Liebe Instagrammer, esst Ihr wirklich ständig Smoothiebowl, Avocado, Hummus und Chia?!

Ich mag Instagram. Ich mag schöne Fotos. Ich zeige gern selbst schöne Fotos. Aber nachdem ich mich erst über die vielen weißen, stets aufgeräumten und wohldekorierten Kinderzimmer wunderte, wunder ich mich nun über die Essenspläne mancher Instagramkolleginnen. Ich mag weiße und aufgeräumte Zimmer. Ich mag auch gesundes Essen samt Avocados und Obsttellerchen. Aber mal ehrlich, so unter uns, sagt mal: Esst Ihr wirklich IMMER 10 Portionen Obst und Gemüse am Tag, gefühlte 5 Avocados samt Chia, Quinoa und Co?!

Chips NAschen vor dem Fernseher Knabbern

Auch das ist Ess-Realität – aber unter #foodporn eher selten zu finden.

Man isst heutzutage ja nicht mehr einfach nur. Nein, man ist, was man isst. Ist abgedroschen, ist aber so. Und das, was man isst, zeigt man auch gerne. Klar. Um zu zeigen, was man ist.

Soweit so gut.

Aber wer sich nun bei Instagram durchklickt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Bestand früher ein gelungenes Frühstück aus Croissant mit Nutella und einem dicken Pott Kaffee, geht heute nichts mehr unter Haferbrei mit drei verschiedenen Beerenfrüchten, Chiapudding mit Mandelsplittern, Kokosmilch und einem Hauch von Zimt oder Smoothiebowl aus drei Sorten Obst mit weiteren fünf Sorten Obst garniert mit einem kecken Minzblättchen. Das Banalste ist da noch der gute alte Obstsalat, auf dem sich aber zumindest ein paar Chiasamen befinden sollten oder wahlweise einige Granatapfelkerne. Achja und Avocados in allen Formen und Darbietungsarten. Immer, dreimal am Tag, mindestens.

Mehr Realität bei Instagram!

Die Mahlzeiten werden auch nicht einfach nur so hingeklatscht – sondern liebevoll drapiert. Tag für Tag! Mit Blumenvase im Hintergrund, der passenden Tischdecke, der farbliche passenden Kaffeetasse und was so dazugehört.

Und ich sitz‘ da und gucke mein schnödes Brot mit Erdbeermarmelade auf dem fleckigen Holztisch an.

Brotbacken, Dinkelbrot, Hefeteig, Marmeladenbrot

Immerhin das Brot ist selbstgebacken. Aber wo sind Avocado und Chia?!

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich mag schön gedeckte Tische. Finde ich stilvoll. Hätte ich auch gerne. Habe ich nur viel zu selten. Ich habe zwei kleine Kinder ,das sollte alles erklären.

Ich achte auf gesunde Ernährung – aber nicht nonstop Superfood

Ich mag auch gesundes Essen. Sehr sogar! Ich ernähre mich gerne gesund. Ich achte sehr drauf. Mein Mann mokiert sich auch des Öfteren über meine Vorliebe für Zeitschriftenartikel über gesunde Ernährung. Ich esse nur einmal die Woche Geflügel, nie Fleisch, einmal die Woche Fisch, alles bio und öko und regional, saisonal. Ich esse fünfmal am Tag Obst und Gemüse und versuche es auch meinen Kindern zu verabreichen. Avocado mag ich tatsächlich auch und Granatäpfel auch. Abends gibt es gerne mal einen frisch gemixten Saft, beim Arbeiten trinke ich Ingwerwasser mit Limone oder grünen Tee. Ich backe mein Brot manchmal selbst.

Aber ich hole mir auch gern mal eine Pizza. Und Eis. Oder öffne mir abends eine Tüte Chips. Und fast genauso schlimm: Ich esse ganz schnöde Joghurt mit Erbeeren. Ohne Chiachichi. Ich esse Müsli mit Milch – normaler Milch, kein Kokos, kein Soja. Ich streue mir Leinsamen rein.

Hat schon fast was Altmodisches, oder?

Aber mehr schaffe ich auch nicht. Fotografierwürdig ist mein Schokomüsli aus der Packung nicht wirklich. Und auch der Joghurt mit Erdbeeren sieht eher so mittelmäßig aus.

Ich frage mich, ganz im Ernst, liebe Instagrammer: Esst Ihr tatsächlich morgens eine Smoothiebowl, mittags einen Avocadosalat mit Quinoa, nachmittags einen Obstsalat mit Chia und abends einen Rucola-Erdbeer-Dingsbums-Hauptsache-gesund-Salat mit Eiweiß ohne Kohlenhydrate? Begleitet von einem Green Smoothie? Und trinkt dann vorm Schlafengehen noch eine Kokosmilch mit Zimt?! Und das Ganze täglich???

Wenn es so ist: Hut ab! Vor so viel Konsequenz und gesunder Ernährung.

Aber wenn es nicht so ist: Dann traut Euch doch auch mal ein bisschen Ehrlichkeit. Zeigt doch auch mal die leere Chipstüte. Oder die ganz banale Stulle zur Mittagspause. Denn das nimmt Leuten wie mir das Gefühl, sich banal und mittelmäßig zu ernähren.

Oder wie seht Ihr das? Ist es Euch auch schon aufgefallen? Nicht falsch verstehen, ich finde gesunde Ernährung klasse und bin selbst gut dabei. Ich mag auch schöne Food-Fotos. Sehr sogar.

Und soll jeder essen, was er will. Wirklich. Ist ja jedermanns Privatleben.

Aber die Frage, ob die Food-Instagrammer ganz im Ernst jeden Tag 150 % Superfood essen – die darf man doch mal stellen… oder?!

 

16 Kommentare zu “Liebe Instagrammer, esst Ihr wirklich ständig Smoothiebowl, Avocado, Hummus und Chia?!

  1. Hey :)
    Zuerst einmal: Toller Text und echt gut geschrieben!
    Ich bin auch ab und an eine Food-Foto Hochladerin, aber dauernd Superfood??? Nö!
    Trotzdem versuche ich das Essen schön zu gestalten. Ich versuche so „Realitätsnahe“ zu posten und ich hoffe natürlich, dass gelingt mir.
    Alles Liebe
    Verena

    • Danke für Eure lieben Kommentare! Ich bin bei solchen Superfoodhypes immer ein wenig skeptisch. Also Avocado ist ohne ZWeifel gesund, ich meine so etwas wie Chia – alle reden davon. Dabei sind beispielsweise die guten alten Leinsamen genauso gesund und erfüllen denselben Zweck. Und sind auch noch günstiger :-)

  2. Schöner Beitrag! Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass das immer so der Realität entspricht. Zu mal ich nach kurzer Zeit pleite wäre, würde ich ständig diese extrem überteuerten „Superfoods“ essen. Was nicht heißt, dass ich sie gar nicht esse, aber eben nicht mehrmals am Tag, und auch nicht jeden Tag! Leere Chipstüten gibt es bei mir allerdings in der Tat nicht, auch keine Schokolade oder Nutellabrötchen, was aber weniger an meiner Intention des gesunden essen liegt sondern mehr daran, dass ich sowas schon seit ich klein bin, einfach nicht gerne gegessen habe. Pizza dagegen durchaus ;-) Aber ich kann nur zustimmen, dass vieles wohl mehr Schein als Sein ist (ganz besonders diese wunderschönen Kinderzimmer und Wohnungen, bei mir stapeln sich regelmäßig die Klamotten :D ) Danke, dass du das Thema mal angesprochen hast! Ich glaube, man muss sich nicht schlecht fühlen, nur weil bei einem selbst der Speiseplan nicht ganz so „super“ oder das Kinderzimmer nicht wie aus dem Katalog und wie von Stephen Knollenberg oder Charles Allem eingerichtet, aussieht ;-) Übrigens wird mir schlecht, wenn ich mehr als eine halbe bis Dreiviertel Avocado gegessen habe ;-) Liebe Grüße, Isabelle

  3. Ein sehr schöner Artikel! Ich musste da sofort an mich denken….ich saß vorhin tatsächlich da und habe überlegt, ob ich instagram mal mein olles Müsli mit Pfirsich anvertraue…aber nee^^

    Ganz liebe Grüße
    Elsa

  4. *kichert*
    Ich finde die Frage berechtigt und zweifle hart an, dass man 3x am Tag Avocado essen kann… am besten mehrere Tage hinterinander. Ich mein Avocado ist super lecker aber irgendwann gehen einem bestimmt die Zubereitungsmöglichkeiten aus oder?
    Und überhaupt:
    #fürmehrerdbeermarmeladeaufinstagram :D

  5. Danke für den tollen Post :-) Bei manchen Food-Fotos wundere ich mich auch echt sehr und frage mich ob es ein tolles Foto Wert ist, dass dafür das Essen kalt ist weil gefühlte 100 Stunden dafür drauf gegangen sind das Essen zu drapieren, zu fotografieren und dann mit entsprechenden Hashtags hochzuladen… Ich versuche meinerseits einen guten Kompromiss zu machen, aus schönen Foto, aber auch noch warmen, leckeren Essen :-) Toll finde ich Food Diaries von einer Woche, gerne bei YouTube, wo auch mal schlechtere Sachen gegessen werden und offenen zugegeben wird das sich derjenige nicht nur clean ernährt. Ich gebe dir komplett Recht mit dem Artikel und finde es toll das dieses Thema angesprochen wird :-)

    Liebe Grüße Svenja

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