Weihnachten ohne Stress? Ja. Wenn wir uns aufs Tempo unserer Kinder einlassen.

So ein Stress. So viel zu tun. So viele Termine. So viel muss noch besorgt werden. Sätze, die ich zurzeit überall höre. Es scheint, als ob alle nur auf dem Sprung sind, in Gedanken ellenlange To-Do-Listen abhaken, das Haus dekorieren und dabei vor allem eines auf der Strecke bleibt: die Gemütlichkeit. Dabei ist der Dezember doch eigentlich die gemütlichste Zeit im Jahr. Die Zeit, in der man es sich zuhause heimelig macht, das Haus schmückt, gemeinsam backt, singt, Geschichten vorliest, einen Tannenbaum kauft, die Adventskerzen anzündet – jede Familie hat da ihre eigenen Traditionen. Und trotzdem artet die Adventszeit bei vielen einfach nur in Stress aus und wird zur Belastungsprobe für Ehen. Wieso ist das eigentlich so? Wann ist es so geworden? Ich mache da bewusst nicht mit. Ich ziehe mich in diesen vier Wochen mit meiner Familie zurück, wir machen es uns im Haus gemütlich, dekorieren Stück für Stück nach Lust und Laune, zelebrieren das Backen, kümmern uns dabei nicht ums Chaos. Weihnachtsfeiern sehe ich als Möglichkeit, nett beisammen zu sitzen und nicht als Pflichtausübung. Seit ich Kinder habe, nehme ich bewusst das Tempo raus im Dezember. Und mache einfach das, was meine Kinder machen: Mit staunenden Augen auf die Lichter schauen, Kinderpunsch trinken und mich auf den Heiligen Abend freuen.

Der richtige Zauber von Weihnachten hat sich mir tatsächlich erst erschlossen, seit ich Kinder habe. Die leuchtenden Augen, die Geschichte vom Weihnachtsmann, diese kribbelige Vorfreude, das Öffnen des Adventskalenders, diese Hingabe beim Plätzchenbacken und Dekorieren. Weshalb ich auch schnell davon abkam, Weihnachten so zu feiern, wie ich es für richtig hielt – sondern so, wie es meinen Kindern am besten gefällt. Es ist ihr Fest! Ihre Augen sollen leuchten – denn wie sie das tun, dann leuchten auch meine!

Ich liebe diese kribbelige Vorfreude auf Weihnachten, die uns den ganzen Dezember über begleitet. Ich liebe es, wie meine Kinder, also mittlerweile leider nur noch die Kleine und der Mittlere hinter jedem Rascheln einen Wichtelbesuch vermuten. Ich liebe es, wenn sie morgens aus dem Bett springen und zum Adventskalender laufen. Wer weiß, vielleicht wurde der ja genau deshalb erfunden: Um das Aufstehen im dunkelsten Monat zu erleichtern?! Der Dezember ist wie dazu geschaffen, sich ein wenig einzuigeln, Apfelpunsch auf den Herd zu stellen, zu backen, alles Süße aufzufuttern, Lichterketten und Kerzen anzuzünden, Weihnachtsgeschichten vorzulesen und sich dabei unter einer Wolldecke zu verkriechen. Ein wenig mehr nach innen zu schauen als nach außen, sich zu besinnen auf die Menschen und Dinge, die einem wichtig sind. Ich liebe es, in den Wochen vor Weihnachten eine Art Kokon um uns zu spannen, in den wir uns verkriechen und allenfalls für einen Weihnachtsmarktbesuch und für liebe Verwandte und Freunde hervorkriechen.

Aber eben diese gemütliche Zeit ist oft so voller Termine und Herum-Geeile. Weihnachtsfeier hier, Geschenkebesorgen da, Karten schreiben, das Weihnachtsmenü planen und dann lauter Pflichtverabredungen, weil man es das ganze Jahr lang nicht geschafft hat, ein schlechtes Gewissen hat und es nun noch kurz vor dem Jahreswechsel schaffen möchte.

Diesen Stress hat doch diese schöne Jahreszeit gar nicht verdient!

Und deshalb habe ich das Entschleunigungsprogramm angeworfen. Da wir in keinen Vereinen sind, sind wir in Sachen Weihnachtsfeiern fein raus. Und die in Kindergarten und Schule finde ich nett. Man klönt, trinkt Kinderpunsch, hört den Kindern beim Singen zu. Gemütlich! Karten schreibe ich seit Jahren nur noch an die Allerliebsten. Ansonsten gibt es Emails, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Handhaben ja auch die meisten Firmen so. Unser Weihnachtsmenü? Entscheiden wir relativ spontan. Und ganz ehrlich: Die Kinder wollen eh so schnell wie möglich mit ihren Geschenken losspielen und nicht lange am Tisch sitzen. Ganz abgesehen davon, dass sie es am besten finden würden, wenn es Spaghetti Bolognese gibt. Oder Fischstäbchen. Wobei etwas Festlicher darf es dann doch sein…aber trotzdem entspannt, ohne Stress, ohne abzudrehen, damit Zeit bleibt für die Kinder, die Familie, das Geniesseb.

Weihnachten ohne Stress und Verpflichtungen

Pflichtverabredungen? Verschiebe ich auf Januar. Oder Februar. Oder lasse sie ganz… denn, wen man nur aus  Pflichtgefühl trifft, muss man vielleicht gar nicht unbedingt treffen. Ist eine Überlegung wert. Bleibt das Geschenkebesorgen. Abgesehen davon, dass ich versuche die Materialschlacht in Grenzen zu halten, weil ich beim Höher, Schneller, Weiter nicht mitmachen möchte. Ich gestehe: Was Geschenke betrifft bin ich nicht gut. Ich bin furchtbar unkreativ. Was nicht heißt, dass meine Geschenke nicht von Herzen kommen. Aber mir fällt nichts ein! Für die Kinder ist es leicht. Das mache ich zwischendurch, da ist es ganz gut, direkt in der Innenstadt zu wohnen und mal hier, mal da, was zu kaufen, aber nicht zu viel, Geschenke sollen etwas Besonderes bleiben. Für solche Leute wie Erzieher usw bin ich sehr unkreativ und greife meistens zu Marzipan oder Pralinen. Da bin ich auch ein Stückchen bequem, aber es kommt vom Herzen und ich weiß, dass man sich drüber freut! Abgesehen davon, dass man es bequem beim Einkauf im Supermarkt mitnehmen kann, also auch da wenig Stress hat.

Bleibt das Geschenkeverpacken, wozu ich gar kein Händchen hab. Ich bin froh, dass meine Kinder das Papier eh nur aufreißen und keine Augen für ein hübsches Drumherum haben. Deshalb bin ich da recht schnell am Verpacken und lasse Geschenkbänder ganz weg, ist auch aus Umweltgründen eine gute Sache. Und lässt sich schneller öffnen, was gerade für Kinder wichtig ist! Statt alles am Abend vorher einzupacken, bin ich dazu übergegangen sie Stück für Stück zu verpacken. Reduziert den Stress. Und man weiß rechtzeitig Bescheid, wenn man nicht genug Geschenkpapier besorgt hat und kann nachkaufen!

Was mir den Stress in der Weihnachtszeit deutlich reduziert hat: Ich habe mich auf das Tempo meiner Kinder eingelassen. Versuche über die Lichter zu staunen so wie sie. Ich lasse mich durch die  bunte Vorweihnachtszeit treiben. Werfe eigene Ansprüche über Bord. Lasse sie dekorieren, auch wenn ich manches vielleicht anders machen würde. Lasse sie basteln, wenn sie wollen. Und wenn sie nicht wollen, ist das auch ok. Lasse sie so Plätzchen verzieren, wie sie wollen. Und lege ein paar dezenter dekorierte Plätzchen für mich und den Gatten zur Seite. Ich lasse mehr zu als sonst im Jahr, lasse sie auf dem Weihnachtsmarkt Mutzen essen, mit viel Puderzucker, danach Karussell fahren und einen Kinderpunsch trinken. Und weil es Weihnachten ist und ich gut drauf bin, dürfen sie dann noch eine Bratwurst essen. Mit viel Ketchup. Das darf sein, das muss doch auch irgendwie sein. Nicht jeden Tag. Versteht sich. Sonst wäre ich Heiligabend pleite… aber dafür gebe ich auch keine wahnwitzigen Geldsummen für Geschenke aus. Die Kinder haben eh fast alles, ist doch so, da investiere ich lieber in Erlebnisse und erfülle die größten Wünsche statt aller.

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Oh du kuschelige Weihnachtszeit!

Weihnachten ist schön. Es ist kuschelig und es ist die Zeit, einfach mal Fünfe grade sein zu lassen. Die Dinge lockerer zu sehen. Einen Gang rauszunehmen. Und sich von Perfektion zu verabschieden. Wer sagt denn, dass das Haus so aussehen muss wie in der Einrichtungszeitschrift?! Dass die Plätzchen so aussehen müssen wie in den ganzen Foodblogs? Hey Leute, Ihr glaubt gar nicht, wie gemütlich so eine Krippe aussieht, wenn neben dem Jesuskind ein Legopolizist steht und die Heiligen Drei Könige mit einem Feuerwehrauto ankommen. Und ein Puppentöpfchen neben der Krippe ist doch unglaublich aufmerksam, irgendwann muss ja auch Maria mal auf Klo.

Also, nutzt die Weihnachtszeit doch einfach dazu, es Euch mit Euren Kindern gemütlich zu machen. Lasst die Welt draußen sich schneller und schneller drehen, kauft weniger Geschenke, dafür bewusster, schaltet das Radio ein und tanzt mit Euren Kindern zu „Last Christmas“. Und lasst Eure Kinder danach hemmungslos viele Plätzchen mit noch viel mehr Streuseln essen. Das darf sein! Ich finde, Weihnachten sollte auch dazu da sein, mal nach innen zu schauen, sich auf die Liebsten zu besinnen und das, was wichtig ist.

Kennt Ihr schon meine Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

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3 Kommentare zu “Weihnachten ohne Stress? Ja. Wenn wir uns aufs Tempo unserer Kinder einlassen.

  1. Ich fühle mich dieses Jahr wirklich platt… Nächstes Jahr muss ich auch mal schauen, wie ich die Zeit für mich auch entspannter hinbekomme. Du gibst gute Anregungen, es ist nur schwierig, das alles aufs eigene Leben zu übertragen. Gerade Freunde treffe ich in der Weihnachtszeit gern, weil es die Gelegenheit ist, einander zu sehen (die meisten sind Weihnachten in der Heimat). Also: jetzt oder nie? Auch wenn es etwas dramatisch klingt, werde ich einige tatsächlich sonst erst in zwei Jahren wiedersehen.

  2. Liebe Nathalie, Deine Texte sind immer eine willkommene Einladung, zu reflektieren und mal einen Schritt rauszutreten und darüber nachzudenken, was man selbst so macht.
    Zu Weihnachten gehört für mich allerdings schon auch Familie, Trubel und irgendwie Festlichkeit dazu. Das haben wir als Kinder so erlebt und genossen, das erhalten wir aufrecht und unsere Kinder so vielleicht auch. Stressig finde ich das im Übrigen nicht. Beschenkt werden nur noch die Kinder und der Schwerpunkt liegt für uns schon lange in dem Wiedersehen, den Gesprächen, Spaziergängen und natürlich auch leckerem Essen in grosser Runde. Sich über die Feiertage zu isolieren ohne Familie zu treffen fände ich irgendwie traurig.

    Ich habe ein Kind, nicht drei, so dass der Stress und die Erwartungen daher vielleicht geringer sein mögen. Auf dem Weihnachtsmarkt drei Kindern jede Karussellfahrt, Mutzen, Punsch und Bratwurst ermöglichen zu können ist sicher toll und das möchten sicher alle Eltern. Vor und an Weihnachten haben vor allem Kinder Wünsche und Sehnsüchte, und um Kinderaugen strahlen zu lassen möchten Eltern so viele wie möglich erfüllen. Dabei finde ich es stark, wenn man die weihnachtliche Materialschlacht und Konsum in Grenzen hält und leuchtende Augen und Weihnachtszauber durch Beisammensein, Spielen und Zeit füreinander schafft.
    Liebe Grüße , Anna M.

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