Wettbewerb um die besseren, teureren, kreativeren Mitgebsel für den Kindergeburtstag

Mein Sohn ist sechs Jahre alt geworden. Kindergeburtstag! Mit sieben aufgekratzten Kindern, einer echten Schatzsuche, selbst belegten Hot Dogs und Unmengen von Gummibärchen. Was halt zu einer echten Geburtstagsparty dazugehört. Inklusive einer Mitbringsel-Tüte (oder auch Mitgebsel-Tüte) für die Gäste. Die zu befüllen ging nicht, ohne mich aufzuregen über den sinnfreien Wettbewerb, den einige Eltern ausgerufen zu haben scheinen: Wer hat die bessere, teurere, kreativere, süßere, prall gefülltere und überhaupt Geburtstagsmitbringsel-Tüte?!

Eltern im Wettbewerb um das kreativere, teurere, bessere Mitbringsel vom Kindergeburtstag: Der neue Trend unter Müttern - nicht nur die Geburtstagsfeier muss immer toller sein, auch die Mitbringseltüte für die Gäste. Das fängt schon bei Kindern unter 3 an!

Bei den ersten Geburtstagen gab es gar nichts für die Gäste. Also außer Kuchen natürlich. Und die obligatorischen Smarties und Gummibärchen, die zum Inventar eines Kindergeburtstags zählen. Aber dann mit dem Kindergarten ging es los… nicht nur, dass sich Eltern in der Ausrichtung der Geburtstagsparty immer mehr übertreffen müssen, der Trend greift nun auch auf die Mitbringseltüten über! Die Kindergeburtstagspartys halten sich ein Glück in unserem Bekanntenkreis die Waage. Schatzsuchen sind grad groß angesagt, ein paar Spiele wie Topfschlagen, ein bisschen Malen und Basteln zum Runterkommen vor dem Abendessen – aber von Zaubershows, Clowns oder Hüpfburgen blieben wir bisher verschont. Gut so, denn dann sind die Ansprüche auch nicht so hoch. Eine anständige Schatzsuche sollte ich schon hinbekommen.

Aber in Sachen Mitgebsel geht es gerade richtig los. Wie viel darf rein als Mitbringsel für Kindergeburtstagsgäste? Was muss rein, was darf gar nicht rein? Und wie soll diese Tüte aussehen?

Eltern im Wettbewerb um die beste, tollste, kreativste Mitbringseltüte für den Kindergeburtstag.

Toller Kuchen, tolle Geschenke, tolle Party: Und dann muss neuerdings auch die Mitbringseltüte mehr als toll sein!

Eins ist klar: Die Umfänge und das Gewicht dieser Tüten, die mein Sohn von Kindergeburtstagen mitbrachte, steigerte sich von Mal zu Mal. Ein Wettbewerb um die tollste, größte, was auch immer Mitbringseltütel ist ausgebrochen! Nicht nur bei den Mitbringseln für die Partygäste, selbst schon bei den Mitbringseln für die Kindergartengruppe! Einmal brachte mein Sohn neben kiloweise Bonbons noch ein Spielzeug mit, das genauso so viel kostete wie das Geschenk für das Geburtstagskind. Jeder Gast hatte so ein kleines Spielzeug bekommen. Jeder! Von sechs Kindern! Wo kommen wir denn da hin? Das Geburtstagskind bekommt doch die Geschenke! Und nicht die Gäste! Die bekommen ein Mitbringsel. Eben.

Grad im Trend: Die selbstgenähte Mitbringsel-Tüte

Aber was ist so ein Mitgebsel?

In diversen Internetforen habe ich nun viele superhyperkreative DIY-Mitbringsel für Kindergeburtstagspartys entdeckt. Da nähen die Mamas vor der Geburtstagsparty noch kleine Säckchen für die Gäste, jedes Säckchen ein Unikat und aus einem persönlich ausgewählten Stoff. Versteht sich. Abgesehen davon, dass ich nicht nähen kann und abends anderes zu tun habe, ich finde Butterbrottüten ja auch ganz schön. Da kann man nicht nur klasse Weihnachtssterne draus kleben, sondern auch super Mitbringseltüten draus zaubern. Ein bisschen Washitape oder bunte Aufkleber drauf, fertig. Werden eh nur aufgerissen und ausgeleert und landet anschließend im Müll.

Doch nicht nur die Kindergeburtstagsmitbringsel-Verpackung wird in diversen Onlinemedien möglichst kreativ angepriesen, es ist auch ein Wettbewerb um den kreativsten Inhalt ausgebrochen. Da werden kleine Spielzeuge extra selbst geschnitzt und gebastelt. Von Hand, für jeden ein Unikat. Da werden Origamitiere gefaltet, für jeden Gast ein anderes. Da werden kleine Armbänder geknüpft, Perlenketten aufgezogen, sorgrfältig verpackt. Es soll gar Mütter geben, die sich abends hinstellen und selber Bonbons machen, die in nostalgische natürlich selbstgemachte Papiertüten füllen und mit Blumen dekorieren.

Nun, wozu dieser Aufwand? Wen will man damit beeindrucken? Doch wohl eher die anderen Mütter als die Gäste des Geburtstagskindes.

Kinder wollen eh nur eins, habe ich nach mehreren Kindergeburtstagen festgestellt: Naschen. Das haben einige Eltern auch erkannt. Aber dachten auch hier: Viel ist immer gut. Noch mehr als viel ist besser. Einmal schleppte mein Sohn einen Jahresvorrat an Bonbons, Weingummis, Schokolade und Lollies an – ich muss nicht erwähnen, dass dieser Vorrat kein ganzes Jahr hielt.

Eltern im Wettbewerb um den kreativstsen Mitbringselbeutel beim Kindergeburtstag.

Schlichte Tüten und viel rein muss eigentlich auch nicht.

Wie viel ist zu viel und wie viel ist zu wenig in der Mitgebsel-Tüte?

Aber wie viel ist nun richtig? Ich will ja auch nicht knauserig dastehen. Aber ich weigere mich, bei diesem Wettbewerb um das tollste Kindergeburtstags-Mitgebsel mitzumachen! Gastfreundschaft hin oder her. Im Mittelpunkt steht das Geburtstagskind. Und das bekommt auch die größten und meisten Geschenke. Mitbringseltüten sind eine nette Geste an die Gäste, eine kleine Aufmerksamkeit. So hab ich es bisher verstanden.

Wer hat eigentlich angefangen damit, dass die Tüten immer aufwändiger wurden, aus kleinen Aufmerksamkeiten richtige Geschenke wurden? Geht es darum, dass eigene Kind in ein möglichst gutes Licht zu stellen? Dass die anderen Kinder im Kindergarten sagen „bei dem gibt es ja immer so tolle Gastgeschenke beim Kindergeburtstag“? Geht es darum, vor den anderen Eltern gut dazustehen? Und bloß nicht knickerig zu erscheinen? Zu zeigen, wie toll man nähen und basteln kann und wie super großzügig und kreativ man ist?

Wem es Freude macht, kleine Säckchen zu nähen oder zu basteln – nur zu! Ich find das ja süß! Und es gibt wirklich tolle Ideen. Aber wer sich diese Zusatzarbeit aufbürdet, sollte vielleicht kurz innehalten und fragen: Für wen mache ich es? Für mich? Weil es mir Spaß bringt? Okay, der Grund ist akzeptiert! Ich würde gerne nähen können und kann mir vorstellen, dass es wirklich Freude bringt. Oder macht man es für das eigene Kind, damit es sich freut? Auch das ist ein guter Grund. Wobei ich kurz einwerfen möchte: Freut sich ein Kind nicht auch über eine bunt beklebte Butterbrottüte?! Oder macht man es, um gut dazustehen? Vor den anderen? Um andere Mütter zu beeindrucken? Die Erzieherinnen vielleicht? Ist das vielleicht dieser kleine Gedanke, wenn auch nur kurz aufblitzend: Dann finden die anderen Kinder mein Kind gleich viel toller?! Dann sage ich: Halt. Lasst den Stress. Nehmt die Butterbrottüten.

Schluss mit dem Perfektionismus: Gilt auch für den Kindergeburtstag

Beim Kindergeburtstag ist es wie bei so vielem: Ohne Perfektionismus feiert es sich besser. Kein Kind erwartet eine perfekte Geburtstagstorte (ganz ehrlich: Kinder wollen eh nur die Schokoglasur  und die Smarties obendrauf!), kein Kind erwartet eine perfekt ausgeklüngelte Geburtstagsparty mit Action und MegariesensuperSchatzsuche. Kein Kind erwartet eine perfekt designte, makellos genähte supersüße Stoffbeutel-Mitbringseltüte, die mit einem Kilo Naschen und selbstgebastelten  Minibooten und individuell verzierten Vollkornkeksen gefüllt ist.

Worüber sich Geburtstagskind und Gästekinder hingegen freuen: Ungestresste, humorvolle Gastgebereltern, die lustige Witze machen, sich Mühe bei den Spielen geben und dafür sorgen, dass die Schüssel mit den Gummibärchen nicht leer ist.

Nach all den Gedanken hatte ich immer noch nicht die Frage geklärt, was in die Mitgebsel – Tüten für unseren Kindergeburtstag sollte. Nun, ich fand tatsächlich im Drogeriemarkt ein kaum teurere bunt bedruckte Variante der Butterbrottüte-  die sah schon ganz nett aus. Hinein kam die obligatorische Minismartiepackung, eine kleine Gummibärchentüte, ein Kindertattoo, zwei bunte Kinderpflaster, eine Muschel zum Auslecken, ein Lolly, ein Luftballon und ein Glitzeraufkleber. Zu wenig? Zu viel? Das Falsche? Die Kinder fanden’s gut.

Und um die geht es ja schließlich bei einem Kindergeburtstag.

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29 Kommentare zu “Wettbewerb um die besseren, teureren, kreativeren Mitgebsel für den Kindergeburtstag

  1. Da stimme ich „natürlich schöner“ zu! Das Wort MITGEBSEL gab es in meiner Kindheit und Jugend gar nicht. Bei meinen Kindern habe ich keine Tüten gemacht, das habe ich schlicht verweigert, und oh wunder: alle haben überlebt. Das einzige, was die Gastkinder mit heimnehmen, ist entweder restlicher Kuchen oder das, was sie am Geburtstag selber gemalt/gebastelt haben. Der Hit war übrigens der unaufwendigste Geburtstag: ca 4 kilo Nägel gekauft und dicke Bretter und jeder durfte ein Kunstwerk nageln. Das fanden die Jungs einfach klasse, alles kleine Ückers 😉

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  2. Ja genau, Butterbrottüten reichen völlig. Es geht ja nur um eine kleine Aufmerksamkeit und nicht um einen Wettbewerb. Die Kinder freuen sich über jede Kleinigkeit und wenn die Eltern ein Problem damit haben, selbst schuld. Sehr schöner und wahrer Artikel 👍

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  3. Bei uns haben sich auch die Butterbrottüten bewährt. Letztes Jahr hatte ich vergessen, welche zu kaufen – aber die Gefrierbeutel von IKEA waren ebenso praktisch wie bunt genug. Naschitechnisch sind wir da ähnlich ausgestattet: Minismarties, diverse Gummibärchen und die allseits beliebten „Armbänder/Ketten“ – bloß nix aus Schoko, was zerlaufen könnte (Augustgeburtstag). Dazu EIN Spielzeugteil, das als Preis bei evt. Spielen bzw. als Schatz bei einer evt. Schatzsuche fungiert (mein Mann geht darin auf, den bösen Piratenkapitän zu spielen, der die Schatzkarte gemalt hat (Google-Maps-Karte ausgedruckt – easy-peasy) und die Kinder durch den Park jagt und dabei Aufgaben verteilt. Preise: Wir hatten in den letzten Jahren Klicker (oder Knacker, oder wie die Metall-Dinger heißen), so kleine Würfel-Geduldsspielchen (ebay – 24 Stück für 13 € – da bleibt noch was für das nächste Jahr übrig) und Flaschentaucher (für 39 cent/Stück ebenfalls ebay – kosten im Spielzeuglagen das 4-fache).

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