So ein Kind kann alles auf den Kopf stellen. Hätte ich nie gedacht. Ist aber so. Ich hielt den Satz immer für Laberei. Das Leben geht doch weiter. Und man ist doch immer noch derselbe Mensch – denkste! Das ist einer dieser Sätze, den ich ganz schnell aus meinem Repertoire streichen musste, als mein erstes Kind auf die Welt kam. Und es gibt noch eine Menge mehr dieser Sätze, die ich über Mütter dachte, bevor ich selbst eine wurde…
Top 10 – was ich früher über Mütter dachte
- Elternzeit ist doch genial! Endlich ein Jahr Urlaub, nicht arbeiten müssen, ausschlafen, Latte im Café trinken, jeden Tag spazieren gehen – und Zeit für so Dinge wie Fotobücher, Buch schreiben und so weiter…
- Sie hätte doch wenigstens ein bisschen aufräumen können, bevor ich komme. Einmal schnell die dreckige Wäsche aus dem Weg räumen, kann ja nicht so schwer sein. (wie es heute bei mir aussieht, über die Kapitulation vor dem Chaos hatte ich hier geschrieben)
- Wahnsinn, es stört sie überhaupt nicht, dass sie Babykotze auf der Schulter hat! Und noch weniger stört es sie, wenn sie die Schnotter mit der Hand wegwischt und die Hand dann an ihrer Hose abwischt. Das ist schon ein bisschen eklig.
- Muss sie eigentlich ständig auf ihr Handy starren, während wir im Kino sind? Die Kinder sind doch beim Papa, was soll da schon sein?
- Wieso hat das Kind eigentlich mitten im Mai einen Schneeanzug an? Wieso macht die Mutter nichts dagegen?
- Und wieso hat das Kind am Abend eine Sonnenbrille auf und das auch noch falsch herum?
- Das ist doch unmöglich, dass die ihr Kind im Schlafanzug in den Kindergarten laufen lässt!
- Ich verstehe nicht, wie man ungefragt über den Windelinhalt des Kindes sprechen kann. Und was zum Teufel ist ein querliegender Pups?!
- Kinder müssen ja nun wirklich nicht ständig etwas zu Essen im Mund haben. Da muss man als Mutter auch mal konsequent sein.
- Gummibärchen sind ja nun echt nichts für einen Einjährigen!
- und als Bonus: Wie kann man als Mutter ernsthaft sagen, dass einen das eigene Kind nervt?! Man kann doch nicht von seinem eigenen Kind genervt sein.

Ach Ja, ich wusste wenig übers Mamasein! Wie wenig, offenbarte sich mir, als da ein kleiner Mann auf die Welt kam!
Heute wunder ich mich über gar nichts mehr. Die Mama von dem Kind im Kindergarten hat seit vier Tagen denselben Pulli mit denselben Breiflecken an? Sie wird ihre Gründe haben. Die Mutter schreit ihr Kind an, ob es nicht endlich einmal einfach stillstehen kann, während sie die Schuhe zubindet? Sie bekommt von mir die verständnisvollsten Blicke der Welt. Die Frau an der Kasse greift entnervt zu den Überraschungseiern, reißt die Folie noch vor dem Bezahlen (!) ab und stopft die Schokolade dem tobenden Zweijährigen in den Mund? Es tut gut, zu sehen, dass es nicht nur mir so geht.
Vorurteile über Mütter: Bitte mehr Verständnis!
Ja und auch Gespräche über Muttermilchstuhl, übergelaufene Windeln und den gesunden Appetit meiner beiden Kinder kann ich führen und habe sogar Spaß dabei. Ich kenne mich aus mit Stilleinlagen und sämtlichen Breimarken. Ich habe meine Lektion über Konsequenz gelernt – und wie schwer ebenjene ist. Dass sie eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Ich weiß es zu schätzen, wenn die Kinder am Wochenende wenigstens bis 8 Uhr schlafen. Und ich erwische mich tatsächlich fast täglich dabei, meinen Kindern mit Spucke auf dem Finger die Frühstücksreste vom Gesicht zu reiben!
Ich bin halt eine Mami.
Über die Parallelwelten von Eltern und Kinderlosen hatte ich ja auch schon mal hier geschrieben.
Und denen von Euch, die keine Kinder haben, kann ich nur sagen: Fragt einfach nicht, wenn Ihr mich mit einem fast Vierjährigen in der Stadt seht, der seinen Schal wie einen Turban um den Kopf geschlungen hat, auch bei Dunkelheit eine Sonnenbrille trägt und seine Jacke auf dem Rücken zugemacht hat. Wir haben unsere Gründe.

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Ich denke, für die meisten von denen die hier was schreiben, ist ein Kind die willkommene Ausrede, sich und den eigenen Haushalt endlich mal so richtig gehen zu lassen.
Ich für meinen Teil bin Mutter von 3 Kindern, und verlasse das Haus niemals ungeschminkt oder in dreckigen Klamotten.
Meinem Besuch zwinge ich weder meine Wäscheberge noch eine chaotische Wohnung oder ein dreckiges Klo auf…
Wo bitteschön bleibt der eigene Anspruch und die eigene Würde, wenn man immer alles auf die Kinder schiebt?
Auch das, ihr lieben gestressten Mamas da draußen hat etwas mit Disziplin zu tun, aber bleibt ganz locker, wenn ihr nach eurem Jahr Elternzeit allesamt wieder zu euren Jobs rennt, wird sicherlich keine von euch den Erziehrinnen in der Krippe, die eure Kinder erziehen, weil ihr ja alle wieder losrennen müsst, in einem dreckigen Blazer und ohne Wimperntusche gegenübertreten.
Ganz ehrlich: Ich arbeite ja wieder. Aber ich habe trotzdem selten eine saubere Hose oder einen knitterfreien Pulli im Schrank :-) Und ich find’s nicht schlimm.
Es kommt halt ganz darauf an, was einem wichtiger ist, eigene Ansprüche, Würde und Disziplin, Schminke und aufgeräumte Wohnung – oder die Kinder? Jedem das, was er lieber mag, wir leben ja in einer Demokratie. Und da die meisten von uns mit ihren Kindern nicht auf der Straße leben wollen, gehen sie arbeiten. Den von Luft und Liebe werden Kinder nicht satt. Aber vom hart verdienten Geld ihrer Eltern.
Ich glaube schlicht und ergreifend nicht, dass wirklich alle Mamis, die arbeiten gehen, dies nur tun, um die Kinderchen satt zu kriegen.
Seinen wir doch mal ehrlich:
Mama sein ist ein anstrengender und undankbarer Job.
Die wenigsten halten den Spagat aus Langerweile und Erschöpfung länger als ein Jahr aus.
Was die Ansprüche betrifft, ich schaffe es mit drei Kindern einen gut funktionierenden Haushalt zu haben und spiele, lese, male und bastel trotzdem regelmäßig mit meinen Kindern.
Es ist immer eine Frage der Prioritäten: ich gehe auch nicht ungeschminkt und mit fleckigen Klamotten ins Büro, aber unser Haus ist auch nicht immer blitzeblank. Manchmal ist mir eine halbe Stunde mehr Schlaf wichtiger als aufgeräumte Zimmer, aber Wäscheberge und schmutzige Toiletten muss man seinem Besuch nun auch nicht zumuten. Die ganze Frage „arbeiten gehen oder nicht“ (oder auch „zum Job rennen“ oder nicht) hat immer mit der Situation des Einzelnen zu tun: wer es sich leisten kann, von einem Gehalt (dem des Mannes) zu leben, kann leicht von Disziplin und Anspruch reden – andere sind in einer weniger komfortablen Situation und müssen eher mal Fünfe gerade sein lassen. Das muss man nicht auf die Kinder schieben, aber die Kinder tragen natürlich dazu bei, dass man a) weniger Zeit zum Aufräumen hat und b) mehr Dinge hat, die man aufräumen oder waschen muss. Man sollte in jedem Fall vorsichtig damit sein, über andere zu urteilen ;-)
@Anonym: Das heißt, Du bist zu Hause und gehst nicht arbeiten? Na, dann hast Du einfach etwas mehr „Zeit“ für andere Dinge. Ich gehe arbeiten (im Prinzip vollzeit), habe zwei kleine Kinder und gehe auch nicht dreckig oder total ungeschminkt aus dem Haus. Allerdings muss ich schon Abstriche machen, denn ALLES ist nicht möglich, denn Burn Out ist nicht so mein Ding! Ja, es hat etwas mit Disziplin zu tun. Es gab aber Zeiten, da waren meine Kinder eben noch Babys und gerade bei Nr. 1 war weder Schlafen noch Duschen drin, wenn mein Mann nicht da war. So was soll es auch geben!
1. Warum diskutiert sie mit einem 2-jährigen? – Ich werde NIEMALS mit meinen Kindern diskutieren
2. Kann man sich nicht ein Mal länger als 30 Sek. unterhalten ohne das sie immer wieder Zwischenrufe in Richtung Kind macht?!?? – meine Kinder lernen später Anstand.
Liebe beste Freundin…ich entschuldige mich für meine ganzen naiven Gedanken. :D
Ohja, diese Zwischenrufe, die können einen wahnsinnig machen…
Superklasse! Und DAS können echt nur Mamis (und vielleicht auch einige Papis) verstehen! Achja, und ich bin froh, wenn die Kinder am Wochenende wenigstens mal bis 6h schlafen ;-)
6 Uhr?! Oh mein Gott!
6h, genau, und das ist schon lang! Wir haben hier zwei Wenigschläfer. Naja, man gewöhnt sich dran.
Bis 6h DURCHschlafen wäre noch besser… Zwischen elf und fünf darf ich bei meinen Zwillingszwergen mindestens zweimal, meist drei mal raus und um sechs klingelt mein Wecker 😣
Herrlich – hier die Top 3 meiner gedanklichen Irrläufer aus der Nicht-Mama-Zeit
1. Pünktlich zu kommen kann doch nicht sooo schwierig sein!
2. Wie kann es denn bitteschön zwei Stunden dauern, ein Kind ins Bett zu bringen?
3. Das ist doch nicht normal, mindestens alle zwei Wochen beim Kinderarzt einzuchecken!
Jaaaa, der Kinderarzt. Ich hätte auch NIE gedacht, dass ich es schaffe, SO oft zum Kinderarzt zu gehen! Wegen eines Schnupfens. Wenn man mir das vorher gesagt hätte…
Mindestesn alle zwei Wochen? In der Hochsaison hat die Ärtzin uns schon gefragt, ob wir eine Flatrate haben, weil wir alle 3 Tage dort waren :D
Ohja, zur Hochsaison waren wir auch öfter da. Zwei Kinder, dann die Us beim Kleinen und die Impfungen und dann noch die üblichen Krankheiten – da konnten wir eigentlich schon das Feldbett beim Kinderarzt aufschlagen!
Kinderlos: „Ich werde niemals so langweilige Mamaklamotten tragen!“ (flache Schuhe, Stretchhosen, Schlabberpulli)
Mit meinem Prinzessinnenmonster: „Ich liebe meine flachen Treter, Stretchosen mache jede Kletteraktion mit und Schlabberpullis verstecken so herrlich die dazu bekommenen Babypfunde.“