Der allabendliche Ins-Bett-Bring-Wahnsinn: Ich bin noch gar nicht müde, Mama!

Es ist halb neun, abends, versteht sich, und ich habe mich mal wieder auf Zehenspitzen aus dem Schlafzimmer geschlichen. Die Kinder schlafen – Feierabend! Aber bis es soweit war, hat es, sagen wir mal vorsichtig, ein wenig gedauert mit dem Ins-Bett-Bringen. Wie eigentlich jeden Abend seit es draußen länger hell ist.  Besonders schlimm ist es, wenn der Große im Kindergarten Mittagsschlaf hält. Dann schläft er selten vor neun. Und bis es soweit ist, kostet es mich einige Nerven. Ich glaube auch einige braune Haare – denn die grauen an der Schläfe, die haben verdächtigt zugelegt. Heute war wieder so ein Abend, der nach den schwierigen zwei Stunden zwischen 5 und 7 begann…

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Einschlafrituale werden überschätzt

Ganz gemütlich fing es an mit unserem Einschlafritual. Umziehen klappte super. Zähne putzen auch. Beide Kinder saßen da, erwartungsvoll, mit sauberen Zähnen, sauber geputzten Bäckchen und in ihren süßen Schlafanzügen. Das klappt wenigstens. Meistens. Den Dreikampf mit der Windel des Kleinen, den Zähnen des Großen und dem abendlichen Gehopse auf dem Bett beherrsche ich mittlerweile ganz gut. Gemütlich ging es weiter im Einschlafritual. Bullerbü, auf das Buch freute sich der Große schon beim Abendbrot. Dem Kleinen war das eher egal, er wollte nur eines, endlich an Mamas Milchbar. Darauf freute ER sich schon seit dem Abendbrot.

Nach dem Zähneputzen beginnt unser Vorlesemarathon: Bullerbü, knapp zur Hälfte

Ich las. Der Große lauschte. Der Kleine nuckelte. Alle waren seelig. Gibt Schlechteres als Bullerbü, das X. Mal „Conni lernt Schwimmen“ zum Beispiel.

Der Kleine war schnell weg. Nach dem ersten Kapitel schon. Der Große wollte mehr.

Kapitel 2.

Kapitel 3.

Dann klappte ich das Buch zu, mittlerweile etwas heiser.

Nein, noch eine Geschichte, Mama.“

Gegen die großen Augen kann ich einfach nichts machen. Mein Sohn hat sehr große Augen. Und er kann sie NOCH größer machen, wenn er etwas will.

Kapitel 4. Nun feiern sie grad Ostern in Bullerbü.

Buch zugeklappt. Der Große will natürlich noch mal auf Klo (über die gescheiterten Einschlafrituale hatte ich hier ja schonmal geschrieben). Ich soll mitkommen, seit er auf einem Kindergeburtstag „Rotkäppchen“ gesehen hat, hat er Angst vor dem Wolf. Man weiß ja nie. Könnte sich ja durch unser Badezimmerfenster gezwängt haben. Ich passe also auf, dass er nicht danebenpinkelt, er kommentiert: „Ich habe genug getrunken, mein Pipi ist durchsichtig“ und läuft wieder zum Bett. Schon witzig, was sie sich so merken, die Kleinen!

Das Kind muss ins Bett. Doch vorher muss es Pipi. Immer.

Wir kuscheln uns ins Bett. Er sieht schon sehr müde aus. Dafür wacht der Kleine nochmal auf. Das ist einfach: Er will einfach noch ein bisschen Nachschlag, ist gar nicht richtig wach. Der Große will dafür noch Kapitel 5. Das mit dem Wassergeist. Was soll’s -ich komm‘ hier eh nicht weg, der Kleine hängt ja noch unterm T-Shirt!

Beim Lesen hebe ich mehrmals hervor, dass der Wassergeist ja Lasse ist und gar kein echter Wassergeist – hilft nix, mein Großer will nun bei den folgenden Versuchen zu schlafen, immer wieder wissen, ob es denn echte Wassergeister gibt und wie sich Lasse verkleidet hat.

Schlafen. Augen zu.

Er macht die Augen auf.

Augen zu, zische ich. Sage das Übliche vom Wachsen und Schlafenmüssen und Frühaufstehen, was man halt so sagt, abends um kurz vor Acht, wenn man sich eigentlich nur denkt: „Verdammte Scheiße, schlaf‘ endlich ein!“

Mein Sohn sieht das anders. Kugelt sich im Bett rum. Ihm ist warm. Dann wieder kalt. Wälzt sich hin und her, zeigt mir noch einen Mückenstich und na klar, kurz bevor er zur Ruhe kommt:

Ich muss Pipi!

Wir also ab ins Bad. Kommt nix. Klar, war ja auch grad erst vor zehn Minuten. Wieder zurück. Kuscheln. Kaum liegen wir gemütlich: Durst. Wasserbecher steht wohlweislich bereit. Er trinkt. Legt sich hin. Augen auf.

Vorm Ins-Bett-Gehen kommt dann der plötzliche Hunger

Ich also wieder: Augen zu. Erst noch zärtlich und leise. Streichel den Kopf. Dann mit Nachdruck. Leicht hysterisch. Kind will nicht. Fragt nochmal nach dem Wassergeist. Ich verfluche mich, das Kapitel nicht übersprungen zu haben. Erneuter Versuch. Augen zu.

Nein, ich schlafe mit offenen Augen. Ich träume und die Bilder sind alle aus Luft.

Ob soviel philosophischem Tiefgang abends kurz vor acht muss ich ihn erstmal drücken. Dann aber noch mal ernsthaft: Augen zu! Dalli! Ruckizucki. Jetzt. Sofort.

Er: Mama, Du musst auch die Augen zumachen.

Ganz schlechte Idee. Kaum sind die Augen zu, überfällt mich die Müdigkeit, die ich den ganzen Tag halbwegs erfolgreich unterdrücken konnte. Nein, ich will nicht schlafen. Ich kämpfe gegen an, ich will doch meine zwei Stunden Feierabend, einfach nur zwei Stunden, bitte Kind, nun schlaf schon. Ich mache die Augen vorsichtig auf.

Der Große starrt mich an: „Mama, du musst doch die Augen zu machen.“

Nach gefühlten 100 Umdrehungen im Bett liegt er schließlich mit dem Rücken zu mir, sagt noch ein wirklich süßes, herzaufgehendes „Mama, du riechst so warm“ und dann: gleichmäßige, tiefe Atemzüge.

Ich warte, erhebe mich, leise, leise, bloß kein Geräusch machen und dann: „Mama, du musst bei mir bleiben!“

Anfängerfehler. Blöder Anfängerfehler.

Gleichmäßige, tiefe Atemzüge sind nicht gleichzusetzen mit tiefer Schlaf. Oh nein.

Ein bisschen mehr Geduld, Madame!

Ja, irgendwann schläft er dann doch. Ich traue mich endlich aufzustehen. Und wenn ich sie dann so liegen sehe, diese beiden kleinen Männchen, wie sie nebeneinander schlafen, die weichen Gesichtszüge, die langen Wimpern, die warmen Kinderkörper, die sich an einen kuscheln: Dann sage ich mir, eigentlich jedes Mal wieder, das es doch eigentlich ganz schön ist. Diese Kuschelei. Und viel zu schnell vorbei. Also genießen.

konsti80Bloß nie zu früh aus dem Zimmer schleichen: Blöder Anfängerfehler!

Leichter gesagt als getan. Hinterher ist man immer schlauer. Habe ich auch schon erwähnt, dass es heute ein harmloser Abend war? Dass es auch diese Abende gibt, an denen man fast explodiert? Sagenhaft genervt ist? Meckern, aus dem Zimmer gehen, wieder reinkommen, durchatmen inklusive? Ohja. Sie machen einen manchmal wahnsinnig. Besonders abends, wenn man doch nur einmal ein bisschen Feierabend haben will! Oft genug resigniere ich auch, schnappe mir das Kind oder die Kinder und setze sie ins Wohnzimmer zu meinem Mann und mir aufs Sofa. Fernsehgucken können wir dann. Wir tun dann einfach nur langweilig. Lesen vor uns hin. Langweilige Erwachsenenbücher. Bis die Kinder einschlafen. Oder von sich aus flehen, sie doch endlich ins Bett zu bringen.

Kennt Ihr das auch?

Nun sitze ich also hier, hoffe auf morgen und darauf, dass der Große im Kindergarten nicht einschläft nach der Mittagsgeschichte, sondern sich im Garten so richtig müde tobt. Und nun hat Mama: Feierabend!
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12 Kommentare zu “Der allabendliche Ins-Bett-Bring-Wahnsinn: Ich bin noch gar nicht müde, Mama!

  1. Pingback: Wollt Ihr manchmal das Vor-Mama-Leben zurück? | Eine ganz normale Mama

  2. Pingback: Aus dem Urlaub zurück II: Was man aus den Ferien für den Alltag lernen kann | Eine ganz normale Mama

  3. Ja, ich kenne das auch: ich will meine 2 Stunden Feierabend! Leider will ich sie, genau wie Kinder es machen, genauso lange genießen, dass aus dem „noch eine Minute lesen oder am PC spielen“ dann noch eine ganze Stunde wird. Und dann todmüde ins Bett und sanft in den Schlaf gleiten, bis zum Hahnenschrei – ach, nein, Kinderschrei: „Ich muss Pipi! Ich habe Durst! Ist schon Morgen???“…

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  4. Lustig…die Pipiphase hatten wir auch…vorgestern! Hörte sich sehr vertraut an, das Ganze. Geteiltes Leid, halbes Leid. Danke! 🙂
    Ich hoffe, dich mit Folgendem nicht zu belästigen. Habe dich nominiert.
    http://mutterkiste.com/2015/05/28/ich-bin-dabei/
    Du warst meine erster ‚Follower‘. Dafür möchte ich dir danken. Ich glaube, jeder Blogger weiss, was es bedeutet den ersten Follower zu haben.
    Herzliche Grüsse und würde mich freuen
    Nora

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