Zwei Kindern gerecht werden – manchmal ein Balanceakt

Meine Jungs sind ein Herz und eine Seele. Wenn sie sich nicht gerade um den Duplobagger streiten oder der Kleine dem Großen eins mit dem Krokodil über die Rübe zieht. Sie können wunderbar miteinanderspielen und bringen sich gegenseitig so zum Lachen, wie es kaum ein anderer kann. Sie lieben es, gemeinsam Quatsch zu machen und sich gegen die Großen zu verbünden. Und das Mamaherz geht auf, wenn sie Hand in Hand zum Kindergarten schlendern. Aber dennoch gibt es immer wieder Momente, in denen es einfach so schwer ist, zwei Kindern gerecht zu werden. In denen man sich manchmal einfach zerreißen möchte.

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So wünscht man es sich als Mutter: Zwei Brüder, die sich verstehen wie Freunde. Und obwohl es bei uns meistens so ist- manchmal ist es doch schwer, beiden Kindern gerecht zu werden.

Meine Jungs sind fast drei und fünfeinhalb Jahre alt. Ein tolles Alter – von beiden. Denn sie können mittlerweile richtig viel miteinander anfangen. Sie denken sich zusammen Rollenspiele aus, sie bauen in trauter Eintracht Duplowelten zusammen und fahren laut brummend mit ihren Autos durchs Haus. Der Kleine erzählt dem Großen, was er im Kindergarten gemacht hat und der Große malt Bilder für seinen kleinen  Bruder. Wenn sie sich unterhalten und zusammen Quatsch machen, ist es rührend niedlich. So niedlich, dass ich inne halten muss und den Moment am liebsten festhalten würde. Einfach so. So lange wie möglich. Bevor dieser Moment vorbei ist und der eine dem anderen an den Haaren zieht oder irgendeine mysteriöse Spielregel missachtet und das große Geschrei ausbricht und ich nicht nur genervt die Augen verdrehe, sondern mich auch frage: Wieso ist es manchmal so schwer, zwei Kindern gerecht zu werden?

Tipps, wie man als Mutter 2 Kindern gerecht werden kann: Für Eltern ist es nicht immer einfach, zwei Geschwistern gerecht zu werden, vora llem wenn die Kinder unter 3 sind. Erziehungstipps und Kolumne über den Familienalltag.

Zwei Kindern gerecht werden ist nicht immer einfach

Ich stelle mir die Frage ein Glück immer seltener, je älter die Kinder werden und je besser sie sich verstehen. Es wird besser! Es wird einfacher! Das Ding mit der Eifersucht unter Geschwistern, das Ding mit dieser Zerrissenheit, dem Gefühl, keinem der beiden richtig gerecht zu werden, sich aufteilen zu müssen.

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Dieser Moment, wenn beide Kinder gleichzeitig auf meinem Schoß sitzen wollen.

Aber es gibt sie noch diese Momente, in denen sich mein Herz zusammenzieht.

Wenn ich abends im Bett mit dem Kleinen kuschel, damit er endlich einschläft (er schläft nur ein, wenn man ihn festhält, sonst wälzt er sich munter umher und macht.. Quatsch, furchtbar viel Quatsch). Und dann von der anderen Seite im Bett eine traurige Stimme kommt und der Große fragt :“Mama, wann kuschelst du mit mir?“ Ein Satz, der mich voll ins Herz trifft. Er, der Große, Vernünftige, kann alleine einschlafen, ohne Festhalten – was aber natürlich nicht heißt, dass er es nicht auch gerne hätte. Wie oft liege ich dann zwischen den beiden Kindern, einen links im Arm, einen rechts im Arm, furchtbar unbequem, aber der Versuch, beiden Kindern gerecht zu werden.

Oder aber wenn wir gemeinsam am Tisch sitzen und ich mit dem Großen bastel. Er liebt es (ich nicht so, was vor allem an meinen mangelnden Bastelkünsten liegt). Der Kleine mag es auch, aber er hat nicht die Ausdauer seines großen Bruders und will dann irgendwann etwas anderes machen, wenn der Große noch voll dabei ist. Dann sitze ich da, die Hände voller Kleber, der Große hochkonzentriert und wir mitten dabei, ein Klebekunstwerk zu vollenden – und da kommt der Kleine und zieht das halbfertige Kunstwerk vom Tisch. Oder kippt in Zeitlupe sein Wasserglas aus. Natürlich über alle Bastelpapiere. Er will zeigen, dass er keine Lust mehr hat. Dass er nun auch an der Reihe ist. Dass ich mich um ihn kümmern soll. Und wieder versetzt es mir einen Stich, mitten ins Herz. Ich will ihnen doch beiden gerecht werden, meinen süßen Mäusen – aber der Altersunterschied macht es halt doch manchmal schwer, den guten Vorsatz auch umzusetzen.

Das Vorlesen ist auch so ein Moment. Beide lieben es, wenn wir uns aufs Sofa kuscheln und reihenweise Bücher lesen. Und auch, wenn der Kleine mittlerweile nicht mehr nur Baggerbücher mag und auch in der Lage ist, richtigen Geschichten zu folgen – nicht alle Bücher des Großen findet er spannend und umgekehrt erst recht. Denn sie sind nunmal zweieinhalb Jahre auseinander. Und dann kommt mitten im gemeinsamen Vorlesen einer, der fragt, wann wir denn sein Buch lesen.

Homeoffice Kind auf Schoß

Wenn der eine auf dem Schoß sitzt, will der andere auch gleich dazu. Noch geht es, mit zwei Kindern auf dem Schoß.

Oder wenn einer der beiden auf meinem Schoß sitzt und dann der andere auch ganz plötzlich will, auf meine Beine klettert und sie sich gegenseitig versuchen runterzuschubsen von meinem Schoß.

Wird es jemals gelingen, beiden Kindern immer gleichermaßen gerecht zu werden?

Nein. Ich glaube, das geht nicht. Man kann nicht zwei Kindern gerecht werden. Nicht immer und nicht die ganze Zeit. Hundertprozentige Gerechtigkeit unter Geschwistern gibt es nunmal nicht. Jedenfalls nicht nonstop. Denn es sind nun mal zwei verschiedene Menschen mit ganz eigenen Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Interessen. Die manchmal in die jeweils andere Richtung wollen. Zeitgleich, versteht sich.

Was zählt, ist die Summe, nicht der einzelne Moment

Das Geheimnis, zwei oder mehr Kindern gerecht zu werden, liegt glaube ich darin, sich von Perfektionismus zu verabschieden.

Zu akzeptieren, dass es diese Momente gibt, die einen als Mutter fast zerreißen. Und dieses Gefühl zuzulassen.

Denn es ist okay, sich so zu fühlen. Es ist in Ordnung, wenn in einem Moment mal eins von den Kindern bevorzugt fühlt. Solange es in der Summe aufgeht. Solange man in der Summe, unterm Strich, gerecht ist. Die Liebe gerecht verteilt. Die Aufmerksamkeit. Und ich glaube, das machen wir Mütter ganz instinktiv. Auf diesen Instinkt sollten wir uns mehr verlassen, anstatt krampfhaft zu versuchen, immer so gerecht wie möglich zu sein. Denn Krampf ist nie gut und eine unentspannte Mutter bringt niemanden was. Man kann sich nunmal nicht zweiteilen! Auch wenn ich es allzu oft am liebsten würde.

Natürlich gibt es Tage und Situationen, wo der eine mich besonders braucht und dann überproportional an Zuwendung bekommt. Wenn die Schnupfennase nervt oder die Großen im Kindergarten besonders gemein waren. Wichtig ist nur, dass der andere dann auch weiß: Wenn es mir so geht, dann ist Mama genauso für mich da.

All das versuche ich mir immer wieder zu sagen, wenn es mal wieder besonders schwer ist, den Bedürfnissen von zwei kleinen Kindern gerecht zu werden. Und es wird besser. Denn eins kann ich jedem sagen, der mit dem Gedanken spielt, ein zweites Kind zu bekommen und die Frage hin und herwälzt, wie man zwei Kindern gerecht wird, wie man der Eifersucht unter Geschwistern vorbeugt und ob die Liebe überhaupt ausreicht für ein zweites Kind: Ja, die Liebe reicht. Man teilt sie nämlich nicht einfach auf.

Die Liebe wird einfach mehr – Mütter teilen sich nicht zwischen zwei Kindern auf

Und diese Momente, in denen meine Jungs so vertraut miteinander spielen, in denen ich sehe, dass sie zwei richtige Freunde sind – die wiegen alle Zweifel wieder auf. Meine Jungs sind ein klasse Team und können richtig viel Spaß miteinanderhaben.

Und das Tolle: Diese Momente werden immer mehr! Sie überwiegen mittlerweile, eindeutig.

Undogmatischer Erziehungsratgeber über Geschwister

Wusstet Ihr übrigens, dass ich ein Buch zu eben diesem Thema „Wie werde ich zwei Kindern gerecht?“ geschrieben habe? Ein undogmatischer Erziehungsratgeber mit vielen praktischen Tipps und echten Elternzitaten. Und viel Humor, denn mit Humor geht alles leichter auch, wenn ein Geschwisterchen kommt! In meinem Geschwister-Erziehungsratgeber geht es um die Frage, wie man ein Kind darauf vorbereitet, dass es ein Geschwisterchen bekommt, wie man die erste Zeit mit Baby gestaltet, was man bei Eifersucht unter Geschwistern, bei Geschwisterstreit macht, um Themen wie „gemeinsames Kinderzimmer“, „gemeinsame Kindergartengruppe“ oder auch, wie man trotz allem Stress noch Zeit für den Partner hat. Das Buch „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder“ ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Wie geht es Euch mit der Frage: Habt Ihr auch manchmal das Gefühl, Euren Kindern nicht gleichermaßen gerecht zu werden? Was sind das für Momente, in denen es Euch besonders schwer fällt, beiden gerecht zu werden? Und wie geht Ihr damit um?

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13 Kommentare zu “Zwei Kindern gerecht werden – manchmal ein Balanceakt

  1. Danke für diesen tollen Artikel. Ganz genau so geht es mir jeden Tag! Aber irgendwie sind meine zwei Mädchen trotzdem ganz zufriedene und ausgeglichene kleine Wesen, also scheine ich es so falsch nicht zu machen :)

  2. Die Szene abends im Bett beim Einschlafen hat mich sogar beim Lesen mitten ins Herz getroffen. Ich kenne das so gut. Wir machen es so, dass ich in der Mitte liege (wir schlafen im Familienbett), und so jedem der Buben eine Hand geben kann. Meine Jungs sind genau im gleichen Alter wie Deine, knapp 3 und knapp 6 Jahre alt. Bei uns überwiegt zur Zeit leider das Streiten, ich hoffe sehr, dass sie bald näher zueinander finden. Ich weiß, sie lieben sich, aber sie sind einfach so wahnsinnig unterschiedlich dass es oft schwer für beide ist, ein gemeinsames Spiel zu finden. Anstrengend ist das für uns als Eltern und bestimmt auch für die beiden. Aber es ist bestimmt nur eine Phase ;-) Vielleicht magst Du ja mal auf meinem Blog vorbeischauen, ich würde mich freuen :-)

  3. Ich gehöre zu den Eltern mit 4 Kindern. Zwischen den 3 Grossen liegen jeweils um die 2 Jahre und die Jüngste kam dann mit 5 Jahren Abstand. Heute sind die Buben 15 und 13, die Zopfkinder 11 und 6.
    Vor den Kindern war ich absolut perfektionistisch, mit einem Kind auch noch, aber ab dem zweiten Kind habe ich mich zwingen müssen, lockerer zu werden, auf den Bauch zu hören. Nicht zu verkrampfen und Dinge einfach mal geschehen zu lassen. Gelang natürlich nicht immer, ist ja klar… ich arbeite noch immer daran *seufz
    Im Laufe der Zeit sind die Kinder allein durch das Alter sehr selbständig geworden und der Stress hat sich verändert. Den Tagesablauf können sie grösstenteils alleine bewältigen durch Schule, Hort und Freizeitaktivitäten. Immerhin arbeite ich ja auch. So ist die gemeinsame Zeit beschränkt, aber jedes Kind hat seine eigene Zeitnische, ausschliessliche Mamazeit.
    Die Kleine hat mich alleine wenn sie vom Hort abgeholt wird. Wir laufen mehr als eine halbe Stunde und da erfahre ich alle Neuigkeiten, Kümmernisse, Probleme und Überraschungen des Tages. Daheim angekommen besprechen wir noch die Schulsachen und sie geht spielen oder kuschelt sich zu jemandem aufs Sofa, ist ja immer einer da ;-) Auch die Grossen haben ihre eigene Zeit am Abend wenn die Lütte im Bett ist und natürlich können sie auch immer zwischendurch zu uns kommen wenn etwas drückt. Oft gehen wir dann nur zu zweit um den Block spazieren, redet sich als Pubertier leichter mit den knorrigen Alten wenn man auf den Weg schauen kann, ist dann nicht so uncool ;-)
    Gemeinsame Abendessen sind Pflicht bei uns, alle strategischen Planungen und Absprachen finden dort statt. Und der Familie wird vom Tag erzählt. Natürlich denke ich oft, ich bin zu wenig für sie da! Habe für mich eine innere, abendliche Checkliste.Jedes Kind in den Arm genommen? Mit jedem Kind über den Tag gesprochen? An alle Wünsche/Anforderungen des nächsten Tages gedacht? Wäsche gewaschen und trocken, damit morgen der Schlüppi nicht fehlt? Jedem mindestens einen Kuss gegeben? Sowas halt.
    Man kann sich nicht zereissen. Jedes Kind hat seine Eigenheiten und individuellen Bedürfnisse, allein schon deswegen kann man nicht allen alles gleich geben. Man stelle sich den 15jährigen vor, der vor der Schule ein Tuch umgebunden und einen Klaps auf den Poppes bekommt um sich in die Klasse zu trollen… er würde mich ermorden wollen! Mindestens!
    Lieben kann man sie, da kann man gar nicht ungerecht sein

  4. Ja klar… solche Momente kennt wahrscheinlich jede Mama mit zwei Kindern… mich würde es interessieren, wie Mütter das sehen, die 4, 5 oder noch mehr Kinder haben? Da scheint es gänzlich unmöglich, täglich jedem gerecht zu werden, v.a. wenn die Jüngeren noch klein sind und zwangsläufig mehr Aufmerksamkeit bekommen… aber früher war das normal, nicht wahr? Meine Oma hatte 9 Kinder, ein Haus, einen Ehemann mit Familienbetrieb und weder Geschirrspüler noch Tumbler! Momente, in denen sie sich mal in Ruhe mit einem Kind hinsetzen konnte, geschweige denn mit jedem einmal, waren bestimmt selten. Ich schätze, das fängt die Geschwisterbande dann ab… in diesem Sinne sollte es uns leicht fallen, mit „nur“ zwei Kindern und viel weniger Aufwand im Haushalt, klar zu kommen, gell? Aber natürlich ist dem nicht so und vlt haben wir auch einen viel höheren Anspruch darauf, heute, was die Beziehung zu unseren Kindern anbelangt ;)

  5. Hallo Nathalie, wie wahr! Du schreibst mir aus der Seele. Unsere Jungs sind 6 und 4 und sind die meiste Zeit ein Herz und eine Seele, aber sie können auch anders und jeder denkt er muss noch mehr Gas geben um mehr zu bekommen. Manchmal denke ich es wird einfacher, aber dann wird es einfach anders. Seit August ist der Große in der Schule und auch das ist ein großer Moment und verändert so einiges. Ich versuche beiden ihre Qualitytime mit mir einzuräumen und genieße diese Momente in denen ich jeweils nur einen Jungen an meiner Seite habe. Diese Momente sind aber selten. Ich stelle mich jeden Tag der Herausforderung meine Liebe gleichmässig zu verteilen und mit mind. 10 Armen alles gleichzeitig zu managen. Doch auch ich komme an diese Punkte, in denen ich sage SCHLUSS jetzt, ich liebe euch von ganzem Herzen, aber ich kann gerade nicht oder nicht mehr. Klärt Streitereien unter euch, nehmt euch in den Arm und vertragt euch wieder, dafür braucht ihr mich nicht und wenn ich mal nicht gleich komme, dann heißt das nicht, dass ich euch nicht liebe! Ich höre viel auf mein Bauchgefühlt und denke bevor ich den Kopf zu sehr verkrampfe ist dieser Bauch immer die bessere Adresse. Lieben Dank für den tollen Beitrag!

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