Einmischen, wenn Kinder streiten: „Nun gib ihm doch die Schaufel zurück“

Achja, der Spielplatz. Ein Treffpunkt von Müttern und Kindern. Von ganz verschiedenen Müttern und ganz verschiedenen Kindern. Von unterschiedlichsten Auffassungen darüber, wie man die Kinder erziehen sollte (siehe auch: Das große Fressen). Die große Frage, die über einem Spielplatz fliegt wie ein Schwarm Krähen: Einmischen, wenn die Kinder streiten – ja oder nein?!

Über das Thema Einmischen beim Streit sind sich die Mütter absolut uneinig und je kleiner die Kinder, umso mehr mischen sich die Mütter in die Streitereien ihrer Kinder ein…

Da sind zum Beispiel die Mamas, die sich als streitbarer Anwalt ihrer lieben Kleinen sehen. Der ungezogene Junge mit der Kapuze hat meiner Mia den Eimer weggenommen! Mia weint und meckert und guckt auffordernd zur Mama. Die reagiert sofort: Diebstahl, bitte einschreiten, aber ruckizucki! Das geht aber so nicht. Man kann doch nicht anderen einfach etwas wegnehmen. Wo kommen wir denn da hin.

Einmischen wenn Kinder sich streiten

Wer hat wem die Schaufel weggenommen? Wann sollte man sich beim Streit unter Kindern einmischen?

Helikoptereltern im ständigen Einsatz für ihre Kinder

Versuch Nummer eins in Sachen Einmischen:

Nun gib Mia doch die Schaufel zurück.

Der Junge mit der Kapuze denkt gar nicht dran, buddelt eifrig weiter Sand in Mias Eimerchen und bewirft die weinende Mia dabei auch noch mit Sand.

Das ist Mias Schaufel. Man nimmt anderen keine Sachen weg. Gib die sofort zurück. Mia ist schon ganz traurig.

Auch diese Argumentation interessiert den Jungen mit der Kapuze nicht wirklich. Er hat den Eimer und er buddelt doch grad so toll. Er dreht den Eimer um und präsentiert Mia stolz seinen Sandkuchen.

Nun reicht es der Mama. Nein, so geht das nicht. Helikoptermama schreitet ein! Sie schnappt sich den Eimer, ignoriert den protestierenden Jungen und drückt ihn Mia in die Hand, die sich aber eigentlich gar nicht mehr für den Eimer interessiert, sondern schon Ersatz in einer Kuchenform gefunden hat. Diese Mutter hat sich ganz umsonst eingemischt in den Spielplatzkonflikt.

Kinder müssen lernen, Konflikte selbst auszutragen

Alltag auf unseren Spielplätzen. Die Mamas sehen sich als Anwälte ihrer Kinder, sind stets bereit einzuschreiten und den Kindern bei Auseinandersetzungen beizustehen. In jeden Streit unter Kindern wird sich eingemischt.

Wenn man als Mutter eher abwartet und sich nicht in den Streit der Kinder einmischt, dann bekommt man schon mal die einen oder anderen bösen Blicke zu spüren. Die noch böser werden, wenn man das eigene Kind nicht dazu auffordert, doch bitte SOFORT die Schaufel zurückzugeben.

Mischt man sich nicht in die Streitereien der Kinder ein, wird man viel zu oft als Rabenmutter abgestempelt

Ich bin der Überzeugung, dass Zweijährige so etwas schon gut unter sich regeln können. Zweijährige können kleine Konflikte selber lösen. Sie können sprechen, mal mehr mal weniger gut, aber sich zumindest austauschen. Und sie können in diesem Alter durchaus schon solche Dinge unter sich klären. Manchmal entstehen daraus auch ganz andere Lösungsansätze als wir Erwachsene uns ausdenken. Und oft endet das Ganze so, dass die Kinder sich entschließen, gemeinsam zu spielen und sich die Spielsachen teilen. Man muss nicht immer einschreiten und sich in den Streit einmischen. Abwarten und beobachten kann auch gut sein. Aber das ist nicht so einfach, wenn sich die Mehrheit der Mütter-Blicke auf einen richtet, weil man das eigene Kind der armen kleinen Mia die Schaufel wegnehmen lässt.

Man muss sich nicht immer gleich einmischen, wenn die Kinder streiten. Einfach mal abwarten, beobachten. Und solange sie sich nicht die Köppe einschlagen, auch mal machen lassen. Oder wie seht Ihr das: Mischt Ihr Euch ein, wenn sich Eure Kinder streiten?

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5 Kommentare zu “Einmischen, wenn Kinder streiten: „Nun gib ihm doch die Schaufel zurück“

  1. Pingback: Die besten Mama-Sprüche auf dem Spielplatz: Juhu! Kamikaze! Ab zur Rutsche! Und zur Schaukel! Na los! | Eine ganz normale Mama

  2. Für mich ist das noch eines der unbeantworteten Themen. Eigentlich bin ich ganz bei dir, wenn du sagst, die Zweijährigen können das unter sich aushandeln. Andererseits denke ich dann an einen etwas größeren Jungen, der permanent andere Kinder schlägt oder ihnen etwas wegnimmt. Da bin ich dann nicht einverstanden, wenn die Mutter sich zurücklehnt und sagt: „Das müssen die Kinder unter sich klären.“
    Ich bin also zwiegespalten: Soll man es als Mutter ignorieren, wenn das eigene Kind gebissen und gehauen wird, weil beide einen Gegenstand haben wollen? Soll ich es ignorieren, wenn mein eigenes Kind das tun sollte?
    Ich bin immer ein Fan von Eigenständigkeit. Meist frage ich mich dann, wie es Kinder vor 50 Jahren gemacht haben. Da wurden sie meist mit zwei Jahren schon zum Spielen mit den anderen vor das Haus gesetzt. Da gab es keine Eltern, die ständig eingegriffen haben. Aber die Mütter saßen auch nicht stumm daneben und haben zugesehen, wie ihre Kinder malträtiert werden.
    Ich habe aber auch den Eindruck, dass dieses Phänomen des „hauenden, terrorisierenden Kindes“ so richtig erst auftritt, seit wir Mütter ständig dabei sind und eben einige deshalb denken, sie müssten der Mutter etwas beweisen oder wären aufgrund ihrer Anwesenheit unantastbar.
    Bisher bin ich eingeschritten, wenn meine Tochter gehauen oder gebissen wurde. Ich habe dann entweder ernst mit dem anderen Kind gesprochen oder unter ihnen vermittelt, so dass jeder den Gegenstand kurz bekam und beide zufrieden waren.
    Aber zu einer generellen Lösung bin ich noch nicht gekommen.

    http://erziehungsluecke.de

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    • Das sehe ich genau wie Du: Wenn es um Gewalt geht, schreite ich ein. Hauen, Beißen, Schubsen, mit etwas Bewerfen ist nicht in Ordnung, das sollen die Kinder auch lernen. Vor allem wenn Ältere sich über Kleinere hermachen, ist wirklich Schluss mit lustig! Wobei ich es erst bei einer Ermahnung belasse und wenn es dann nicht besser wird, die Streithähne auch trenne. Ich denke aber zb beim Schubsen muss man auch unterscheiden, ob es ein eher Spielerisches ist, bei dem man nebenbei mal „umfällt“ oder mit voller Absicht. Sobald etwas mit voller Absicht passiert, ist Schluss, finde ich. Mein Sohn ist manchmal allerdings etwas übermütig und will eigentlich nur jemanden umarmen – dabei fällt dann manchmal jemand um. Dann sage ich nur „vorsichtig“, aber ich schreite nicht weiter ein. Er meint es ja eigentlich nur gut…
      Aber wenn es darum geht, dass man jemanden mal die Schaufel wegnimmt oder eine Sandform nicht hergeben will oder viellicht auch das letzte Apfelstück geklaut hat, dann sollten es die Kinder unter sich ausmachen. Solange sie ungefähr gleich alt und gleich stark und gleich weit sind, was Kommunikationsfähigkeiten betrifft. Wenn ein Sechsjähriger einem Zweijährigen die Schaufel wegnimmt, ist das auch etwas anderes.

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  3. Ha! Endlich mal jemand der GENAU so denkt wie ich! Exakt so ist es. Kinder können so viel mehr als wir annehmen. Und manchmal können WIR noch was von ihnen lernen… 🙂
    Diese armen Muddis, die du oben beschrieben hast….

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