Harz unter Tage: Ausflugstipps Bergwerk Grube Samson und die Iberger Tropfsteinhöhle

Vor kurzem hatte ich Euch ja von unserer Reise in den Südharz berichtet und davon, was man im schönen Bad Sachsa so unternehmen kann. Rund um Bad Sachsa gibt es viele schöne Ausflugsziele, die gerade für Familien spannend sind. Braunlage mit dem Wurmberg ist nicht weit, genauso wenig wie die Brockenbahn, mit der man auf den höchsten Berg im Harz fahren kann. Nicht hoch hinaus, sondern unter die Erde geht es bei den zwei Ausflugszielen, die ich Euch heute vorstellen möchte – und die meine Kinder total begeistert haben. Mich nebenbei auch – und das, obwohl ich ein wenig klaustrophobisch veranlagt bin: Wir waren in der Grube Samson, einst dem tiefsten Bergwerk der Welt, und in der Iberger Tropfsteinhöhle. Wieso beides tolle Ausflugsziele im Harz sind? Das will ich Euch mal verraten…

Eineinhalb Stunden brauchte der Bergmann, um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Über von der stetigen Feuchtigkeit glitschige Holzleitern ging es nach unten, Leiter um Leiter, immer tiefer in den 800 Meter tiefen Schacht hinein, nur tanzende Ölleuchten gaben ihm etwas Licht. Nach seiner Schicht, in der er seinen Gang ungefähr einen Zentimeter tiefer in die Wand hineingeklopft hat, ging es wieder nach oben – zwei Stunden, Sprosse um Sprosse die Holzleitern hinauf.

Ausflugstipps im Harz: Bergwerk Grube Samson und Iberger Tropfsteinhöhle - Urlaub im Harz nicht zum Reisen mit Kindern und dem Familienurlaub perfekt - auch so eine Reise wert - Sehenswürdigkeiten und Natur und Reisetipps #harz #deutschlandurlaub #reisen

Die Grube Samson: Führung in ein ehemaliges Bergwerk

800 Meter geht es heute nicht mehr in die Grube Samson hinunter, aber für die Besucher immer noch 30 Meter in den Berg hinein, vorbei an großen Wasserrädern durch einen grob behauenen Stollen, in dem man einen Eindruck gewinnt, wie die Bergleute früher gearbeitet haben. Stetig tropft das Wasser von den Wänden, auf dem Boden sammeln sich Pfützen, alles ist klamm, die Holzstufen rutschig, das Licht schummrig. Man kann sich vorstellen, wie die Arbeitsbedingungen hier im Bergwerk im 16. Jahrhundert aussahen. Man kann es fühlen, wenn einem ein Wassertropfen nach dem anderen auf die Haare tropft, man sich am Geländer festhält, um nicht auszurutschen. Wobei es diese Treppen mit Geländern, über die die Besucher heute in die Grube Samson hinabsteigen, früher freilich nicht gab. Da ging es einen schmalen Schacht hinunter, nur auf schmalen Holzleitern. Sprosse um Sprosse zur Schicht.

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Was für eine Erleichterung war da die Erfindung der Fahrkunst! Was es mit dieser Harzer Erfindung – die den Bergbau weltweit sicherer für die Bergleute machte – auf sich hat, erfährt man bei einer Führung in der Grube Samson, denn dort steht die einzige noch heute in Betrieb befindliche Fahrkunst Deutschlands (ja fast der Welt, nur in Norwegen gibt es noch eine). Die Fahrkunst wurde im 19. Jahrhundert erfunden und ist eine Art Vorläufer des Fahrstuhls. Nun, etwas weniger komfortabel, aber doch wesentlich komfortabler als die glitschigen Holzleitern. Durch Wasserkraft bewegte Stangen gingen tief in den Berg hinab bis nach unten. An ihnen waren in gleichmäßigen Abständen kleine, sehr kleine Trittbretter mit Griffen befestigt. Gerade so groß, dass zwei Männerfüße nebeneinander stehen können. Der Bergmann musste nun von Trittbrett zu Trittbrett treten, während die Stangen sich stetig hoch und runter bewegten. Im Zickzack gelangte er dann nach unten  – nach schier unendlichen Wechseln von Trittbrett zu Trittbrett…

Ausflugstipp im Harz: Das Bergwerk Grube SAmson

12 Meter hoch ist dieses Wasserrad aus Holz – und es treibt heute noch die Fahrkunst in der Grube Samson an. Foto: Grube Samson, Jochen Klähn

In der Grube Samson wird die Fahrkunst anschaulich erläutert  – und man erfährt noch mehr: Nämlich dass diese Fahrkunst heute noch genutzt wird! Denn die Grube Samson ist heute noch bis 190 Meter Tiefe befahrbar und dort unten liegende Turbinen für die Gewinnen von Strom aus Wasserkraft müssen regelmäßig gewartet werden!

Auch der Besucher kommt in der Grube Samson nach unten – per Pedes. Ich hatte lange überlegt, ob ich die Führung mitmache… denn ich bin etwas klaustrophobisch veranlagt.. Aber die Neugier überwog und ich kann es nur jedem raten, an so einer Führung durch die Grube Samson teilzunehmen! Die Wege und Treppen sind bequem, die Räume groß und einen Helm muss man auch nicht tragen. Ein kleines Stück geht es durch einen Stollen bis zum Ausgang, dieser ist 1,75 Meter hoch, so dass ich mit meinen 1,59 Metern mich noch nicht mal bücken musste. Keinen Moment während dieser Führung hatte ich das ein Gefühl der Beklommenheit, es war so spannend, dass ich meine Klaustrophie ruckzuck vergaß. Denn es ging vorbei an den großen Wasserrädern (ein 9 Meter hohes und ein 12 Meter hohes), die während der Führung so wie früher nur mit Wasserkraft angetrieben wurden -meine Kinder waren schwer beeindruckt, als sich die riesigen Holzräder drehten! Nach der Führung, die sehr kindgerecht war, ging es noch in ein kleines Museum, in dem man noch mehr über den Alltag der Bergleute im Harz erfuhr.

Wie der Bergbau den Harz prägte

Ein spannendes Stück Geschichte – denn mir wurde jetzt erst klar, wie prägend die Bergbaujahre (die vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts) für den Harz waren. Die Eisen- und Silbererze wurden übrigens wegen der klimatischen Bedingungen und der Verfügbarkeit der Wasserkraft fast nur im Westharz gefördert. Und diese Zeit hat die Städte und Dörfer im Westharz bis heute geprägt – die kleinen Orte mit den einfachen Häusern, eher schmucklos, an die Berghänge gedrückt, alle tragen sie Spuren der Bergbauzeit. Ein spannendes Stück Kulturgeschichte – auch für Kinder! Die Grube Samson in St. Andreasberg ist von Braunlage aus schnell erreicht, von Bad Sachsa aus fuhren wie etwa 20-30 Minuten durch eine wirklich schöne Berglandschaft – so typisch Harz eben!

Wandern mit Kindern im Harz

Viel Wald, viel Aussicht: Der Harz ist wunderschön!

Iberger Tropfsteinhöhle: Ausflugstipp für Familien

Und weil ich so tapfer unter Tage war, ging es am nächsten Tag gleich noch mal in den Berg hinein. Diesmal nicht in die Tiefe, sondern eher waagerecht in den Berg hinein: nämlich in die Iberger Tropfsteinhöhle bei Bad Grund. Auch in die Tropfsteinhöhle kommt man nur im Rahmen einer Führung. Und auch hier sind die Räume weit genug und hoch genug, dass ich meine leichte Klaustrophobie gar nicht spürte und ohne Probleme mit laufen konnte, vorbei an märchenhaften Tropfsteinen, versteinerten Wasserfällen – also Sinterkaskaden – und an Versteinerungen aus uralten Zeiten – denn die Höhle liegt tief im Kalk eines einstigen Riffs – denn der Iberg war vor 350 Millionen Jahren ein Korallenriff in der Südsee! All das, genauso wie die Frage, wie Tropfsteine entstehen, wird bei der kurzweiligen Führung erklärt. Meine Kinder waren begeistert und ich konnte die Schönheit der Tropfsteinhöhle tatsächlich auch genießen!

Ausflugsziele im Harz Grube Samson und Iberger Tropfsteinhöhle - auch mit Kindern lohnende Sehenswürdigkeiten im Harz

Vorbei an Tropfsteinen und Sinterkaskaden geht es durch die Iberger Tropfsteinhöhle. Foto: HöhlenErlebnisZentrum, Günther Jentsch

Zur Iberger Tropfsteinhöhle gehört auch ein sehenswertes Museum, das Höhlenerlebniszentrum, in dem die Toten der Lichtensteinhöhle im Mittelpunkt stehen. Diese Familie aus der Bronzezeit wurde vor 3000 Jahren im Harz bestattet und ihr Grab ist im Höhlenerlebniszentrum original maßstabsgetreu nachgebildet -man kann, zur Freude der Kinder, durch einen nachgebauten Höhlengang hinein- und auch wieder hinausklettern. Das Museum widmet sich dieser Familie und den Lebensbedingungen in der Bronzezeit – sehr spannend und modern inszeniert. Was mich faszinierte: Da die Knochen sehr gut erhalten waren, konnte man mittels DNA-Analysen noch heute lebende Nachfahren dieser Familie nachweisen! Ein 3000 Jahre alter Stammbaum – Wahnsinn, oder?

Ausflugsziele im Harz Grube Samson und Iberger Tropfsteinhöhle - auch mit Kindern lohnende Sehenswürdigkeiten im Harz

Das Höhlenerlebniszentrum gleich neben der Tropfsteinhöhle ist modern inszeniert und erzählt vom Leben in der Bronzezeit. Foto: HöhlenErlebnisZentrum, Günther Jentsch

Die Iberger Tropfsteinhöhle lässt sich auch mit Kindern gut begehen. Wie auch bei der Grube Samson solltet Ihr an warme Kleidung denken und auch an feste Schuhe! Denn unter Tage ist es konstant kalt: 8 Grad! Nun, wenn man die Führungen im Winter macht, kommt es einem dann vielleicht warm vor, es ist alles eine Frage der Perspektive.

Der Harz: Perfekt für den Familienurlaub

Es gibt im Harz übrigens noch einige weitere Bergwerke und Höhlen, die Ihr besichtigen könnt und die auch mit Kindern einen Besuch lohnen. Eine gut Übersicht gibt es im Begleitheft zur HarzCard.

Der HArz mit Kindern: Ein unterschätztes Reiseziel.

Auch im Nebel schön: Eine Wanderung im Harz..

Ihr seht, auch diesmal hat uns der Harz als Urlaubsziel sehr begeistert. Es gibt einfach unglaublich viel auf kleinen Raum zu sehen, so dass sich die Distanzen zwischen den Ausflugszielen im Rahmen halten. Was mir auch so gut gefallen hat: Dass es auch bei schlechtem Wetter so viel zu erleben gibt im Harz! Und abgesehen von den ganzen Sehenswürdigkeiten und Museen und Höhlen und was es im Harz noch so für Familien gibt: Die Natur, dieses grüne Mittelgebirge, hat übrigens auch bei schlechtem Wetter ihren Reiz, wie ich ja schon mal geschrieben hatte. Es hat einfach etwas von Zauberlandschaft, wenn man durch den Nebel wandert… auch für Kinder!

Dieser Beitrag wurde übrigens in keiner Form gesponsert 🙂 

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3 Kommentare zu “Harz unter Tage: Ausflugstipps Bergwerk Grube Samson und die Iberger Tropfsteinhöhle

  1. Supi, dass du auch ein paar Tipps zum Harz veröffentlichst. Über die Iberger Tropfsteinhöhle schrieb ich selbst Anfang September ein paar Zeilen im Blog. Ich freue mich jedes Jahr auf unseren Urlaub im schönen Harz. Vielleicht hast du ja noch ein Tipps rund um Thale für mich, die ich bisher noch nicht entdeckt habe?

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