Parallelwelten zwischen Mamas und Kinderlosen – nur auf den ersten Blick

Wisst Ihr, was ein Hugo ist? Ja eben. Natürlich wisst Ihr das. Man kommt daran ja nicht vorbei. Für mich war es wahlweise ein französischer Schriftsteller oder ein männlicher Vorname. Für meine Freundin ein Sommerdrink aus Prosecco und Holunderblütensirup. Was denn sonst? Den gibt’s doch schon seit letztem Sommer. Neu ist das ja nun wirklich nicht mehr.

Für mich schon. An mir ging die Hugoisierung vorbei. Denn ich bin Mutter eines zweijährigen Kindes und komme nicht viel raus. Letzten Sommer noch viel weniger als in diesem. Denn meine Welt sind die Spielplätze der Stadt. Zwischen Rutsche und Schaukel. Die Höhepunkte sind die Kaffees im Pappbecher am Sandkastenrand. Ich kenne mich aus mit Windelpreisen, den aktuellen Kita-Gebühren und den Sprechstunden des Kinderarztes. Nachmittags treffe ich mich mit anderen Müttern und ihren Sprösslingen, stapel Bauklötze und tausche Tipps zum Durchschlafen aus. Wer hat schon sonst Zeit, nachmittags um  drei?

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Die Geburt des Kindes katapultiert einen in eine Parallelwelt.

Eltern und Kinderlose leben in Parallelwelten, die sich viel zu selten berühren

Meine Freundin hat keine Kinder. Sie ist so alt wie ich. Wir waren zusammen in der Schule, haben beide studiert und viel gearbeitet. Das tut sie immer noch, ich auch, aber nur bis drei. Danach arbeite ich auch viel, aber nicht mehr am Schreibtisch und schon gar nicht in Konferenzräumen vor Videoleinwänden.

Wenn ich am Nachmittag kleingeschnittene Apfelscheiben anbiete, dann trinkt sie einen Kaffee mit Kollegen und eilt ins nächste Meeting. Wenn ich abends das fünfte Buch vorlese und das dritte Schlaflied krächze, legt sie noch mal Mascara auf, schlüpft in die hohen Schuhe. Wenn ich in Jogginghose auf dem Sofa fläze und einige Seiten lese, sitzt sie mit anderen kinderlosen Frauen an der Bar und kippt den ersten Hugo.

An den Wochenenden schläft sie bis mittags, während ich ab acht Uhr Höhlen unter der Bettdecke baue.  Nachmittags füttern wir im Tierpark die Ziegen, während meine Freundin noch ein bisschen shoppen geht. Klar, ich arbeite hier mit Klischees, übertreibe auf beiden Seiten und längst nicht jeder Kinderlosenalltag sieht so aus. Aber Ihr wisst, was ich meine.

Eltern und Kinderlose: Leben wir in Parallelwelten? Nachdenkliche Kolumne über das Familienleben und wie sich das Leben verändert, wenn man Kinder bekommt. Gedanken einer Mama über den Familienalltag, die Erziehung und das Leben mit Baby und Kleinkind

Mit der Geburt unserer Kinder verändert sich unser ganzes Leben

Wir leben in Parallelwelten. Wir Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 40. Machten wir als Jugendliche noch gemeinsam die Nächte durch, auf der Suche nach dem Prinzen und dem Abenteuer in dunklen Diskotheken, schieben die einen heute den Kinderwagen durch den Park. Während die anderen immer noch durch die Discos streifen, bloß dass die heute Clubs heißen. Auch da muss ich mich outen: Ich, Anfang 30, sage immer noch Disco. Und habe schon lange keine mehr von innen gesehen. Auch keinen Club.

In den Jahrgängen 1978 bis 1982 gibt es laut Statistischen Bundesamt mehr als 700 000 Frauen mit Kindern – dem stehen 1,7 Millionen kinderlose Frauen gegenüber. Etwas mehr als zwei Drittel aller Frauen mit minderjährigen Kindern arbeiten Teilzeit. Da bleibt viel Zeit am Nachmittag, um auf dem Spielplatz andere Mütter zu treffen. Wir sind ein Mikrokosmos, der wie eine Blase durch die Welt schwebt und nur manchmal mit dem Mikrokosmos der Kinderlosen kollidiert.

Da sitzt man nun zusammen. Die Kinderlose und die Mama. Sucht nach gemeinsamen Themen. Dass die Mama mit den neuesten Sprachfortschritten des Nachwuchses auf Dauer nicht begeistern kann, ist schnell klar. Doch auch die X. Version von „Soll ich ihn anrufen? Er war so komisch gestern“, kann nicht wirklich mitreißen, genauso wenig wie der süße Animateur aus dem letzten Cluburlaub (siehe auch meinen Text über die Frage: Werden wir immer später erwachsen?).

Aber hey, sind wir nicht Freundinnen? Die einmal dieselben Träume hatten? Es ist doch auch spannend, in eine andere Welt zu tauchen. Im Urlaub wollen wir doch auch fremde Welten entdecken und reisen für viel zu viel Geld in möglichst exotische Länder. Was kann für eine Mutter exotischer sein, als mal das Nachtleben eines 30-jährigen Singles zu entdecken? Oder für eine Single-Frau, die Freude zu erleben, mit nackten Füßen in der Sandkiste einen waschechten Sandkuchen kredenzt zu bekommen?

Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als man meint!

Statt nebeneinander her zu leben und sich voneinander zu entfernen – und sich insgeheim übereinander aufzuregen – sollten wir zusammenhalten und sich gegenseitig wieder neu kennenzulernen. Andere Welten können äußerst spannend sein, und man entdeckt, wenn man genau hinhört, anstatt in Gedanken den morgigen Tag zu planen, dass man mehr Gemeinsamkeiten hat, als es scheint.

Und es kann einen vielleicht auch bestätigen, dass das Leben, wie man es führt, trotz aller Ärgernisse genau das ist, was man immer wollte…

Dieser Text erschien in mehreren Tageszeitungen. Wollt Ihr mehr von mir lesen? Dann stöbert auf meinem Blog. Lest über Chaos im Alltag, sucht Buchtipps, lasst Euch von Reisetipps inspirieren und lernt mich und meine Familie besser kennen. Ich freue mich, dass Ihr hier seid! Und wenn Ihr keinen neuen Text verpassen wollt, dann folgt mir doch einfach über Facebook , bei Instagram, Pinterest oder per Email.

27 Kommentare zu “Parallelwelten zwischen Mamas und Kinderlosen – nur auf den ersten Blick

  1. Pingback: 10 Bloggerinnen, 10 Meinungen: Leben Kinderlose und Eltern in 2 Welten? | MamaZ

  2. Hallo! Einfach herzerfrischend wie du bloggst! Meine Welt dreht sich aktuell nur um „Haus und Hof“ und 2 „Mäuse -Mädels“ mit fast 5 und 10 Monaten. Das Leben zieht komplett an mir vorbei! Bin froh, wenn ich alleine zum einkaufen komme und das alles im malerischen Bayrischen Wald- da wo andere Urlaub machen!
    Nix mit Spielplatz -Meeting! – Natur pur! 🙂 Ich glaub ich blog auch- einfach um wenigstens mal virtuell -raus- zu kommen! 🙂
    Mach weiter so!
    LG Sonja 2 fach „Mäusemama“ mit Hund und Mann 🙂

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  3. Pingback: 10 ungelöste Rätsel des Familienalltags | Eine ganz normale Mama

  4. Hallo,
    ein schöner Text, der aber doch zum Nachdenken anregt. Wir stehen kurz vor der Geburt unseres ersten Kindes und fragen uns natürlich auch, inwieweit sich auch unser soziales Leben danach ändern wird. Geplant ist es zumindest mal nicht, dass wir uns noch in einem Elternuniversum bewegen, aber ganz verhindern kann man es wahrscheinlich auch nicht. Krabbelgruppe, Kindergarten, Schule…man kommt zwangsläufig mit ganz, ganz vielen Familien in Kontakt.
    Um so wichtiger finde ich es, dass man trotz allem regelmäßigen Kontakt zu allen hält, die nicht im Elternuniversum unterwegs sind. Gegenseitige Akzeptanz ist da eine ganz gute Maßnahme, denke ich. Wenn es sich einrichten lässt auch mal mit anderen was ohne Kinder unternehmen, und im Gegenzug können dann auch mal alles zusammen was mit den Kindern machen.

    Gruß

    Kai

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