Energiemanagement statt Zeitmanagement: Gastbeitrag mit Tipps, wie das, was zählt, nicht auf der Strecke bleibt

Wie schaffe ich es, mehr Energie zu haben für die Dinge, die mir wirklich wichtig sind? Und mit meiner Energie zu haushalten? Heute habe ich einen Gastbeitrag für Euch von Annukka, die als Coach zu eben diesem Thema Tipps gibt – und auch Mutter ist. Sie kennt also den täglichen Mutterspagat zwischen Job, Kinder, Haushalt und den eigenen Bedürfnissen bestens. Sie sagt: „Viel wichtiger als Zeitmanagement ist es, seine Energie zu managen. Denn was bringt es, wenn ich zwar die Zeit habe, um z.B. mit meiner
Tochter auf den Spielplatz zu gehen, aber keine Energie für sie habe und gedanklich ganz woanders bin.“ Das kommt sicher vielen bekannt vor, oder? Die berühmte Liste, die im Hinterkopf rattert? Annukka hat in einem Gastbeitrag Tipps zusammengestellt, wie es gelingt, die eigenen Energie besser zu managen – und sogar zu erhöhen. Ein Superansatz: Energiemanagement statt Zeitmanagement, finde ich! Lest selbst:

Mehr physische Energie: Sich um den Körper kümmern

„Zunächst schauen wir uns den Bereich der physische Energie, der körperlichen Gesundheit, an – in  diesen fallen hauptsächlich die Themen Bewegung, Ernährung und Erholung (Schlaf). Die meisten Tipps hierzu werdet Ihr irgendwann schon einmal gehört haben. Starten wir einmal mit dem Thema Bewegung. Sich viel zu bewegen ist enorm wichtig, denn Sitzen kostet paradoxerweise Energie. Wenn Ihr z.B. beruflich viel sitzen müsst, dann versucht, ca alle 90 Minuten ein bisschen Bewegung einzubauen – das kann der Weg zur Kaffeemaschine, zum Briefkasten oder im Home Office auch mal in den Waschkeller sein. Daneben tut es gut, sich alle 1-2 Stunden ein wenig zu stretchen.
Idealerweise findet Ihr eine regelmäßige Sportroutine – wichtig ist nicht, was Ihr macht, sondern dass es Euch Spaß macht und Ihr dran bleibt. Abends vor dem Fernseher kann man prima ein paar Übungen wie z.B. Sit-ups machen – und sogar die ungeliebte Hausarbeit oder Gartenarbeit bringen einen in Schwung.

Ähnlich ist es beim Thema Ernährung – der Markt ist überschwemmt mit tollen Tipps. Wichtig ist hier, dass Du etwas für Dich findest, was gesund ist und mit Deinem Alltag vereinbar ist (Nathalie hat da zum Beispiel ihr Kochbuch für nicht perfekte Mütterrausgebracht). Ich habe zum Beispiel alle ungesunden Snacks aus dem Haus verbannt und habe jetzt immer Obst, Studentenfutter, etc. vorrätig. Wenn dann der kleine Stressesser in mir dringend etwas braucht, sind ‚leider‘ nur gesunde Alternativen da. Auch viel über den Tag verteilt Trinken – am besten Wasser und ungezuckerte Tees –
ist wichtig für ausreichend physische Energie.

Mehr Energie durch besseren Schlaf

Erholung ist gerade für Eltern meist ein leidiges Thema. Ihr könnt Euch mein Gesicht vorstellen, als ich verstanden habe, wie wichtig erholsamer Schlaf für das Energieniveau ist. Aber auch wenn Eure Kinder gerne die Nacht zum Tage machen und Ihr vom perfekten Schlaf nur (tag-)träumen könnt, so gibt es doch einige Möglichkeiten, um die Schlafqualität zu verbessern und mehr Energie zu bekommen. Zunächst einmal ist wie bei den Kleinen Routine wichtig. Geht am besten immer ungefähr zu den gleichen Zeiten ins Bett und steht morgens zu ähnlichen Zeiten wieder auf, auch am Wochenende. Etabliert ein Zubettgehritual – Zähneputzen, das Licht dimmen, eventuell noch ein paar
Seiten lesen… Das sendet dann nach einer Weile ein Signal an Euer Gehirn, dass es Zeit zum Schlafen ist. Das Schlafzimmer sollte gut gelüftet, kühl und dunkel gehalten werden. Vermeidet Koffein und andere Wachmacher nach 14 Uhr nachmittags. In den zwei Stunden vorm Schlafengehen solltet Ihr keinen Alkohol trinken, schwer essen, Sport treiben oder elektronische Medien konsumieren. Wenn man partout nicht einschlafen kann, dann empfiehlt es sich, nach einer Viertelstunde wieder aufzustehen und einer ruhigen Tätigkeit (z.B. Lesen, ein paar Atemübungen) nachzugehen – und dabei auf zu helles und vor allem blaues Licht zu verzichten.

Mehr Energie durch smartphonefreie Zeiten

Abseits des Themas Schlafs, gibt es selbstverständlich noch viele andere Möglichkeiten der Erholung. Sehr wichtig ist es, arbeitsfreie Zeiten einzuführen. Die Versuchung ist groß, auch am Wochenende oder im Urlaub mal schnell in die Arbeitsmails zu schauen. Doch langfristig ist dieses Verhalten sehr schädlich, denn wenn der Mensch sich nicht regelmäßig erholen kann, dann kann das langfristig zu chronischer Erschöpfung, Burnout und sogar schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Ein Tipp ist daher, Euch Smartphone-freie Zeiten zu setzen. Ich schalte z.B. jeden Sonntag mein Smartphone zumindest für ein paar Stunden auf Flugmodus. Auch ‚Klassiker‘ wie Yoga, Pilates, Meditation, Achtsamkeit, etc. können einen wertvollen Beitrag zur Erholung leisten und Euch helfen, physische Energie zu gewinnen.

Emotionale Energie: Dankbarkeit und gute Laune

Der nächste Bereich ist die Emotionale Energie, also wie Du Dich fühlst. Hier spielen vor allem positive Gedanken eine tragende Rolle. Nimm Dir am besten jeden Tag einen Augenblick Zeit, um Dir zu überlegen, für was Du heute dankbar bist. Ihr könnt diese Übung ansonsten auch gemeinsam mit Euren Kindern als Teil des Abendrituals machen.
Für ein bisschen gute Laune und positive Energie, hört Euch doch einfach am Nachmittag Euren Lieblingssong an (und wenn Ihr Lust habt, dürft Ihr dazu natürlich auch tanzen). Spaß und Lachen können unheimlich viel Energie freisetzen – erzählt Euch doch mit Euren Kindern Eure Lieblingswitze, schaut eine Komödie an oder kitzelt Euch so richtig durch und macht eine Kissenschlacht – alles ist erlaubt, so lange es ordentlich Eure Lachmuskeln strapaziert.

Wenn es Dinge gibt, die Ihr nicht ändern könnt, dann versucht davon Abstand zu nehmen oder sie ganz loszulassen. Damit meine ich keine Gleichgültigkeit, aber sie sollten Euch nicht Eure wertvolle Energie entziehen. Emotionale Energie kann man auch steigern, indem man z.B. einmal pro Woche mit einem Freund, den man lange nicht gesehen hat, Kaffee trinken geht. Oder falls das aufgrund physischer Distanz nicht möglich ist, kann man zum Beispiel auch ein virtuelles Mittagessen per Videotelefonie machen. Wenn uns Corona eins gelehrt hat, dann ist es doch Kontakte zu pflegen, ohne sich persönlich treffen zu können. Und was ich persönlich auch noch sehr wertvoll finde – schaltet das Smartphone für mindestens die ersten 30 Minuten nach der Arbeit, Kita ab und seid voll und ganz für die Familie da.

Mentale Energie: Den Fokus bewahren

Der dritte Bereich ist die Mentale Energie – die Fähigkeit, Fokus zu bewahren. Wenn Ihr das Gefühl habt, dass Euch dies gerade besonders schwer fällt oder Ihr sogar den ganzen
Tag nur noch Multitasking macht, dann kommen hier ein paar Tipps, wie Ihr den Fokus erneuern könnt. Lasst bei Verabredungen oder auch beruflichen Terminen das Smartphone in der Tasche – das wird Euch helfen, Euch auf Euer Gegenüber und das Gespräch zu konzentrieren. Nehmt Euch morgens 5 Minuten Zeit, um den Tag in Eurem Kopf durchzugehen, zu überlegen, was wirklich wichtig ist und zu entscheiden, in was Ihr heute Eure Energie investieren wollt. Mit diesem Plan im Kopf, lässt sich Euer Vorhaben leichter in die Tat umsetzen.

Sport – sich mal so richtig auspowern – kann auch helfen, wieder klar zu sehen. Meine besten Ideen für Problemlösungen kommen wir zum Beispiel immer beim Joggen. Wer mag, schreibt Tagebuch, bevor er ins Bett geht – das Aufschreiben führt oft zu mehr Klarheit. Vor allem dann, wenn Euer innerer Kritiker laut wird und Euch mal wieder alle Energie geraubt hat, dann schreibt auf, was am Tag besonders gut gelaufen ist, worauf Ihr stolz seid, was Ihr besonders gut gemacht habt, wo Ihr als Mensch einen positiven Unterschied gemacht habt. Programmiert so Euren inneren Kritiker zu Eurem größten Fan um. Wenn Ihr geistig herausfordernde Arbeit erledigt, gönnt Euren Gehirn alle 45-60 Minuten eine 5 Minuten Pause. Es wird es Euch mit neue mentaler Energie danken.
Auch Meditation und Achtsamkeit können gute Wege zu mehr mentaler Energie sein.

Im Einklang mit unseren Werten leben

Der letzte Bereich ist die Spirituelle Energie – unser Leben im Einklang mit unseren Werten und unserem Lebensziel leben. Spirituell kann leicht esoterisch klingen und viele Menschen können mit diesem Bereich am wenigsten anfangen. Dabei liegt es in der Natur des Menschen, nach einem größeren Ziel, einem Sinn zu streben. Wenn das, was wir tagtäglich tun mit diesem Lebensziel und unseren Werten in Einklang steht, kann das eine enorm wichtige Energiequelle für uns sein. Falls Du spontan auf die Frage nach Deinem Lebensziel oder dem Sinn keine Antwort hast, dann ist das kein Grund in Panik zu verfallen – aber Du solltest es zum Anlass nehmen, Dir ein paar Fragen zu stellen, z.B. „Was will ich in meinem Leben erreichen?“, „Wer/Was ist mir wirklich wichtig?“, „Was soll eines Tages von mir bleiben?“

Rufe Dir Dein Lebensziel morgens nach dem Aufstehen vor Augen – so kannst Du Deine Energie und Dein Handeln auf dieses Ziel richten. Um Dein Ziel vor Augen zu behalten, kann es helfen, Dir inspirierende Erinnerungen zu setzen – z.B. einen Bildschirmschoner, ein Foto am Kühlschrank, etc.. Mach mehr von den Dingen, die Dir wirklich wichtig sind! Du wirst sehen, dass das viel Energie freisetzen wird!

Abschließend möchte ich noch sagen, dass die Tipps nur Anregungen darstellen sollen – auf keinen Fall solltet Ihr jetzt in Stress verfallen und versuchen, so viele wie möglich davon umzusetzen, denn das – Ihr ahnt es schon – wäre ein echter Energiefresser. Probiert einfach das ein oder andere davon aus und behaltet die Sachen, die Euch Spaß machen und Energie geben, bei.“

Danke für die vielen Tipps, liebe Annukka! Ich werde in Zukunft auch häufiger darauf achten, dass ich nicht nur zeitlich all die Aufgaben des Tages unter einen Hut bringe, sondern dass ich meine Energie gezielt für Dinge einsetze, die mir gut tun. Denn was bringt es, wenn der Tag perfekt durchorganisiert ist, aber am Ende nur die Pflicht erledigt ist statt dem, was einem wirklich wichtig ist?! Mehr Tipps zu kleinen Auszeiten oder auch dazu, wie man mehr an sich und auf seine eigenen Bedürfnisse achtet, habe ich übrigens auch in meinem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“ aufgeschrieben, falls Ihr noch weitere Lektüre zu diesem Thema sucht :-)

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Annukka mit Mann und Kind. Sie ist Coach mit Erfahrung in den Bereichen Personalentwicklung und betriebliches Gesundheitsmanagement.

Kennt Ihr eigentlich schon mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr mehr als 80 Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

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