Wie kann ich etwas von der Urlaubsstimmung mit in den Alltag nehmen?

Während ich diesen Text hier schreibe, toben meine Jungs auf dem Rasen herum,  suchen die grössten Stöcke, die sie tragen können, stapeln Steine und bauen Höhlen aus Birkenzweigen, in die sich verziehen und in ihre eigene Welt abtauchen. Streiten? Klar, das  tun sie. Ganz ohne Geschwisterstreit geht es nun mal nicht. Aber die Frequenz ist viel geringer. Sehr viel geringer. Es gab sogar Tage im Urlaub, an denen sie gar nicht (!) stritten. Und wenn sie streiten, dann fällt es weniger heftig aus. Dann ist die Meinungsverschiedenheit schneller geklärt. Und ich? Mecker weniger. Rege mich weniger auf. Gerate nicht so schnell in Rage. Kann leichter auch einfach mal lachen ueber die Streiche, die sie spielen. Und bin selbst viel entspannter. Wieso kann das Leben nicht immer so sein wie in Urlaub? So leicht, so ruhig, so entspannt, so friedlich? Mit so viel Lachen, so wenig Meckern? Wie gelingt es, etwas aus dieser Urlaubsstimmung in den Alltag zu retten?

 

Natürlich kann nicht immer Urlaub sein. Alltag muss sein. Sonst wäre Urlaub ja nicht Urlaub und dieser besondere Zauber wäre nicht der Zauber, der er ist. Aber es muss doch möglich sein, etwas von diesem Zauber, dieser Entspanntheit mit in das „normale“ Leben zu nehmen, zu konservieren? Was ist anders an der Grundstimmung, was ist anders an meinen Kindern und was ist anders an mir, wenn ich im Urlaub bin?

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Was ist im Urlaub anders als im Alltag?

Zunächst einmal fehlt der Zeitdruck. Allgemein der Druck, irgendetwas zu muessen. Zu einer bestimmten Uhrzeit aufzustehen. In der Schule zu sein. Bei Terminen zu sein. Es fehlt der Druck, sich mit Menschen zu umgeben, die man sich nicht ausgesucht hat. Wir leben einfach in den Tag hinein, ohne uns zu hetzen. Dazu muss man sagen, dass Urlaub fuer uns kein Urlaub in grossen Clubanlagen ist, dass wir kein Fitnessprogramm oder andere Dinge mitmachen und auch keine Animation. Wir verbringen unseren Urlaub nicht am Strand, also ja, schon am Meer oder an Seen, aber nicht so mit „wir liegen einen ganzen Tag in der Sonne und braten“. Urlaub fuer uns ist Familienzeit, sind Ausfluege, Spaziergänge, lange Cafebesuche, abends essen gehen – aber auch genauso faule Tage, an denen die Kinder bis spät abends spielen und toben können.

Den Tagesablauf lassen wir von unseren Grundbeduerfnissen diktieren: Der Bauch knurrt? Dann gibt es Essen. Wir sind muede? Dann gehen wir ins Bett. Wir sind wieder wach? Dann stehen wir auf. Die Uhrzeit ist da sekundär – sie bestimmt unseren Tagesrhythmus nicht. Und dadurch verläuft der Tag so, wie unser Körper es uns diktiert und nicht fremdbestimmt durch Stundenpläne und Termine. Seit unserem ersten Urlaub lassen wir unsere Kinder in den Ferien so lange aufbleiben wie sie wollen – wenn sie muede werden, melden sie sich von alleine. Dadurch fällt der tägliche Stress beim Insbettgehen weg. Kein „ich bin aber noch gar nicht muede“ und kein zehnmaliges Auf-Klo-Gehen und plötzlich Dursthaben, wenn das Licht aus ist. Der zweite Vorteil, wenn man die Kinder einfach so lange auflässt, wie sie wollen: Sie schlafen morgens lange. Und wir dadurch auch.

So weit so gut. Leider ist eben dieser Punkt nicht in den Alltag transferierbar. Denn sobald die Schulferien um sind, klingelt nun mal wieder der Wecker um halb sieben. Morgen fuer Morgen, von Montag bis Freitag. Schule beginnt nun mal um acht, ob wir wollen oder nicht. Und um morgens fit zu sein, muss es abends halt zu einer bestimmen Uhrzeit ins Bett gehen. Und schwupps sind sie wieder da, die täglichen Verpflichtungen, die uns das entspannte Leben ein wenig schwerer machen als jetzt im Urlaub!

Und dann ist da natuerlich die Arbeit, die uns Eltern im Alltag einspannt. Ich arbeite zwar auch im Urlaub, als Freiberuflerin ist das so und ich bin dran gewöhnt, aber wohldosiert, viel weniger und ganz ehrlich gehen mir im Urlaub meine Texte sogar leichter von der Hand. Der grösste Unterschied besteht wohl fuer meinen Mann, der nach dem Urlaub wieder frueh morgens aus dem Haus fährt und abends zum Abendbrot wieder zur Tuer reinkommt. Aber auch fuer mich ist es anders: Das Telefon klingelt. Emails kommen. Irgendjemand will immer etwas. Termine. Der volle Wäschekorb, der sich von alleine nachfuellt. Der volle Geschirrspueler, der einen bedrohlicher anschaut als im Ferienhaus. Der uebliche Alltag halt. Der einen schneller als einem lieb ist zur Meckermama mutieren lässt, der einen viel zu oft duennhäutig werden lässt und in manchen Momenten den Humor verlieren lässt.

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Es muss doch möglich sein, etwas aus dem Urlaub mit nach Hause zu nehmen! Im Alltag umzusetzen! Aber wie?

So will ich das Urlaubsgefuehl auch nach dem Urlaub bewahren

Ich werde es mit folgenden Dingen probieren:

Weniger schimpfen.

Wieso schimpfe ich zuhause ueber Dinge, ueber die ich im Urlaub nur muede lächel? Weil ich duennhäutiger bin? Weil ich meine, Regeln unbedingt umsetzen zu muessen? Ich habe mir vorgenommen, mein Schimpfverhalten unter die Lupe zu nehmen und selbstkritisch zu sein. Ich möchte häufiger fuenf grade sein lassen. Nicht immer gleich losmeckern. Erstmal mit Humor die Situation lockern. Tief durchatmen. Vielleicht kurz den Raum verlassen, wenn ich zu genervt bin. Denn, wenn ich genau nachdenke, schimpft man viel zu oft doch eher, weil man sich ueber sich selbst ärgert. Oder ueber den Partner, der einem gerade nichts abnimmt in der Situation. Und lässt das an den Kindern aus. Das muss ja nicht sein!

Weniger aufs Handy starren.

Das Handy ist fuer mich leider eines meiner wichtigsten Arbeitsmittel. Und es erleichtert mir die Arbeit. Denn dank des Handys kann ich nachmittags mit meinen Kindern im Garten spielen oder auf dem Spielplatz sein und bin trotzdem fuer meine Kunden erreichbar. Wenn ich aufs Handy blicke, ist es tatsächlich in 85 Prozent der Fälle beruflich. Aber muss das trotzdem so oft sein? Im Urlaub geht es auch ohne. Ich schaue nur zu bestimmten Zeiten, ob eine Email eingetrudelt ist. Und es geht auch. Wenn es etwas ganz Dringendes ist, wird man mich schon anrufen statt eine Mail zu schreiben. Denn auffällig ist es: Die Kinder werden immer dann anstrengend, streiten sich oder fangen an an mir rumzunerven, wenn ich aufs Handy starre. Den Zusammenhang kann ich nicht bestreiten. Also werde ich es ändern. Und das sinnlose Herumsurfen werde ich auf die Abendstunden beschränken oder heimlich auf dem Klo machen.

Urlaubsdinge in den Alltag einfliessen lassen.

Damit meine ich jetzt nicht in erster Linie Ausfluege. Kinder brauchen nicht ständig Highlights oder Freizeitparkbesuche. Sondern das gemuetliche Eis essen nach der Schule. Im Winter dann die heisse Schokolade ganz in Ruhe. Das lange Fruestueck im Wohnzimmer am Wochenende. Die Kinder können spielen, wir Grossen in Ruhe die Zeitung lesen und wenn sie Hunger haben ,beissen die Kinder zwischen dem Legoturm bauen von ihrem Brot ab.

Weniger von äusseren Dingen den Tagesablauf bestimmen lassen.

Natuerlich gibt es Termine, an die man sich halten muss. Aber wer sagt, dass man jeden Abend um punkt 19 Uhr Abendbrot essen muss? Und muessen es wirklich ständig Termine sein? Wir haben unsere Nachmittagsaktivitäten eingestampft und machen seit einiger Zeit nur das, worauf wir Lust haben. Das hat schon einiges gebracht an Entspannung und so werden wir es weiter handhaben. Bei uns ist es praktischerweise auch so, dass es in der Schule ein grosses AG-Angebot gibt, das genau in die Betreuungszeit fällt. Das heisst, ich muss mein Kind nirgendwo hinbringen und fuer ihn wird die freie Nachmittagszeit dadurch nicht kuerzer.

Mehr Ausnahmen zulassen.

Wer sagt eigentlich, dass die Kinder immer um acht im Bett liegen muessen? Auch wenn sie nicht muede sind? Ausnahmen machen doch erst den Reiz des Alltags aus. Deshalb werde ich in Zukunft mehr Ausnahmen zulassen.

Häufiger auf den Quatsch meiner Kinder eingehen.

Meine Kinder machen gerne Quatsch. Und meistens finde ich ihren Humor auch sehr witzig. Aber ich gebe es zu: Irgendwann ist es mir zu viel. Da kann ich einfach nicht mehr drueber lachen. Da schalte ich in den Genervtmodus. Und im Rueckblick gab es eigentlich keinen Grund, genervt zu sein, hätte herzhaft mitlachen und auf den Quatsch meiner Kinder eingehen, so manchen Streit und manche Meckerei verhindern können. Deshalb möchte ich nicht mehr so oft genervt sein. Und einfach mitlachen und auf den Quatsch eingehen.

Und dann gibt es einige Dinge im Alltag, die wir schon ganz gut hinbekommen – und mit denen wir uns auch ein Stueck Urlaub im Alltag sichern.

Zum Beispiel gibt es bei uns NICHT den klassischen Grosseinkauf am Samstag und auch KEINEN Grossputz am Wochenende. Gerne gehe ich samstags mit den Kinder gemuetlich auf dem Markt einkaufen, aber das ist kein Grosseinkauf im klassischen Sinne, sondern gemuetlich und fuer mich typisch Wochenende. Putzen tun wir in der Woche verteilt, mal hier, mal da, wo es passt und wie es passt. Und ich kaufe unter der Woche ein, wie es gerade passt. Somit beginnt unser Wochenende gleich Samstagmorgen – ohne dass wir erst den halben Tag einkaufen und putzen.

Ausserdem duerfen unsere Kinder am Wochenende so lange aufbleiben wie sie wollen. Was ein bisschen ist wie im Urlaub. Wir fruehstuecken lange und sie duerfen vor uns aufstehen und spielen, während wir die Zeitung lesen. Und noch etwas bringt viel Urlaubsstimmung in den Alltag: Ich gehe oft und gerne mit meinen Jungs Eis essen. Nun ja, im Sommer fast täglich, um ehrlich zu sein. Und in der kalten Jahreszeit setzen wir uns nach dem Kindergarten und der Schule bei einem Kaffee, einer heissen Schokolade und einem suessen Stueckchen zusammen.

Und dann haben wir das grosse Privileg, dort zu wohnen, wo andere Urlaub machen. Direkt in der Altstadt einer der schönsten Städte mit Wasserblick und einem Badesee um die Ecke. Und die Ostsee ist einen Katzensprung entfernt. Das hilft dabei, sich ein wenig wie im Urlaub zu fuehlen. Wir fahren fast jedes Wochenende ans Meer oder an einen See – und an warmen Tagen auch mal abends unter der Woche zum Fischessen an den Strand. Das sind diese kleinen Momente, an denen man sich fuehlt wie im Urlaub.

Ich finde, wir machen das oft schon ganz schön gut, dieses „Urlaub in den Alltag holen“. Aber es besteht eindeutig noch Verbesserungspotential. Und das werde ich umsetzen. Fest vorgenommen. Ich fange jetzt mal damit an und lege das Handy nun mal zur Seite.

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3 Kommentare zu “Wie kann ich etwas von der Urlaubsstimmung mit in den Alltag nehmen?

  1. Da hast du mir gute Ideen für Gedanken vermittelt, die mich auch gerade umtreiben. Ich werde mein Bestes zur Umsetzung im Alltag probieren :-)

  2. Liebe Nathalie, vielen Dank für diesen schönen Artikel. Da wir auch in Lübeck wohnen (wenn auch leider nicht in der Allstadt, dafür schneller an der Ostsee), kann ich einige deiner Tipps auch ganz praktisch in unseren Alltag umsetzen😀 Wir urlauben im Moment gerade in Dänemark und leben mit unseren beiden Kindern auch einfach so in den Tag hinein. Worauf wir allerding achten ist, dass die Kinder, auch im Urlaub, zu einer bestimmten Zeit im Bett sind. Sie dürfen dann gern noch Zeit in ihren Zimmer verbringen und spielen (…), aber irgendwann möchten wir auch Zeit für uns als Paar haben. Diese kommt im Alltag nämlich definitiv zu kurz. Und so gelingt es uns (meistens) ganz gut, die Bedürfnisse von allen Familienmitgliedern unter einen Hut zu bringen.
    Habt noch tolle restliche Sommerferien und lasst es euch gut gehen!

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