Bin ich als Mutter spießiger als früher?

Eigentlich bin ich ein recht toleranter Mensch. Aber die Toleranz hört auf, wenn Autos durch unsere Spielstraße rasen. Oder über die rote Ampel gehen, obwohl ich mit meinen Kinder artig warte. Und erst recht, wenn auf dem Bürgersteig ein Hundehaufen liegt – und so richtig auf 180 bin ich, wenn jemand auf dem Spielplatz raucht. Bin ich spießiger geworden, seit ich Mutter bin? Nein, ich achte einfach auf andere Dinge als früher. Und ja. Vielleicht doch. Weil ich auch irgendwie erwachsener geworden bin, seit ich nicht nur für mich Verantwortung trage. Beispiele gefällig…?

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Wir wohnen in einer idyllischen Altstadtstraße, die deutlich als Spielstraße gekennzeichnet ist. Was bedeutet, dass man hier nur Schrittgeschwindigkeit – also 7 Kilometer pro Stunde – fahren darf. Und Fußgänger Vorrang haben. Das heißt, wenn ich die Straße überquere, müssen die Autos anhalten. Nun, entweder kennen viele Autofahrer die Straßenverkehrsordnung nicht richtig. Oder es ist ihnen schlicht egal. Denn viele rasen hier übers Kopfsteinpflaster, dass ihre tiefergelegten Autos aufsetzen, und achten einen Dreck darauf, ob da gerade zwei Kinder am Fahrbahnrand stehen oder nicht.

Ist es spießig, sich übers Zuschnellfahren aufzuregen?

Früher hätte ich mich innerlich aufgeregt. Nun, früher bin ich auch gerne mal ein bisschen zu schnell gefahren. 20 Km/h zu schnell, Kavaliersdelikt, so lange ich keinen Punkt bekam, war es mir egal. Ich gebe es zu, als Fahranfänger mit jungen 18 Jahren, dachte ich ja sogar, dass man diese 20 km/h auch immer schön auszunutzen hat. Heute sehe ich das anders. Da schimpfe ich auch schon mal vor mich hin wie ein Rohrspatz, wenn hier so ein Raser langfährt. Und winke denen auch mal aufgeregt hinter her. Was denen natürlich schietegal ist. Wenn ich einen richtigen Motztag habe, kommt es auch vor, dass ich mal jemanden anspreche, wenn er parkt: „Hören Sie, das ist eine Spielstraße hier!“ Ja und wenn ich hier selbst durchfahre und hinter mir so ein Raser an der Stoßstange klebt, dann bremse ich extra viel und fahre gaaaanz langsam.

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Seit ich Kinder habe, bin ich spießiger geworden, könnte man denken. Ich halte mich an Geschwindigkeitsregeln, blinke vorschriftsmäßig, mittlerweile sogar, wenn niemand hinter oder vor mir ist. Ich bin ja auch ein Vorbild. Und ich will nicht, dass mir oder den mitfahrenden Kindern etwas passiert. Nein, ich finde es nicht spießig. Ich bin einfach vernünftig geworden!

Ist es spießig, wenn man keine Hundehaufen mag?

Ebenso regt es mich auf, wenn Leute ihren Müll neben den Altpapiercontainer werfen. Früher habe ich da gar nicht so drauf geachtet. Heute macht es mich rasend. Können die nicht lesen?! Haben die keine Mülltonnne zuhause? Ja, ich mecker manchmal auch Leute an, wenn ich sie dabei „erwische“. Bin ich spießiger geworden? Hm. Vielleicht. Aber es ist mir einfach wichtig, dass meine Kinder nicht in einer vollgemüllten Welt aufwachsen!

Früher, in der Prä-Kind-Ära, habe ich einfach einen Bogen um Hundehaufen auf dem Gehweg gemacht. Aber habt Ihr mal Hundekot von Kinderschuhen gewischt? Kinder achten beim Laufen auf andere Sachen. Da interessiert der Regenwurm mehr als der Hundehaufen, der gleich daneben liegt. Und als Mutter kannst du gar nicht so schnell gucken, wie die Füßchen durch so einen Haufen patschen. Sehr eklig ist es auch, die stinkende Masse von einem Kinderwagenreifen zu kratzen, vor allem, wenn das so richtig in das Profil… ich erspare die Details.

Jedenfalls machen mich Hundehaufen auf dem Gehweg wütend! Können die Leute die Sch… ihres Hundes nicht wegräumen?! Wozu gibt es überall die Beutelchen?! Ist  es denn zuviel verlangt? Ja, so mecker ich dann vor mir her. So wie die Meckeromas, über die ich mich früher innerlich so lustig gemacht habe. Und siehe da: Kaum hab‘ ich Kinder, bin ich selbst so spießig geworden. Ist das wirklich spießig? Ich finde nein. Ist es spießig, wenn man es leid ist, in die entschuldigt bitte das Wort, die Kinder lesen ja nicht mit, Kacke anderer Leute Hunde zu treten!

Bitte mehr Rücksicht aufeinander!

Ich weiß nicht, ob ich wirklich spießiger geworden bin, seit ich Kinder habe. Ich bin aufmerksamer geworden. Es ist mir wichtiger geworden, wie die Welt aussieht, in der meine Kinder leben. Und gute Umgangsformen sind mir dabei besonders ans Herz gewachsen, denn ich will, dass auch meine Kinder sie einmal pflegen, dass man merkt, dass sie eine gute Kinderstube haben. Deshalb quellen aus meinem Mund so Sätze, die ich früher auch nervig fand: „Mit Messer und Gabel essen! Die Hand gehört nicht unter den Tisch. Der Fuß gehört nicht auf den Tisch. Kannst du nicht bitte sagen?“

Es gibt so viele Dinge, auf die ich achte, seit ich Kinder habe. Ich rege mich auf, wenn im Kaufhaus nimand einer Frau mit Kinderwagen die Tür aufhält. Wenn keiner hilft, den Buggy ein paar Stufen hochzuheben. Ich meckere darüber, wenn Jugendliche sich auf dem Fußweg so breit machen, dass man mit Kinderwagen nicht an ihnen vorbeipasst.

Rauchen auf dem Spieplatz geht gar nicht!

Aber was mich so richtig in Rage bringt: Wenn jemand auf dem Spielplatz raucht! Das macht man einfach nicht. Zigarettenstummel im Sandkasten sind das letzte! Da schreite ich jedes Mal ein. Wie ich finde, noch recht höflich. Und Jugendliche, die dort abends sitzen und Wodka trinken und rauchen, die spreche ich auch an. Obwohl ich um die Zeit mit den Kindern gar nicht zum Spielen dahin gehe. Aber es geht ums Prinzip. Ist das spießig? Vielleicht ein bisschen. Aber man will ja, dass seine Kinder in einer anständigen Umgebung aufwachsen!

Ist das spießig? Nein. Es geht um das Miteinander, es geht um die Rücksicht aufeinander. Denn viele Regeln haben ihren Sinn. Und deshalb sollten wir sie einhalten. Das hat nichts mit Spießigkeit zu tun, sondern lediglich damit, dass ich will, dass meine Kinder in einer schönen Welt aufwachsen.

Oder wie seht Ihr das? Seid Ihr spießiger geworden, seit Ihr Kinder habt?

4 Kommentare zu “Bin ich als Mutter spießiger als früher?

  1. Ich sehe es so wie du: Es geht um Rüücksichtnahme. Manche verwechseln das mit Meckern und Spiessigsein, aber en bischen mehr Rücksicht auf einander würde uns allen gut tun! DDanke für einen Text! Ich finde deinen blog übrigens klasse, er ist einer meiner Lieblingsblogsgeworden! Weiterso!

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  2. Ein Hallo aus München.
    Ich denke mir auch oft, wie spießig ich doch geworden bin…
    Egal ob rüpelhafte Autofahrer. Leute die bei rot über die Straße laufen. Oder Hundebesitzer, die ihre Hunde leinenlos über den Spielplatz rennen lassen. Ich kann auch nicht die Klappe halten.

    Es beruhigt mich, das es anderen genauso geht. Und schade, das es überall das gleiche ist.

    Grüße
    Lydia

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  3. Ich habe dem nichts hinzuzufügen! Als Lübeckerin kenne ich auch insbesondere das Hundehaufen-Debakel. Es ist widerlich! Bei uns im Bornkamp/Hochschulstadtteil gibt es ein paar wirklich nette Spazierwege, auf den aber mind. jeden Meter ein Haufen liegt. Und überall sind doch Kinder, ich versteh da die Hundehalter nicht. Ich „freue“ mich schon darauf wenn mein Sohn laufen kann und den Wegesrand erkunden will. :-/

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