Leichter leben mit Baby: Am besten ohne „Mein-Baby-kann-aber-Schon“-Wettbewerb

Seit einiger Zeit gehe ich zur Rückbildungsgymnastik und werde damit schwupps reinkatapultiert in diesen Mütter-Wettbewerb, welches Baby sich als erstes drehen, wenden, sonst was kann. In meiner Blase zuhause und im näheren Bekanntenkreis war ich davor gut geschützt. Doch kaum betrat ich den Yogaraum kamen da auch sofort wieder diese Erinnerungen hoch. An  diesen Baby-Wettbewerb unter Müttern. Der immer noch genauso ist wie vor sieben Jahren, als ich mit meinem Großen in die Parallelwelt „Muttersein“ hineingeworfen wurde. Es hat sich nichts geändert. Frischgebackene Mütter im Wettbewerb um den ersten Zahn, das erste Drehen, das erste Krabbeln. Aber wisst Ihr, was das Schöne ist beim dritten Kind? Dass ich einfach meine Ohren verschließen kann. Dass ich mich einfach raushalte. Und es sich so viel leichter leben lässt. Denn es gibt kaum etwas Unnötigeres als diesen Wettbewerb, welches Baby sich als erstes drehen kann! 

Ja, ich gebe es zu. Beim ersten Kind habe ich auch ganz genau jeden Entwicklungsschritt verfolgt. Ich war belesen, wusste genau, wann welcher Schritt folgt. Und war entsprechend stolz, als mein Großer sich schon sehr früh alleine drehen konnte. Und ich gebe es zu (und die, die ich damals damit genervt habe, mögen mir heute bitte verzeihen!!!), ich habe es auch sehr gerne allen erzählt, die es wissen oder nicht wissen wollten (viel zu oft erzählt). Und ich merkte, dass mit meinem Stolz auf mein Baby auch ein gewisses Konkurrenzdenken bei mir einzog. Ein leises „Mein Kind kann aber schon, ätschbätsch und deins nicht“ war da manchmal in meinem Hinterkopf. So eine leise gehässige Stimme.

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Kann sie sich schon drehen? Sage ich nicht. Denn ich lauer nicht mehr auf jeden einzelnen Meilenstein. Ich vertraue in die Fähigkeiten meines Babys.

Bis es mich selbst irgendwann nervte. Dieser gefühlte Wettbewerb, der dadurch entstand. Mit der Zeit wurde ich ein Glück immer lockerer. Ich fieberte nicht mehr mit, ich hielt nicht mehr alles im Tagebuch fest und ich band es nicht mehr jedem auf die Nase. Mein Kind ist mein Kind und mein Kind hat sein eigenes Tempo. Beim zweiten Kind war ich da auch schon sehr viel gelassener. Ich las nicht mehr alles, ich hielt mich bei Vergleichen zurück, ich schaute nicht mehr so nach links und rechts und ich sprach auch bei Müttergesprächen nicht mehr ständig darüber, was mein Kind schon kann. Was aber beim zweiten Kind immer im Hinterkopf war: Der Vergleich zum großen Bruder. Denn bei nur zwei Jahren Altersunterschied war es einfach noch sehr präsent, wann der zum ersten Mal robben konnte oder sich alleine hinstellen konnte.

Tja. Und nun beim dritten Kind bin ich völlig frei von solchen Vergleichen. Ich sehe meine Babymaus an und freue mich, dass sie so toll greifen kann. Ohne nachzuschlagen, ob das nun besonders früh ist. Ohne nachzurechnen, ob ihre Brüder das in dem Alter schon so gut konnten. Ich freue mich einfach über jeden Entwicklungsschritt – ohne es in die Welt zu posaunen wie beim ersten Kind.

Lasst Babys ihr eigenes Tempo udnd lauert nicht auf jeden einzelnen Meilenstein in der Entwicklung. #erziehung #baby #familie

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo – und das ist gut so

Es ist ja auch einfach Blödsinn, dieser Wettbewerb. Ganz ehrlich. Die Entwicklungsspielräume bei Babys sind sowas von groß. Das Tempo ist so unterschiedlich. Und das Schöne: Alles in dieser riesigen Spannbreite ist normal. Die einen Babys laufen mit einem Jahr. Die anderen mit 20 Monaten. Und beides ist normal. Ich kenne heute Kinder, die erst mit 23 Monaten laufen lernten und heute genauso rumflitzen wie die Kinder, die mit 10 Monaten ihre ersten freien Schritte taten. Ich kenne Kinder, die heute ohne Punkt und Komma sabbeln, obwohl die ersten Zwei-Wort-Sätze erst mit zweieinhalb aus dem Mund kamen.

Ich hatte ja mal darüber geschrieben: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht. Das alte Sprichwort hat seine wahren Wurzeln. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und das ist auch gut so. (ich rede hier nicht über wirklich echte Entwicklungsverzögerungen, die behandlungsbedürftig sind, sondern über die ganz normalen Entwicklungsunterschiede zwischen Kindern).

Übrigens sagt das Entwicklungstempo des Babys in den meisten Fällen auch nichts darüber aus, ob wir gute Eltern sind oder uns zu wenig um unsere Kinder kümmern. Denn viele Entwicklungsmeilensteine sind genetisch angelegt – der erste Schritt etwa oder auch das Trockenwerden. Beim Trockenwerden ist sogar erwiesen, dass hartnäckiges Töpfchentraining kontraproduktiv wirken kann! Natürlich hilft Vorlesen und viel Sprechen bei der Sprachentwicklung des Kindes – aber es gibt nun mal sprechfaule Kinder, die einfach ihre Zeit brauchen. Oder lauffaule Kinder. Und da muss man sich dann als Mutter auch nicht wie ein Versager fühlen (was ja leider bei diesem Wettbewerb oft mitschwingt!).

Lasst den Babys ihre Zeit!

Seit ich aufgehört habe, mein Baby mit anderen zu vergleichen und ständig auf die nächsten  Entwicklungsmeilensteine zu lauern, ist das Leben leichter. Ich klappe einfach die Ohren zu, wenn ich andere  Mütter darüber reden höre. Lobe die anderen Babys, sage „Toll, die ist ja früh dran“, denn ich weiß, wie gut es sich anfühlt, wenn einem das jemand sagt. Aber ich mache da nicht mehr mit. Ich vertraue in die Fähigkeiten meines Babys – und darauf, dass der Kinderarzt uns schon darauf aufmerksam macht, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie es sollte. Ich schaue nicht mehr nach links und rechts oder rechne nach, wann der Große denn damals robben konnte.

Denn es ist nicht wichtig. Es sagt nichts über den zukünftigen Erfolg des Kindes aus, ob es mit 12 Monaten laufen konnte. Es sagt auch nichts über die Intelligenz aus. Es gibt einfach Wichtigeres im Leben mit Kindern. Es wird auch später im Leben niemand fragen, ob man schon mit zwei Jahren trocken war (haha, das wäre ja mal eine Frage fürs Vorstellungsgespräch!).

Setzt Euch damit nicht unter Stress. Stress haben wir Mütter eh schon genug, da  müssen wir ihn uns doch nicht noch zusätzlich welchen machen!

Wettbewerb unter Baby-Müttern nervt: Es sagt nichts über den späteren Erfolgs eines Kindes aus, ob es mmit drei Monaten greifen kann. Ohne Vergleichen lebt es sich besser. #erziehung #baby

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7 Kommentare zu “Leichter leben mit Baby: Am besten ohne „Mein-Baby-kann-aber-Schon“-Wettbewerb

  1. Ich denke auch, dass die meisten Mütter Statistiken zu ernst nehmen … das fängt ja schonn in der Schwangerschaft an mit den SSL, BPD und Gewicht. Wie, dein Kind wiegt 300g weniger als Durchschnitt? Ernährst du dich vernünftig?? Und sofort kommt der Unterton, man sei keine gute Mutter, wenn man nicht dieses oder jenes beachtet.
    Aber Statistik gilt nun mal nicht für den einzelnen, die meiste Statistik beschreibt vorhandenes und sagt nichts vorher. Nur weil in der Vergangenheit 99% aller Kinder so und so groß IM DURCHSVHNITT in einer bestimmten Woche waren, heißt das ja nicht, dass es a) auf ALLE Kinder zutraf b) dass es in Zukunft ebenso sein wird. Sich Gedanken machen, ergibt null Sinn, vor allem, wenn man von Statistik keine Ahnung hat (Na, wer kennt den Unterschied zwischen Mittelwert und Median?). Solange Gynäkologin/Hebamme/Kinderarzt keinen Grund zur Beunruhigung sehen, abwarten und Tee trinken, wie du schon so schön dargestellt hast.

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