Dreijährige: Bespielen oder spielen lassen?

Das mit dem Spielenlassen und Bespielen ist so eine Sache. Wenn es gewünscht wird, lese ich gerne eine Stunde lang vor. Ich habe auch kein Problem damit, wenn es viermal dasselbe Buch sein soll. Duplos bauen ist auch eine feine Sache und auch die Holzeisenbahn lasse ich gerne mal im Kreis fahren. Ich schaue gerne beim Malen zu und reiche neues Papier und bewundere die fertigen Werke. Kneten finde ich auch klasse und in der Sandkiste habe ich meinen Spaß damit, den zehnten Sandkuchen zu essen. Noch lieber backe ich richtigen Kuchen und lasse meinen Gr0ßen dabei den Mixer halten. Viel Spaß haben wir zwei (und das Baby im Kinderwagen) auch damit, Einkaufen zu gehen, die Birnen und Butter aufs Band zu legen.

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Nur wenn wir sie auch mal alleine spielen lassen, lernen Kindern, alleine zu spielen.

Bespielen rund um die Uhr: Wie viel Animation brauchen Kinder?

Aber ich gebe es zu: Ich kneife. Ich kneife, wenn es heißt: „Mama, wollen wir Flugzeug spielen?“ Denn ich weiß, was dann kommt. Rollenspiele mit einem Dreijährigen! Mein Großer ist der Pilot und ich soll neben ihm sitzen. Dann geht es los, ein ohrenbetäubendes „BRRRRRRRRRUMMMMMM“. Das dauert eine Weile an. Dann landet der Flieger. Um dann wieder abzuheben. Das kann gerne ein Stunde lang dauern. Meine Stichworte kenne ich schon: „Anschnallen nicht vergessen.“ Dann heißt es, neben der Lärmquelle zu sitzen und eine gute Miene zu machen.

ROLLENSPIELE. Als Kind liebte ich sie. Heute kneife ich, wenn ich kann.

Wenn es wieder heißt: „Mama, ich bin der Autofahrer und du musst dich neben mich setzen.“ Und wir eine Stunde lang auf dem Sessel durch die Gegend heizen. Er ist der Fahrer, natürlich ein schneller und natürlich ist das Auto LAUT.

Alleine spielen: Ab wann können Kinder das?

Nein. Ich mag diese Spiele nicht. Ich bin kein geduldiger Beifahrer. Und als Co-Pilot eigne ich mich auch nur bedingt.  Ich weiß: Rollenspiele sind ganz wichtig. Besonders für Dreijährige. Sie verarbeiten dabei, was sie im Alltag erleben. Sie lernen dabei und vertiefen ihre Fähigkeiten. Ist mir alles klar. Aber sollten sie so etwas nicht mit anderen Kindern spielen? Müssen wir Eltern für alles herhalten? Sind wir überhaupt die richtigen Spielpartner?! Müssen wir Kinder ständig bespielen?

Ich habe einmal gelesen, ich glaube es war bei Remo Largo, von dem ich viel halte, weil er so herrlich undogmatisch ist, dass wir Erwachsene Kindern vor allem den Alltag vorleben sollen und sie in unseren Alltag einbeziehen sollen. Spielen sollen sie vor allem mit anderen Kindern. Um von ihnen zu lernen. Um sich zu sozialisieren. So sehe ich es auch.

Natürlich spiele ich gerne mit meinen Kindern. Es bringt mir auch Spaß. Aber doch nicht rund um die Uhr! Und brauchen Dreijährige wirklich dieses ständige Bespielen? Die Rund-um-die-Uhr-Animation?

Nein.

Wenn ich sehe, wie mein Großer auch mal im Spiel versinken kann. Wie er gedankenverloren mit einem Matchbox-Auto durchs Kinderzimmer fährt, dabei verschiedene Stimmen imitiert, sich eine Rennstrecke ausdenkt, das Auto im Stau stehen lässt und volltankt – alles ohne Stichworte und Interventionen von mir, dann bin ich fest davon überzeugt, dass es Kindern gut tut, auch einmal mit sich selbst zu spielen. Auch mal einen Moment Langeweile zu haben. Um dann auf eine neue Idee zu kommen. Man muss ihnen nicht ständig neue Spiele vorschlagen, neue Reize setzen, dazwischen reden, wenn er gerade dabei ist, in den „Flow“ zu kommen. Kinder brauchen uns nicht als Animateure und nein, wir müssen sie nicht ständig bespielen, damit sie glücklich sind.

Man muss Kinder nicht ständig bespielen

Genau dieses Reinreden beobachte ich oft auf dem Spielplatz. Da sitzt Finn-Luca im Sand und siebt konzentriert, lässt den Sand in ein Loch fallen und siebt weiter. Schon fünf Minuten lang. Doch der Finn-Lucas-Mama scheint das nicht zu reichen. „Guck mal, Finn-Luca, tu den Sand doch mal ins Förmchen und mach einen Sandkuchen.“ Finn-Luca guckt gar nicht hoch. Sie also lauter „Fi-inn-Lu-uca. Nimm doch noch das Förmchen dazu.“ Finn-Luca hört nicht. Sie kräht „Finni! Mit dem Förmchen bringt das viel mehr Spaß.“ Finni guckt schließlich hoch, sie wedelt mit dem Förmchen, legt ihm das vor die Nase. Widerwillig nimmt er das Förmchen, wirft es weg und steht meckernd auf. Finni hat Hunger und keine Lust mehr zu spielen. Finnis Mama seufzt: „Nie kannst du dich mal auf eine Sache konzentrieren.“

Ich lasse meinen Großen gerne in den Flow kommen. Ja, nicht ganz ohne Eigennutz. Denn dann habe ich auch mal fünf Minuten, vielleicht in der Zeitschrift zu blättern oder einfach nur den Kaffee zu trinken, Wolken anzuschauen und mal nix zu tun. Nun ja, wenn mich der Kleine lässt. Der ist nämlich immer dann im Flow, wenn der Große nicht im Flow ist. Und ist der Große im Flow, dann will der Kleine garantiert grad von Flow nix wissen. Ha! Aber der Plan steht: In einem Jahr ist der Kleine groß genug. Dann spielen sie gemeinsam und haben einen Doppel-Flow und ich einen doppelten Kaffee samt Zeitschriftenartikel.

Was meint Ihr: Dreijährige bespielen  oder auch mal langweiligen lassen? Brauchen sie diese Daueraction? Müssen wir Eltern Animateure für unsere Kinder sein und jedes Spiel mitmachen? Oder kann man sich auch mal ohne schlechtes Gewissen vorm X.Ten Rollenspiel (Polizei, Feuerwehr oder Einkaufsladen) drücken?

10 Kommentare zu “Dreijährige: Bespielen oder spielen lassen?

  1. Ich kann momenten (leider?) noch nichts zu dem Thema ‚3-jährige bespielen‘ beitragen, da meine beiden Mäuse erst 14 Monate alt sind… jedoch klingt das mit dem Flow ganz wie bei uns, also wie bei Zwillingen: wenn die eine im Flow ist, ist es die andere gerade nicht und braucht Aufmerksamkeit und eben anders herum…! Beide zusammen gibt es noch nicht. Ich warte auch schon sehnsüchtig darauf, dass beide (mehr bzw. überhaupt) zusammen spielen und dann gemeinsam im Flow sind! :-)
    Liebe Grüße

  2. Rollenspiele sind auch nicht unbedingt meines. Und ich denke, dass ist auch in Ordnung, ich bin authentisch, wenn ich sage, dass ich darauf keine Lust habe. Ich mache viele andere Dinge mit meiner 3jährigen und beziehe sie zusätzlich im Alltag mit ein. Rollenspiele spielt sie dann mit Freunden oder alleine mit ihren „vorgestellten“ Freunden.
    LG
    Petra

  3. Meine Meinung? Unbedingt manchmal langweilen lassen :-). Unbedingt die Gelegenheit geben, sich in ein Spiel zu vertiefen. Selber authentisch bleiben und ja sagen zum gemeinsamen Sandkuchenbacken und nein zum Flieger-Rollenspiel (meine Vorlieben sind übrigens mit deinen identisch). Ab und zu den superpädagogischen Spruch fallen lassen: „Toll, dass du dich langweilst – dabei kommen einem die besten Ideen!“ Meine Kinder sind jetzt 5 und 7 und können (meistens) richtig gut für sich spielen, was einem das Leben als Eltern echt erleichtert. Ich glaube aber auch, dass es nur zu einem Teil Gewöhnung oder Erziehung ist und zum anderen Veranlagung – es fällt nicht allen Kindern gleich leicht, sich selber zu beschäftigen. Aber wenn sie Gelegenheit dazu bekommen, haben sie zumindest die Chance, es zu lernen.
    lg, Mirjam (deren Kinder gerade jetzt, wo sie sich an den Compi gesetzt hat, beschlossen haben, ihr selbstständiges Spiel zu beenden…)

  4. Kinder derart ins Zentrum der erwachsenen Aufmerksamkeit zu rücken, finde ich sehr problematisch. Denn eben, mit anderen Kindern spielt es sich doch viel aufregender, nur dass es heute leider meist kaum welche gibt. Wir sind damals einfach 2 Häuser weiter gegangen und haben nach den Freunden geklingelt und uns dann gemeinsam in den Wald getrollt…

  5. Langweile ist gaaanz wichtig für die Entwicklung von Kreativität und Fantasie. Es ist quasi der Freiraum, den wir unseren Kindern zur eigenen Entfaltung anbieten. Die ersten 5 Minuten wird gequengelt, da muss man einfach durch und dann kommt der Flow :-)

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