Morgens im Kindergarten-Bullshitbingo

Einer meiner Gründe für diesen Blog war ja auch mal, Euch zu zeigen: Hey, Ihr seid nicht alleine! Niemand ist perfekt und irgendwie sitzen wir alle im selben Boot. Denn es hilft ja zu wissen, dass das irgendwie doch alles ganz normal ist, was uns der Alltag beschert. Besonders schön anzusehen ist das morgens im Kindergarten, wo alle Eltern dieselben Sätze abspulen und alle Kinder noch fast schlaftrunken dieselben Antworten geben oder halt nicht geben. Das ist doch irgendwie tröstlich: Es ist nicht nur bei uns so! Ich hab‘ da mal für Euch mitstenografiert und unseren Morgen in einem Morgens im Kindergarten – Bullshitbingo aufgearbeitet.

Gummistiefel, ganznormalemama, Bullshitbingo

Aus „Ziehst Du bitte Deine Schuhe aus?“ wird morgens ganz schnell „Zieh jetzt Deine Schuhe aus!“

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Ich mach‘ das selbst! hat das Trödeln abgelöst – aber ob wir damit wirklich schneller sind?

Es ist alles nur eine Phase. Kennt Ihr, das allgegenwärtige Mama-Mantra? Nun ja. Wie wir alle wissen, wird jede Phase von der nächsten Phase abgelöst. Wir hatten sie schonmal: die Selbstmach-Phase. Alles wollte der Große selbst machen. Anziehen, ausziehen – es dauerte halt und Schuhe wurden schonmal falsch herum angezogen und wehe man half, dann war das Geschrei groß.SONY DSC

Dann kam die Trödelphase, in der nix mehr selbst ging und der Große urplötzlich zum Baby wurde und das Geschrei groß war, wenn man nicht half (wobei es im Kindergarten ja wundersamerweise immer alles selbst geht). Nun haben wir wieder die Selbstmach-Phase – aber wer glaubt, dass wir dadurch morgens schneller fertig sind, der irrt.

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Trödeln, Trotzanfall, Tränen: Ein ganz normaler Morgen mit Dreijährigen

Es war mal wieder einer dieser Tage. Wecker klingelt. Das Baby trinkt noch. Seit einer Stunde schon. Der Dreijährige hingegen will noch gar nicht aufwachen und dreht sich noch mal um. Eine halbe Stunde später sind alle angezogen. Das Baby nach dem gewohnten Windel-Zweikampf, Papa und Mama haben es selbst hinbekommen. Nur der Große, der spielt noch Verstecken unter der Bettdecke. Dann will er die Treppe ins Esszimmer getragen werden. Schließlich wird sein kleiner Bruder ja auch getragen. Der ist, nur mal so zur Erinnerung, 10 Monate alt und kommt die Treppe zwar selbst hoch aber runter bisher nur im Sturzflug (haben wir aber noch nicht ausprobiert). Der Große ist drei Jahre alt. Und das ist das Problem.

3 Jahre! Das heißt: Mitten in der ersten Selbstfindungsphase, mitten im Trotzalter, mitten in der Welt der Tobsuchtsanfälle. Und mitten in der Entdeckung der Langsamkeit (es sei denn, es geht darum, vor Mama und der Zahnbürste wegzulaufen).

Mit drei Jahren mitten in der Autonomiephase

Ich habe ja schon ein paarmal über dieses vergnügliche Alter geschrieben (unter anderem über die Trödelei, der Frage nach den ständigen Rollenspielen und darüber wie liebenswert und anstregend sie sind). Und irgendwie war heute so ein Morgen, an dem alles zusammenkam. Trödeln, Aufstand, Trotzanfall. Ein Morgen, der so ganz und gar exemplarisch ist für das, was hier Tag für Tag bei uns so passiert. Und ich bin mir sicher – so ist es nicht nur bei uns!

Wir sind also endlich alle unten angekommen. Der Große durfte auch mal Baby sein und wurde runtergetragen. Er will sich erst nach dem Frühstück umziehen, das ist auch okay, denn dann kleckert er sich wenigstens nicht den frischen Pulli voll (mehr vom bodenlosen Wäschekorb findet Ihr hier). Aber anstatt sich an den Tisch zu setzen, muss er erst einmal seine Kuscheltiere neu drapieren. Dann entdeckt er noch ein Auto in der Ecke, was eingeparkt werden muss, stellt fest, dass er dringend noch ein Bild malen will, nein doch lieber tuschen und zwar sofort, aber bitte nicht mit dem kleinen Pinsel, er will den dicken Pinsel, nein, nicht den, sondern den anderen, aber nun ist das Blatt Papier eingeknickt, so kann er nicht malen. Und überhaupt!

Trotzanfall Nummer eins. (Ich habe es auch schon mit Härte probiert: Es wird gegessen und nicht gemalt. Bringt auch nix. Wenn man in Ruhe kurz die Zeitung lesen will, empfiehlt es sich, das Kind malen zu lassen.)

Uhhhh. Ein lautes Geheul. Hat er sich beruhigt, bekommt man ihn davon überzeugt, nun doch auch mal das Müsli zu probieren. Heute waren da aber komische rote Stückchen drin (Apfelschale), nein, das geht so nicht. Dass es gestern so noch ging – vergessen.Heute geht es nicht. Punkt.

Stressfalle mit Kindern: Jeden Morgen dasselbe

Papa darf zur Arbeit und verlässt im Laufschritt das Haus. Mir scheint, so etwas wie Erleichterung in seinem Gesicht zu sehen, als er die Tür hinter sich zuzieht. Aber Sohnemann lässt ihn so nicht einfach gehen! Ein Tschüss-Kuss reicht nicht! UHHHHH. Lauter  Sirenenton. Ich will Papa noch einen Kuss geben. UUUUUU- noch lauterer Sirenenton, ich will auch noch winken! Also Tür auf, Mann gerade noch so gestoppt, der kehrt um, Kuss, winken, Tschüss.

Nun also. Kalten Kaffe runterschlucken. Baby anziehen. Dem Großen noch mal sagen, dass ja im Kindergarten das Frühstück beginnt und alle auf ihn warten und man andere nicht warten lässt. Erkläre ich ihm ständig, ist ihm völlig egal.

Er will auf einmal doch ein Marmeladenbrot. Umziehen? Kann er nicht alleine. Hat er wohl verlernt, das passiert ihm ständig.

Also ziehe ich mich erst mal an. „Wir gehen dann schon mal los.“ UHHHH. Sirenenton ist wieder an! Er zieht sich immerhin den Schlafanzug selbst aus. Dann soll ich weitermachen. Mache ich auch, aber er muss zwischendurch immer noch mal etwas erledigen. Ball wegschießen, den Bruder umschubsen, was man halt so zu erledigen hat als Dreijähriger.

Zwischendrin zieht er sich die Socken wieder aus. Ich zieh sie wieder an. Er muss noch mal auf Klo. Er zieht sich die Schuhe falsch rum an. Ich ziehe sie richtig rum an. Er will den Knoten selbst machen. Es dauert ewig. Endlich sind wir vor der Tür. Da will er doch das Fahrrad nehmen. Setzt an zu einem lauten Sirenenton. Schnell Tür auf, Fahrrad aus dem Garten geholt, Helm auf – kann ich selbst! noch schnell im Keim erstickt, los geht es. Mit Fahrrad kommt man wenigstens schneller voran.

Kindergarten erreicht. Auf dem letzten Drücker. Natürlich. Sohn sogar wieder gut gelaunt. Will mich überraschen: „Ich ziehe mich selbst aus.“ Ich soll mich umdrehen. Ich tue das. Und höre nichts. Drehe mich um. Sohn sitzt da, Pulli auf dem Kopf, die Haare drin verfangen. Er sieht mich: „UUUUUUUU, ich wollte dich überraschen!“ Also: Umdrehen, nicht gucken. Es geht ein paarmal hin und her. Er schafft es vor lauter Eifer nicht, den Pulli auszuziehen und schließlich ist das Geschrei groß. Die Wut über sich selbst überkommt ihn.

Mein Sohn mutiert zum Wutzwerg. Rumpelstilzchen ist kann noch was von ihm lernen.

Ein Geheul, ein Geschrei, vor allen anderen. Am liebsten würde ich ihn einfach stehen lassen, sollen doch die Erzieherinnen jetzt das Erziehen übernehmen! Geht natürlich nicht. Lachen wäre auch eine Option, denn irgendwie ist er ja sehr süß in seiner hilflosen Wut. Geht auch nicht. Ich versuche es mit in den Arm nehmen. Geht kurz gut, er beruhigt sich, legt dann aber wieder los. Ignorieren. Hilft nur kurz. Irgendwann ist auch diese Wut verraucht und er geht spielen. Ein Glück verfliegt die Wut auch immer so schnell wie sie kam.

Was hilft gegen diese Trotzanfälle?

Puh. Eineinhalb Stunden und vier Trotzanfälle plus einige geschickt umschiffte. Wer kann das toppen?! Ich bin gespannt auf Eure Berichte.  Drei Jahre ist so ein schönes Alter – denn die lieben Kleinen lernen so viel und plappern so lustige Sachen. Wir haben viel Spaß und wenn ich abends mit ihm kuschel, dann nehme ich mir vor, am nächsten Tag mal gar nicht zu meckern. Und dann steht man auf und… alles geht von vorne los. Erziehen ist schon echt anstrengend manchmal. Nein, falsch. Nicht nur manchmal. Meistens. Dabei hatte ich mir mal vorgenommen: Ich werde nie eine Meckermami sein. Dieser Vorsatz lässt sich leider nur bedingt einhalten.

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Immer diese Trödelei! Oder: Pünktlichsein mit Kindern

Früher, da ging man mal eben schnell noch mal in den Supermarkt. Oder zum Bäcker. Schuhe an, Jacke, Portemonnaie und los. Heute, da ist es jedes Mal, als ob man auf eine Weltreise geht. Schuhe an, Jacke, Handtasche um. Soweit so gut. Aber dann kommen da ja noch zwei Persönchen, die auch mitkommen. Und auch Schuhe, Jacke, Mütze brauchen. Bis man heute mal loskommt, dauert es. Es ist ein Phänomen, wie lange. Ich hätte es mir vorher kaum träumen lassen. Und es ist total egal, wie rechtzeitig man sich fertig macht. Man kommt mit Kindern immer auf den letzten Drücker.

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Entschleunigen mit Kindern: Einfach die Welt aus Kinderaugen sehen

Alle reden von Entschleunigung. Der Work Life Balance. In Umfragen sehen sich die Menschen danach, einmal inne zu halten, den Moment zu genießen, ihn mehr zu würdigen. Das Tempo unserer Gesellschaft ist vielen zu schnell, das Hamsterrad lässt sich nicht anhalten, obwohl die meisten eigentlich gar nicht in ihm stecken wollen. Doch Entschleunigung geht eigentlich ganz einfach.

Man muss sich nur dem Tempo der Kinder anpassen.

Sie zeigen uns, wie es geht: Auf dem Weg zum Kindergarten wird in jede Hüpfe gehüpft. Jeder Vogel wird bestaunt, vor jedem Bagger und jedem  Müllauto inne gehalten und geschaut. Hier muss noch ein Blatt aufgehoben werden, da noch einmal durch die Öffnung in der Mauer geluschtert werden. Wenn ein Regentropfen fällt, dann wird in den Himmel geschaut und ausgiebig über die Form der Wolken diskutiert. Entschleunigen mit Kindern ist einfach. Man muss die Welt nur aus Kinderaugen sehen. Man muss sich darauf einlassen. Und das Entschleunigen zulassen.

Schweden, Entschleunigung, Achtsamkeit

Entspannter Sommertag in Schweden – da entschleunigt man von alleine…

Entschleunigung, Work Life Balance, Achtsamkeit: Macht es wie die Kinder!

Kinder sind die perfekten Entschleuniger. Sie kümmern sich nicht um Termine, um Kindergarten-Schließzeiten oder die Öffnungszeiten eines Supermarktes. Sie freuen sich, wenn sie ihre Schuhe selbst anziehen dürfen, sei es auch falsch herum als Entenfüße. Sie lachen über das Geschnatter der Ente und bleiben stehen, um zu sehen, ob sie noch andere Geräusche drauf hat. Sie wollen an jeder Brücke einen Stein ins Wasser werfen, um zu sehen, ob es auch schön platscht. Schon Babys sind perfekte Entschleuniger. Sie können ewig lange auf eine Rassel starren, die man vor ihren Augen hin und her führt. Oder mit den Armen rudernd ein Mobile bestaunen. Das ist Entschleunigung wie sie im Buche steht. Das ist Achtsamkeit.

Natürlich nervt es manchmal. Oh ja und wie es nerven kann! Es kann einen wahnsinnig machen. Diese Entschleunigung mit Kindern. Denn Entschleunigung heißt auch: Langsam. Entschleunigung kann nerven, wenn man dringend los will, morgens um kurz vor halb neun, damit das Kind rechtzeitig zum gemeinsamen Frühstück im Kindergarten ist. Und der Sohnemann mal wieder alles, ALLES, A-L-L-E-S (!) selbst machen will. Schuhe anziehen, den Reißverschluss hochziehen, die Handschuhe überstülpen, die Tür aufmachen, den Buggy schieben… Und der Zeiger an der Uhr tickt und tickt und tickt und ihm ist es vollkommen egal (auch, ob da eine Tür vor ihnen zugeht).

Man kann es Trödelei nennen oder das Aufregen sein lassen und sich DRAUF EINLASSEN auf das Tempo der Kinder

Vor der Tür wird der schmelzende Schneemann noch einmal von allen Seiten angeschaut und auf dem Weg zum Kindergarten kommen tausende Warum-Fragen.

Ja, es kann einen wahnsinnig machen.

Aber wenn man sich darauf einlässt auf das Tempo der Kinder, auf diese Entschleunigung, vielleicht dann ja eher nach dem Kindergarten, ganz entspannt, dann kommt man wirklich runter. Man schaltet ab vom Alltag, lässt sich treiben im Kinderrhythmus und entdeckt Dinge, die einem sonst nie auffallen, stellt sich Fragen, die einem sonst banal erscheinen – und stellt fest, dass man die Antworten gar nicht weiß. Oder sie gar nicht so selbstverständlich sind, wie man immer dachte. Man erfreut sich an dem Geschnatter der Enten und die kuriosen Formen der Wolken.

Die Welt durch Kinderaugen sehen hilft beim Entschleunigen

Es ist Wert, diese Entschleunigung einfach mal auszuprobieren. Den Nachmittag frei zu halten von Terminen, einfach nur zu bummeln und mit den Augen des Kindes durch die Welt zu laufen. In seinem Tempo. Ein kleiner Wellness-Tag, nach dem man viele neue Erkenntnisse hat. Und entspannter ist als nach einer perfekt getimten Massage im Day-Spa.

Man muss sich nur drauf einlassen auf diese Art der Entschleunigung. Es lohnt sich.