Autofriedhof Kyrkö Mosse im Moor: Schweden-Tipp der besonderen Art

Der Werkstattbesitzer scheint gerade eine Pause zu machen. Er ist wohl grad mal eben losgegangen, die Post holen oder Kaffee kaufen, hat seine Werkzeuge stehen lassen, seinen Mantel an die Tür gehängt und selbige auch einfach offen gelassen. Dabei ist er schon seit 1999 verstorben – und seine Werkstatt hat er in den späten Achtzigern aufgegeben. Und dennoch hat man das Gefühl, als sei die Zeit stehengeblieben vor dieser kleinen Holzhütte mitten im Wald im Moor Kyrkö Mosse in Süd-Smaland. Doch wenn man durch die Fenster schaut, sieht man zerstörte Werkbänke, Müll und Werkzeugreste auf dem Boden verteilt. Auch wenn man sich umdreht, dann sieht man ihn, den Zahn der Zeit, der sich durch Autobleche nagt, durch Sitzpolster und Lederlenkräder.

Denn hier im schwedischen Smaland, unweit des unscheinbaren Ortes Ryd ist der Autofriedhof Kyrkö Mosse – ein beliebtes Touristenziel ganz ohne Eisstand, Postkartenkiosk oder Eintrittsgeld.

Der Autofriedhof Kyrkö Mosse in SÜd-Smaland ist ein besonderes Reiseziel für den Schweden-Urlaub. Keine normale Sehenswürdigkeit. Aber unglaublich charmant und sehenswert, auch im Urlaub mit Kindern!

Kyrkö Mosse: Kein alltägliches Ausflugsziel für den Schwedenurlaub

Ein alter Reisebus ist vor der Werkzeughütte aufgebockt, ein Haufen Reifen liegt neben ihm, etwas, das wohl einmal eine Badewanne war, dahinter ein alter Opel, nein, ein Ford oder doch vielleicht ein Volvo? Wie eine Schildkröte wölbt sich das Autodach aus dem Blätterhaufen. Bei vielen Autos kann man nicht einmal mehr die Marke erahnen, so sehr haben Rost und leider auch der eine oder andere Souvenirjäger an ihnen genagt.

Kyrkö Mosse Smaland

Der Mantel hängt noch da. Seit vielen Jahren.

Halb im Moor, das Kykrö Mosse, was dem Autofriedhof seinen Namen gab, liegt versunken ein alter VW-Bus, von hinten noch ganz akzeptabel bis auf die Rostflecken, von vorne ein Wrack ohne Motor und Scheiben, im Inneren verdecken Spinnenweben die Sicht auf den Tacho.

Ausflugsziel mit besonderem Charme: Kyrkö Mosse im südlichen Smaland.

Ausflugsziel mit besonderem Charme: Kyrkö Mosse im südlichen Smaland.

Daneben ein Volvo, der vielleicht einmal hellblau war, genau kann man es nicht sagen, vielleicht auch hellgrün? Fast alle Autos hier haben mittlerweile eine Art Moosgrün angenommen, als ob sie sich ihrer Umgebung anpassen wollen. Selbst ihre Innenausstattungen haben sich die Farbe zugelegt. Durch den Kotflügel des Volvos wächst eine Birke. Dem Stamm nach zu urteilen schon seit bestimmt zehn Jahren. Holz ist stärker als rostzerfressener Stahl. Von den Sitzen sind nur noch die Federn über, auch sie sehen so aus, als zerbrächen sie bei der kleinsten Bewegung.

Hier lebte Ake Danielsson. „Ake im Moor“ nannte man ihn hier in der Gegend von Ryd, Südsmaland. Am Anfang gewann er Torf, doch dann begann er Mitte der 60er Jahre mit der Autoverwertung. Weniger mühsam, ein bisschen ertragreicher. Ein Schrottplatz. Mitten im Wald in Süd-Smaland. Viele Bewohner aus der Umgebung kauften Autoteile bei ihm. Eine kleine Werkstatt gehörte auch dazu. Genau, eben jene Werkstatt, die heute so verlassen daliegt, als ob Ake mal eben Kaffee trinken gegangen ist.

Die ausgeschlachteten Fahrzeuge ließ er einfach in der Natur stehen, auf dem morastigen Boden, wo er früher Torf abgebaut hatte. Und da stehen sie heute noch. Auf einem kleinen Wanderweg kann man an ihnen vorbeischlendern, ohne Eintrittsgeld, rund um die Uhr. Ein beliebtes Ausflugsziel für Schwedenurlauber ist Kyrkö Mosse geworden. Und mit jedem Blick in den Wald sieht man mehr Autos und Busse, Motorräder und Lastwagen, teils von Moos überwachsen, von Tannennadeln bedeckt. Die Natur holt sich zurück, was einst ihr gehörte.

Früher Schrottplatz im Moor – heute Touristenattraktion

Danielsson lebte auch hier, bis er Ende der 80er sein Geschäft aufgab und 1992 in ein Altersheim zog. Doch das Gelände von Kyrkö Mosse bei Ryd blieb so wie es war. Obwohl die Behörden die Nachfolgebesitzer immer wieder aufforderte, den Wald zu räumen und den Boden umwelterträglich zu sanieren.

Doch das geschah nicht. Es wusste auch keiner wirklich, wie man mit schwerem Gerät über den moorigen Boden fahren sollte, um die Wracks zu bergen. Stattdessen formierte sich ein Widerstand und schließlich stellte der schwedische Staat den Autofriedhof nach langen Diskussionen, etlichen Zeitungsartikeln und Gemeindesitzungen unter Schutz. Bis 2050. Bis dahin, so nehmen die Behörden an, sollten die Autos auf natürliche Weise zerfallen sein.

Autofriedhof Kyrkö Mosse in Smaland

Ein Wanderweg führt durch Kyrkö Mosse, vorbei an den Autowracks. Ein spannender Spaziergang – Eure Kinder und auch die Männer werden es lieben!

Unaufgeregt, typisch schwedisch: Kyrkö Mosse ist auch für Kinder ein Erlebnis

Und bis dahin kann man noch an ihnen vorbeipromenieren, an gut 150 Wracks aus den 40er und 50er Jahren, vielleicht auch mehr, die Schätzungen gehen auseinander. Fahrräder, Mopeds, Reifen, Felgen, Eisenteile, deren ursprüngliche Bestimmung nicht immer zu erahnen ist. Das älteste Autowrack ist ein Scania von 1933.

Sagt man.

Wer kann es schon genau sagen, wenn von vielen Autos nur noch Motorhauben und Türen über sind?

Alles ist vergänglich, sagte der Barockdichter Andreas Gryphius einst. Aber doch widerspenstiger als es auf den ersten Blick scheint.

Autofriedhof Kyrkö Mosse

Alles ist vergänglich… auch Autos….

Was soll ich sagen? Ein Reisetipp der anderen Art, aber auf jeden Fall auf seine Weise ein Highlight im Urlaub in Schweden. Wen es nach Smaland verschlägt, der sollte auf jeden Fall in den Wald von Kyrkö Mosse schauen. Eure Kinder werden es lieben. Und Eure Männer auch!

Mehr Reisetipps aus Schweden? Dann schaut doch mal an den See Asnen im südlichen Smaland. Oder in die Gegend rund um Vimmerby, in die tolle Astrid Lindgren Welt, in Astrid Lindgrens Elternhaus oder auf die wunderschöne Insel Öland!

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Der Autofriedhof von Kyrkö Mosse in Smaland ist ein Schweden-Reisetipp der besonderen Art: Nicht nur für Oldtimer Fans ein spannendes Ausflugsziel, auch für Familien mit Kindern.

2 Kommentare zu “Autofriedhof Kyrkö Mosse im Moor: Schweden-Tipp der besonderen Art

  1. Hallo ihr Lieben,

    Vor einigen Jahren war ich mit den Pfadfindern in Schweden, genauer gesagt in Blidingsholm, in der Nähe von Ryd… Wir machten auch einen Tagesausflug zum Autofriedhof. Beeindruckend und echt faszinierend für Groß und Klein, genauso wie eine Elch Farm. Wir machten auch einen Ausflug nach Karlskrona zu dem Dorf mit den wunderschönen schwedischen Häuschen… 😁 Mein Fazit: Schweden muss ich unbedingt nochmal sehen und die Einwohner sind sehr freundlich… 🇸🇪⛺

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