Zwischen Wehmut und Erleichterung: Gedanken zur Eingewöhnung

Nun ist es soweit! Auch mein drittes Kind kommt in den Kindergarten! Diese Woche beginnt die Eingewöhnung. Und damit geht nun auch meine dritte und höchstwahrscheinlich auch letzte Elternzeit zu Ende. Eigentlich sollte ich ja beim dritten Kind Eingewöhnungsprofi sein – aber auch diesmal schwanke ich zwischen Erleichterung und Wehmut. Obwohl ich wie auch in den ersten Elternzeiten weitergearbeitet habe, Bücher und diesen Blog geschrieben habe, hatte ich eben doch Elternzeit. Also viel intensive Zeit mit meiner kleinen Maus. Wie werde ich unser gemütliches zweites Frühstück zu zweit vermissen, wenn wir beide, nachdem die Brüder aus dem Haus sind, zusammen am Esstisch sitzen und ich ihr aus der Zeitung vorlese, sie begeistert auf Tierbilder in der Zeitung patscht und mir die Politikseiten in Konfetti zerrupft! Aber gleichzeitig freue ich mich auf die neu gewonnene Freiheit, darauf, morgens alleine in Ruhe meinen zweiten Kaffee zu trinken, darauf, regelmäßige Zeit für meine Arbeit zu haben und nicht immer nur die Stunde Mittagsschlaf. Und darauf, dass ich somit auch abends wieder Feierabend habe und nicht noch am Computer sitzen muss. Weiterlesen

Eingewöhnung bei der Tagesmutter (und ja, Kinder werden so schnell groß…)

Sie werden ja so schnell groß! Früher dachte ich: Was für ein abgedroschener Spruch! Kinder werden halt größer und wachsen. So ist das Leben. Aber dass sie SO schnell groß werden, hätte ich in meinem Vor-Mama-Leben nie gedacht. Dass man seine Kinder mit diesem verklärten Lächeln anschaut und melancholisch denkt: Wie die Zeit rast. Nein, das hielt ich nicht für möglich. Jeder Tag hat 24 Stunden. Da vergeht nix schneller und langsamer.

Hab‘ ich falsch gedacht.

Seit ich Kinder habe, rast die Zeit nur so dahin. Okay, manchmal vergeht sie auch ganz langsam. An so einem Regentag, den man im Kinderzimmer verbringt mit zwei müden Kindern, die alle Spiele doof finden und sich eigentlich nur gepflegt die Bauklötze über den Kopf ziehen wollen. Aber selbst diese Tage fliegen im Rückblick einfach nur so dahin.

Nun ist also meine Elternzeit schon wieder vorbei.

Die Elternzeit ist schneller vorbei als man denken kann

War es nicht erst gestern, dass mein Baby auf die Welt kam? Nun läuft er, spricht lustige Laute und einige wenige Worte (da, bitte, danke, Mama, Papa, haben, nein, ja – damit kommt man auch schon weit :-) und hat seinen ganz eigenen Kopf. Ohja seinen ganz eigenen Dickkopf, Wutanfälle inklusive. 15 Monate ist er jetzt alt und mich packt wie schon beim ersten Kind wieder die Melancholie: Das Elternjahr geht vorbei. Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter geht los. Es ist nicht nur, dass das Arbeiten wieder losgeht. Das habe ich ja eh während der Elternzeit nebenher gemacht, ein Buch geschrieben und ein paar Artikel (hört sich jetzt großartiger an als es ist, als Freie muss man halt im Geschäft bleiben). Aber Elternzeit ist einfach eine besondere Zeit. Und die geht jetzt vorbei. Der Alltag hat einen wieder, der Normalzustand tritt wieder ein.

Sofern mit Kindern vom Normalzustand sprechen kann!

Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter hat mein Kleiner gut gemeistert. Seit dieser Woche geht es so richtig los! Zweieinhalb Stunden bleibt er erst einmal dort, nach dem Mittagessen hole ich ihn ab, schlafen tut er im Kinderwagen. Bleiben mir also 4 Stunden zum Arbeiten. Das reicht für den Anfang. Länger kann ich mich noch nicht von meinem Baby (das ja gar kein Baby mehr ist…) trennen, es fällt mir ja so schon schwer genug! Er soll erst einmal ankommen und dann steiger ich Stück für Stück bis er dann irgendwann 5 Stunden dort bleiben soll. Aber er ist ja noch so klein! Denke ich. Aber wenn ich ihn da so sehe mit den anderen Kindern, merke ich, dass er doch schon ganz schön groß geworden ist. Wahrscheinlich will er schneller als mir lieb ist, bis nach dem Mittagsschlaf dort bleiben!

Auch beim zweiten Kind fällt die Eingewöhnung schwer

Ich dachte, beim zweiten Kind ist man cooler. Aber auch wenn mein Großer dort schon zwei Jahre war und ich weiß, dass er gut aufgehoben ist – es fällt wieder genauso schwer. Da sind sie wieder die ganzen Gedanken, die in meinem Kopf Ringelreihen tanzen:

Hätte ich nicht doch noch ein bisschen länger warten sollen? Vermisst er mich? Weint er vielleicht gerade? Versteht er, dass ich wiederkomme? Braucht ein kleines Kind wie er nicht seine Mutter? Überfordere ich ihn? Er kann doch noch nicht reden!

Und da ist er, der Gedanke, den ich eigentlich nicht denken will, aber der irgendwie doch unweigerlich kommt: Bin ich eine Rabenmutter?! Eine, die ihr Kind weggibt, um in Ruhe ihre Karriere zu verwirklichen? Die sich dem Druck der Gesellschaft beugt und nach 15 Monaten wieder arbeitet???

Und wieder die Frage: Bin ich eine Rabenmutter?

Aber Moment mal: Stopp Gedankenkarussel! Ist es nicht ganz allein meine Sache, wann ich wieder wie arbeite?! Das muss jeder selbst entscheiden und nicht mit dem Finger auf andere zeigen, nur weil die eine andere Entscheidung getroffen haben!

Ich habe mich für diesen soften Einstieg in die Betreuung entschieden, weil ich weiß, dass mein Kleiner so weit ist. Dass er gut aufgehoben ist. Und dass es ihm auch langsam langweilig allein mit seiner Mama wurde! Ich weiß, dass andere Kinder Kindern gut tun, dass sie von ihnen lernen und dass zweieinhalb Stunden am Tag beileibe keine Überforderung sind! Und dennoch sticht und piekt da dieser Gedanke. Wieso bloß!?

Ich bin nur froh, dass ich in der komfortablen Luxussituation bin, als Freiberufliche meinen Wieder-Jobeinstieg so zu gestalten, wie ich will. Das weiß ich sehr zu schätzen. Ich weiß nur zu gut, dass es viele andere Mütter nicht können. Dass sie schon nach 12 Monaten anfangen müssen und dann auch gleich von Null auf Hundert. Dass viele auch Vollzeit arbeiten müssen, weil Teilzeit beim Chef nicht gefragt ist. Und ich weiß auch, dass viele Mütter gerne Vollzeit arbeiten. Weil sie dann ausgeglichen sind, wenn sie ihr Kind abholen. Weil sie in ihrem Job aufgehen.

Ich habe den Mittelweg gewählt und finde ihn gut. Für mich, für meine Familie.

So. Jetzt muss ich nur noch meine Gefühle bei der Eingewöhnung in den Griff bekommen und diese Melancholie abstellen. Aber die Tränen, wenn man sich von seinem Kind verabschiedet, tun auch beim zweiten Kind immernoch genauso weh. Auch wenn ich schon wesentlich cooler weggehen kann als beim ersten Kind. Und es mir diesmal nicht antue, vor der Tür zu warten und zu lauschen, bis das Schreien verstummt. Weil ich weiß, dass es verstummt. Aber es ist wieder genauso merkwürdig, ohne Kind und Kinderwagen auf der Straße unterwegs zu sein. Und das leere Haus zu betreten. Mein Kind fehlt mir – und das ist auch gut so!

Babyfuß, Baby, Zeit rast

Aber mein Kleiner macht es von Tag zu Tag besser und sein Schreien ist keine Verzweiflung sondern Wut darauf, dass ich weggehe. Er lässt sich schnell beruhigen und ablenken und freut sich wie verrückt, wenn ich wiederkomme. Der nasse Babykuss und die Patschehändchen, die sich um meinen Hals schließen: Das ist eine gute Entschädigung!

Hallo Teilzeit-Alltag. Ich bin wieder da. Die Elternzeit ist vorüber.

Und achja – sie werden so schnell groß… Wie war/ist Eure Eingewöhnung und Euer Einstieg in die Arbeit verlaufen? Fiel es Euch genauso schwer wie mir? Welche Gedanken  habt Ihr Euch gemacht? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

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