Müüüüüüüde….vom größten Energieräuber überhaupt – der Schlafmangel

Ich halte mich tapfer an meinem Kaffee fest. Aber irgendwann pusht auch der leckerste, stärkste Kaffee nicht mehr. Auch der Grüne Tee danach macht nur minimal wacher. Ich freue mich schon aufs Bett, aber bis es soweit ist, muss ich noch einen ganzen Nachmittag mit drei Kindern durchstehen, die drei Kapitel Gute-Nacht-Geschichte inbegriffen,  dazu Streitereien ums Lego, Zahnputzverweigerung, etliche volle Windeln und was so ein Nachmittag noch so mit sich bringt. Eines kann ich aber jetzt schon sagen: Ich werde wieder mit den Kindern einschlafen. Aber auch, wenn die Aussicht auf das kuschelige Bett grad noch so verlockend ist: Richtig freuen kann ich mich nicht. Denn wer freut sich schon auf eine Nacht, die alle zwei Stunden von einem hungrigen Baby unterbrochen wird?

Müde bin ich. Müüüüüüüde. So viele Üs kann  ich gar nicht tippen, um den Zustand zu beschreiben. Mehr als zwei Wochen ohne richtigen Schlaf fordern ihren Tribut. Ich hatte ganz vergessen wie es war, da meine Kleine eine recht unkomplizierte Schläferin war. Wesentlich unkomplizierter als ihre beiden großen Brüder, die fast das ganze erste halbe Lebensjahr einen nächtlichen Zwei-Stunden-Rhythmus durchzogen. Wie ich das durchgehalten habe? Keine Ahnung. Ich war jünger, vielleicht liegt es daran? Und ich hatte nur ein weiteres, bzw kein weiteres Kind, das man am Nachmittag bei Laune halten musste. Vielleicht hab ich es auch einfach nur verdrängt, wie anstrengend es war. Und nun  macht mir meine kleine, süße Maus deutlich:  Zu  früh gefreut, Mama! Man soll den Tag halt nicht vor dem Abend loben. Schon klar, selbst Schuld, flüstert eine kleine gehässige Stimme in mir.

Erst die vier Eckzähne, nun eine fette Erkältung. Ein Baby, das mit 15 Monaten ja gar kein Baby mehr ist, und auf einmal wieder fast vollgestillt werden will. Das nicht nur nachts rummeckert, dauertrinkt und morgens viel zu früh wach ist. Sondern das auch noch tags grantig ist, meckert, tags nicht mehr als 15 Minuten am Stück schläft, seit zwei Wochen auf mir drauf wohnt und mich noch nicht mal ohne Gemecker meinen Kaffee trinken lässt.

Das zerrt. An den Nerven. An der Substanz.

Ich hatte hier mal was über Schlafentzug als Foltermethode geschrieben. Ich lese meine eigenen Blogtexte, um mir Mut zu machen. Den Brief an mein früheres Mama-Ich, in dem ich mir selbst mal erzählt habe, dass solche Phasen im Rückblick ja nur ein Wimpernschlag sind. Mag im Rückblick so sein, aber jetzt gerade, genau jetzt, ist das ein schwacher Trost. Denn ich bin ja jetzt müde. Und klar weiß ich, dass es bald wieder besser aussieht und dass die Zeit kommt, in der ich morgens ausgeschlafen aus dem Bett hüpfe-  aber die jetzige Müdigkeit wird dadurch grad nicht gemindert. Ich lese meine eigenen Tipps, wie man mit Schlafmangel umgeht und ich befolge sie alle. Aber: Was zu viel ist, ist zu viel.

Schlafmangel ist der größte Energieräuber überhaupt. Schlafmangel raubt Dir jegliche Energie. Schlafmangel macht schlaff. Schlafmangel macht verletzlich. Schlafmangel macht dünnhäutig. Schlafmangel macht, dass das, was Du sonst mit links meisterst, auf einmal zu einem unüberwindlichen Hindernis wird. Schlafmangel macht, dass Dich Kleinigkeiten aus der Bahn werfen, die Du sonst noch nicht mal wahrnehmen würdest. Schlafmangel macht, dass die Nerven dünn wie Angelschnüre sind und Du bei Dingen resignierst, die Du sonst elegant überhüpfen würdest. Schlafmangel macht, dass jedes Quengeln, jedes Meckern Deines Babys Dir so laut vorkommt, dass Du es einfach nicht ertragen kannst. Schlafmangel macht, dass Du viel zu viel mit Deinen Kindern meckerst. Weil die Energie fehlt, drei streitende Kinder einfach zu ertragen. Weil der Schlafmangel Dir sogar Deinen Humor raubt. Und die schlechte Laune auf die Kinder abfärbt, gnadenlos.

Ich bin müde, schlecht gelaunt, ich möchte einmal nur zwei Minuten irgendetwas schaffen, etwas machen, ohne dass ein Baby schreit, an mir rumzerrt. Während ich diesen Text tippe, stille ich, tippe mit einer Hand, die einzige ruhige Minute, die bleibt in diesen Tagen. Die Wäscheberge werden größer und größer.  Ich komme noch nicht mal zum Kochen, den Geschirrspüler räume ich mit Baby auf dem Arm ein, ich esse mit Baby auf dem Arm, ich mache ALLES mit Baby auf dem Arm. Duschen müsste ich auch mal wieder. Und ganz ehrlich: Ich würde gern mal wieder ohne Baby auf dem Arm aufs Klo gehen und die Zähne putzen. Klar, kann ich die Kleine einfach mal hinstellen. Aber dann geht die Sirene los. Da nehme ich lieber eine Sehnenscheidenentzündung in Kauf.

Ach, es ist grad alles doof. Wem sag ich das.

Ich mag mein Schlafmangel-Ich grad gar nicht. Diese schlecht gelaunte Motzbacke, die da durch die Gegend läuft, über nichts mehr lachen kann und genervt mit den Türen knallt, weil ihr alles zu viel ist. Nein, ich mag dieses Schlafmangel-Ich nicht, diese runtergezogenen Mundwinkel, die neuen Falten auf der Stirn schon mal gar nicht und diese Keifstimme, die vor allem am späten Nachmittag auftaucht. Oh nein, dieses Schlafmangel -Ich ist so gar nicht sympathisch. Es ist so eine Meckertante, dass ich noch nicht einmal Mitleid haben kann.

Deshalb habe ich beschlossen, dass ich das Schlafmangel-Ich jetzt einfach mal wegsperre. Und eintausche gegen ein vielleicht etwas müdes, aber nicht durch und durch schlecht gelauntes Ich. Ein Ich, dass das Beste aus der Situation macht. Muss ja, sagt der Norddeutsche gerne. Muss ja, sage ich nun auch. Ich mach es mir jetzt gemütlich mit meinem Kaffee und kuschel mit dem Baby (wenn sie schon auf mir wohnt, dann mach ich das Beste draus). Und wer weiß – vielleicht wird die nächste Nacht ja besser? Ganz bestimmt.

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6 Kommentare zu “Müüüüüüüde….vom größten Energieräuber überhaupt – der Schlafmangel

  1. Liebe Natalie,
    Oh ja, es gibt wohl wenig, was so auszehrt und psychisch an die Reserven geht wie Schlafmangel.

    Ich hab nur mittlerweile auch immer im Kopf, dass es natürlich nicht schaden kann, mal ein Blutbild machen zu lassen – ich hab seit Kind Nr.2 eine Schilddrüsenunterfunktion, die durch so ein Zufallsblutbild rauskam. Seit ich da gut eingestellt bin, fühl ich mich viel fitter, auch wenn sich an der Schlafsituation nix geändert hat.
    Da braucht’s anscheinend fähige Ärzte, um auf die Idee zu kommen – deshalb erzähl ich das. Ich will gar nicht sagen, dass es immer eine medizinische Ursache sein muss, nur wenns gar nicht besser wird, dann schadet ein Blutbild ja nicht.

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