Buchtipp für Mamas und Papas: Bräuche rund ums Kindermachen und -kriegen weltweit

Wusstet Ihr, dass isländische Schwanger ungern das Nordlicht anschauen? Ihr Kind könnte davon schielen, befürchtet man dort. Oder dass in vielen afrikanischen Ländern die Geburt still und leise vor sich geht? Oder dass in einigen Regionen Chinas Wöchnerinnen in der ersten Woche nach der Geburt nur Suppe und Schweineleber und in der zweiten Woche nur Nieren zu sich nehmen sollen? Diese Erkenntnisse und mehr Babybräuche findet Ihr in dem Buch „Die Nabel der Welt„, das ich Euch heute als Buchtipp vorstellen möchte. NAbel der Welt Buchtipp Nadine Lucke

Der Conbook Verlag hat mir dieses Buch für eine Rezension zur Verfügung gestellt – und ich habe gerne in diesem Buch herumgestöbert. Die Journalistin und Mutter Nadine Luck hat Bräuche rund ums Babymachen, Babybekommen und Babyhaben gesammelt und humorvoll, leicht verdaulich und anschaulich in ihrem Buch aufgeschrieben. Da erfährt man zum Beispiel, dass in Mali die Männer unmittelbar vor der Kindeszeugung von ihren Vorfahren erzählen. Ich weiß nicht, ob das nachahmenswert ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es doch manchmal auch eher abschreckend sein könnte. Zumindest manche Verwandte sollte man vielleicht besser rauslassen, großzügig überspringen oder hemmungslos beschönigen. Oder wer möchte schon wissen, dass der Urururururgroßvater ein notorischer Schwerenöter war und sieben Geliebte besaß?

Bräuche rund ums Baby: Auf der ganzen Welt irgendwie ein Ausnahmezustand

Ich hatte mich in meinen Schwangerschaften viel eingelesen in das Thema „Wie werde ich meine Morgenübelkeit los?“ – von Ingwertee bis Schokolade vor dem Aufstehen war viel dabei. Aber  dass es etwas bringen könnte, sich morgens über den werdenden Vater zu wälzen, das ist mir neu. So machen es zumindest viele Schwangere auf den Philippinen, um die Übelkeit auf den Mann zu übertragen. Ich kann nur sagen: Gut, dass die Übelkeit meistens nach den ersten 12 Wochen verschwindet und es dem Mann erspart bleibt, dass die um 20 Kilo schwerer gewordene Angetraute mit ihrem Walrossbauch durchs Bett gewälzt kommt.

Hierzulande trägt man sein Baby ja wieder, es ist ja fast schon ein Glaubenskrieg darüber entstanden, wie und wann man sein Kind zu tragen hat. In Bali ist das schon einfacher, da gilt nämlich: Das Baby hat die ersten 6 Monate den Boden nicht zu berühren und muss immer getragen werden.

Hat das Fernsehprogramm Auswirkungen auf die Psyche des Babys? Manche sagen ja!

Wer nun glaubt, diese Bräuche sind alle alt und traditionsbehaftet, der irrt. Auch beim Fernsehprogramm sollten Schwangere vorsichtig sein, glaubt man zum Beispiel in China, wo Schwangere lieber keine Gruselfilme anschauen sollten. Das Kind könnte sich erschrecken und eventuell bleibende seelische Schäden davontragen. Nun, auf Gruselfilme stehe ich eh nicht, aber ich habe in beiden Schwangerschaften Germany’s next Topmodel geschaut und frage mich nun bange, was das für postnatale Auswirkungen gehabt haben könnte!

Es ist wirklich spannend, wie viele verschiedene Bräuche es rund ums Baby gibt, wie viel Aberglauben und Geschichten. Nadine Luck nimmt den Leser mit auf eine Reise um die Welt und lässt eigentlich keinen Aspekt aus, der mit dem Thema Baby zu tun hat. Da geht es um den richtigen Zeitpunkt der Zeugung, um die richtige Art zu heiraten.

(wusstet Ihr, dass das Reiswerfen bei Hochzeiten aus Asien kommt? Liegt ja irgendwie nahe. Die Anzahl der Reiskörner, die im Haar hängen bleiben, geben Auskunft darüber, wie viele Kinder es gibt. Puh. Ich habe mir meine Hochzeitsfotos angeschaut und muss sagen: Ich habe noch einiges vor mir. Es waren definitiv sehr viel mehr als 2 Reiskörner.).

Babybauch schwanger Bräuche rund um die Schwangerschaft

Wie mit so einem dicken Babybauch umzugehen ist – da hat jedes Land seine eigenen Bräuche!

Dann geht es munter weiter: die Schwangerschaft, was man darf und was man nicht darf, wie man das Kind bekommt und wo natürlich, was der Vater während der Geburt tun und lassen sollte, wie man das Baby begrüßt, wie man das Wochenbett übersteht, wie Namen gefunden werden, was als Geschenk zum Baby mitgebracht werden sollte, wie man mit dem Neugeborenen umgehen soll und wie Premieren wie der erste Zahn gefeiert werden sollten (in Russland gibt es beispielsweise einen Silberlöffel geschenkt. Der kühlt zumindest das wunde Zahnfleisch, hat also ganz praktische Gründe der Brauch).

Buchtipp: Humorvoll geschrieben, aber nie herabschauend

Was mir an dem Buch gefällt, ist dass es kein mit dem Fingerzeigen auf andere Kulturen ist, was bei dem Thema ja irgendwie eine Gefahr ist. Kein sich Lustigmachen, auch wenn das Buch sehr humorvoll geschrieben ist und manche Bräuche und Aberglauben schon  bizarr anmuten. Aber Nadine Lucke ist nie herabschauend, macht sich nie über etwas explizit lustig, also nicht in dem herabschauenden Sinne. Natürlich hat sie oft ein Augenzwinkern in ihrem Erzählstil – aber es ist eher so ein liebevolles.

Es werden auch immer unsere Aberglauben und Bräuche dazugestellt – und da fällt erst auf, wie viel Dogma es bei uns ums Kinderkriegen gibt, wie viele Glaubenskriege (in Sachen Schwangerschaft und Baby gibt es ja viele viele Experten, die auch gerne ungefragt Ratschläge verteilen – darüber hatte ich mich hier ja mal aufgeregt), wie schnell man da mit einer absolutistischen Meinung dabei ist und ehemals tolerante Mitbürger auf einmal zu Radikalinskis werden. Beispiel Beikost. Oder Tragen. Oder windelfrei. Oder Stoffwindeln. Oder Familienbett. Stillen. Oder, oder, oder. Kennt Ihr, oder?

Schokokuchen Schokoladenkuchen Tarte Naschen SChwangerschaft

Einen ganzen Schokokuchen in der Schwangerschaft? War für mich in der Schwangerschaft kein Problem. In Mexico wird sogar geraten, ungehemmt die Gelüste zu befriedigen. Sonst bekomme das Baby ein Geburtsmal in Form der Speise, auf die man verzichtet hat.

Aberglaube rund ums Baby

Auch Aberglaube gibt es bei uns ums Baby genug. Ich bin davon nicht gefeiht. So kam bei uns der Kinderwagen nicht vor der Geburt ins Haus. Das könnte Unglück bringen! Auch ein Brauch, den die Autorin übrigens in ihrem Buch auflistet. (Ich möchte niemanden zu nahe treten, aber wie eine Bernsteinkette beim Zahnen helfen soll, ist mir wissenschaftlich gesehen auch noch nicht ganz klar. Hab ich nie gemacht, weil ich Ketten um den Hals von Kindern gefährlich finde, ist aber auch so ein Brauch, den man hierzulande gerne pflegt).

Falls Ihr also eine Urlaubslektüre sucht, etwas Unterhaltendes oder eine Geschenkidee für werdende oder frischgebackene Eltern, kann ich Euch das Buch empfehlen! Es ist vieles Überraschendes dabei, man lernt so einiges, sammelt Inspirationen (sei es auch nur für originelle Small-Talk-Ideen) und hat, ganz wichtig, beim Lesen eine Menge Spaß!

Das Buch ist im Conbook Verlag erschienen, hat 281 Seiten und kostet 9,95 (in Österreich 10,30 Euro). Der Verlag hat mir das Buch freundlicherweise umsonst für eine Rezension zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür! Meine Meinung blieb davon, da könnt Ihr Euch gewiss sein, wie immer unbehelligt.

Ein Kommentar zu “Buchtipp für Mamas und Papas: Bräuche rund ums Kindermachen und -kriegen weltweit

  1. Sachen gibt`s! Ist sicherlich spannend und vor allem lustig zu lesen!
    Ich hatte gerade die Vision, dass sich die von Morgenübelkeit geplagte Schwangere über ihren Mann wälzt und dann der Übelkeit nachgibt. Ist echt gefährlich, dieser Brauch 😉
    LG Wiebke

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