Typisch Sandwichkind? Wie man die mittleren Kinder stärken kann

Vor der Geburt unserer Babymaus machte ich mir schon so meine Gedanken über unseren Mittleren. Wie würde er auf seine kleine Schwester reagieren? Wie würde es für ihn sein, auf einmal nicht mehr der Kleine zu sein – sondern auch großer Bruder? Man hört und liest ja viel über Sandwichkinder  – die mittleren Kinder in Familien mit drei Kindern. Doch was ist da wirklich dran – haben Sandwichkinder mehr Probleme als die Großen oder die Kleinen? Bekommen sie wirklich weniger Aufmerksamkeit als die beiden anderen Geschwister? Und ist unser Mittlerer ein typisches Sandwichkind?

Als unser Baby vor drei Monaten auf die Welt kam, war mein Mittlerer ein richtiger stolzer Bruder. Er ist der einzige unter den drei Geschwistern, der gleichzeitig großer und kleiner Bruder ist, haben wir ihm erzählt, als seine Schwester unterwegs war. Und darauf ist er auch bis heute besonders stolz: Er ist der große Kleine, oder auch der kleine Große. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, der einfach nur der Große ist oder seiner kleinen Schwester, die einfach nur die Kleine ist. So hat er auch seine kleine Schwester begrüßt: „Ich bin dein kleiner großer Bruder.“

Und je nach Situation schlüpft er nun auch in die Rolle, die ihm gerade passt. Wenn es darum geht, länger aufzubleiben, eine Folge Sendung mit der Maus zu gucken oder auch eine Schokotorte zu essen, dann ist er gerne der Große. Da will er dann auch so behandelt werden wie der Große. Aber wenn es darum geht, sich morgens alleine anzuziehen oder die Schuhe anzuziehen – dann ist er gerne mal der Kleine. Und auf einmal hat er es dann scheinbar verlernt, sich alleine seine Hose anzuziehen. (im Kindergarten klappt es natürlich einwandfrei). Mama muss die Schuhe anziehen. Mama muss den Pulli ausziehen. Mama muss den Reißverschluss hochziehen. Sogar beim Essen ist er manchmal der Kleine – natürlich nicht, wenn es darum geht, etwas zu naschen (was ja nur Große dürfen und keine Babys oder Kleinkinder). Aber ganz plötzlich kann er nicht mehr mit Messer und Gabel essen. Selbst mit dem Löffel klappt es nicht immer – dann will er gefüttert werden. Weil er ja auch der Kleine ist.

Wie kann man die mittleren Kinder stärken?

Ist das jetzt typisch Sandwichkind? Ich würde sagen: Es ist typisch, wenn ein kleines Geschwisterchen dazukommt. So reagierte auch unser Großer als sein kleiner Bruder auf die Welt kam. Und es ist ganz normal, dass die Kinder dann wieder klein sein wollen. Schließlich waren sie bis zur Geburt des Geschwisterchen unser Kleinen! Unser Großer hat es jetzt bei seiner kleine Schwester nicht, dieses regressive Verhalten, er geht total auf in seiner Rolle als Großer, liebt es, sich um seine Schwester zu kümmern und mir zu helfen. Aber vor vier Jahren sein kleiner Bruder, also unser Mittlerer, auf die Welt kam, da zeigte er das regressive Verhalten.

Und diese Phase legte sich wieder.

Das Wissen hilft mir heute, entspannt mit der regressiven Phase des Mittleren umzugehen. Ich habe darüber auch in meinem Buch „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder“ geschrieben: Statt ständig an die Vernunft des großen Geschwisterchens zu appelieren oder gar zu schimpfen „Du bist doch schon groß, lass doch diesen Blödsinn“ sollten wir unserem Kind gestatten, noch mal wieder klein zu sein. Es auf den Schoß nehmen beim Essen, wenn es das möchte. Dann wird der kleine Große halt noch mal wieder gefüttert. Und dann ziehe ich ihm halt die Schuhe an (auch wenn es manchmal echt nerven kann, vor allem, wenn man schnell mal aus dem Haus will) – ich weiß ja, dass er sich alleine anziehen kann und mit Messer und Gabel essen kann. Er wird es schon nicht wieder verlernen. Er braucht jetzt halt einfach eine Portion Mama und die soll er bekommen, denn das gibt ihm Sicherheit. Und: Es ist eine Phase, es geht vorbei.

Drei Kinder - ist das mittlere Kind automatisch ein Problemkind? Wie man Sandwichkinder stärkt

Sandwichkind = Problemkind?

Man liest ja viel über Sandwichkinder – dass sie die Problemkinder sind. Das älteste Kind hatte das Privileg einige Zeit als Einzelkind die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern zu genießen. Und das Kleinste bekommt als Nesthäkchen auch wieder besondere Aufmerksamkeit. Das habe zur Folge, dass die Mittleren besonders fordernd sind, besonders auf sich aufmerksam machen, sagen einige Psychologen.

Und unser Kleiner Großer ist tatsächlich das Kind, das am meisten von uns einfordert. Aber er ist weit davon entfernt, ein Problemkind zu sein. Abgesehen davon, dass es normal ist, dass er mit seinen vier Jahren einfach mehr Aufmerksamkeit von uns möchte als sein großer Bruder mit seinen fast sieben Jahren. Der macht nämlich grad einen Riesenschritt in Richtung Selbständigkeit.

Es ist auch diesmal beim dritten Kind so, dass einem die älteren Geschwister auf einmal so plötzlich groß vorkommen, als seien sie über Nacht gewachsen. Der Große ist auf einmal so vernünftig und selbständig. Und der Mittlere, der bis vor kurzem noch der Kleine war, kommt mir auf einmal so riesig vor. Dieses plötzliche vermeintliche Wachstum lässt mich manchmal vergessen, dass er mit seinen vier Jahren ja auch noch ein kleines Kind ist! Ich muss mich immer wieder bewusst daran erinnern. Natürlich ist er nicht so hilflos und klein wie seine Baby-Schwester  – aber halt auch noch kein großes Kind und schon gar kein Schulkind wie sein Bruder! Wenn er seine Wutanfälle bekommt, dann nicht um uns zu ärgern, sondern weil er in seinem Alter gerade erst noch dabei ist, zu lernen, wie man mit Wut und Enttäuschung umgeht.

Wenn das dritte Kind kommt: Sandwichkinder stärken? Geschwisterkinder fürs Leben stark machen? Was müssen Eltern bei der Erziehung der mittleren Kinder beachten?

Und damit wir gar nicht erst diese typische Sandwichkind-Problematik bekommen, versuche ich, unserem Mittleren immer wieder meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, ihn immer wieder fest zu umarmen, ihn auf meinem Schoß sitzen zu lassen, nur ihm alleine etwas vorzulesen. Psychologen raten, den mittleren Kindern immer mal wieder eine Sonderrolle einnehmen zu lassen – zum Beispiel bestimmen zu lassen, was es zum Abendessen geben soll. Und die Kinder nicht gegeneinander auszuspielen – was auch wichtig ist, damit sich die Geschwister gut verstehen und nicht zu Rivalen heranwachsen (über Geschwisterrivalität habe ich auch in meinem Buch ein Kapitel geschrieben).

Es ist natürlich wie immer bei mehreren Kindern ein Balanceakt, allen gerecht zu werden. Und es gibt auch jetzt noch genug Momente, in denen mich der Versuch, allen dreien gerecht zu werden, ein wenig zerreißt. Denn auch wenn der Große schon so selbständig ist und sich so wunderbar selbst beschäftigen kann, braucht auch er noch meine Aufmerksamkeit und immer wieder eine Portion Mama.

Und ganz abgesehen davon, es hat ja auch eine Menge Vorteile als mittleres Kind aufzuwachsen: Man ist nie alleine. Man lernt, sich durchzusetzen. Man ist nicht so im Fokus der Eltern wie das große und das kleine Kind – was auch ein großer Vorteil sein kann. Und außerdem: Sandwichkinder wachsen meistens zu besonders diplomatischen Menschen heran, sagt die Forschung!

Was mir hilft: Dass sich die Großen so gut verstehen, so toll miteinander spielen. Auch wenn sie sich immer wieder streiten – sie können wirklich toll zusammenspielen, sich Spiele ausdenken und passen aufeinander auf. Und natürlich hilft es ungemein, dass unsere Babymaus so ein unkompliziertes, fröhliches Baby ist. Das erleichtert vieles!

Habt Ihr auch so ein Sandwichkind? Wie handhabt Ihr das?

Die mittleren Kinder: Was tun, damit sie keine Problemkinder werden? Gibt es das typische Sandwichkind in der Familie? #erziehung #familie

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr  familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir per Email,  auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest – ich freue mich auf Euch!

Und wusstet Ihr, dass mein neues Buch „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder auf dem Markt ist!? Ein undogmatischer Erziehungsratgeber zum Thema „Zweites Kind“ – humorvoll und praxisorientiert

Und ab April auf dem Markt und jetzt vorbestellbar:Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter

6 Kommentare zu “Typisch Sandwichkind? Wie man die mittleren Kinder stärken kann

  1. Hallo!
    Ja. Das ist auch ein Thema, das mich beschäftigt. Wir haben die gleiche Kombi: 2 Jungs (6,5 und fast 5) und ein Mädchen (1,5 Jahre).
    Der Größte ist in der ersten Klasse – meistens sehr vernünftig, liebt seine kleine Schwester total und bringt sie gern mit Quatsch zum Kichern – aber natürlich hat auch er seine Ausflipper.
    Der 4jährige war schon immer der anstrengendere – ärgert gern die Schwester, provoziert durch demonstratives „Nichttun“ und ist selten hilfsbereit. Aber er ist schlau, kann sich besser selbst beschäftigen, kuschelt gern und ich hoffe einfach, dass wir einen guten Weg finden, ihn zu stärken in seiner Rolle.
    Gibt aber genug Tage, an denen ich an meinen Fähigkeiten zweifle!
    Die Kleine war – bis auf das Schlafen – ein sehr unkompliziertes Baby. Jetzt kommt sie in die Trotzphase und tut ihren Willen deutlich kund!

    Einen Tipp hab ich, wenn es umzusetzen ist:
    Im letzten Sommerurlaub haben wir Mama-Sohn- und Papa-Sohn-ausflüge gemacht. Jeweils nur zu zweit – immer andere Ziele. Diese Exklusivzeiten haben die Jungs total genossen und sowas machen wir immer wieder mal – und wenn es nur mal zu zweit spazieren gehen oder einkaufen ist. Mit der Kleinen dann, wenn sie älter ist – die hat die Mama am Vormittag eh noch für sich alleine.

  2. Ich schließe mich auch mal an. Wir haben drei Jungs (7 Jahre, 4 Jahre und 7 Monate). Viele Dinge von denen du schreibst, kommen mir sehr bekannt vor. Bisher ist es aber recht entspannt was aber auch dem sonnigen Gemüt unseres Mittleren zu verdanken ist. Aber auch ich mache mir immer wieder Gedanken, um den Mythos „Sandwichkind“

  3. Ganz genauso ist es bei uns (7,4 und baby). Die mittlere ist auch das forderndste Kind, aber auch das Kind, das mit viel mehr offensichtlichem Gefühl an seinen Geschwistern hängt. Bei uns hat sie den Namen „Mittelschwester“ und darüber identifiziert sie sich. Mal die Große, mal die Kleine und immer die Lustigste!

  4. Hallo Natalie!
    Ich folge dir schon einige Zeit und finde es immer spannend von dir zu lesen!
    Ich entdecke immer viele Parallelen zu meiner Familie obwohl ich dir in einigen Dingen um 3 Jahre voraus bin😉 (die Mitte 30 hab ich leider eindeutig überschritten, meine Kinder sind fast 10, 7 und 3 ) und der ganz normale Großfamilienwahnsinn hat auch uns fest im Griff und wir genießen es- meistens.
    Das Thema Sandwichkind beschäftigt mich seit der Geburt unseres Jüngsten auch und ist zur Zeit wieder sehr aktuell. Der Große, der außerdem eine chronische Erkrankung hat, für die viel Therapie und Zeit nötig ist, beginnt schön langsam und heftig zu pubertieren und der kleine Trotzkopf, der nicht glaubt,.dass es Dinge gibt die seine Brüder und Eltern dürfen und er nicht, fordern viel Kraft und Aufmerksamkeit von uns Eltern sodass der tüchtige und ruhige Mittlere oft zu wenig Aufmerksamkeit und zu viele Aufgaben bekommt.
    Ich freu mich schon auf viele weitere interessante Posts von dir!
    Alles Liebe für deine Familie!

Beim Kommentieren stimmt Ihr meiner Datenschutzerklärung (siehe Menü) zu.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.