernd ein Mobile bestaunen. Das ist Entschleunigung wie sie im Buche steht. Das ist Achtsamkeit.

Natürlich nervt es manchmal. Oh ja und wie es nerven kann! Es kann einen wahnsinnig machen. Diese Entschleunigung mit Kindern. Denn Entschleunigung heißt auch: Langsam. Entschleunigung kann nerven, wenn man dringend los will, morgens um kurz vor halb neun, damit das Kind rechtzeitig zum gemeinsamen Frühstück im Kindergarten ist. Und der Sohnemann mal wieder alles, ALLES, A-L-L-E-S (!) selbst machen will. Schuhe anziehen, den Reißverschluss hochziehen, die Handschuhe überstülpen, die Tür aufmachen, den Buggy schieben… Und der Zeiger an der Uhr tickt und tickt und tickt und ihm ist es vollkommen egal (auch, ob da eine Tür vor ihnen zugeht).

Man kann es Trödelei nennen oder das Aufregen sein lassen und sich DRAUF EINLASSEN auf das Tempo der Kinder

Vor der Tür wird der schmelzende Schneemann noch einmal von allen Seiten angeschaut und auf dem Weg zum Kindergarten kommen tausende Warum-Fragen.

Ja, es kann einen wahnsinnig machen.

Aber wenn man sich darauf einlässt auf das Tempo der Kinder, auf diese Entschleunigung, vielleicht dann ja eher nach dem Kindergarten, ganz entspannt, dann kommt man wirklich runter. Man schaltet ab vom Alltag, lässt sich treiben im Kinderrhythmus und entdeckt Dinge, die einem sonst nie auffallen, stellt sich Fragen, die einem sonst banal erscheinen – und stellt fest, dass man die Antworten gar nicht weiß. Oder sie gar nicht so selbstverständlich sind, wie man immer dachte. Man erfreut sich an dem Geschnatter der Enten und die kuriosen Formen der Wolken.

Die Welt durch Kinderaugen sehen hilft beim Entschleunigen

Es ist Wert, diese Entschleunigung einfach mal auszuprobieren. Den Nachmittag frei zu halten von Terminen, einfach nur zu bummeln und mit den Augen des Kindes durch die Welt zu laufen. In seinem Tempo. Ein kleiner Wellness-Tag, nach dem man viele neue Erkenntnisse hat. Und entspannter ist als nach einer perfekt getimten Massage im Day-Spa.

Man muss sich nur drauf einlassen auf diese Art der Entschleunigung. Es lohnt sich.