Karriere? Reisen? Was zählt, ist die Zeit mit der Familie, denn die lässt sich nicht nachholen

Egal, ob im Zeitschriftenkiosk oder im Internet: Die Schlagzeilen sind dieselben. „Tipps für die Karriere“, „Die Reise Ihres Lebens“ oder „So verwirklichen Sie Ihre Träume!“…. ich könnte noch stundenlang weitere diverse Zeitschriftenartikel und Texte aus Online-Medien zitieren. Und ich muss gestehen: Auch ich will reisen (ich liebe es sogar und bin arg von Fernweh gebeutelt, wenn ich es grad nicht kann), beruflich erfolgreich sein (ich liebe meinen Job und mache das, was ich schon immer machen wollte!), mich selbst verwirklichen – aber seit ich Kinder habe, haben sich die Prioritäten verschoben. Denn, was zählt, ist die Zeit mit der Familie. Also jetzt für mich persönlich. Es ist meine Sicht – und wenn es für Euch ganz anders ist, dann ist es auch okay. Ich möchte Euch einmal schildern, was mir am Wochenende durch den Kopf ging, als ich am Strand mit meiner Familie spazieren ging und feststelle: Es ist alles super, so wie es ist. Und ich möchte nichts ändern.

Natürlich ist es toll, beruflich erfolgreich zu sein. Natürlich ist es toll, eine exotische Fernreise zu machen (ohja, ich liebe es!). Natürlich ist es super, seinen langgehegten Lebenstraum zu verwirklichen, was eine Reise sein kann, das eigene Café, der eigene Roman, der restaurierte Bauernhof auf dem Land, und und und (und man sollte so einen Traum nicht zu lange vor sich her schieben, natürlich nicht!). Aber ich merke immer wieder, wenn ich vor der Entscheidung stehe: Setze ich mich hin und schreibe endlich an dem Roman, den ich schon so lange im Kopf habe oder genieße ich den Samstag am Strand mit meinem Mann und meinen Kind – wenn ich vor dieser Entscheidung stehe, dann entscheide ich mich regelmäßig für Letzteres.

Und so ist der Roman bisher nur in meinem Kopf. Ein Nachmittag mit der Familie, mit meinen Kindern, ihren leuchtenden Augen, ihrer ewigen Plapperei, ihren kuscheligen Umarmungen – das ist mir einfach (im Moment jedenfalls!) so viel mehr Wert als ein Roman, der meinen Namen trägt und vielleicht ja eventuell, aber wahrscheinlich eher nicht finanziell erfolgreich wird. Da halte ich mich lieber an Sachbücher, die eine gewisse Verkaufsgarantie haben und Teil meines Berufs sind.

Seit ich Kinder habe, haben sich meine Prioritäten verschoben: Die Zeit mit der Famillie steht für mich als Mutter an erster Stelle.

Die Prioritäten haben sich verschoben seit ich Kinder habe

Wo wir bei meinem Beruf sind. Als ich jünger war, war ich ehrgeizig, hatte ich doch schließlich studiert. Titelseiten der Zeit oder FAZ geisterten vor meinem inneren Auge. Und dann kamen die Kinder. Und statt mich richtig dahinter zu klemmen, habe ich mich für Teilzeit entschieden. Teilzeit statt Karriere – dafür bekommt man ja als Mutter immer häufiger einen auf die Nase… aber ich will gar nicht Vollzeit arbeiten. Nein, ich will meine Kinder nicht acht oder mehr Stunden in die Betreuung geben. Nein, mir ist das Geld nicht so wichtig (abgesehen davon, dass ich in sechs Stunden fast so viel verdiene wie früher in acht, weil ich effektiver arbeite!), mir ist die Karriere nicht wichtig, mir ist das Renomée nicht mehr so wichtig. Ich mache mein Ding und vor allem: Ich genieße die Nachmittag mit meinen Kindern auf die Spielplatz, beim Basteln oder Legobauen. Die Zeit, wo beide Kinder nachmittags beim Fußball oder bei Freunden sind und ich im leeren Haus sitze und vor lauter Langeweile dann doch den ganzen Tag arbeite, kommen noch schnell genug!

Also genieße ich jetzt lieber die Zeit, wo meine Kinder mich noch brauchen.

Was zählt ist, die Zeit mit meinen Kindern. Ich brauche keine Karriere.

Was wirklich zählt, ist die Zeit mit meinen Kindern. Diese Momente, die sich nie wiederholen werden, an die ich mich immer erinnern werde.

Ich weiß, ich bin als Freiberuflerin in einer komfortablen Situation, ich habe keinen Chef, der Druck macht, ich muss mich vor niemanden rechtfertigen, ich arbeite auch schon häufiger mal abends, wenn die Kinder im Bett sind.

Und ich weiß, ich habe gut reden, was das Verwirklichen von Träumen angeht, denn ich habe meinen Traumberuf und mache das, was ich immer machen wollte – Schreiben in allen Facetten. Diesen Punkt „endlich, das machen, was mir Spaß macht“, habe ich auf meiner Bucket List schon vor langer Zeit abgehakt.

(Ich will hier übrigens niemanden verurteilen, der ganztags arbeitet, weil sie es schön findet, weil der Beruf Spaß macht – denn jede von uns entscheidet es ja schließlich selbst.)

Ich weiß, die Rentenpunkte. Ich weiß, wir Frauen sollen an die Zukunft denken. Gender Mainstream und all das. Aber meine Kinder werden so schnell groß. Man schnippt mit dem Finger und auf einmal kommt das Kind in die Schule. Und dann nochmal mit dem Finger geschnippt und der Sohnemann zieht von zuhause aus. Die Zeit rast und ich habe leider noch nicht gelernt, sie anzuhalten! Ich will nicht in zwanzig Jahren zurückschauen und mich wehmütig fragen, wieso ich so viel verpasst habe. Ich will am Leben meiner Kinder teilhaben! Der berufliche Erfolg ist schon lange nicht mehr oben auf meiner Prioritätenliste seit ich Kinder habe. Ich habe einfach gelernt: Es gibt Wichtigeres. Für mich. Und ich muss nicht immer die Beste sein.

Teilzeit ist für mich der beste Kompromiss: Nachmittags habe ich Zeit für meine Kinder. Und vormittags kann ich mich meiner Arbeit widmen, die ich sehr liebe – und in der ich auch aufgehe und mich tatsächlich selbst verwirkliche. Und wenn ich richtig viel zu tun habe (in letzter Zeit eigentlich ständig), dann setz ich mich abends hin. Auch, weil mir meine Arbeit sehr viel Spaß macht und es mir abends nicht wie Arbeit vorkommt.

So oft möchte ich die Zeit anhalten

Nein, ich muss mich grad nicht selbst verwirklichen, auch wenn alle Frauenzeitschriften damit voll sind. Natürlich liebe ich das Reisen, liebe ich meine Arbeit – aber ich liebe vor allem meine Kinder. Und das Wichtigste ist: Dass es ihnen gut geht. Und wenn mich mal wieder das Fernweh packt und ich denke „Mensch, früher warst du beruflich viermal, fünfmal, sechsmal im Jahr in den exotischsten Ländern“ – dann schaue ich meine Kinder an und denke mir: „Aber nun bin ich bei meinen Kindern.“ Und das ist es was zählt. Die Zeit, die ich mit der Familie verbringe. Diese vielen Momente, in denen ich die Zeit anhalten möchte. Das lang Kuscheln vorm Schlafengehen. Die lustigen Reimspiele auf dem Kindergartenweg. Das Strahlen in ihren Augen, wenn wir Eis essen gehen.

DAS ist es, was wirklich zählt.

Im Moment. Ich schließe nicht aus, dass es sich ändert.

Diese Zeit jetzt, die kann ich nicht wieder zurückholen. Ich kann auch nicht mit 60 sagen, oh, jetzt will ich keine Karriere mehr, sondern mehr Zeit mit meinen Kindern. Die würden mich dann groß anschauen und sagen „Äh, Mama, mach mal deinen Kram und lass uns unser Leben.“ Dann habe ich den Moment verpasst. Dann ist es zu spät. Alles hat seine Zeit. Und JETZT ist die Zeit für meine Kinder. Jetzt ist die Zeit, in der ich Momente sammel, Erinnerungen, die ich immer wieder hervorkramen kann. Jetzt ist die Zeit, in der meine Kinder mich brauchen. Jetzt ist die Zeit für meine Familie. Jetzt ist die Zeit, die mir später niemand zurückgeben kann. Deshalb nehme ich sie mir. Und genieße das Leben mit meinen Kindern.

Das ist der Traum, den ich verwirklicht habe.

Und schneller als ich gucken kann, sind meine Kinder so selbständig und flügge, dass ich wieder Zeit habe, endlich mal ein langes Buch zu lesen. Dass ich Zeit habe, den ganzen Tag zu arbeiten, mich tief in spannende Projekte versenken und beruflich wieder viermal im Jahr in ferne Länder reisen kann. Dass mein Mann und ich irgendwann tatsächlich wieder alleine wegfliegen werden. Und dann lauter Dinge anschauen können, die so gar nichts für Kinder gewesen wären.

Aber diese Zeit jetzt mit meinen Kindern, die bringt mir keiner zurück.

Ich verwirkliche mich so selbst, wie ich will.

Mein Leben, meine Prioritäten

Und außerdem: Reisen mit Kindern kann man ja trotzdem (wenn nur nicht diese teuren Flugpreise wären, wenn man zwei vollzahlende Kinder hat, dann wäre ich noch öfter unterwegs in der Ferne… ). Es gibt tolle Alternativen zu Malariagebieten (nah und fern) und sechs Wochen Sommerferien sind viel Zeit für lange Urlaube …

Das ist mein Weg aus diesem ganzen Kind-Karriere-Selbstverwirklichen-Rush-Hour-des-Lebens-Hin-und-Hergerissen-Sein-Dilemma! Haben sich Eure Prioritäten auch verschoben? Oder seht Ihr es ganz anders?

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9 Kommentare zu “Karriere? Reisen? Was zählt, ist die Zeit mit der Familie, denn die lässt sich nicht nachholen

  1. Kann ich so unterschreiben. Oft nehme ich mir vor die Kids eher aus dem Kindergarten zu holen und dann kommt hier noch eine Mail und da ein Anruf …. du kennst das sicher 😉 und abends ärgere ich mich dann darüber …..

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  2. Bei deinem Artikel, und eigentlich auch bei allen klassischen Familienhaushalten, hab ich mich gefragt, was mit dem Mann ist. Er muss wahrscheinlich Vollzeit arbeiten, damit du die viele Zeit mit deinen Kindern genießen kannst? Will er nicht auch Nachmittags Zeit mit seinen Kindern genießen? Mein Mann und ich arbeiten beide 35 Stunden, weil er auch so oft wie möglich die Kinder nachmittags aus der Kita holen will. Wir wechseln uns also ab mit Bringen und Abholen. Er fände es unfair, wenn ich auf seine Kosten die Stunden reduzieren würde und ich kann das voll verstehen und liebe es zu sehen, dass er ein Vollblutpapa für unsere drei Kinder ist.

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    • Nun, nicht jeder hat das Glück einfach so auf 35 Stunden reduzieren zu können. Das gilt für Männer und auch für Frauen. – ich kenne auch Mütter, die gerne weniger arbeiten würden, aber es nicht können.

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  3. Meine liebe, gute, alte Kollegin und Namenszwilling, Du schreibst auch mir aus der Seele! Genau gleich gehts mir auch. Lustig, dass sich unsere Wege (wahrscheinlich) genau zu dem Zeitpunkt gekreuzt haben, als uns beruflich (fast) alle Türen offen standen. Aber je ne regrette rien 😉
    Ist aber auch heutzutage einfach Luxus (in diesem Sinne „vielen Dank“ an die hiesigen Politiker) es sich überhaupt leisten zu können die Zeit mit den Prä-Kindergarten-Kiddies verbringen zu können….dass ein Gehalt ausreicht.
    Viele Mamas würden vielleicht gerne, können aber aus finanziellen Gründen nicht daheim bleiben. Und dann kommen die ganzen Superpolitiker mit dem ganzen „Wir-müssen-die-KiTas-kostenlos-machen-Beruf-Familie-Vereinbarkeits-Gedöns“ daher! Da krieg ich doch nen Hals! Ich will keine Kita! Ich will Anerkennung für meinen 24-Std.-Vollzeit-Mama-Job! Ich darf mich ja hier in Bayern nicht beschweren – immerhin werden Mamas, die ihre Kids daheim betreuen mit 150 EUR im Monat entlohnt (haha! aber besser als nichts!). Ich könnt noch viel mehr dazu schreiben, aber ich glaub ich hör hier lieber auf ;-D
    Liebe Grüße an die Welt da draussen einer „nur Mutter“ 😛 (Mein Triple ist 2,4,7)

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