Mamas zwischen Schreibtisch und Spielplatz Teil I

Ich bin eine berufstätige Mutter. Working mum, wie man neudeutsch so schick sagt. Ich arbeite und ich habe ein Kind (ganz bald zwei). Das heißt: Ich bin in zwei Welten zuhause. Vormittags bin ich die am Schreibtisch. Die sich professionell am Telefon meldet, mit der Arbeitsstimme, ein bisschen tiefer (soll ja seriös kommen) spricht, ruhig und langsam, wohl formulierte, höfliche Emails schreibt, To-Do-Listen abarbeitet und wichtige Dinge in wichtige Ordner heftet mit wichtiger Miene, versteht sich, und dann auf der Tastatur rumklappert und ihre Artikel schreibt. Dass das nicht immer ganz einfach ist, habe ich ja schon unter https://ganznormalemama.wordpress.com/2013/10/31/das-mama-dilemma-im-home-office/ geschrieben.

Spagat zwischen Beruf und Familie – nicht immer gelingt die Vereinbarkeit

Das ist meine Arbeitswelt. Auf der Suche nach der viel zitierten Vereinbarkeit. Zwischen 14 und 15 Uhr wird dann der Rechner runtergefahren, der Laptop-Deckel zugeklappt, ein Haken hinter die wichtigsten Tagesordnungspunkte auf der Zu-Erledigen-Liste gesetzt (naja, leider nicht immer so viele Haken, wie man sich morgens noch vorgenommen hatte). Ein Kaffee wird getrunken, sozusagen der Übergang zwischen Welt I und Welt II. Denn dann geht es los in Welt II. Die praktischen Schuhe werden angezogen, der Anorak für den Winter und an der Tür der Tagesmutter geklingelt.

Mama, was machen wir heute?“

Tief durchatmen, die professionelle Arbeitsstimme abschalten und die Mama-Stimme einschalten:

Erst auf den Spielplatz gehen und dann noch ein bisschen im Park Blätter sammeln?“

Die Mama-Stimme ist viel weicher, langsamer, mit diesem Mama-Sing-Sang und was so alles dazugehört. Sie passt zu bequemen Schuhen mit sandverklebter Sohle und Sandkastenförmchen. Die wichtige Miene habe ich gegen das Mama-Gesicht getauscht. Das lächelt viel und lacht und findet klebrige Kinderküsse super.

Willkommen auf dem Spielplatz! Hier gibt es keine Laptops, hier gibt es keine Telefonstimme, keine To-Do-Listen. Nur Sandburgen, Rutschen und die großen Dramen des Kinderalltags: Meine Schaufel ist weg. Der hat mich geschubst. Wieso darf ich nicht rutschen? Mama, ich will aber noch nicht nach Hause. Es werden Schrammen bepustet, Sandkuchen gegessen, Hilfestellungen auf dem Klettergerüst gegeben und blankgeputzte Kastanien bewundert. Mit anderen Mamis redet man übers Trockenwerden und regt sich über die Wartezeit im Sprechzimmer des Kinderarztes auf.

Auf dem Spielplatz wird noch weitergearbeitet – zumindest am Telefon

Bis das Handy klingelt. Das mobile Büro ist als Freiberuflerin immer dabei. Meine Interviewpartner, Kunden oder andere Geschäftspartner wissen nicht, dass mein Büro nachmittags zu ist. Auf in den Spagat zwischen Beruf und Familie! Schnell den Sand von den Fingern kratzen, Handy unters Kinn, dem Kind noch schnell mit einer Hand die Nase geputzt und anerkennend dem Sandkuchen zugenickt. Von Mama-Stimme auf Arbeitsstimme schalten, schön tief und seriös:

Ja, hallo?“

Noch eine Nachfrage zum gerade abgegebenen Text? Ja, kein Problem. Hab ich doch alles im Kopf. Ja. Ja. Mache ich sofort. Eine Email kommt. Auflegen, Arbeitsstimme abstellen, dem Kind zur Rutsche hinterhereilen („Mama, kommst du endlich?“) und im Kopf notieren: „Email an XY schreiben mit der Bitte um ein größeres Foto.“ Nicht jeder versteht, wenn man hier als Ausrede sagt: „Bin grad auf dem Spielplatz, mache ich erst morgen.“

Natürlich habe ich diese Notiz in den nächsten fünf Minuten vergessen und erst eine halbe Stunde später an der Supermarktkasse fällt sie mir wieder ein. Zwischendrin mal schnell eine Mail tippen (Danke Herr für diese Smartphones!) und abschicken. Feierabend!

Karriere und Kind unter einen Hut bringen heißt gleichzeitig leben in zwei verschiedenen Welten

Ich weiß nicht, ob es für Männer auch so ist: dieses Eintauchen in Parallelwelten. Dieses Beides-Sein: Mutter und Teilnehmerin an der Arbeitswelt. Ein täglicher Spagat, der einen manchmal in den Wahnsinn treiben kann. Und gleichzeitig so erfüllt. Denn missen möchte ich keine der beiden Welten.
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2 Kommentare zu “Mamas zwischen Schreibtisch und Spielplatz Teil I

  1. Pingback: Arbeiten mit Baby und Kleinkind – wir Mamas sind Organisationstalente! | Eine ganz normale Mama

  2. Hallo Nathaliek,
    Du hast ja so recht. Die Arbeits- und die Mamawelt unterscheiden sich teilweise doch sehr. Aber ich merke, dass ich sie immer öfter vermische: in die Arbeit bringe ich jetzt deutlich mehr Emotionen ein, als vor der Geburt. Irgendwie kann ich da wohl die „Mama-Seite“ nicht mehr richtig abstellen (letztens habe ich vor meinem Chef geweint). Und etwas Rationales und Ordentliches (vgl. Checklisten) sind ja auch in der Mama-Welt nicht schlecht: Wäschewaschen (Häkchen), Bad putzen (Häkchen), Kind aus Kita abholen (Häkchen) … 😉
    Und viel Glück übrigens für die bevorstehende Geburt!
    Viele Grüße, Wiebke

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