Wieso Schule die Stärken der Kinder mehr fördern sollte als die Schwächen

Ist es in der Kindergartenzeit noch einfacher, sich als Eltern dem Förderdruck zu entziehen, kommt mit der Einschulung ein ganz neuer Druck von außen dazu: die Erwartungen der Lehrer. Auch wenn in den meisten Fällen die Schule spielerisch beginnt und es noch nicht mit Noten losgeht, schwebt über allem ein unausgesprochenes „in der vierten Klasse geht es um die Wurst“. Nämlich um die Empfehlung für die weiterführende Schule. Klar, dass Eltern das Bestmögliche für ihre Kinder wollen. Aber wieso ist heute ein „Befriedigend“ nicht mehr befriedigend? Und ein „Gut“ nicht mehr gut genug? Der Druck wird an die Schüler weitergegeben – oft schon im Vorschuljahr, wo die Kinder mit Vorschulheften die Buchstaben und Zahlen lernen, als wäre das Voraussetzung für die Einschulung. Es ist schwer, sich diesem Druck und dem damit verbundenen „Mein Kind kann schon“-Wettbewerb zu entziehen, denn wer möchte schon seinem Kind die Zukunft verbauen? Dabei ist es viel wichtiger, den Blick auf die Stärken der Kinder zu richten statt auf die Schwächen. Letzteres ist leider das, was in den Schulen seit eh und je praktiziert wird. Der Fokus richtet sich viel zu sehr auf das, was die Kinder nicht können, als darauf, sie in dem zu bestärken, wodrin sie gut sind. Wieso eigentlich?

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Fettnäpfchenführer Dänemark: Interview und Buchtipp „Hygge im Herzen“

Ich wohne ja in Schleswig-Holstein und somit nicht weit weg von der dänischen Grenze. In meiner Kindheit habe ich mehrere Sommerferien und auch Herbstferien in Dänemark verbracht, in einem Ferienhaus an der Nordsee, mitten in den Dünen. Dänemark, das ist für mich also auch ein Teil meiner Kindheit, ich verbinde es mit Lakritzstangen, mit süßem Gebäck und windigen Spaziergängen an der Nordsee mit anschließendem Kakao vor dem Ofen. Am liebsten waren mir schon als Kind die Herbstferien in Dänemark, denn ich mag die Nordsee am liebsten rau und stürmisch. Wenn alles gut geht, werde ich mit meinen Kindern auch in diesen Herbstferien nach Dänemark fahren und freue mich jetzt schon. Gut vorbereitet bin ich diesmal auch: Denn ich habe den „Fettnäpfchenführer Dänemark: Hygge im Herzen“ von Katja Josteit gelesen, die auf ihrem lesenswerten Blog Kuestenkidsunterwegs nicht nur viele Ausflugstipps für Norddeutschland gibt, sondern auch sehr viele Reisetipps für Dänemark mit Kindern. Sie ist der größte Dänemarkfan, den ich kenne, hat Skandinavistik studiert und steckt an mit ihrer Dänemarkliebe. Zu ihrem neuen Buch und ihren persönlichen Dänemark-Tipps hat sie mir einige Fragen beantwortet:

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Erholen vs. Nachholen: Was das Sommerferienprogramm über den Stellenwert unserer Kinder in der Gesellschaft aussagt

Die Erwachsenen wollen sich in den Ferien „von dem Pandemiejahr erholen“ und finden, sie haben sich den Urlaub auf Malle, den Kneipengang und die Fußballspiele redlich verdient. Die Kinder sollen stattdessen nachholen – nämlich den Lernstoff. Ihre Sommerferienangebote werden wegen Corona munter eingestampft („10 Kinder beim Töpfern?! Größere Gefahr als 45 000 im Fußballstadion!“ Ironie off.), während für die Großen gelockert wird. Dafür gibt es für die Kinder Nachholangebote in den Ferien, wo sie noch mal kräftig büffeln dürfen. Es muss ja eine Menge nachgeholt werden nach Monaten des Homeschoolings. Versteht mich nicht falsch- ich finde es gut, wenn die, die um Homeschooling angehängt wurden, gefördert werden. Aber mich stört das Ungleichgewicht: Bei den Erwachsenen geht es ums „das haben wir uns verdient“ und den Spaß – bei den Kindern um verpassten Lernstoff (für den sie gar nichts können, wohlgemerkt).

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Was hilft bei einer Rektusdiastase? Interview mit einer Rektusdiastase-Beraterin

Ich habe drei Kinder auf die Welt gebracht – und das hat Spuren hinterlassen. Mit einigen kann ich gut leben. Andere störten mich. Wie die enorme Rektusdiastase, die nach der Geburt meines dritten Kindes geblieben war. Obwohl ich untergewichtig war und schnell die 20 Schwangerschaftskilos los war, sah mein Bauch auch drei Jahre nach der Geburt noch aus, wie im vierten Schwangerschaftsmonat. Ich trainierte und machte Übungen – doch an der Rektusdiastase änderte sich nichts. Nicht nur das Bäuchlein störte mich, auch das Gefühl, eine schwache Körpermitte zu haben. Bis ich mich im Frühjahr entschloss, dagegen anzugehen. Und zwar mit professioneller Unterstützung. Ich ließ mich von der Pränatal- und Postnataltrainerin und Rektusdiastaseberaterin Katharina Ohm beraten und bekam von ihr ein auf mich zugeschnittenes Trainingsprogramm. Das Ergebnis: Ich kann wieder enge Kleider anziehen und ich fühle mich viel stabiler! Was ich lernte: Ich hatte nach der letzten Geburt zu früh das falsche Training angefangen und dadurch die Rektusdiastase eher vergrößert als verkleinert. Was es zu beachten gibt und was bei einer Rektusdiastase hilft, dazu habe ich Katharin einmal befragt:

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Witze über Väter, die ihre Kinder merkwürdig anziehen, finde ich doof. Und nicht nur das.

„Wenn die Mutter das Kind anzieht. Wenn der Vater das Kind anzieht.“

„So geht der Papa ins Bett. Und so geht die Mama ins Bett.“

„So warten Mamas, dass ihr Kaffee durchläuft. So warten Papas auf ihren Kaffee.“

„Wenn Mama einkauft. Wenn Papa einkauft.“

„Mit Mama auf den Spielplatz. Mit Papa auf den Spielplatz.“

Kennt ihr diese Sprüche, die in den sozialen Medien herumgehen? Mit lustig gemeinten Bildchen oder Videos? Ja. Lustig gemeint. Auf den ersten Blick muss auch ich jedes Mal schmunzeln. Aber nur kurz. Denn so richtig lachen kann ich über diese Witzchen nicht. Und nein, es ist auch nicht zum Lachen, dass es diese Witze überhaupt gibt. Sie überhöhen die Mutter und werten den Vater ab – und sie unterstützen blöde Klischees über verstaubte Rollenmodelle, die wir im Jahr 2021 eigentlich endlich mal überwinden sollten. Ich soll mich nicht so anstellen, ich alte Spaßbremse? Das ist doch alles nur lustig gemeint und man kann doch einfach mal lachen und muss nicht immer alles so bierernst sehen? Habe ich mir auch mal eingeredet. Aber ich bin davon abgekommen. Denn die Themen Vereinbarkeit und Gleichberechtigung sind einfach zu ernst, zu dringend, zu wichtig. Und derartige Witze stehen uns dabei leider im Weg.

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Gastbeitrag: Wenn die Mutter Alzheimer hat

„Oft fühle ich mich, als müsste ich mich zerteilen zwischen meiner Aufgabe als Tochter und meiner Aufgabe als Mutter“ sagt Peggy Elfmann, bei deren Mutter Alzheimer diagnostiziert wurde, als Peggys erstes Kind drei Jahre alt war und sie gerade über ein zweites Kind nachdachte. Das ist heute zehn Jahre her und ihre Mutter kommt mittlerweile ohne Pflege und Hilfe nicht mehr alleine durch den Tag. Wie ergeht es einer dreifachen Mutter mit so einer Doppelbelastung vom Muttersein und einer pflegebedürftigen Mutter? Dazu schreibt Peggy nicht nur regelmäßig auf ihrem Blog Alzheimerundwir, wo sie auch Kinderfragen beantwortet oder mit Experten spricht, sondern hat auch das Buch „Mamas Alzheimer und wir“ darüber veröffentlicht, das im September erscheint. Hier erzählt sie mir im Gastbeitrag, wie sie den Spagat meistert und wie es für ihre Töchter ist:

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Déjà Vu zum Schulbeginn: Und wieder werden die Kinder vergessen! Von einer Gesellschaft, der Familien egal sind.

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. Und ich fühle mich wie in einer Zeitschleife. Hatten wir das alles nicht schonmal? Déjà Vu. Mal wieder. Die Coronazahlen steigen exponentiell und es wird munter in dieses exponentielle Wachstum hineingelockert. Man kann sich ja jetzt impfen lassen. Leider gibt es einige, die sich nicht impfen lassen wollen (sorry, da habe ich kein Verständnis, das ist Egoismus auf Kosten aller, besonders unserer Kinder!) – und es gibt die Kinder unter 12, die sich nicht impfen lassen können. Und die diejenigen sind, die unter der derzeitigen Sorglosigkeit leiden. Unsere Kinder sind es, denen man jetzt schon den Wechselunterricht ankündigt, die in Quarantäne müssen (dieses Damoklesschwert Quarantäne schwebt seit eineinhalb Jahren über uns und es kann einen wahnsinnig machen), wenn das Coronavirus durch die Kindergärten und Schulen rauscht. Und wir Eltern sind es, die wieder einmal den Spagat zwischen Homeschooling, Homeoffice und Kindergartenkinderbespaßing meistern müssen. Mal wieder. Wenn ich die derzeit steigenden Zahlen sehe und die Sorglosigkeit, mit der viele Erwachsene diesen Zahlen begegnen, dann packt mich die Wut, die Verzweiflung. Nein, noch einmal einen Winter Homeschooling packe ich nicht. Und nein, auch meine Kinder packen das nicht noch mal. Sie haben verdammt noch mal ein Schuljahr und ein Kindergartenjahr ohne Wechselunterricht, Distanzunterricht und geschlossenen Kindergartenmonaten verdient!

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Die Balance zwischen Überbehütung und Freiheiten lassen: Auszug aus meinem neuen Buch

(Auszug aus meinem Buch „Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht„)

„Alleine!“, sagt mein Sohn und will von meinem Arm  runter. Alleine, die steile Treppe? Die Stufen sind so schief und abgetreten, das Holz nass vom Regen und überhaupt, es geht ganz schön steil nach oben! Er hat doch gerade erst laufen gelernt, sagt mein banges Mutterherz. Am liebsten würde ich ihn tragen, ihn sicher bei mir haben. Andererseits: Wie soll er es lernen, wenn ich ihn immer trage? Seufzend stelle ich ihn hin und staune, wie selbstsicher er die Stufen zum Rutschturm hochsteigt. Noch wacklig und langsam, aber er kann es. Besser als ich dachte. Ich steige hinterher und halte meine Hände aus, ohne ihn zu berühren. Aber eigentlich braucht er das gar nicht. Er kann es und es wird von Mal zu Mal sicherer.

„Alleine!“, ruft meine Tochter und schüttelt meine Hand ab. Sie will alleine ihre Schuhe anziehen. Kämpft damit, ihren Fuß in den Schuh zu zwängen, startet dann den Zweikampf mit dem Klettverschluss, lässt sich aber nicht entmutigen, bis sie stolz vor mir steht. „Fertig!“ Okay, sie hat die Schuhe falsch herum angezogen – wieso machen das eigentlich alle Kinder so?! – aber sie hat es ganz alleine geschafft und strahlt übers ganze Gesicht.

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Coole Eis-Lollies: Als Wassereis zwischendurch oder aber als Basis für einen Fruchtcocktail (mit Rezept)

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Hattet ihr auch so eine fantastische Sommerwoche? Hier war es unglaublich warm – endlich Sommer! Und das Tolle ist ja: Bei so einem Wetter im Juni weiß man ja, dass es jetzt erst so richtig losgeht mit dem Sommer und noch viele Woche vor uns liegen. Ich liebe diese langen, warmen Tage mit den lauen Abenden, an denen man eigentlich nur draußen lebt. Meine Kinder fragen ständig nach Eis, was ja auch bei diesen Temperaturen am besten passt. Da unser Tiefkühlfach nur sehr klein ist, passen keine großen Eispackungen herein. Aber die coolen Eis-Lollies von Fredos! Die lassen sich super ins kleinste TK-Fach schieben und so hat man praktischerweise immer einen Vorrat an leckerem Wassereis und ist für jeden spontanen Eisjieper gewappnet. Man friert sie einfach ein – und das geht wirklich schnell, so dass auch meine ungeduldigen Kinder das mit dem Warten hinbekamen. Die Eis-Lollies gibt es in verschiedenen Geschmackssorten und was richtig gut ist: Man kann sie auch wunderbar als Basis für einen alkoholfreien Fruchtcocktail nehmen. Das haben wir einmal ausprobiert und wie wir das gemacht haben, werde ich euch einmal erzählen.

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Mehr Vereinbarkeit: Was sich Mütter wünschen

„Vereinbarkeit von Beruf und Familie“: Das liest sich so schön in den Parteiprogrammen. Das ist so ein tolles Schlagwort, das man mal fallen lassen kann in Talkshows und Interviews. „Wir tun was für die Vereinbarkeit“ oder auch pathetischer „eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eines unserer Herzensanliegen“ – das kann man mal sagen. Das ist modern, das ist weltoffen, das ist etwas, was alle gut finden und wo keiner meckert. Eine gute Sache! Ja. Eben. Eine gute Sache. Eine verdammt überfällige Sache. Eine Sache, die eben nicht einfach ist (und es doch sein könnte, wenn nur die Rahmenbedingungen stimmen würden!). Eine Sache, die sich viel zu oft in Lippenbekenntnisse verliert. Denn es liegen uns Eltern noch viel zu viele Steine im Weg. Und entlang des Weges gibt es immer noch viel zu viele Baustellen, die seit Jahren offen liegen und an denen sich nichts tut. Oder nur mal hier und da etwas tut und dann wieder jahrelang nichts. Es muss sich noch viel tun, bis Vereinbarkeit wirklich gelebt werden kann. Bis man bestenfalls gar nicht mehr darüber reden muss, dass sich etwas ändern muss, weil es einfach so selbstverständlich geworden ist. Von echter, gelebter Vereinbarkeit sind wir noch weit entfernt. Es gibt einfach zu viele Baustellen. „Wir setzen uns für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ ein ist immer noch eine Floskel und das Kindergeld um 5 Euro zu erhöhen ist definitiv nicht das, was ich unter diesem „wir tun was für Vereinbarkeit“ verstehe. Ich habe einmal meine Leserinnen auf Instagram gefragt, welche Rahmenbedingungen sich für sie ändern müssen und was sie sich wünschen für mehr, echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „“Vereinbarkeit fängt mit Verständnis an“, schrieb mir eine Leserin – und damit hat sie einfach recht! Das Verständnis fehlt an allen Ecken und Enden. Aber es muss sich noch mehr tun – hier kommen die spannenden Antworten, die, wie ich finde, sich Politiker ganz genau durchlesen sollten, bevor sie in der nächsten Talkshow wieder verkünden, dass ihnen ja die Vereinbarkeit sehr am Herzen liegt:

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