Corona-Ungewissheit: Wie geht es nach den Sommerferien weiter?

So viel ist klar: Bis zu den Sommerferien, die bei uns Ende Juni beginnen, ist ein normaler Alltag mit Schule, Kindergarten, Krippe und fünf Stunden ungestörte Arbeit in weiter Ferne. Wir haben nun zumindest für die beiden Großen erfahren, wie es weitergeht: Ab dem 25. Mai einmal die Woche zweieinhalb Stunden Schule für den Großen, ab nächste Woche zwei Tage die Woche fünf Stunden Kindergarten für das Vorschulkind. Für die Zweijährige gibt es noch keinen Fahrplan. Normal ist jedenfalls was anderes. Und da mein Mann zur Corona-Risikogruppe gehört, werden wir auch unsere Großen erst einmal zuhause lassen. Was für keinen eine wirklich schöne Lösung ist – denn beide Kinder sehnen sich nach ihren Freunden und der Mittlere verpasst seinen Abschied aus dem Kindergarten (und ein paar Vorschulübungen, aber das ist zweitrangig). Aber da der Mittlere im selbigen Kindergarten den Hort besuchen wird, ist der Abschied nur ein halber Abschied. Aber ich hätte ihm vom Herzen letzte Wochen Unbeschwertheit im Kindergarten gewünscht! Aber die Alternative wäre, meinen Mann komplett von uns zu isolieren. Die Möglichkeit haben wir. Und wir werden wohl nach den Sommerferien davon Gebrauch machen müssen. Bis ein Impfstoff da ist. Denn wir können unsere Kinder schlecht noch länger isolieren – die erste Klasse und die vierte Klasse sind zu elementar, ganz abgesehen vom sozialen Aspekt. Aber wie wird es nach den Sommerferien weitergehen? Mit einem normalen Schul- und Kindergartenbetrieb rechne ich nicht. Bei dem Gedanken an die nächsten Monate wird mir schummerig. Ich könnte heulen, je mehr ich darüber nachdenke. Wie sollen wir Eltern das bitte schaffen???

Ich hatte vor kurzem darüber geschrieben, dass es das Beste ist, immer nur an den nächsten Schritt zu denken. So wie Beppo, der Straßenkehrer bei „Momo“. Denn sonst wird man verrückt. Wenn man die ganze Strecke vor sich sieht, dann könnte man verrückt werden. Verzweifeln. Mit sich hadern. Wie um Himmels Willen soll ich das schaffen?! Es ist diese Ungewissheit, die in dieser Corona-Krise mit am meisten belastet. Das Nicht-Wissen, wie es weitergeht. Wie lange dieser Ausnahmezustand anhält. Ob es nicht vielleicht sogar wieder schlechter wird – die Infektionszahlen ansteigen werden, ein erneuter Lockdown kommt mit all seinen wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Höchstwahrscheinlich wird es spätestens im Herbst wieder einen Anstieg der Infektionen geben (und dazu gesellen sich dann noch die üblichen Herbstinfekte wie Norovirus, Erkältungen, Grippe, Mittelohrentzündungen, Scharlach und Co.).

Ich hatte ja auch schon mal darüber geschrieben, dass es eigentlich keine Lösung gibt. Da darf man gar nicht genauer drüber nachdenken, denn dann dreht man vollends durch. Viele der Maßnahmen werden uns wohl noch länger begleiten, bis es einen Impfstoff (oder eine Herdenimmunität) gibt. Oder bis das Coronavirus eingedämmt, verschwunden ist. Mit letzterem ist wohl eher nicht zu rechnen, schon gar nicht nach all den Lockerungen (von denen mir einige tatsächlich zu schnell kamen). Von daher heißt es: Zähne zusammenbeißen. Noch eine ganze Weile. Die einen sagen optimistischerweise bis Ende des Jahres. Andere Experten gehen eher von einem weiteren Jahr mit Corona-Einschränkungen aus.  Niemand weiß es. Und deshalb kann auch niemand verlässlich planen.

Ich möchte kein Politiker sein in diesen Tagen. Auch kein Schulleiter. Klar ist, dass man das nächste Schuljahr planen muss. Man muss Bedarfe planen. Räume umgestalten. Eventuell Klassen aufteilen. Lehrer und Erzieher einstellen (was ja schon zu Nicht-Krisenzeiten nicht einfach ist!). Aber: Wie soll man planen, also verlässlich planen, wenn einem niemand sagen kann, wie wirklich die Lage sein wird?!

Ganz ehrlich: Mir ist angst und bange. Um meine Kinder. Um meine Arbeit. Um den Familienfrieden. Um unsere Nerven. Für meinen Großen steht die vierte Klasse an, entscheidend für sein ganzes weiteres Schulleben, denn es entscheidet sich, auf welche Schule er mal kommen wird. Momentan ist er sehr gut, bisher habe ich mir nie Gedanken gemacht. Aber wie wird er mit einer weiteren Mischung aus Homeschooling und Unterricht umgehen? Wie werde ich damit umgehen können?

Und dann mein Mittlerer: Wie wird seine Einschulung? Der Gedanke, dass seine Feier wegfällt, macht mich sehr traurig. Er hatte bei seinem großen Bruder gesehen, wie so eine Einschulung abläuft. Und sich darauf gefreut, dass es bei ihm auch so aussieht. Wird es nun sicher nicht. Wir müssen das Beste draus machen. Aber noch viel wichtiger: Wie wird der Unterricht ablaufen? Es geht um die Grundlagen der Schulzeit, die in dem ersten Jahr gelegt werden. Schreiben lernen, lesen lernen, rechnen. Rechnen kann er jetzt schon, ein Glück, er ist ein Zahlentyp. Dafür mag er Schreiben nicht, Malen schon gar nicht und obwohl er sich gerne vorlesen lässt, hat er bisher an Buchstaben kein großes Interesse gezeigt. Bisher habe ich mir immer gesagt, das wird schon, wenn ihn ein Lehrer mitzieht und die anderen Mitschüler, dann motiviert das, war im Kindergarten bei der Vorschularbeit auch so. Aber was, wenn ich das nun im Homeschooling auffangen muss?! Weil zum Beispiel nur die Hälfte des  Unterrichts als Präzenzunterricht stattfindet? Wie soll ich das auffangen? Wie soll ich so wichtige Grundlagen vermitteln? Und wie wird er sozialen Anschluss finden? Wird er mit seinen Freunden in eine Klasse kommen?

Und dabei noch dem Viertklässler seine Grundlagen vermitteln? Und … dann ist da ja noch meine Kleine. Eine Zweijährige beschäftigt sich naturgemäß nur eine begrenzte Zeit selbst. Ob sie wie gewohnt 5 Stunden am Tag in den Kindergarten kann, steht in den Sternen. Ich frage mich eh, ob sie wieder eingewöhnt werden muss. Wenn es nach den Sommerferien weitergeht, wird sie eine Pause von fünf Monaten gehabt haben. Im Leben einer Zweieinhalbjährigen ist das fast ein Fünftel des Lebens. Das ist doch verrückt!

Achja. Und dann ist da meine Arbeit als freiberufliche Journalistin und Autorin. Das Geld will ja auch verdient werden. Der Spagat, den ich seit März irgendwie meistere, wird also noch eine Weile weiter gehen. Ich muss gestehen: Ich habe jetzt schon leichte Ermüdungserscheinungen. Denn es zerrt an den Nerven. Jeden Tag. Der Familienfrieden leidet drunter. Das Gefühl, niemandem gerecht zu werden, war noch nie so stark wie in diesen Tagen. Den Kindern nicht gerecht zu werden. Dem Haushalt nicht gerecht zu werden. Der Arbeit nicht gerecht zu werden. Mir selbst nicht gerecht zu werden. Denn eins ist klar: Zeit für mich, das ist seit Mitte März ein absolutes Fremdwort. Natürlich sehe ich auch die Vorteile, genieße die viele Zeit mit meinen Kindern, die vielen Spaziergänge, das Ausschlafen, die Spieleabende und Videoabende. Aber ich könnte diese gemeinsame Zeit sehr viel besser genießen, wenn ich nicht im Hinterkopf die nicht erledigte Arbeit hätte, die unbeantworteten Emails, die aufgeschobenen Hausaufgaben des Schulkindes. Und wenn ich ab und zu einmal in Ruhe etwas lesen könnte. Einen Kaffee ungestört trinken könnte. Ohne Mama-Rufe in Dauerschleife und diesen ständigen Lärm um mich herum.

Wir Eltern kriechen auf dem Zahnfleisch. Es ist einfach so. Es geht ja nicht nur mir so. Ich habe mich auf Instagram in den Stories umgehört – und viele viele Antworten gesammelt. Über was sich Eltern Sorgen machen, was sie am meisten belastet. Die  Zitate gibt es  hier auf dem Blog. Damit wir Eltern gehört werden.

Kennt Ihr mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr viele weitere Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest– ich freue mich auf Euch!

4 Kommentare zu “Corona-Ungewissheit: Wie geht es nach den Sommerferien weiter?

  1. Hallo Nathalie!
    Wir haben hier eine sehr ähnliche Konstellation – Vater hochrisikogruppe und 4 kleine Kinder, der 2. Kommt auch im Sommer in die Schule und ich habe genau die gleichen Gedanken wie du. Die Möglichkeit, den Papa zu isolieren haben wir nicht. Ich versuche auch, so wenig wie möglich über die Zukunft nachzudenken, um nicht verrückt zu werden. Aber das ist ganz schön schwer!

  2. Ich bin teilweise hin- und hergerissen…
    Die Belastung ist wirklich enorm und wir leiden da auch unter einigen Aspekten. Auf der anderen Seite ist Homeschooling für meine Tochter viel besser als Schule und über diese Möglichkeit (die man in Deutschland sonst ja nicht bekommt) freuen wir uns schon sehr!
    Viele Grüße und alles Gute für euch, Becky

  3. Meine (Zwillinge) gehen in die 7. Klasse bzw. so war es. Mittlerweile gehe ich auch auf dem Zahnfleisch. Ich arbeite im Gesundheitswesen und danach bin ich Pädagogin. Ich hoffe, dass sich das nach den Sommerferien alles wieder normalisiert. Die Doppelbelastung ist auf Dauer nicht zumutbar. LG Romy

  4. Es ist eine seltsame Zeit. Anfang des Jahres war meiner Viertklässlerin ganz komisch bei dem Gedanken, im Sommer ihre Schule zu verlassen. Jetzt, nach wochenlangem Zuhause sein, geht sie montags zur Schule und hatte innerlich schon mit der Schule abgeschlossen.

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