Kinder und ihre Vorliebe für blinkendes Spielzeug: Plastik oder Holz, was ist besser?!

Wenn es nach mir ginge, wäre die Sache klar: Im Kinderzimmer gibt es nur formschönes Holzspielzeug. Ohne großen Pipapo, einfach nur schöne, ästhetische Bauklötze, die die Fantasie anregen, Autos, die einfach nur geschoben werden, Holzschiffe, was es da so gibt. Wunderschöne Sachen, an denen ich mich nicht sattsehen kann. Nur meine Kinder sehen es etwas anders. Und das schon seit sie ganz klein sind. Das Lieblingsspielzeug meines Kleinen ist seit Jahren ein blinkendes, lautes Müllauto. Aus Plastik. Er liebt es heiß und innig. Und was ich bei unzähligen Spielzeuggeschäft- und Flohmarktbesuchen festgestellt habe: Kinder fahren auf blinkendes, lautes Plastikspielzeug ab. Egal, wie alt sie sind. Und egal, wie sehr man sie zuhause aus Holz und pädagogisch wertvoll und Co. trimmt. Blinken, bunt und Lärm zieht Kinder magisch an, hypnotisiert sie fast schon. Was ist also das bessere Spielzeug? Das, was uns Eltern gefällt oder das, was die Kinder so begeistert?

Für meine Babys kaufte ich von Anfang an Holzspielzeug. Schöne Dinge, die alle einen pädagogischen Sinn hatten. Die Sinne anregen. Die Fantasie anregen. Zum kreativen Spielen anregen. Ihr wisst schon. Was man als Mutter so im Sinn hat, um seine Kleinen bestmöglichst zu unterstützen. Ich mag Holz auch sehr. Die Haptik, einfach wunderbar. Diese Holzspielzeuge sehen auch meistens wunderschön aus, haben eine schöne Formgebung. Und was sie nicht alles bewirken sollen!

Ich achtete darauf, dass das Spielzeug nicht nur eine Art zu spielen vorgab, sondern zum kreativen Tun anregte. Ihr wisst, das soll ja so wichtig sein. Bauklötze, die nicht zu konkret in ihrer Formgebung waren. Wir hatten da auf dem Flohmarkt mal so tolle Holzklötze gefunden ,die aussahen wie kleine Baumstämme mit Rinde dran. Sie lagen super in der Hand. Nur waren es eigentlich nur wir Eltern, die sie gut fanden. Meine Jungs ließen sie links liegen. Stattdessen fanden sie die bunten Bauklötze aus dem Drogeriemarkt viel besser, die, die schon Fenster drauf gedruckt hatten. Damit ließ sich auch mehr bauen als mit den ökologisch korrekten Miniholzbaumstämmchen.

Da hätte ich schon hellhörig werden müssen! Aber immerhin waren auch die Bauklötze aus dem Drogeriemarkt aus Holz und kreativ selbst zusammenbauen konnte man sie auch.

Muss denn alles pädagogisch wertvoll sein?

Nun, dann waren wir in einem Ferienhaus in Dänemark, wo es Kinderspielzeug gab. Und zwar Plastikspielzeug, wie es nicht nur in Dänemark, sondern auch in Schweden, Finnland, Frankreich und Italien sehr angesagt ist: Denn auch, wenn unsere skandinavischen Nachbarn alles auf Holz fertigen und ein unfassbar gutes Design haben – bei Spielzeug ist dort Plastik nach wie vor sehr beliebt. Beliebter als bei uns!

Holz -- oder Plastikspielzeug?

Die Mischung macht es: Spielzeug aller Art. Weder nur Holz und pädagogisch wertvoll. Aber auch nicht nur Plastik und laut. Wobei das Müllauto der Star bei uns ist. Seit Jahren schon (und die Batterien gehen leider nie leer!).

Da war also diese große Schublade voller Plastikhunde, die bellten, wenn man sie zog und dabei auch noch lustige die Beine bewegten. Da waren Autos, die selbst fahren konnten und laute Motorengeräusche von sich gaben. Da waren Babyrasseln aus Plastik mit großen Knöpfen, die verschiedene Geräusche machten. Da waren Minimusikinstrumente aus Kunststoff, die furchtbar verzerrte Klänge von sich gaben, die man mit viel Fantasie auch dem jeweiligen Instrument zuordnen konnte (nun, auch hier wurde also die Fantasie angeregt, wie man sieht …). Da waren Spielbögen mit Knöpfen, Schaltern, alles bunt, groß und natürlich laut.

Ihr wisst schon, diese Plastikspielzeuge, bei denen man als Eltern hofft, dass die Batterie nur schnell leer geht. Aber diese Batterien halten ewig! Unser Müllauto zum Beispiel hat seit Jahren volle Batterien. Egal wie oft es be- und entladen wird, die Batterien gehen niemals leer. Während bei der Taschenlampe nach dreimal leuchten die Batterien ausgetauscht werden müssen, bleiben Plastikspielzeuge immer unter Strom.

Die E-Auto-Bauer sollten bei den Spielzeugherstellern in die Lehre gehen, in Sachen Batteriekapazität können sie sich da eine Menge abschauen!

Kinder lieben es laut, bunt und wollen Knöpfe drücken

Was soll ich sagen? Obwohl wir unserem Sohn (damals war der Große eineinhalb und hatte noch keinen kleinen Bruder und auch keine kleine Schwester) zuhause nur das feinste Holzspielzeug kredenzten – das Plastikspielzeug zog ihn in seinen Bann. Er war hellauf begeistert. Und von da an achtete ich verstärkt drauf und stelle nun nach fast sieben Jahren Marktrecherche fest:

Kinder stehen auf Plastik. Sie stehen auf bunt. Laut. Lärmig. Quietschig. Sie pfeifen auf pädagogisch wertvoll. Ihnen ist es egal, ob die Kreativität angeregt wird. Sie finden es schlicht super, wenn ein Spielzeug so aussieht wie in der Realität und sie mit einem Müllauto in Miniatur rumfahren können. Wenn es dann auch noch ordentlich Krach macht und eine Mülltonne ausleeren kann – umso besser.

Meine Marktrecherchen im Bekanntenkreis haben auch ergeben: Es ist bei allen Kindern so. Und deshalb findet man auch fast in jedem Haushalt irgendwo ein lärmendes Plastikspielzeug. Für das sich die Eltern meist entschuldigen („wir haben es geschenkt bekommen und sie findet es so toll“) – aber für das man sich gar nicht entschuldigen muss. Denn soll Spielzeug nicht vor allem unseren  Kindern gefallen? Es geht ja nicht darum, dass ein Kinderzimmer uns Eltern gefällt.

Es geht ja nicht darum, aus dem Spielzeugregal einen Showroom für ökologisches, pädagogisch wertvolles Spielzeug zu machen!

Sondern schlicht darum, für unsere  Kinder einen Raum einzurichten, in dem sie spielen können, was das Zeug hält. Auch ich finde Holzspielzeug schöner, hach, ich liebe es!, auch ich bin der Überzeugung, dass Spielzeug Kindern nicht zu sehr vorgeben sollte, was man damit spielen soll (weshalb es bei uns statt Playmobil nur Lego und Duplo gibt, so bin ich schon als Kind aufgewachsen) – aber diese Befürchtung muss man eigentlich gar nicht haben.

Denn Kinder haben so viel Fantasie!

Viel mehr als wir Erwachsenen uns vorstellen können. Kinder nutzen das Spielzeug nämlich nicht nur so, wie die äußere Form es ihnen vorgibt. Da sind wir Erwachsenen viel zu festgefahren. Nur weil wir denken, dass man mit einer Plastikkutsche nur Kutsche spielen kann, ist das nicht so. Bei Kindern wird daraus wahlweise ein Schiff, ein Rennauto, ein Haus für Mäuse oder halt auch ab und zu eine Kutsche. Kinder haben so unglaublich viel Fantasie, dass sie aus allem ein Spiel machen – und dafür kein vermeintlich kreativitätsanregendes Spielzeug brauchen. Genauso wie sie ganz ohne Spielzeug nur mit Stöcken und Steinen ganz eigene Welten erfinden, erfinden sie diese Welten auch mit Plastikspielzeug. Hauptsache ist doch, wir lassen unseren  Kindern das freie Spiel, mischen uns nicht ein und lassen ihnen auch mal Langeweile und Zeit, um in den Spielflow zu kommen. Ist doch das freie Spiel nach mehreren Studien die beste Vorbereitung aufs Leben!

Plädoyer für mehr Lockerheit und weniger Dogmatismus beim Spielzeugkauf

Und deshalb sehe ich das lockerer mit dem Plastikspielzeug. Natürlich habe ich einige Tabus. Bei uns gibt es keine Waffen, keine Panzer, keine anderen militärisch aussehenden Fahrzeuge und Spielzeuge. Am liebsten würde ich meiner Kleinen auch Barbie vorenthalten, aber wer weiß, wie ich mich entscheide, wenn sie in das Alter kommt. Noch ist es leicht zu sagen. Aber ich kann mich erinnern, dass ich als kleines Mädchen auch immer eine haben wollte. Meine Eltern weigerten sich damals, eine zu kaufen. Da lud ich kurzerhand ein Mädchen aus dem Kindergarten zum Geburtstag ein, von der ich wusste, dass sie allen immer Barbies schenkt und kam so in den Genuss einer eigenen Barbie. An der ich nach einer Runde Friseur spielen das Interesse verlor.

Also sollte man nie nie sagen, sondern einfach mal abwarten.

Ich denke, beim Spielzeug macht es die Mischung. Wie bei so vielem.

Und so tummelt sich in unserem Kinderzimmer haufenweise Lego (vor allem einzelne Steine und Bauteile, mit denen ich schon als Kind spielte) und Duplo. Bausets gibt es nur zum Geburtstag, ansonsten bauen meine Kinder mit den Steinen das, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Ganze Städte, selbst ausgedachte Flugzeuge, Motoren und so weiter. Wunderbar, um die Kreativität zu fördern. Genauso gibt es die gute alte Holzeisenbahn, mit der man ganze Welten bauen kann. Wir haben eine Murmelbahn aus Holz und auch noch Holzbausteine. Aber wir haben auch Unmengen von Fahrzeugen aller Art in allen Größen – aus Kunststoff. Darunter Bagger und das besagte Müllauto. Wir hatten mal ein Parkhaus aus Holz, was uns Erwachsenen gut gefiel – aber dem Kind nicht zusagte. Es war schlicht nicht kindgerecht sondern einfach nur nett designt, um stilvoll im stilvollen Pastellkinderzimmer herumzustehen. Wir haben es gegen ein Plastikparkhaus ausgetauscht – nicht so schön, nicht so stylisch – aber dafür gefällt es dem Kind.

Also gibt es im Kinderzimmer ein buntes Nebeneinander verschiedener Spielzeugarten. Nicht immer schön, aber dafür bunt und den Kindern gefällt’s. Abgesehen davon, dass wir im Sommer eh meistens draußen sind, wo Schlamm, Matsch und große Stöcke die besten Spielzeuge überhaupt sind (nun, abgesehen von dem großen Riesenplastikbagger, den meine Mutter anschleppte und den mein Kleiner nun auf jeden Spielplatz mitschleppt und hingebungsvoll Baggerfahrer spielt).

Wie haltet Ihr es mit Plastik- und Holzspielzeug? Was macht für Euch gutes Spielzeug aus? Ich habe jedenfalls in den sieben Jahren, die ich nun Kinder habe, gelernt: Das Leben besteht nicht nur aus pädagogisch wertvoll. Es geht auch um Spaß! Und wieso sollten wir den unseren Kindern vorenthalten?! Der Ernst des Lebens beginnt doch früh genug.

Mehr Gelassenheit beim thema Spielzeugkauf: Es muss nicht immer Holzspielzeug und pädagogisch wertvoll sein. Entspannt Euch Eltern! Spielzeug soll dem Kind gefallen. Und die Kreativität wird durchs Spielen immer angeregt, egal womit.

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8 Kommentare zu “Kinder und ihre Vorliebe für blinkendes Spielzeug: Plastik oder Holz, was ist besser?!

  1. V.a. in der Kleinkinderzeit besaßen unsere Kinder sehr wenig Spielzeug (war auch eine Kosten- und Platzfrage). Und auch jetzt kommt es manchmal vor, dass Besucherkinder fragen: „Und wo ist euer anderes Spielzeug?“ 😧 Langweilig wird es unseren Kindern oder Besuchern eigentlich kaum. Inzwischen besitzen wir neben einer großen Kinderbibliothek und viiieelen Holzschienen noch ein lautes blinkendes Feuerwehrauto, Musikinstrumente und eine Verkleidungskiste. Und dann noch kistenweise buntes Plastikspielzeug, nämlich Lego! Gut die Hälfte davon ist ein alter Dachbodenfund und stammt noch von meinem Mann. 😍 Hier also eine Stimme für Lego, das, wie sich bei uns zeigt, auch Jahrzehnte überdauern kann und nach wie vor täglich stundenlang Freude bereitet (und wenn unsere Enkel nach meinem Mann und meinem Sohn kommen, dann ist so manches Teil wahrscheinlich auch in 30 Jahren noch in Verwendung).

    Haha, das mit der Taschenlampe stimmt soo sehr!

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