10 Dinge, die ich von meinen Kindern gelernt habe

Was würde ich nur ohne meine Kinder machen? Wie langweilig war das Leben ohne sie! Und wie unglaublich viel lerne ich von Ihnen – geht es Euch auch so? Teilweise sind das ganz erstaunliche Sachen. Also ich meine jetzt: wirklich erstaunliche Sachen. Die ich ohne meine Kinder gewiss nie gewusst hätte!

Kind krabbelt weg

Immer hinterher… Kinder sind uns weit voraus und wir sind immer hinterher!

Entschleunigung

Der Klassiker, den man von seinen Kindern lernt,, den wahrscheinlich alle Eltern verzückt nennen: Entschleunigung. Darüber hatte ich ja mal hier geschrieben. Endlich mal runterkommen. Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Alles gemächlicher angehen. Eine Stunde für einen Weg von einem Kilometer brauchen. Weil man jeden Riss im Asphalt bewundert. Oder sich bemüht, nicht auf die Ritzen zwischen den Pflastersteinen zu treten. Weil man eine Ameise retten muss. Kinder versinken beneidenswert in einen „Flow“, wie man das so schön nennt, vergessen die Welt um sich herum, wenn sie spielen oder experimentieren. (ja, auch wenn es nur darum geht, Ketchup in der Apfelschorle aufzulösen – versucht da mal, Eurem Vierjährigen zu erklären, dass das Experiment nun vorbei ist, keine Chance, der  Junge ist im Flow!) Entschleunigung, ein großes Wort, etwas, wonach wir alle suchen. Etliche Zeitschriftentitel reißen sich darum, wer dem Leser am meisten davon bietet. Manager belegen teure Seminare oder stellen sich in den Stau am Jakobsweg, um Entschleunigung zu finden. Dabei muss man einfach nur mal mit einem Vierjährigen und einem Einjährigen zum Einkaufen gehen. Da bekommt man das volle Programm. Gratis. Mit Verlängerung.

Einfach nur den Sand durch die Finger rieseln lassen: Das entschleunigt ungemein.

Einfach nur den Sand durch die Finger rieseln lassen: Das entschleunigt ungemein.

Achtsamkeit

Auch so ein Klasssiker in Sachen „Von den Kindern lernen“, den ich gleich vorneweg nennen will. Und über den viele Artikel geschrieben werden: Achtsamkeit. Ach, was kann man hier für Seminare belegen. Workshops, Kurse, haufenweise Bücher. Man kann dafür viel Geld ausgeben. Oder man kommt mal einen Tag mit uns mit. Wenn jemand achtsam ist, dann sind es Kinder. Sie spüren den Wind, sie riechen ihn sogar („Es riecht heute aber kalt, Mama“). Sie können noch lauschen, bis die Amsel ihr Lied zu Ende gesungen hat. Und sie schmecken jede einzelne Zutat aus einem Gericht heraus („Da war eine Zwiebel in meiner Tomatensoße, Mama.“) Ja, Kinder sind sowas von achtsam. Sie haben das erfunden. Ganz ohne Anleitung.

Laut und schief singen.

Klar, das konnte ich schon vorher. Sogar ziemlich gut. Aber ich hatte ja keine Ahnung! Wie! Schief! und vor allem laut! man! singen! kann! Ohja. LAUT. Ohne Mikro. Und wisst Ihr was? Es macht riesigen Spaß! Nun ertappe ich mich neuerdings oft dabei, dass ich vor mich her singe, obwohl ich gar keine Kinder dabei habe. Allerdings nur schief, nicht laut. Glaube ich jedenfalls.

Einfach mal neue Regeln aufstellen, wenn einem die alten nicht passen.

Kinder sind so herrlich anarchistisch. Das kann tierisch nerven. Aber es ist auch wirklich beneidenswert. Wenn sie beim Spielen verlieren oder die Regeln einfach langweilig finden, dann denken sie sich einfach mal was anderes aus. Wie, eben war ich noch grün? Egal, jetzt bin ich rot, rot gewinnt. Ach, bei einer sechs muss man aussetzen? Quatsch, dann darf man doch eigentlich zweimal würfeln. Ja, man darf sowieso so oft würfeln, bis es passt. Oder wahlweise so viele Karten aufdecken, bis die richtige kommt. Wieso? Weil ich es sage.

Wir können so viel von unseren Kindern lernen

Pfützen zu lieben.

Ja, ich bin ein Wettergriesgram. Ich mag Sonne und Wärme. Regen liegt mir nicht. Diese ewigen Regentage – da wollte ich eigentlich immer schon zuhause bleiben. Mittlerweile habe ich Pfützen schätzen gelernt. Ich habe die Liebe zu den Pfützen tatsächlich von meinen Kindern gelernt! Wie  lustig sie platschen, wenn man reinhüpft. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Das ist kein blöder Spruch – seit ich Kinder habe, stimmt das tatsächlich. (naja meistens jedenfalls)

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Regen?! Egal! Ab nach draußen. Naja. Ich bemühe mich zumindest.

Selektives Gehör.

Oh, da sind Kinder gut drin, oder? Nur dass zu hören, was gerade passt und alles andere einfach rauszufiltern. Mama hält mal wieder einen Vortrag darüber, dass man Essen nicht auf den Boden wirft (siehe auch das Abendessen-.Bullshitbingo) – Ohren zuklappen, kenn ich eh schon die alte Leier. Wie, ich soll nicht die Gummibärchen in den Einkaufswagen packen? Hab‘ ich nicht gehört. Tja liebe Kinder! DAS habe ich von Euch ziemlich schnell gelernt. Und jetzt, wo Ihr reden könnt, schlage ich zurück. „Mama, ich will aber noch ein Eis essen!“ – wie bitte, hast Du was gesagt? Ich habe das irgendwie nicht gehört. „Mama, ich will aber noch ein Pixi-Buch lesen!“ – Einfach Ohren zuklappen und ein lustiges „So und jetzt putzen wir mal die Zähne“ flöten. Das nennt man auch „mit den eigenen Waffen schlagen“.

Kinder zeigen uns, was wirklich zählt im Leben

Die Texte von sämtlichen Kinderliedern.

Wahnsinn, was man sich so alles merkt! Auf einmal kann man sie alle „Das Krokodil vom Nil“ oder „Der Schneider fing ne Maus“. Die kompliziertesten Texte. Samt Bonusstrophe. Dafür habe ich eine ganze Menge aus dem Kopf verdrängt, um Platz für alle diese Liedtexte zu schaffen. Aber wer braucht schon Integralrechnung, wenn er „Eins, zwei, drei im Sauseschritt“ auswendig kann? Eben.

Es tut gut, die Wut einfach mal rauszuschreien.

Nein, keine Sorge. Ich werfe mich nicht auf den Boden und schreie „Ich will aber“, wenn ich beim Bäcker mein Lieblingsbrötchen nicht bekomme. Aber ich kann mir vorstellen, dass es sehr befreiend sein kann, wenn man seinen Frust einfach mal raus lässt. Mal so richtig rumbrüllt. Die Wand anbrüllt. Meine Kinder zeigen mir das täglich und so oft wie sie das tun, muss das ganz toll sein 😉

Dass Essen vom Boden nicht unbedingt schlecht sein muss.

Die Erdbeere ist runtergefallen? Egal. Muss man doch nicht wegwerfen. Sand abpusten und essen. Ach, so ein Sandkorn, der schmirgelt doch nur die Zähne glatt. Schmeckt doch lecker. Man wird echt hart im Nehmen. Klopfte man beim ersten Kind noch alles sorgfältig ab, nimmt man es beim zweiten schon nicht mehr so genau. Und bei sich selbst mal sowieso gleich gar nicht. Ich oute mich hiermit: Ich esse die angelutschten Bonbons meiner Kinder auf, die, die sie mir angeschmiert und angelutscht in die Hand drücken, weil sie Erdbeergeschmack ja gar nicht mögen.

Sich staunend über die Welt zu wundern – und alles zu hinterfragen.

Es ist doch so: Als Kinder wollen wir alles wissen. Warum, warum, warum. Lernen ist spannend, die Welt ist spannend! Aber dann holt uns die Realität ein, die Warum-Fragen werden weniger. Alles wird irgendwie selbstverständlich. Ja, Wasser fließt immer abwärts. Ist halt so. Im Herbst fallen die Blätter ab. Jedes Jahr wieder. Warum war das nochmal so? Ups, mal schnell nachschlagen. Auch das habe ich dazu gelernt: Nicht nur mich zu wundern. Sondern auch unheimlich viel Detailwissen, was schon lange in den Gehirnwindungen verschollen war und das man nun hervorkramt oder gleich mal schnell googelt (was haben eigentlich unsere Eltern gemacht, als man nicht einfach mal schnell das Handy hervorkramen konnte und nachschlagen konnte, wieso der Regenwurm auch in zwei Teilen weiterkriechen kann?). Ja und das ist noch so eine Sache, die ich gelernt habe…

Dinosaurier Schleichtiere Baustellenfahrzeuge Matchboxautos Kinderspielzeug

Und, könnt Ihr die Dinos alle korrekt bei ihrem Namen benennen? Falls noch nicht: Die Phase kommt noch.

(oh, schon die Nummer elf? Egal, heute gibt es Bonuspunkte!)

Eltern erkennt man auch an ihrem Detailwissen: Das über Dinonamen oder Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr

Sämtliche Dinosauriernamen.

Großartig. Den Tyrannosaurus bekommen Erwachsene meistens noch hin. Aber Eltern erkennt man daran, dass sie auch den Triceratops kennen. Oder den Stegosaurus. Und noch mehr Detailwissen habe ich mir angeeignet…

(noch ein Bonuspunkt, Leute, heute ist Euer Glückstag!)

Die korrekten Namen sämtlicher Baustellenfahrzeuge und Feuerwehrwagen.

Einsatzleitwagen, Drehleiterwagen, Grader, Muldenkipper. Die Liste könnte ich ewig so weiterführen. Ja, Ihr seht, ich habe zwei Jungs. Und bin schnell im Lernen. Diese Wörter gehörten, obwohl als Journalistin doch recht wortgewandt, bisher nicht in mein Repertoire. Nun bin ich richtig gut darin. „Tatütata, oh Mensch, schau mal, das kommt der Einsatzleitwagen, wow und gleich dahinter der Drehleiterwagen!“

Was ich bisher leider noch nicht von meinen Kindern gelernt habe…

…. Kellerasseln zu lieben. Diese Disziplin beherrschen meine beiden Jungs bestens. Bei mir überwiegt noch der Ekel. Aber meine Jungs machen es mir mit so einer geduldigen Ausdauer vor, wie man sich darüber freuen kann, wenn sie unter dem Blumentopf hervorkriechen und wie man sich vor ihnen vor Begeisterung auf den Boden werfen kann – aber nein, ich auf Augenhöhe mit einer Kellerassel? Da hört meine Lernfähigkeit auf.

Nun bin ich gespannt, was Ihr so zu berichten habt. Was habt Ihr von Euren Kindern gelernt? Nützliches, Beneidenswertes, Lustiges? Und wie kommt Ihr so mit der Vorliebe von Kindern für Regenwürmer und Kellerasseln klar? 😉

25 Kommentare zu “10 Dinge, die ich von meinen Kindern gelernt habe

  1. Man kann sich immer überall mit irgendwas beschäftigen,Langweile ist noch fremd.
    Wenn andere Krach machen tut es in den Ohren weh, eigener Krach tut nicht weh.
    „Ich brauch das Mama“, reicht als Begründung für alles.

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  2. Was ich von meinen Kindern gelernt habe…

    1. „Wichtige“ Themen, z. B. warum der Teddy uuuuuuunbedingt eine Hose anzuziehen hat, kann man problemlos morgens um 4 Uhr diskutieren!

    2. Kakao IST ein vollwertiges Frühstück!

    3. Kinder KÖNNEN tatsächlich lauter sein, als ein mit 10.000-Mann vollgepacktes Festzelt inkl. Liveband!

    4. Selbst wenn man unzählige große Schüsseln Wackelpudding in einen aufblasbaren Pool kippt…. man kann trotzdem nicht übers Wasser laufen!

    5. Wenn man ein Batman-Kostüm anhat und sich an den Deckenventilator hängt, man kann nicht fliegen. Der Deckenventilator übrigens auch nicht. Er verstarb viel zu früh….

    6. Wenn man die Klo-Spülung hört…. gefolgt von einem „Oh oh“, ist das nie ein gutes Zeichen!

    7. Mit „Penaten-Creme“ eingeschmierte Kinderpatschehände machen sich prima als Dekoration an der frischen gestrichenen Kinderzimmerwand.

    8. Jeder Mensch hat zwei (!!!) Mägen! Und in den einen Magen passt immer noch ein riesengroßer Nachtisch, auch wenn in den anderen kein Brokkoli mehr rein passt.

    9. Das neue Auto des Nachbarn ist ein übergroßer Magnet…. ständig bleiben Roller, Fahrräder und sogar Kinder dran kleben.

    10. Man kann erst aus der Badewanne kommen, wenn man „verschrumpelt genug“ ist.

    11. Eine Salamischeibe, die in den DVD-Player eingelegt wurde, kommt nicht im Fernsehen.

    12. Der Video-Recorder mag kein Butterbrot.

    Könnte noch so viel mehr erzählen…. Aber das reicht erst mal….

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    • Großartig! Danke Steffi! Das mit der Klospülung war bei uns letzten eine ganze Rolle Klopapier. Inklusive Papprolle. Mann, habe ich geschwitzt und Angst vor einer großen Verstopfung ghabt. Aber es ging alles gut. Wahnsinn.

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      • Na Gott sei Dank sind meine beiden jetzt schon etwas größer und kommen nicht mehr auf solche Ideen … jetzt kommt die Pubertät …. jetzt wirds erst richtig lustig…. Pubertät ist die Zeit, in der Eltern anfangen, schwierig zu werden… 😂

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  3. Wirklich wirklich wirklich schön geschrieben. Ich liebe den Punkt „Achtsamkeit“. Du hast Recht. Wahre Achtsamkeit habe ich glaube ich erst durch meine Kinder gelernt. Sehr schöne Punkte, die ich alle vollkommen nachvollziehen kann. Danke 🙂

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