Mental Load-Interview: Wie beziehe ich den Partner mit ein?

Mental Load ist ein Stichwort, das seit einiger Zeit immer wieder diskutiert wird – und es ist auch richtig so! Denn dahinter verbirgt sich etwas, über das ich in meinem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“ schrieb – aber für das es damals noch gar keinen wirklichen Ausdruck gab. Es ist, kurz zusammengefasst, dieser ganze tägliche Kram, an den man als Elternteil denken muss – von den 4 Euro für den Kindergartenausflug über das Waschen der Sportklamotten bis hin zum Urlaubsplanen und dem Geschenk für den Kindergeburtstag. Es sind diese vielen kleinen Dinge, die meist Mütter in ihrem Kopf haben müssen – und die einen nicht zur Ruhe kommen lassen. Laura Fröhlich hat darüber ein Buch geschrieben, in dem sie nicht nur ihre persönlichen Erfahrungen teilt, sondern auch Tipps gibt, wie wir diesen Mental Load gerechter mit unserem Partner teilen können: „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“ (großartiger Titel, übrigens!) Aber wie bekommt man den Partner eigentlich dazu, den Mental Load gerechter zu teilen? Unter anderem diese Frage habe ich Laura im Interview gestellt:

Warum ist es eigentlich so, dass dieser ganze Kleinkram, der uns so aufhält, eigentlich mehrheitlich an uns Müttern hängenbleibt?

Laura: Das liegt zum einen daran, dass wir uns als Mütter dafür verantwortlich fühlen. Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der sich vor allem Frauen kümmern – in der Familie, aber auch in der gesamten Gesellschaft. Frauen übernehmen Care-Arbeit zuhause oder üben Care-Berufe aus (Erzieherin, Altenpflegerin, Sprechstundenhilfe, Grundschullehrerin…). Indem wir uns kümmern, möchten wir den Erwartungen der Gesellschaft und unseren eigenen Erwartungen entsprechen. Zum anderen nehmen wir Frauen länger Elternzeit, arbeiten eher in Teilzeit, was natürlich mit dem ersten Punkt zusammenhängt. So sind wir mehr in die Familien- Organisation eingebunden, werden darin immer besser und haben all diese Kleinigkeiten im Blick.

Was entgegnest du, wenn jemand Mental-Load als „Luxusproblem“ abtut?

Laura: Höre ich oft, und es ärgert mich. Die mentale Belastung kann uns gesundheitlich stark beeinflussen, bis hin zu einem Burn Out. Viele Eltern, die darunter leiden, bekommen von der Belastung Rücken- oder Kopfschmerzen, können nicht schlafen usw. Dann ist da der Punkt, dass uns die Verantwortung für die Familien-Organisation davon abhält, uns auf unseren Beruf zu konzentrieren. Frauen haben ein höheres Risiko, im Alter arm zu werden, weil sie es sind, die sich kostenlos oder im Beruf für einen geringen Lohn kümmern. Mental Load betrifft Eltern aus allen Schichten, und natürlich auch alleinerziehende Eltern, die sich um alles kümmern müssen. Diese Belastung ist kein Luxusproblem, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint.

Inwiefern verstärken soziale Medien den Druck?

Laura: Sie geben den Druck der Gesellschaft ungefiltert weiter. Auf Instagram und Co verbreiten sich Bilder von Müttern, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, denen zu wenige Bilder von liebevollen Vätern entgegenstehen, was dann den Eindruck vertieft, nur eine Mutter könne sich bestens um die Kinder kümmern. Es ist zwar grandios, dass wir heute über Pinterest und Co die tollsten Inspirationen zu DIYs, den genialsten Kindergeburtstagspartys oder den schönsten Motiv-Torten finden können, gleichzeitig erhöht das den Druck auf Mütter – weil die Anleitungen natürlich wieder nur von Müttern kommen. Außerdem gibt es den sogenannten Backlash: Mütter inszenieren sich in der traditionellen Rolle der perfekten Mutter und Hausfrau. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass Frauen mit viel zu hohen Erwartungen konfrontiert sind. Also denken sich viele: bevor ich alles schaffen muss, mache ich einfach das, was schon meine Mutter und Großmutter gemacht haben. Ich beuge mich dem traditionellen Bild und entspreche ihm voll und ganz. Das gibt dann wieder viel Zustimmung, weil wir insgeheim an das aufopferungsvolle Mutterbild glauben möchten, das sich im Laufe der letzten Jahrhunderte entwickelt hat.

Woher dieses aufopfernde Bild der Mutter kam, habe ich ja auch in meinen Büchern erklärt und auch du beschreibst in deinem Buch, wie es zu diesem künstlich geschaffenen Frauenbild kam. Wieso ist es nicht damit getan, dem Mann einfach häufiger zu bitten, bestimmte Aufgaben zu übernehmen?

Laura: Das Grundproblem bei Mental Load liegt eben an der mentalen Arbeit, also dem „Daran denken müssen“. Also ist die langfristige Lösung, dass Eltern beide von selbst an all die Aufgaben denken, die es zu erledigen gilt. Indem ein Mann seiner Frau sagt, dass sie ihm Bescheid geben soll, wenn es etwas zu tun gibt, nimmt er ihr vielleicht die Tätigkeit ab, aber die Planung und Koordination bleibt bei ihr. Ihr Mental Load wird dadurch nicht kleiner.

Und wie schafft man es, dass man bei dieser Bitte nicht einfach in Rumzicken verfällt? ​

Laura: Indem wir vor allem über die Verantwortung für die Bereiche Familien-Organisation, Haushalt und Kinderbetreuung sprechen und verstehen, wieso wir sie so stereotyp verteilen, können wir das Problem verstehen und dann nach Lösungen suchen. Wieso fühle ich mich als Mutter so verantwortlich, wieso weiß ich als Vater nicht Bescheid über all die Kleinigkeiten, die für den reibungslosen Alltag und eine harmonische Atmosphäre extrem wichtig sind? Wenn wir die Vorwürfe weglassen und dafür verstehen, wie sich diese Aufgabenverteilung manifestiert hat, haben wir auch die Chance, daran etwas zu ändern. Ich finde es hilfreich, von sich selbst zu sprechen. Also besser zu sagen: „Ich fühle mich mit der Verantwortung für die Familien-Organisation überlastet, es wird mir zu viel und ich wünsche mir, diese Aufgaben stärker zu verteilen“, als mit der Vorwurfskeule zu kommen, also zu sagen: „Du kümmerst dich hier um nichts!“

Wie kann man diese vielen Aufgaben, die sich zu einem Riesenberg zusammentürmen, sichtbarer machen?

Laura: Am besten notiert man eine Zeit lang alle Aufgaben, an die man so denken muss, auf Klebezetteln oder auf einem Block. Nach einer Woche schaut man sich mal gemeinsam an, was da für eine Flut an Aufgaben zusammenkommt. Übrigens gibt es auf meinem Blog eine kostenlose Excel-Tabelle mit sämtlichen Aufgaben.

Die Idee, die Aufgaben im Familienleben, also den Mental Load auf den Partner zu verteilen, ist ja eigentlich nur logisch – setzt aber voraus, dass der Partner mitmacht. Wie bekommt man den Partner mit ins Boot?

Laura: Wenn es dem einen schlecht geht, er oder sie sich mental belastet fühlt, ist es ja nur logisch, dass man daran gemeinsam etwas ändert, oder? Außerdem ist doch eigentlich klar, dass die Verantwortung für die Familien-Organisation bei beiden liegen sollte. Wieso sollte das nur die Aufgabe der Mutter sein? Ich werde manchmal gefragt, was Männer davon haben, wenn sie sich mehr im Alltag an der Care-Arbeit beteiligen. Abgesehen davon, dass sich die Stimmung wesentlich verbessert, wenn sich nicht mehr eine(r) alleine um den Alltags-Ablauf kümmern muss, finde ich schon die Fragestellung ziemlich bezeichnend. Bei Care-Arbeit geht es nicht darum, was man selbst davon hat. Wir brauchen sie, um unsere Gesellschaft aufrecht zu erhalten, und sie sollte nicht länger in der Mehrheit von Frauen bewältigt werden müssen. Das gilt auch für die Care-Berufe.

Oft genug kommt von den Männern das Gegenargument: Wieso soll ich mich mehr im Haushalt kümmern? Ich arbeite Vollzeit, du nur Teilzeit. Da hast Du doch viel mehr Zeit als ich. – und dann wird gerne noch die Gehaltskarte gezückt und damit argumentiert, dass man ja den größten Teil zum Haushaltseinkommen beiträgt. Wie kommt man dagegen an?

Laura: Wer in Teilzeit arbeitet, sich nachmittags um die Kinder kümmert und auch noch einen Teil des Haushalts übernimmt, hat mehr als einen Acht-Stunden-Tag. Gegenfrage: Wieso sollte man sich in diesem Fall auch noch um die gesamte Familien-Organisation kümmern, und das auch noch am Wochenende und in den Ferien?

Ich habe schon häufiger von Leserinnen Mails bekommen, in denen sie sich beklagen, dass ihr Partner auf Teufel komm raus nicht im Haushalt, mit denn Kindern oder allgemein der Care-Arbeit mithelfen will oder kann oder das Thema Mental-Load einfach nicht versteht (oder verstehen will): Was rätst du in so einem Fall?

Laura: Dann stimmt meiner Meinung nach in der gesamten Paar-Kommunikation etwas nicht und ich empfehle, sich an eine Familienberatungsstelle zu wenden, oder vielleicht eine Paartherapie zu machen. Oft liegt es bei Männern auch daran, dass sie ein stereotypes Bild von einem Mann haben. In ihrem Glauben sind die nicht mehr männlich genug, wenn sie mehr Care- Arbeit übernehmen. Manchmal haben sie Angst vor dummen Sprüchen der Kumpels, und auch die Bitte um Reduzierung der Arbeitszeit oder eine längere Elternzeit stößt bei vielen Arbeitgebern auf Unverständnis. Daher haben es auch viele Väter schwer, sich mehr an der Familien-Arbeit zu beteiligen. Wenn einer aber einfach nicht will, so bleibt der Partnerin eigentlich nur noch, ihn so zu akzeptieren oder sich zu trennen. Leider stehen nicht wenige Frauen vor dieser Wahl, aber meinem Eindruck nach werden es immer mehr Männer, die mehr Anteil am Familien-Alltag nehmen und sich mit ihrer Partnerin die Care-Arbeit gerecht aufteilen möchten. Gerecht ist übrigens nicht immer 50:50. Was sich gut und gerecht anfühlt, sollte jedes Paar für sich entscheiden können.

Den letzten Satz finde ich sehr wichtig, danke liebe Laura! Denn er zeigt: Jede Familie hat ihren eigenen Weg und ihr eigenes Lebensmodell. Wir müssen alle unseren eigenen Weg finden. Aber der kann nicht heißen: Mama macht alles und geht daran zugrunde. Mehr lest Ihr in Lauras Buch „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles. Was Eltern gewinnen, wenn sie den Mental Load teilen„. Kurzweilig geschrieben, voller praktischer Tipps, spannender gut recherchierter Fakten – und motivierend, das Thema Mental Load aufteilen anzupacken. Und unbedingt lesenswert ist auch Lauras Instagramprofil und ihr Blog heuteistmusiklaura. Folgeempfehlung von Herzen!

Kennt Ihr eigentlich schon mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr mehr als 80 Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“
  Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter 

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest– ich freue mich auf Euch!

Indem wir vor allem über die Verantwortung für die Bereiche Familien-Organisation, Haushalt und Kinderbetreuung sprechen und verstehen, wieso wir sie so stereotyp verteilen, können wir das Problem verstehen und dann nach Lösungen suchen. Wieso fühle ich mich als Mutter so verantwortlich, wieso weiß ich als Vater nicht Bescheid über all die Kleinigkeiten, die für den reibungslosen Alltag und eine harmonische Atmosphäre extrem wichtig sind? Wenn wir die Vorwürfe weglassen und dafür verstehen, wie sich diese Aufgabenverteilung manifestiert hat, haben wir auch die Chance, daran etwas zu ändern. Ich finde es hilfreich, von sich selbst zu sprechen. Also besser zu sagen: „Ich fühle mich mit der Verantwortung für die Familien-Organisation überlastet, es wird mir zu viel und ich wünsche mir, diese Aufgaben stärker zu verteilen“, als mit der Vorwurfskeule zu kommen, also zu sagen: „Du kümmerst dich hier um nichts!“ Wie kann man diese vielen Aufgaben, die sich zu einem Riesenberg zusammentürmen, sichtbarer machen? Am besten notiert man eine Zeit lang alle Aufgaben, an die man so denken muss, auf Klebezetteln oder auf einem Block. Nach einer Woche schaut man sich mal gemeinsam an, was da für eine Flut an Aufgaben zusammenkommt. Übrigens gibt es auf meinem Blog eine kostenlose Excel-Tabelle mit sämtlichen Aufgaben. Die Idee, die Aufgaben auf den Partner zu verteilen, ist ja eigentlich nur logisch – setzt aber voraus, dass der Partner mitmacht. Wie bekommt man den Partner mit ins Boot? Wie kann man argumentieren? Wenn es dem einen schlecht geht, er oder sie sich mental belastet fühlt, ist es ja nur logisch, dass man daran gemeinsam etwas ändert, oder? Außerdem ist doch eigentlich klar, dass die Verantwortung für die Familien-Organisation bei beiden liegen sollte. Wieso sollte das nur die Aufgabe der Mutter sein? Ich werde manchmal gefragt, was Männer davon haben, wenn sie sich mehr im Alltag an der Care-Arbeit beteiligen. Abgesehen davon, dass sich die Stimmung wesentlich verbessert, wenn sich nicht mehr eine(r) alleine um den Alltags-Ablauf kümmern muss, finde ich schon die Fragestellung ziemlich bezeichnend. Bei Care-Arbeit geht es nicht darum, was man selbst davon hat. Wir brauchen sie, um unsere Gesellschaft aufrecht zu erhalten, und sie sollte nicht länger in der Mehrheit von Frauen bewältigt werden müssen. Das gilt auch für die Care-Berufe. Oft genug kommt das Gegenargument: Wieso soll ich mich mehr im Haushalt kümmern? Ich arbeite Vollzeit, du nur Teilzeit. Da hast Du doch viel mehr Zeit als ich. – und dann wird gerne noch die Gehaltskarte gezückt und damit argumentiert, dass man ja den größten Teil zum Haushaltseinkommen beiträgt. Wie kommt man da gegen an? Mit welchen Gegenargumenten kann man den Mann überzeugen? Wer in Teilzeit arbeitet, sich nachmittags um die Kinder kümmert und auch noch einen Teil des Haushalts übernimmt, hat mehr als einen Acht-Stunden-Tag. Gegenfrage: wieso sollte man sich in diesem Fall auch noch um die gesamte Familien-Organisation kümmern, und das auch noch am Wochenende und in den Ferien? Und wenn der Mann auf Teufel komm raus nicht will oder kann oder es einfach nicht versteht: Was rätst du in so einem Fall? Dann stimmt meiner Meinung nach in der gesamten Paar-Kommunikation etwas nicht und ich empfehle, sich an eine Familienberatungsstelle zu wenden, oder vielleicht eine Paartherapie zu machen. Oft liegt es bei Männern auch daran, dass sie ein stereotypes Bild von einem Mann haben. In ihrem Glauben sind die nicht mehr männlich genug, wenn sie mehr Care- Arbeit übernehmen. Manchmal haben sie Angst vor dummen Sprüchen der Kumpels, und auch die Bitte um Reduzierung der Arbeitszeit oder eine längere Elternzeit stößt bei vielen ​Arbeitgebern auf Unverständnis. Daher haben es auch viele Väter schwer, sich mehr an der Familien-Arbeit zu beteiligen. Wenn einer aber einfach nicht will, so bleibt der Partnerin eigentlich nur noch, ihn so zu akzeptieren oder sich zu trennen. Leider stehen nicht wenige Frauen vor dieser Wahl, aber meinem Eindruck nach werden es immer mehr Männer, die mehr Anteil am Familien-Alltag nehmen und sich mit ihrer Partnerin die Care-Arbeit gerecht aufteilen möchten. Gerecht ist übrigens nicht immer 50:50. Was sich gut und gerecht anfühlt, sollte jedes Paar für sich entscheiden können.

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