Das Mama-Dilemma im Home Office

„Könntest Du einmal bitte bei den Handwerkern anrufen? Ich kann es vom Büro aus nicht erledigen, aber Du bist doch eh den ganzen Vormittag zuhause?“

Na klar, ich bin zuhause. Aber ich sitze genauso im Büro. In meinem Büro. Im Home Office. Und ich muss bis zum frühen Nachmittag fertig sein, kann keine Überstunde machen, denn da wartet mein Sohn auf mich und will von der Tagesmutter abgeholt werden.  Die Zeit muss ich nutzen. Konzentriert.

„Wie schön, dass Du Dein Hobby zum Beruf gemacht hast und vormittags Zeit dafür hast.“

Als Mama im Home Office wird man nicht immer ganz ernst genommen

Ja, ich sitze zuhause und schreibe. Und ja, ich schreibe gerne. Mein Beruf als freiberufliche Journalistin bringt mir Spaß. Aber es geht hier nicht nur um Selbstverwirklichung und das Betreiben eines Hobbys, so wie die Millionärsgattin, die nebenher ein bisschen in Sachen Charity macht. Ich habe studiert, meinen Beruf gelernt und übe ihn seit vielen Jahren aus. Und ich bin ganz gut darin. Ja, er bringt mir Spaß. Aber ich verdiene damit auch mein Geld und ich habe es manchmal auch stressig – Artikel müssen nunmal pünktlich abgegeben werden.

„Schön, wenn die Frau ein eigenes Taschengeld dazuverdient und sich auch mal was Kleines gönnen kann.“

Toll, nicht wahr?! Der Mann malocht und finanziert das Leben, die Frau darf ein bisschen Taschengeld verdienen. Man will ja nicht immer den Mann fragen. Dafür sitzt die Frau in ihrem Arbeitszimmer und tippt son bisschen vor sich hin. Niedlich, die Kleine mit ihrem Taschengeld!

Diese und ähnliche Sätze müssen sich viele arbeitende Mütter anhören, die sich für Teilzeit entschieden haben, weil sie auch ein bisschen Zeit mit ihrem Kind verbringen wollen. Und diese und ähnliche Antworten geben diese Mütter den frech Fragenden – oder sie denken diese Antworten auch nur noch, weil sie längst resigniert haben, ihren Gegenüber aufzuklären, sich gegen all die Vorurteile zu behaupten.

Teilzeit und dann auch noch Home Office: Mütter und die viel zitierte Vereinbarkeit

Und wenn man dann auch noch von zuhause aus arbeitet, im mysteriösen Home Office verschwindet, dann werden die Fragen manchmal richtig frech. Arbeitet sie da wirklich? Von zuhause aus? Geht das denn?! Frauen und Selbstverwirklichung, niedliche Hobbys, so ein bisschen für sich machen, das liegt vielen auf der Zunge.

„Die will doch nur spielen.“

Immer wieder höre ich diese Gespräche mit, wird mir von anderen Müttern davon berichtet, erlebe ich diese Fragen selbst. Mama in Teilzeit im Home Office, das nehmen viele nicht für voll. Man ist doch zuhause, da kann man doch schnell nebenher noch die Wäsche waschen?! Klar, mache ich doch im Büro auch, mal schnell aus dem Meeting raus und den Geschirrspüler anwerfen.

Wieso können wir es als Frauen eigentlich so selten jemandem rechtmachen? Und – wieso wollen wir es eigentlich ständig allen rechtmachen? Wir sollten über diese Kommentare hinweg sehen (ich kann es noch nicht, ich gebe es zu, ich rege mich immer noch auf, wie dieser Post zeigt!) und vor allem Solidarität mit anderen Frauen/Müttern zeigen, anstatt uns gegenseitig zu zerfleischen und aufeinander hinab zu sehen.

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2 Kommentare zu “Das Mama-Dilemma im Home Office

  1. Oh wie wahr! Da werden Handwerker bestellt ohne es vorher abzusprechen… „die Frau ist ja zu Hause…“
    Oder mit krankem Kind zu Hause und Abends kommt der Kommentar, warum nicht mal die Spülmaschine ausgeräumt ist *grrr*
    Liebe Grüße

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