Wieviel Spielzeug brauchen Kinder?

Man kann jetzt zur Rechtfertigung sagen: Wir haben das alles auf dem Flohmarkt gekauft. Das stimmt ja. Das meiste ist tatsächlich gebraucht. Aber das macht es nicht besser. Wir ertrinken im Spielzeug. Überall liegt es. Ständig tritt man auf ein Auto. Oder einen Duplostein. Muss ich noch erwähnen, dass das verdammt weh tut? Oder man stolpert über den Betonmischer. Im Bad guckt einen der Kuschelteddy an, in der Küche liegen Bälle und Matchboxautos, sogar im Geschirrspüler trifft man sie manchmal. Im Schlafzimmer reihen sich Rasseln und Kuscheltiere aneinander. Im Wohnzimmer muss man erst das Sofa freischaufeln, bevor man seinen Hintern drauf platzieren kann. Brauchen unsere Kinder das Spielzeug überhaupt?! In dieser Menge? Aber wie viel Spielzeug ist richtig, ab wann haben Kinder zu viel Spielzeug?!

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Spielzeugberge!

Wer uns besucht, sieht auf den ersten Blick: Hier wohnen Kinder. Jungs. Ohne Zweifel. Feuerwehrautos. Mehrere. Mit Drehleiter. Ohne Drehleiter. In allen Größen. Bagger. Planierraupen. Gabelstapler. Hubschrauber. Laster. Autos über Autos. Groß, klein, bunt, aus Holz, aus Metall (die zwiebeln am meisten, wenn man die Ferse in ihr Heck rammt). Duplos, eine Holzeisenbahn, eine Küche, eine Kasse, Gemüse aus Stoff, Gemüse aus Plastik, Töpfe, Teller, was man so braucht, um seinen Alltag zu gestalten. Die Kinder haben zu viel Spielzeug!

Wie Spielzeug ist zu viel?

Eigentlich gibt es ein Kinderzimmer. Mit Kisten, in die das Spielzeug verschwindet. Und die Kisten verschwinden wiederum im Regal. Schön sortiert. Duplos hier, Bauklötze da, nebenan die Holzeisenbahn, oben drüber der Fuhrpark. Im Esszimmer eine Kiste mit Autos und Küchensachen, damit es nicht langweilig wird, wenn ich koche. Soweit die Theorie. Die Praxis: Alles liegt überall und schon mal gar nicht in der Kiste.

Immerhin: Das Babyspielzeug ist auf dem Dachboden. Mein Kleiner hat schon seit Monaten nicht mehr damit gespielt. Er wird jetzt bald ein Jahr alt, aber ihn interessiert das Spielzeug für Kinder ab Drei. So wie wir uns mit 16 für die Disco ab 18 interessiert haben. Mein Kleiner findet schon seit einigen Monaten Rasseln langweilig. Greiflinge, Babyautos, niedliche Plüschtiere, die quietschen? Werden achtlos in die Ecke gepfeffert. Das kann er gut, vielleicht wird er mal Handballer. Her mit den kleinen Matchboxautos! Her mit der Eisenbahn! Und der große Plastikbagger! Wer kam eigentlich auf die Idee, dass das nur was für die Über-Dreijährigen sein könnte?! N

Pädagogisch wertvolles Spielzeug: Meist das, was Kinder nicht mögen

Abgesehen davon, ist eh immer genau das spannend, was der andere gerade hat!

Das ist bei Geschwistern so, das ist bei den Kindern auf dem Spielplatz so. Ich verstehe dieses Phänomen einfach nicht. Da hat der Große seit Monaten nicht mit dem kleinen Quietschelefanten gespielt. Aber kaum hat sein kleiner Bruder den in der Hand, schwupps, muss der Große mal ganz dringend. Geht nicht anders. Muss genetisch so eingestellt sein. Umgekehrt genauso. Der Kleine steht dem Großen da in nichts nach. Sie wollen immer genau das Spielzeug ,was der andere gerade hat. Abgesehen davon, dass meine Kinder eh nur das Spielzeug wollen, was pädagogisch nicht grad als wertvoll einzustufen ist.

Ich habe letztens Spielzeug aussortiert. Nicht nur das Babyspielzeug, auch andere Sachen ,die ich einfach blöde fand, die es mal geschenkt gab oder die schon länger nicht mehr angesagt waren. Und es ist immer noch zu viel. Wobei ich in anderen Kinderzimmern noch viel mehr Spielsachen gesehen habe, wir sind noch lange nicht ganz am Ende der Fahnenstange angelangt. Es geht noch mehr! Aber ich will nicht mehr!

Woran erkennt man gutes Spielzeug?

Und was ist überhaupt gutes Spielzeug?! Das, was wir für pädagogisch wertvoll halten? Das tolle Holzpuzzle oder das ganz aus Holz gebaute Auto zum Selbstzusammenbauen? Eines der Lieblingsspielzeuge meines Sohnes ist ein Polizeiauto aus Plastik, was einmal, als die Batterien noch gingen, einen furchtbaren Signalton von sich gab. Er hat es übrigens auf einem Flohmarkt geklaut. Jedenfalls lag es auf einmal unten im Kinderwagen und wir wussten nicht, wie es sonst dorthin kam. Ich entschuldige mich hiermit für diesen Diebstahl meines Sohnes – wir wollten es wirklich zurückbringen, aber es fiel uns zu spät auf!

Wobei ich mir ziemlich sicher bin: Die Besitzer des Autos waren nicht böse, dass es fort war.

Wie immer bei Spielzeugen, die komische laute Geräusche von sich geben, waren die Batterien am nächsten Tag leer (öhm, ich geb’s zu, wir haben sie gegen leere getauscht) und komischerweise waren sie auch nicht mehr im Supermarkt erhältlich (öhm, blöde Ausrede, aber noch komme nwir damit durch). Das Auto ist trotzdem hoch im Kurs. Unser Großer macht die Sirene jetzt selbst. Und ich weiß nicht, ob ich nicht doch die Batterien wieder auflade und hineinsetze. Es wäre vielleicht das kleinere Übel. Nein, Kinder wollen aus unerfindlichen Gründen meistens nicht das pädagogisch wertvolle, ach so toll die Entwicklung fördernde Spielzeug, sondern das blinkende laute Plastikspielzeug, um das wir Eltern am liebsten einen Bogen machen würden!

Eltern müssen nicht alle Wünsche der Kinder erfüllen

Seit einiger Zeit jedenfalls habe ich meine Spielzeugkäufe auf den Flohmärkten zurückgefahren. Ich will mich einfach auch noch halbwegs normal in unserem Haus bewegen und habe keine Lust mehr auf blaue Flecken unter den Füßen. Duplos finde ich super, wobei ich etwas Angst vor den bald folgenden Legosteinen habe. Denn die schmerzen richtig, wenn man nicht aufpasst. Ich habe mir vorgenommen, nicht alles zu besorgen, was der Spielzeugmarkt hergibt. Blinkende und tönende Spielzeuge gibt es weiterhin nicht, auch wenn meine Söhne es bestimmt gut finden würden. Aber damit müssen sie halt woanders spielen. Playmobil gibt es auch nicht, denn es gibt Lego und Duplo und Holzeisenbahn und eine Sache ist dann auch gut. Man kann nicht alles haben, dazu ist die Auswahl an Spielzeug einfach viel zu groß.

Und was wir nicht schenken, müssen sie sich dann halt von anderen Kindern zum Geburtstag wünschen. Ich weiß noch, dass ich immer unbedingt eine Barbiepuppe haben wollte, aber meine Eltern sich weigerten, so etwas zu kaufen. Zum fünften Geburtstag habe ich dann einfach ein Mädchen eingeladen. Mit der ich eigentlich nie gespielt habe. Aber von der ich wusste, dass sie immer Barbies verschenkt. Und so kam ich auch zu meiner eigenen Barbiepuppe. Der ich kurz darauf die Haare abschnitt, weil ich meine Friseurkünste austesten wollte.

Wie haltet Ihr es mit Spielzeug – was kauft Ihr, was nicht, was aus Prinzip nicht? Und sortiert Ihr regelmäßig Euer Spielzeug aus? Oder geben Eure Kinder ihre Spielzeuge nicht her?

8 Kommentare zu “Wieviel Spielzeug brauchen Kinder?

  1. Ich versuche mich damit abzufinden, dass gutes Spielzeug nicht das nachhaltige und historische Holzspielzeug ist, was ich priorisiere, sondern dass, mit dem täglich tatsächlich gespielt wird. Jedes Kind hat andere Lieblingssachen. Man kann beim schenken leider nie wissen, was mal ein „Renner“ wird und was am nächsten tag in der Ecke landet. Ich sortiere eigentlich alle 6 Wochen Spielzeug aus. Was immer nur in Kisten oder in der Ecke liegt kommt in einen großen Sack, der dann verteilt wird an sämtliche Kinder aus dem verwandten- und Freundeskreis. So ist mittlerweile ein schönes Routationssystem entstanden (was kaum Neukäufen bedarf). Manches kommt irgendwann wieder zurück zu uns. Wenn es dann immer noch unpopulär ist, kommt es auf den Flohmarkt oder in die Tonne.

  2. Hallo,
    das geht uns auch so. Ich versuche stets nur neue Sachen zu kaufen, die zu den alten passen, also bspw. ein neues Lego, denn in der Kiste ist NOCH Platz. Trotzdem steht auch bei uns überall Spielzeug, ein Fach im Regal im Wohnzimmer ist für Spielzeug, ein Spielzeugregal steht in der Küche, damit die Kinder oben was zu spielen haben. Und die jeweiligen Kinderzimmer sowie der gemeinsame Flur der beiden ist trotzdem gut voll. Vom Keller fang ich mal gar nicht erst an…
    Euch viel Erfolg beim Ausmisten.

  3. Ich versuche regelmäßig auszusortieren. Aber irgendwie wird es bei mir auch nicht weniger… dafür werden die Spielzeugkisten mehr…
    Mein Problem ist, dass mein Mann alt genug ist, um eigenes Geld zu verdienen und selbstständig in den Spielwarenladen zu gehen und dort einzukaufen. Er ist nämlich der Spielzeugjunkie bei uns… Selbstverständlich nur, um die Spielsachen zu testen, bevor die Maus sie bekommt ;-)
    Leider steht er, wie unsere Maus auch auf blinkende und lärmende Spielsachen.

    LG und viel Erfolg bein Bezwingen der Spielzeugberge…
    Daniela

  4. Erst kürzlich wunderte ich mich in einem Artikel darüber, warum musikalische Spielzeuge immer so laut sein müssen, das man es als Erwachsener kaum ertragen kann, Kinder aber 5h am Stück damit spielen können. Leider sind bei unserem Polizeiauto auch recht schnel die Batterien leer geworden…

    Mini ist unser erstes Kind und dementsprechend wird von allen Seiten immer wieder geschenkt, unsere Regale und Stauräume quillen über und es ist schon einiges im Keller gelandet. Bald steht der 4. Geburtstag an und ich weiß schon garnimma was ich noch wegpacken soll…

    Ich persöhnlich mag am liebste Holzspielzeug, das ist einfach eine Sache der Optik, den ich bin selbst mit überwiegend Plastiksachen groß geworden. Noch mehr mag ich Bücher und die kaufen wir meist auf wiederverkaufsplattformen für Literatur, 90% unserer ca. 100 Bücher sind gebraucht gekauft. :-)

  5. Die meisten Kinder haben heute doch viel zu viel Spielzeug und wissen es nicht zu schätzen. So ist es bei meinen beiden Söhnen (2&9) auch. Geht ein Buch in seine Einzelteile auf, interessiert es sie nicht. Mir tut es weh, denn ich liebe Bücher.
    Vor kurzem haben wir eine Holzspüle entsorgt, weil sie nicht mehr zu reparieren war. Und was alles so an Fahrzeugen abbrechen kann…
    Aber auf eines bestehe ich: spätestens Abends kommt das Spielzeug, und was davon noch über ist, in die Kisten und ins entsprechende Regal. ;)

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