Vom ständigen Geben als Mama – ein Gastbeitrag über den Wunsch, auch einmal Trost zu empfangen

Als Mama gibt man – rund um die Uhr. Man gibt Leben, Liebe, Wärme, Geborgenheit. Diana vom Blog zweitoechter hat mir einen wunderbaren Gastbeitrag dazu geschrieben, was man als Mutter gibt – und was sie vermisst: „Die werdende Mutter verzichtet auf bestimmte Lebensmittel und gibt dem Kind damit die besseren Startvoraussetzungen, als wenn sie sie weiter konsumieren würde. Wenn der Babybauch wächst, streichelt sie das wachsende Kind durch die Bauchdecke. Einmal auf der Welt bekommt das kleine Wunder die ganze Aufmerksamkeit und die frischgebackene Mutter bleibt im Hintergrund mit ihren Wehwehchen und dem Hormonchaos. Die Tage und Nächte werden länger mit einem Neugeborenen und die Wünsche frommer. Zuletzt träumte sie vielleicht von einer ausgiebigen Massage, nun empfindet sie eine 5-minütige Dusche als Wellnesstag. Während sie nachts auf- und ablaufend das Baby wiegt, schenkt sie ihm auch nach vielen Stunden immer wieder die Wärme und Aufmerksamkeit, die es braucht.

Das Bild der liebenden, aufopfernden Mutter ist allgegenwärtig

Ich könnte ewig so weitermachen. Eines haben alle Beschreibungen gemeinsam: das ständige Geben. Als Mama gibt sie Liebe, spendet Trost und schenkt Aufmerksamkeit. Die Wörter selbst beschreiben bildlich wie die Energie von ihr weg und in einen anderen Menschen übergeht. Es ist kein Kreislauf. Es ist ein stetiges Abziehen von Energie, vielleicht sogar Lebensenergie.

Was macht das mit uns?

Es gibt Mütter, die sind irgendwann völlig kraftlos. Sie haben gegeben, jahrelang. Sie haben getröstet, Kompromisse gemacht, vermittelt, sich die Nächte um die Ohren geschlagen und in den Schlaf geschaukelt. Doch jetzt sind ihre Energietanks leer. Jetzt können sie nicht mehr geben. Sie wollen, aber es geht nichts mehr. Ist das der Burnout, von dem alle reden? Braucht sie jetzt eine Therapie? Eine Kur?

Diana ist Mutter von drei Kindern und bloggt auf zweitoechter.de über das achtsame Familienleben, Nachhaltigkeit und Vereinbarkeit.

Alle anderen wissen es besser

Der Partner hat eventuell gesehen wie sie sich verändert hat, wusste aber nicht zu helfen. Außenstehende empfehlen ihr eine Pause. Sie solle doch mal die Kinder für ein paar Stunden abgeben und ihre Ansprüche seien ja viel zu hoch. Dass sie auch noch arbeiten geht, wäre keine gute Idee gewesen. Und überhaupt andere schaffen es schließlich auch.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Nach dem Energieerhaltungssatz wissen wir, dass Energie nicht „verloren gehen“ kann, sondern nur in ein anderes Medium oder einen anderen Zustand übergeht. Aber was heißt das in Bezug auf Lebensenergie? Würde eine ausgebrannte Mutter die Energie von ihren Kindern zurückbekommen? Ist das stundenlange Stillen am Abend etwa doch nicht so kräftezehrend und mit einem Blick in das Gesicht ihres Kindes, tankt sie Energie auf wie an einer Ladestation? Woher soll sie die notwendige Energie nehmen?

Über das Vergessen

Sind handgeschriebene Liebesbriefchen eines Kindes nach über 7 Jahren so bereichernd, dass der ganze Schmerz, der Verzicht und die Aufopferung als Mama vergessen sind? Können sich die Energietanks nach Jahren der Mangelwirtschaft einfach wieder erholen? Oder vergessen wir die dunklen Momente, an denen wir am liebsten die Tür hinter uns zugeknallt hätten und weggelaufen wären?

Wenn Kinder älter werden, wird das ständige Geben als Mama weniger. Es bleibt mehr Zeit für andere, energieladende Tätigkeiten. Die Tanks leeren sich langsamer und werden zwischendurch wieder aufgefüllt. Das Vergessen setzt ein. Und das ist gut so.

Ich möchte nehmen

Nach über 8 Jahren des ständigen Gebens wünsche ich mir manchmal nur eines: Dass auch ich hin und wieder in den Schlaf gesungen werde, dass auch mir jemand mit herzlicher Wärme Trost spendet, wenn ich es brauche. Dann möchte ich nehmen und nicht geben. Dann möchte ich nicht die Älteste sein. Ich möchte wissen, dass da noch Generationen „über“ mir sind, die sich um mich kümmern. Ich möchte schwach sein dürfen, weinen und nehmen. Nehmen wie ein kleines Kind.“

Vielen Dank für diesen Text, liebe Diana! Ich kann gut nachvollziehen, was Du meinst. Denn ich kenne dieses Gefühl ebenfalls sehr gut! Mehr von Diana lest Ihr auf ihrem Blog zweitoechter. Und wenn Ihr mehr zum Thema Mütter-Burnout lesen möchtet oder darüber, wie man es schafft, sich als Mutter nicht aus den Augen zu verlieren und die eigenen Bedürfnisse mehr wahrzunehmen, dann schaut doch mal in mein Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“.

Mein neues Buch ist da! „Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“.

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“
  Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter 

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Kennt Ihr eigentlich schon mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr mehr als 80 Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest– ich freue mich auf Euch!

Ein Kommentar zu “Vom ständigen Geben als Mama – ein Gastbeitrag über den Wunsch, auch einmal Trost zu empfangen

  1. ich kann das so gut nachempfinden. mir ging es in den ersten jahren mit den kindern auch so. oft habe ich mich leer gesaugt gefühlt. und die schultern haben weh getan von der last die ich alleine getragen habe. zB beim stillen oder beim stunden langen halten und wiegen von meinen schreienden babys hätte ich so gern gehabt das ICH mich an jemanden lehnen kann, damit ich ich genug kraft für die beiden habe…..

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