Und auf einmal bist Du Teil eines Filmes. Einer dieser Katastrophenfilme, in denen Menschen in Schutzanzügen auf den Straßen herumlaufen und sich niemand mehr vor die Tür traut. Es ist ja nicht so, dass es alles überraschend kam. Die Bilder aus China und Italien haben einen ja irgendwie vorbereitet. Aber das ist das Ding mit exponentiellen Kurven: Es beginnt harmlos und zack explodieren die Zahlen. Diese trügerische Ruhe am Anfang hat uns in falscher Sicherheit gewogen. Und dann überschlugen sich die Ereignisse. Die Welt, wie wir sie kannten, war auf einmal nicht mehr dieselbe. Das Tempo, in dem sich unser bisheriges Leben auf den Kopf stellte, überrumpelte mich – dabei hätten wir es ja wissen müssen: China und Italien hatten es uns ja vorgemacht. Das Virus näherte sich, Experten warnten und es wenn man ein bisschen in Mathe aufgepasst hatte, war es klar, dass die Krankenzahlen auch bei uns ganz plötzlich in die Höhe schießen würden. Trotzdem hätte ich mir diese Situation nie vorstellen können. Hätte ich in einem Endzeitthriller darüber gelesen, ich hätte gesagt: „Völlig überzogen.“ Grenzen dicht? Sogar innerhalb Deutschlands? Nie im Leben. Nicht in unserer Welt. Klopapier ausverkauft? Ich hätte dem Autor einen Vogel gezeigt. Tja. Und da sitzen wir nun. Seit drei Wochen. Und von der Welt, wie wir sie kannten, sind nur noch Fragmente übrig. Verrückt? Völlig verrückt. Und fast am verrücktesten ist, wie schnell wir uns an all diesen Wahnsinn gewöhnen. Weiterlesen