Was wir von Babys lernen können: Das, was wirklich zählt.

Es gibt Leute, die bezahlen teures Geld für Entschleunigungskurse. Sie versuchen sich in Achtsamkeit und Meditation, vertiefen sich in schlaue Bücher oder gehen gleich ins Kloster. Ich schaue einfach mein Baby an. Beobachte sie morgens dabei, wie sie sich nach dem Aufwachen reckt und streckt, langsam aufwacht und mich dann mit diesem unwiderstehlichen Babylächeln anstrahlt. Ich könnte sie stundenlang anschauen, stundenlang ihr Glucksen hören, mich über ihre aufgeregt strampelnden Ärmchen freuen, wenn ich ihr eine Rassel hinhalte. Babys bringen einen zurück auf den Boden der Tatsachen, sie zeigen einem, was wirklich wichtig ist. Man muss sich nur einlassen auf ihr Tempo, in ihre Welt eintauchen.

Ganz langsam rekelt sich meine kleine Maus. Sie verzieht ihren Mund, streckt ihre kleinen Fäuste in die  Höhe, dann über den Kopf, ganz langsam und genüsslich. Ihre Beine hebt sie in die Luft, senkt sie wieder, bewegt den Kopf hin und her, streckt ihn wie eine Schildkröte nach vorne und zieht ihn wieder ein, macht dabei ein hinreißendes Doppelkinn. Ihre Augen öffnen sich kurz, schließen sich wieder und die Aufwachchoreographie beginnt von vorne. Ich könnte ewig dabei zuschauen, bei diesem gemütlichen Recken und Strecken, den langsamen Bewegungen.

Ein leises Schmatzen sagt mir, dass sie gleich ganz wach wird – der Appetit lässt sie wach werden. Noch ein paar Streckübungen, noch einmal die Schildkröte und das Doppelkinn, dann öffnet sie ihre Augen. Ihr Blick wird klar, sie wird wach, sieht mich und lächelt dieses unglaubliche zahnlose Babylächeln, das einem das Herz aufgehen lässt, alles rundherum vergessen lässt. Sie macht diese lustigen Babygeräusche und strahlt, wenn man mit eben diesen Lauten antwortet.

Vielleicht sollten wir Erwachsenen es genauso machen. Uns Zeit lassen beim Aufwachen. Unseren Körper dehnen, ganz genüsslich, uns recken und strecken, den Tag in aller Ruhe begrüßen anstatt einfach aus dem Bett zu springen, den viel zu früh klingelnden Wecker zu verfluchen und uns in die Hektik des Alltags zu stürzen.

Wir sollten jeden Morgen so begrüßen.

Wie BAbys uns zeigen, was wirklich zählt im Leben: Was wir von unseren Kindern lernen können #Achtsamkeit #baby #entschleunigung

Ich könnte meiner Babymaus ewig beim Rekeln zuschauen.

Babys zeigen uns, wie man im Hier und Jetzt lebt

Und noch mehr können wir von Babys lernen. Wenn wir uns auf ihr Tempo einlassen. Nicht gleich aus dem Bett springen, sondern unser Baby beobachten. Den klingelnden Wecker ignorieren. Das Telefon noch eine Weile auslassen. Einfach nur staunen über dieses kleine Wunder, das neben uns liegt. Dieses kleine Wunder, das jeden Tag so viel Neues dazulernt. Und unser Herz jeden Morgen schneller schlagen lässt.

Babys zeigen uns, was wirklich zählt. Den Moment zu genießen. Sich nicht über alles aufzuregen. Sondern manchmal auch einfach abzuwarten. Vieles löst sich von selbst. Viele Sorgen hat man sich umsonst gemacht. Viele Gedanken hat man viel zu oft umhergewälzt, um dann festzustellen, dass doch alles anders kommt. Und wenn ich merke, dass meine Gedanken sich im Kreis drehen, dann brauche ich nur dieses kleine Wesen anzuschauen, dass zehn Monate in meinem Bauch war und mir wird klar, was wirklich wichtig ist.

Kinder erden einen. Kinder bringen einen zurück, wenn man abhebt. Sie zeigen einem immer wieder auf, auf was wir wirklich achten müssen. Sie machen uns vor, wie man im Moment lebt, im Hier und Jetzt. Sie feiern die Gegenwart, das, was jetzt passiert, ohne sich Sorgen um das Morgen zu machen. Und deshalb sollten wir uns einfach mehr auf sie einlassen. Ganz bewusst.

Babys beherrschen dieses Hier und Jetzt besonders gut. Denn je größer die Kinder werden, umso mehr assimilieren sie sich mit unserer Erwachsenenwelt. Je älter sie werden, umso mehr Termine kommen in ihrem Leben dazu. Umso mehr Dinge, die sie beschäftigen. Und wenn dann erst die Schule anfängt, dann kommen sie an in der Taktung, die wir Großen ihnen vorgeben. Nicht zuletzt deshalb bin ich kein großer Fan von Kursangeboten von Kindern, von zu vielen Nachmittagsterminen. Wir sollten unsere Kinder so lange wie möglich einfach im Hier und Jetzt leben lassen, einfach spielen lassen, in den Tag hineintrödeln lassen – ohne Termindruck, ohne Pünktlichkeitswahn, ohne Zwang. In unserer Welt kommen sie noch früh genug an – und Kinder sind Anpassungskünstler. Die packen das schon.

Was wir von Babys lernen können: Den Moment leben, Achtsamkeit, Entschleunigung. Das, was wirklch zählt im Leben mehr zu beachten. #eltern #achtsamkeit #baby

Wie uns Babys den Blick fürs Wesentliche öffnen

Babys sind noch völlig frei. Sie leben einfach. In ihrer Babywelt. Sie freuen sich über kleine Dinge, sie lernen in ihrem eigenen Tempo. Sie zeigen ihre Gefühle ohne Hintergedanken. Lächeln, wenn sie sich freuen. Weinen, wenn der Bauch kneift oder ihnen langweilig ist. Schmatzen, wenn sie hungrig sind. Babys können noch nicht lügen, sie wissen nicht, wie man manipuliert. Sie sind einfach sie selbst.

Wenn mir mein eigenes Leben mal wieder zu schnell ist und ich merke, dass ich wieder mit einem Fuß im Hamsterrad stehe, dann schaue ich meine Babymaus an, schaue in diese großen Augen, beantworte ihr Gurren mit einem ebensolchen Gurren. Lege das Telefon zur Seite. Ignoriere das „Pling“ irgendwelcher neuer Nachrichten. Die Welt kann warten. Und wenn ich dann wieder eintauche in den Alltag, die kleinen und großen Streitereien meiner Söhne schlichte, mir Gedanken mache, was gekocht werden soll und welche Beläge ich noch für die Steuererklärung brauche, dann merke ich viel zu oft, dass man gar nichts verpasst, wenn man einfach mal abtaucht, das Hamsterrad sich einfach mal alleine drehen lässt.

Ich brauche keine Achtsamkeitsbücher, keine Meeresrauschen-CDs, ich muss keine Mandalas ausmalen – ich brauche  nur dieses kleine Wesen, das mir jeden Tag von Neuen zeigt, was wirklich zählt.

ganznormalemama Nathalie Klüver

Knuddeln und die Zeit vergessen.

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5 Kommentare zu “Was wir von Babys lernen können: Das, was wirklich zählt.

  1. Pingback: Ein Unfall, gnadenlose Ehrlichkeit und wie wir als Eltern zu GTNM stehen - Freitagslieblinge

  2. Oh, ja, sooo wahr, liebe Nathalie. Ich sitze gerade an einem ähnlichen Text, nur mit größeren Kindern. Kinder können das einfach noch, das, was wirklich zählt. Und wir Erwachsene müssen es mühsam wieder lernen. Wie schön, dass so viele von uns die perfekten Gurus direkt ins Haus geliefert bekommen und immer mehr Erwachsene genau dadurch wieder aufwachen für die Wunder des Lebens. <3

  3. Danke für diesen wunderbaren Text. Seit gut 4 Monaten ist mein Kleiner nun auf der Welt und ich habe mir am Anfang (und manchmal immer noch) mir solchen Stress gemacht, bloß alles richtig zu machen. Aber vor lauter Aufregung habe ich erst nicht gemerkt, dass ich einfach auf ihn achten, mich auf ihn einlassen muss – und er zeigt, was dran ist, auf seine Art und in seinem Tempo. Und die schönsten Momente sind jetzt die, in denen wir ganz bei uns sind, uns in die Augen schauen und anlächeln. Dann hat der Stress keine Chance mehr. Dein Text macht Mut, das noch viel öfter zu genießen.

  4. Ich sehe nur lange nicht so niedlich aus in einer roten Latzhose mit Wollsocken <3

    Ganz wunderbar geschrieben – ich denke brauche mal wieder dringend ein paar Kuscheleinheiten mit einem Baby!

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