Wie lernen Kinder, sich allein zu beschäftigen?

Können Eure Kinder sich gut selbst beschäftigen? Also die kleinen Kinder, die unter fünf, sechs Jahren? Mein Kleiner kann sich mit seinen zweineinhalb Jahren erstaunlich gut allein beschäftigen – meistens jedenfalls. Nur gerade dann, wenn man dann mal WIRKLICH etwas Dringendes machen muss, wie mit dem Finanzamt telefonieren oder schnell mal eine wichtige Email beantworten, genau in solchen Momenten hat er es auf einmal verlernt. Und sein großer Bruder weiß auch urplötzlich nicht mehr, wie man sich allein beschäftigt. Stattdessen stehen die eben noch so versunken spielenden Kinder neben mir und fordern lautstark Mamas Animation ein. Dann ist nix mehr mit allein beschäftigen.

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Den Flow erreichen die Kinder nur, wenn man sie mal sich in Ruhe selbst beschäftigen lässt.

Das mit dem Alleinbeschäftigen von Kindern ist so ein typisches Beispiel von „theoretisch schon, aber praktisch noch nicht so ganz“. Wer meine Jungs spielen sieht, denkt als erstes: Wow, die sind ja echt toll dabei! Der Kleine schiebt seine Bagger vor sich her, untermalt mit den passenden Geräuschen und dem dadurch entstehenden Schaum vorm Mund, der Große baut Legos aufeinander, hochkonzentriert. So geht das schon eine ganze Weile. Ich werde hier eigentlich nicht gebraucht, diese Kinder können sich super selbst beschäftigen.

Aber wehe, ich wage es, nach einer Zeitschrift zu greifen und verstohlen drin herumzublättern oder ein Buch aufzuschlagen. Ganz zu schweigen davon, den Laptop aufzuklappen und zu arbeiten. Maximal die Wäsche kann ich nebenher zusammenlegen oder vielleicht den Geschirrspüler ausräumen. Aber alles andere wird sofort bemerkt. Und zack aufeinmal reicht es nicht, wenn Mama still danebensitzt, dann ist es vorbei mit dem Alleinespielen. Selbstbeschäftigen? Pah, doch nicht wenn Mama sich auch selbst beschäftigt!

Wie lernen Kinder, sich selbst zu beschäftigen? Tipps wie Kinder sich selbst unterhalten, auch Kinder unter 3. Wie können Eltern ihnen beibringen, wie man alleine spielt und sich allein beschäftigt?

Nein, Mama wird gebraucht, um irgendetwas aufeinanderzustapeln oder plötzlich sind die Bagger nicht mehr spannend und man will ein Buch angucken, und das Puzzle ist aus unerfindlichen Gründen zu schwer und braucht Mamas helfende Hand. Oder sie kommen einfach und klagen „Mama, was können wir spielen? Mir ist langweilig.“

Dasselbe auf dem Spielplatz: Sie können zusammen die tollsten Burgen und Autostraßen bauen, mit Wasser und Modder herummanschen, ohne dass ich in irgendeiner Form einschreiten muss, meine Kinder können sich dort lange und ausgiebig selbst beschäftigen. Maximal muss ich ab und zu einen mir servierten Sandkuchen verzehren und eine Grassuppe schlürfen. Ansonsten spielen meine Kinder wunderbar alleine vor sich hin, versunken in ihre Fantasiewelten, mit sich selbst beschäftigt. Solange ich einfach nur tatenlos danebensitze. Sobald ich mich beschäftige, ist es vorbei mit dem selbst beschäftigen.

Kinder brauchen keine Daueranimation, sondern auch mal Langeweile

Meine Kinder können sich solange selbst beschäftigen, bis ich anfange, mich selbst zu beschäftigen!

Den vielzitierten Flow im Spiel erreichen sie spielend – solange ich einfach nur dasitze und in die Luft starre. Sie brauchen keine Animateurin, sie brauchen mich nicht als Stichwortgeber. Solange ich nichts mache. Sobald ich etwas andere mache, als in die Luft zu starren, ist es vorbei mit dem Flow, Schluss mit dem Alleinespielen. Dann brauchen sie ganz plötzlich ganz dringend jemanden, der ihnen beim Spielen zurseite steht. Mit dem Selbstbeschäftigen ist es dann vorbei.

Es ist eine Freude, meine Kinder im Spielfluss zu sehen, es ist witzig, ihren Kindergesprächen beim Spielen zu lauschen – aber es kann auch eine große Freude sein, daneben zu sitzen und in einer Zeitschrift zu blättern oder einen Zeitungsartikel fertigzuschreiben.

Aber wie kann man die Kinder anregen, dass sie sich länger allein zu beschäftigen – ohne gleich aufzuhören, wenn Mama mal ein paar Seiten liest?!

So lernen Kinder, sich selbst zu beschäftigen und alleine zu spielen

Ich habe bemerkt, dass das  Alleinespielen eine Sache der Übung ist. Denn es wird immer besser und die Phasen der Selbstbeschäftigung dauern immer länger – je öfter ich die Kinder einfach machen lasse. Und immer häufiger gibt es auch Zeitfenster, in denen ich mich zurückziehen kann. Wie alle Dinge im Leben, müssen Kinder auch das Alleinespielen lernen. Und das können sie nur, wenn man sie lässt. Wenn man nicht ständig Spielanleitungen gibt. Oder sie mit Spielanreizen überflutet, sie immer wieder animiert und ihnen die Ideen vorgibt. Kinder brauchen keine Daueranimation, davon bin ich überzeugt. Wenn man ihnen alle Spielentscheidungen abnimmt, dann verlernen sie, alleine zu spielen, sich selbst Spiele einfallen zu lassen, sich ihre eigenen Welten auszudenken, sich selbst zu beschäftigen.

GEschwisterstreit, Geschwisterliebe, Brüder, Carrerabahn

Kinder einfach mal machen lassen: Das fördert die Selbstbeschäftigung. Nur so lernen Kinder, alleine zu spielen. Denn Kinder brauchen keine Daueranimation.

In dem vielzitierten „Kinder brauchen Langeweile“ steckt einfach Wahrheit! Kinder brauchen keine Daueranimation, sie brauchen nicht ständig neue vorgegebene Ideen, was sie machen können. Langeweile fördert die Kreativität, das ist einfach so! Wir Eltern (das gilt auch übrigens genauso für Großeltern) müssen ihnen nicht ständig etwas vorturnen, wir müssen nicht alle Spiele mitmachen. Oftmals reicht es, einfach mal dazusitzen, die Hände im Schoß oder auch an einer Zeitschrift (nicht unbedingt am Smartphone, finde ich). Und die Kinder machen zu lassen. So entstehen die besten Ideen, so kommen die Kinder zur Ruhe. Denn wie sollen sie sich eigene Spiele ausdenken, wie sollen sie lernen, sich selbst zu beschäftigen, wenn wir Eltern ihnen nicht die Gelegenheit dazu geben?!

Abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass die besten Spielpartner der Kinder andere Kinder sind und nicht wir Eltern.

Der beste Spielpartner für Kinder sind andere Kinder und nicht Erwachsene

Und deswegen haben ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich auf dem Spielplatz einfach nur so dasitze und mit anderen Müttern tratsche. Und nicht auf jedes „Mama, kannst du mal“ sofort reagiere. Denn wie sollen meine Kinder sonst das Selbstbeschäftigen lernen, wenn sie es nie üben? Wenn ich ihnen jede Chance aufs Alleinespielen -lernen  nehme?!

Was jetzt nicht heißt, dass ich mich nie um meine Kinder kümmere. Es gibt Gesellschaftsspiele, die kann man nunmal nur mit Mama spielen. Es gibt Puzzle, bei denen eine helfende Hand wirklich benötigt wird, genauso wie Bastelarbeiten. Und bei der Murmelbahn helfe ich ebenfalls gerne. Natürlich kann mein Sohn sich noch nicht selbstvorlesen. Aber ich muss nicht bei jedem Rollenspiel die Hauptrolle spielen und zum zehnten Mal ein Kilo Möhren im Kinderladen kaufen. Nein, da kann man die Kinder auch einfach mal machen lassen! Man muss auf dem Spielplatz nicht den Hampelmann machen – Kinder haben auch so ihren Spaß! Sie brauchen keine Dauerbespaßung, sie können sich wunderbar selbst beschäftigen!

(Nun muss ich noch relativierend dazufügen, dass das Selbstbeschäftigen und Alleinespielen meiner Kinder natürlich auch eine Frage der Tagesform ist… was vormittags super klappt, ist am späten Nachmittag nur noch eingeschränkt möglich… Ihr wisst, wovon ich spreche, oder?)

Wie seht Ihr das : Müssen wir Eltern ständig mitspielen? Oder kann man die Kinder auch einmal selbst machen lassen? Und habt Ihr Tipps, mit welchen Spielen sich die Kinder am besten selbstbeschäftigen können? Ab welchem Alter konnten Eure Kinder alleine spielen und sich auch mal allein beschäftigen?

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7 Kommentare zu “Wie lernen Kinder, sich allein zu beschäftigen?

  1. Hallo!
    Ich stimme diesem Beitrag auf jeden Fall zu! Bei meinem ersten Sohn (er ist 10 Jahre alt) habe ich leider erst viel zu spät „gelernt“ was falsch gelaufen ist. Ich habe es genossen mit ihm wieder Kind zu sein. Täglich von morgens bis abends war ich seine Spielgefährtin. Später habe ich mich gewandert das er es einfach nicht schafft sich selbst zu beschäftigen. Keine tollen Phantasiespiele mit Autos oder Tieren usw…..
    Mittlerweile weiss ich was falsch lief. Nun kann ich es von einer anderen Perspektive sehen. Hab in der Zeit viel gelernt…
    Nun tu ich mir mit meinem 2. Sohn viel leichter. Er ist im Moment 14 Monate alt und SPIELT!!!! Ich erkenne die so genannten „Flow-Momente“ (ich glaub damals gab’s noch nicht einmal einen Ausdruck dafür) und kann sie ihm lassen! Oft sitze ich daneben und geniesse seine Art Kind zu sein. Natürlich lasse ich mich dann auch oft dazu hinreißen mit ihm mit zu spielen und das genießt er dann auch, bzw. verlangt dann (nach einer halben stunde, bis Stunde) auch mal danach. Dann haben wir den meisten spass….
    Danke für diesen tollen Beitrag, es ist toll das mal ins Bewusstsein zu rufen und sich zu sagen: Hey, bei uns läuft es zur Zeit echt toll! Ich hoffe ich kann dies so beibehalten und drücke allen Mamis (vor allem Mamis von erst geborenen) viel Erfolg 😉
    Iris

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  2. Hallo!
    Gerade habe ich einen ganzen Samstag mit meinem Dreijährigen hinter mir. Wunderbares Wetter, am Flohmarkt seinen besten Freund getroffen, später noch Pony Reiten und mit den Nachbarskindern um die Häuser ziehen. Trotzdem fühle ich mich geschaffter als nach einem stressigen Arbeitstag im Büro. Zwischen halb acht Uhr morgens und halb neun Uhr Abends hat er heute bestimmt 500 x „Mama!“ (im Befehlston) und Warum??? gesagt.
    Egal ob im Auto oder am Pony, er will einfach ununterbrochen Kontakt mit mir haben. „Mama, guck mal was ich kann!“, „Mama, warum ist das dein Auto?“, „Mama ich will kochen!“, „Mama,…“
    Bis vor ungefähr einem halben Jahr hat er am Wochenende nachmittags noch gut zwei bis drei Stunden geschlafen. Oder zumindest bei Autofahrten zuverlässig eingeschlafen. Das war traumhaft! Zeit mit dem Partner! Zeit für mich!
    Im Moment fühle ich mich ihm einfach nicht gewachsen. Zum Glück bringt ihn gerade der Papa ins Bett, und ich höre die beiden oben noch toben und kichern. Wo nimmt der Kleine nur seine Energie her? Manchmal habe ich das Gefühl, er saugt sie direkt aus mir raus… Wenn er im Bett ist, bin ich auch nur mehr müde.
    Ich sage mir dann immer: „Er ist ein Kind – super, dass er so aufgeweckt ist!“ Aber ohne Großeltern oder sonst irgend wen (außer bezahlten Babysittern, und das auch nur in Ausnahmefällen) schaffe ich das nicht.
    Und dann denke ich mir oft: „Das kann doch nicht sein, das ist doch mein Kind, wir müssen es doch schaffen, einen ganzen Tag gemeinsam zu verbringen ohne dass ich am Ende total fertig bin. Das gibts doch nicht!“
    Ich habe immer wieder versucht, ihm etwas vorzuschlagen, was er für eine Weile allein spielen könnte, aber das will er nicht. Er will immer das machen, was ich gerade mache. Kochen, putzen, Wäsche in die Waschmaschine,… Ich will aber nicht den ganzen Tag permanent mit ihm in Kommunikation sein! Er muss sich auch mal zumindest eine halbe Stunde allein beschäftigen. Wie ich es schaffen sollte, dass er sich mal langweilt und daraus Eigeninitiative entwickelt, weiß ich auch nicht. Da müsste ich mich in eine Ecke setzen und ihn komplett ignorieren. Aber wie soll denn das gehen?
    Im Moment bin ich ziemlich ratlos, und echt froh, hier zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, die ihren Dreijährigen anstrengend findet.
    Müde Grüße
    Brigitte

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