Aus dem Urlaub zurück II: Was man aus den Ferien für den Alltag lernen kann

Bei diesem Wetter fällt es leicht, sich ein bisschen Urlaubsgefühl zu bewahren. Um einen herum gut gelaune Menschen in Sommerlaune, die jeden Nachmittag mit den Kindern Schwimmengehen und Eisessen: Fast wie im Urlaub. Aber halt nur fast. Denn der Kindergarten macht immer noch morgens um 9 zu und die Arbeit auf dem Schreibtisch will auch bei 36 Grad erledigt werden. Aber diesmal habe ich mir vorgenommen: Die Leichtigkeit aus dem Urlaub, das Entspanntsein vor allem auch im Umgang mit den Kindern – das will ich noch eine ganze Weile beibehalten! SONY DSC

Urlaub verlängern: Sich einfach nicht durch äußere Umstände durchs Leben hetzen lassen

Ich hatte ja schon im letzten Post über unseren Urlaubsrhythmus geschrieben. Wir haben die Kinder abends einfach lange aufbleiben lassen und konnten dadurch morgens lange ausschlafen. Damit fielen schonmal zwei der Hauptstresspunkte weg, die der Alltag so mit sich bringt: Das abendliche Ins-Bett-Bring-Theater (wie das so aussieht, darüber hatte ich hier mal geschrieben) und der Morgenstress (dazu hatte ich mal ein Bullshit-Bingo gemacht). Kein Rumgequengel am Abend: „Ich bin noch gar nicht müde.“ Weil es so warm war, fiel auch das Umziehgequengel aus. Zwei, drei Kapitel aus Bullerbü vorlesen, ein bisschen kuscheln und die Kinder schliefen. Ohne Theater. Müde vom Tag an der frischen Seeluft und müde, weil es spät genug war. Gut, mein Mann und ich schliefen meistens auch mit ein. Das abendliche gemütliche Lesen mit Meerblick wurde ersetzt durch abendliches Spielen am Strand, aber man kann nunmal nicht alles haben.

Dafür schliefen die Kinder morgens gerne mal bis 10 und ich konnte doch tatsächlich häufiger mal von 9 bis 10 in meinem Buch blättern! Großartig. Und das mit zwei Kleinkindern im Alter von eineinhalb und vier!

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Die Leichtigkeit aus dem Urlaub auch im Alltag bewahren – ist gar nicht so schwer.

Gemütlich und ausgeschlafen setzten wir uns alle an den Frühstückstisch und somit fiel auch der morgendliche Stress mit Umziehen, Zähneputzen, Essen und zwar alles in Rekordzeit komplett weg. Kein Gemecker, weil jemand nicht aus dem Bett wollte (also nicht wie unter der Woche, wo die Kinder nicht aus dem Bett wollen und am Wochenende, wo die Eltern nicht aus dem Bett wollen).

So entspannt in den Tag gestartet, war auch der restliche Tag von Stressfallen entschärft. Wir lebten gemütlich in den Tag hinein und so befreit von Terminen und Schließungszeiten von Kindergärten, Banken, Läden und Kinderärzten musste keiner zur Eile angetrieben werden. Ameisen konnten genau begutachtet werden. Steine aufgesammelt und wieder verloren. Und wenn Mama oder Papa mal einen Kaffee in Ruhe trinken wollten, war auch dafür Zeit.

we5Entspannte Eltern haben entspannte Kinder: Gilt nicht nur im Urlaub

Das Ergebnis: Viel weniger Gemecker. Die Eltern meckern nicht mit den Kindern. Die Kinder nicht mit den Eltern. Na klar motzte hier und da jemand mit dem anderen rum. Der große Bruder mit dem kleinen, weil er ihm das Auto wegnahm. Der kleine Bruder mit dem großen, weil der ihm wiederum das Auto wegnahm. Die Mama mit den Kindern, weil sie sich stritten. Der Papa mit der Mama, weil sie die Karte falsch gelesen hatte und die ganze Familie in einer fünf Kilometer langen Einbahnstraße landete. Die Mama mit dem Papa, weil er nicht zuhörte als sie durchs Auto schrie: „Die nächste links abbiegen!“ Der Papa mit den Kindern, weil sie so laut rumgeschrien haben, dass er die Mama nicht hören konnte, als sie ihn daran hindern wollte, in die fünf Kilometer lange Einbahnstraße zu fahren.

Aber mal ehrlich: Soviel Gemotze gehört dazu, oder? Wäre ja auch langweilig, wenn nur Harmonie herrschen würde.

Das Gesamtergebnis zählt. Wir motzten weniger mit den Kindern, waren viel gelassener, ließen viel häufiger fünf gerade sein. Ein zweites Eis am Tag? Okay, ist ja Urlaub. Gummibärchen obwohl es gerade erst ein Eis gab? Okay, ist ja Urlaub. Noch ein bisschen länger am See sitzen bleiben und Steine ins Wasser werfen? Okay, ist ja Urlaub. Zum zehnten Mal die Conni-CD anhören? Okay, ist ja Urlaub. Und selbst das Gezeter, wenn der große Bruder dem kleinen Bruder was weggenommen hatte oder umgekehrt – das perlt irgendwie an einem ab.

Wir lachten mehr, wir meckerten weniger, die Kinder stritten weniger, waren ausgelassener, besser gelaunt und ja, ich glaube, mir sind auch weniger graue Haare gewachsen als in einer normalen Woche. Und diese feine kleine Falte zwischen den Augenbrauen war auch weggebügelt.

Tipps für einen entspannten Alltag mit Kindern

Und das soll so bleiben. Die Falte soll bleiben, wo der Pfeffer wächst und die grauen Haare sich noch zehn Jahre zurückhalten. Ich will so sein wie im Urlaub! Nicht die Meckermama, die mir gar nicht gefällt, die ich aber viel zu oft bin. Und deshalb nehme ich einfach ein bisschen aus dem Urlaub mit in den Alltag. Ich habe mir vorgenommen:

mich weniger hetzen zu lassen. Mein Gott, dann kommt man halt fünf Minuten zu spät zum Kinderturnen. (Dann muss man wenigstens nicht das dämliche Begrüßungslied mittanzen) Geht davon die Welt unter? Nee.

die Kinder ausreden lassen. Und ihnen zuhören. (okay, wenn es zum zehnten Mal dieselbe Geschichte ist, dann darf ich auch im Kopfe mal die Einkaufsliste durchgehen) Und ihnen nicht ins Wort fallen. Sie dabei anschauen. Ohne auf die Uhr zu gucken.

– das Handy weniger zu beachten. Nicht ständig aufs Display schauen. Wenn ich mir gleichzeitig vornehme, mich weniger nach der Uhr zu richten, dann fällt auch der vorgeschobene Grund „Ich will nur mal kurz nach der Uhrzeit schauen, ach da kann ich nebenbei noch mal schnell die Emails checken“ weg. Ganz ehrlich: Müssen wir jede Nachricht gleich beantworten?

weniger auf die Uhr zu gucken. Siehe oben – das Handy. Zwei Fliegen mit einer Klappe oder so ähnlich. Gehen wir wirklich um sechs vom Spielplatz nach Hause, weil die Kinder hungrig und müde sind – oder weil die Uhr es sagt? Meistens letzteres. Und das hat nun ein Ende! Im Urlaub klappt es doch auch. Und daran will ich auch das Insbettbringen ausrichten. Nicht, weil die Uhr kurz vor Acht ist, sondern weil die Kinder wirklich müde sind. (nun gut, diesen Punkt habe ich leider an den letzten zwei Tagen nicht eingehalten, weil ich ehrlichgesagt, auch endlich Feierabend haben wollte und die Beine hochlegen wollte. Was sich daran rächte, dass ich doch wieder die Meckermama wurde: „Nun schlaft doch endlich! Augen zu. Mund zu. Schlafen!“)

Eis essen wie im Urlaub. (braucht wohl keine weitere Erklärung mehr) Jeden Tag. Auch mal zwei Kugeln.

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nicht an blöden Prinzipien festhalten, nur weil man mal konsequent sein will. Ja ich weiß, verlässliche Regeln, Konsequenz und so. Schon klar. Bei wirklich wichtigen Dingen gilt das auch im Urlaub. Keiner geht bei Rot über die Straße, nur weil er im Urlaub ist. Und nur weil wir in den Ferien sind, darf jetzt nicht plötzlich der kleine Bruder geschlagen werden. Aber wenn der Große unbedingt mit seinen vier Jahren abends umgezogen werden möchte wie der kleine Einjährige – who cares? Ich weiß ja, dass er es alleine kann, wenn es draufankommt. Wenn er gerne vorm Schlafengehen ein bisschen Babyspielen will, dann ziehe ich ihm halt das T-Shirt aus. Geht davon die Welt unter? Nee, aber meine Nerven gehen dafür nicht mit mir durch.

Was sind Eure Tricks, um ein bisschen Entspannung aus dem Urlaub auch im Alltag beizubehalten? Was vermisst Ihr aus den Ferien am meisten im Alltag?

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4 Kommentare zu “Aus dem Urlaub zurück II: Was man aus den Ferien für den Alltag lernen kann

  1. Ich bin gerade auch eine urlaubsreife Meckermama. Zum Glück sind die Tage zum Urlaub schon gezählt und dein Post hat richtig viel Lust auf unsere kleine Auszeit (von den ach so wichtigen Regeln des Alltags) gemacht, danke dafür!

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  2. Bei mir ist es meist genau umgekehrt: ich bin im Urlaub angespannter und genervter als im Alltag, weil mir völlig der Freiraum fehlt, den ich im Alltag trotz Arbeit und fester Struktur habe. Das schlägt sich dann auf Reisen oft in Ungeduld und Genervtsein mit den Kindern nieder. Im Alltag weiß ich, ich habe von 8 bis 15:30 mein Leben und bin dann den Rest des Tages komplett für meine Kinder da. Dadurch bin ich viel entspannter, als bei einer 24/7-Betreuung. Wochenenden und Urlaube sind für mich meist sehr anstrengend und ich sehne mich dann immer nach unserem Alltagsrhythmus, unserer Struktur und festen Zeiten für mich allein und für die Kinder. Im Urlaub halten wir bewusst immer den Tagesablauf der Kinder ein, da es viel mehr Kraft und Nerven kostet, eine zweimalige Umstellung hinzukriegen als einfach so weiterzumachen wie zuhause. Meine schlafen auch nicht länger, wenn sie später ins Bett gehen, im Gegenteil, sind im Urlaub meist sehr früh wach.Und sie beschäftigen sich auch kaum allein, so dass wir also wirklich die Zeit am Abend zum Erholen brauchen;)
    So unterschiedlich ist das und das darf ja auch gern bei jedem anders sein. Dafür haben wir meist keine großen Schwierigkeiten, wenn der Alltag wieder losgeht. Ich wünsch euch viel Erfolg beim Hinüberretten des Urlaubsfeelings in den Alltag.
    Liebe Grüße!

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  3. Ich finde deine Vorsätze gut. Jedes Mal wenn ich zurückkomme, denke ich mir auch dass ich das machen sollte. Vergess ich dann oft wieder. Aber auf dem Balkon einen Milchshake trinken – das mach ich jeden Tag!

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