Gastbeitrag: Von der Langeweile einer Babymutter

Als ich die Email einer Leserin las, wusste ich sofort, was sie meinte, als sie mir beschrieb, wie lang die Tage mit Baby manchmal sind und wie groß die Langeweile an diesen Tagen ist. Auch ich kannte diese Tage, vor allem beim ersten Kind. Wenn die Zeit nicht verging und man abends feststellte, dass man den ganzen Tag mit keinem Erwachsenen geredet hatte, sondern nur mit dem eigenen Baby. Beim zweiten und beim dritten Kind wurde das schon besser – aber auch jetzt gibt es manchmal Tage, an denen ich mich einfach dabei langweile, auf dem Spielplatz Sandkuchen zu backen oder mich mit Kinderpuzzeln zu beschäftigen. Kennt ihr das Gefühl, das meine Gastautorin beschreibt? Lest selbst. Sie möchte lieber anonym bleiben, aber ich freue mich über ihre Ehrlichkeit:

„Liebe Nathalie,

danke, dass ich die Gelegenheit habe, auf Deinem Blog über meine Gefühle zu schreiben. Ich habe das Gefühl, dass man darüber in der Öffentlichkeit nicht reden kann und sofort als Rabenmutter abgestempelt wird. Als ich mal versuchte, das meiner Schwiegermutter zu erklären, kam sofort „Dann hättest du halt keine Kinder bekommen sollen“. Wenn ich andere Mütter anschaue, habe ich das Gefühl, dass bei mir etwas falsch läuft. Dabei liebe ich mein Baby, ich liebe es, sie stundenlang anzuschauen und diesen Babyspeck zu knuddeln.

Aber: Ich langweile mich mit meinem Baby. Ich habe keinen Spaß daran, den ganzen Tag mit Rasseln und Babysprache zu verbringen. Die Tage sind einfach nur lang und die Zeit will nicht vergehen. Ich bin froh, wenn mein Mann abends nach Hause kommt und ich mit einem Erwachsenen sprechen kann. Ich habe unheimlich viele Bücher gelesen, ich lese Blogs mit Anregungen, was man mit seinem Baby machen kann. Ich mache es auch – und es ist auch ok. Aber eben nicht den ganzen Tag! Das Highlight des Tages ist es, wenn ich mit dem Kinderwagen um den Block gehe und mein Baby schläft. Am Anfang, als meine Tochter noch mehrmals am Tag geschlafen hat, war das auch ok. Aber nun will sie Unterhaltung.

Die Tage sind unheimlich lang. Mein Mann arbeitet mehr als früher und kommt immer später nach Hause. Wahrscheinlich hat er keine Lust mehr, weil ich entweder völlig genervt und schlecht gelaunt bin oder ihn volltexte, weil ich froh bin, mit jemanden zu reden.

Corona macht es nicht gerade leichter, denn fast alle Babykurse fallen aus. Die Rückbildung war nur online. Wie soll ich so andere Mütter kennenlernen? Ich bin die erste in meinem Freundeskreis, die ein Baby bekommen hat. Ich hoffe, es wird nun besser im Sommer, wenn man auf den Spielplatz kann und dort mit anderen reden kann. Ich brauche Gesellschaft und ich bin mir sicher, meine Tochter braucht auch Gesellschaft!

Manchmal frage ich mich, ob ich irgendetwas falsch mache. Darf ich solche Gefühle haben? Stimmt etwas nicht mit mir? Bin ich vielleicht wirklich nicht dazu gemacht, ein Baby zu haben? Aber ich wollte dieses Baby und ich liebe meine Tochter über alles. Aber es ändert nichts daran, dass ich mich an vielen Tagen langweile.

Ich bin mir sicher, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht – und würde mich freuen, wenn mein Text anderen Mut macht, über ihre Gefühle zu reden. Denn das sagst du ja auch immer auf deinem Blog: Wenn man weiß, dass es anderen auch so geht, geht es einem selbst gleich viel besser. Dann weiß man, dass man nicht alleine ist oder irgendwie falsch gepolt.“

Danke, liebe Gastautorin!

Ich bin mir sicher, wir kennen es fast alle, dieses Gefühl, dass die Tage einfach lang werden können mit Kindern. Könnt ihr der Mutter Mut machen?

Mein neues Buch erscheint bald! „Das Kind wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“: Und hier könnt es jetzt schon vorbestellen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“
  Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter 

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Kennt Ihr eigentlich schon mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr mehr als 80 Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest– ich freue mich auf Euch!

6 Kommentare zu “Gastbeitrag: Von der Langeweile einer Babymutter

  1. Mir scheint nicht das Baby das Problem zu sein sondern deine Einsamkeit.
    Ich hatte auch Angst vor diesen langen Tagen allein mit Baby, bevor ich das erste bekommen habe und habe mich vorrangig deshalb bei verschiedenen Babykursen angemeldet. Auch der Geburtsvorbereitungskurs diente nicht nur der Information sondern auch der Kontaktsuche, da ich – ähnlich wie du – die erste in meinem Freundeskreis (vor allem vor Ort) war, die ein Kind bekommen hat.
    Ich bin heute noch dankbar für die Freundschaften, teils auch nur auf Zeit, aber das reicht ja!, die mich aus manchem emotionalen Loch geholt haben.
    Ich bin mir sicher, dass auch die „Supermuttis“, die auf dem Spielplatz mit den Kindern aktiver spielen, das nicht den ganzen Tag tun oder zumindest nicht völlig erfüllt davon sind. Da ist vielleicht das Zauberwort „Quality time“.
    Durch die Coronaproblematik hast du diese Möglichkeiten nur bedingt, aber inzwischen ist es warm, du kannst andere Eltern im Park/auf dem Spielplatz treffen und gezielt ansprechen oder auch online nach Pekip-und co-Kursen suchen, wo du MitstreiterInnen findest, die während der letzten Monate ähnlich isoliert waren.
    Dein Mann wird das nicht auffangen können, wenn er Vollzeit arbeitet, es ist unfair von ihm, dich mit der Situation alleinzulassen, aber auch unfair von dir, wenn du von ihm erwartest, dass er das „Loch stopfen kann“, das durch die fehlenden Kontakte entstanden ist. Bau dir dein Dorf mit anderen Zuhausgebliebenen, die auch deine Gefühle besser nachvollziehen können als dein Mann, der das nicht erlebt. Oder ihr redet darüber, ob er sich mit dir die Elternzeit teilt.
    Und ja! Gönn dir Auszeiten ohne Baby, da stimme ich meiner Vorgängerin absolut zu. Auch weil er so mehr verstehen wird, wie du dich manchmal fühlst.

    Ich wünsche dir schnelle Besserung und ja: du bist definitiv nicht alleine mit diesen Gefühlen!

  2. Hab ich auch so erlebt. Ich war (und bin es immer noch) sehr froh über mein Arbeit, Klar, der Stress ist gerade jetzt immens groß und oft nerven mich manche Kunden. ABER es ist ein Garant für geistige Auslastung. Ich habe regelmäßig mit Erwachsenen zu tun und rede dabei selten über Themen, die mit meinem Alltag zu tun haben. Da ich nur ein paar Stunden die Woche arbeite, fällt mir auch das Abschalten nicht schwer und ich kann trotz Homeoffice Arbeit und Familie gut trennen. Mir ist natürlich bewusst, dass nicht jeder so leben kann bzw. will. Aber es gibt andere Möglichkeiten. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mich ehrenamtlich engagieren (Hausaufgabenhilfe, Vorlesepatin, etc.). Mach dir einfach mal ein paar Gedanken, ob du ein paar Stunden die Woche erübrigen kannst und wenn ja, was du in dieser Zeit gerne machen würdest. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, ein oder zwei andere Mamas aufzutreiben, denen es ähnlich geht und ihr trefft euch regelmäßig zum Austausch.

  3. Total verständlich! Die Tage sind lang und ein Baby ist zuckersüß aber kein wirklicher Gesprächspartner! Ich war bei beiden Kindern dankbar für die Mama- Kind- Kurse, in die ich vorher ganz sicher NIE gehen wollte😉 und auch heute noch bin ich froh, um jedes Treffen, das auf dem Spielplatz stattfindet und nicht ich, sondern das andere Kind mit meinem die Sandkuchen backt! Ich denke, das ist einfach eine Typfrage. Und es ist doch auch wie eine Auszeit an einem langen Tag. Den Rest des Tages machst du ja schließlich etwas mit deinem Baby.
    Es hilft tatsächlich sich zu überwinden, mutig zu sein und jemanden anzusprechen. Vielen geht’s genauso und keiner traut sich! Und eine gemeinsame Runde mit dem Kinderwagen kann so gut tun!

  4. Ich kann das voll und ganz nachvollziehen! Und Corona verschlimmert deine Situation mit Sicherheit extrem! Bei mir hat sich durch Zufall recht schnell nach der Geburt eine feste Mama-Clique gebildet. Die Treffen mit den Mädels waren immer mein Highlight der Woche. Das nächste Highlight war dann der tägliche Spaziergang, wie bei dir!
    Ich drücke dir die Daumen, dass Corona es bald zulässt, dass du auch wieder mehr Kontakte haben kannst! Wenn das dann möglich ist, scheue dich nicht, andere Mamas konkret anzusprechen (in der Krabbelgruppe, auf dem Spielplatz, im Internet oder egal wo 😀) und zu fragen, ob sie Lust auf Treffen haben. Ich glaube die meisten Mamas sind sehr froh über neue Kontakte, aber die wenigstens trauen sich den ersten Schritt zu machen.

    • Ohja, ich erinnere mich auch noch gut an diese Situation und da gab es noch kein Corona… Ich habe von Anfang an versucht das Kind in meinen Alltag mitzunehmen und mich nicht zu sehr auf das Kind zu fokussieren, damit meine ich, ich habe das Baby einfach überall mit hingenommen und diese Tage waren viel entspannter als die Tage, an denen wir nur zu Hause waren, ich hatte was zu tun und das Baby was zu gucken, das tat uns beiden gut.
      Ich bin auch niemand der den ganzen Tag mit dem Baby spielen kann, auch heute wissen meine Kinder, dass Mama nicht Spielpartner ist. Klar, lese ich mal etwas vor oder spiele ein Spiel mit ihnen, aber das sind Ausnahmen und das wissen meine Kinder auch. Zum Spielen haben sie sich oder ihre Freunde, das kommt aber erst mit der Zeit.
      Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen deswegen, wenn ich andere Mütter mit ihren Kindern auf dem Boden krabbeln und in Rollenspielen aufgehen sah, aber so bin ich nicht. Da sind wir einfach verschieden und das ist auch ok so. Ich liebe meine Kinder, aber ich bin kein Spielkamerad, dafür habe ich (in einer Großfamilie) auch einfach genug anderes zu tun…
      Mein Tipp: geh nach deinem Gefühl und lass dir nicht reinreden, jeder weiß am besten, was er gerade braucht und womit er sich wohlfühlt.

  5. Vollkommen nachvollziehbar, ging mir bei beiden ganz genauso! Und ist der Grund weshalb ich bei Nummer drei Plane, sehr früh schon wieder mit einem Minimum an 10h aus dem Homeoffice zu arbeiten. Es macht mir einfach keinen Spaß mich immer nur mit Kindern zu beschäftigen. 😉 Hat ja seinen Grund, dass zumindest ich nicht Kindergärtnerin geworden bin! Und das meine ich überhaupt nicht despektierlich, jeder ist halt anders!
    Was ich tatsächlich empfehlen kann, sind neue Hobbys! Ich habe viel genäht in der Zeit und gerade starte ich zB mit Klavierspielen, in der Hoffnung dass mich das während der nächsten Elternzeit beschäftigt. Und – ist mir auch immer schwer gefallen! – es macht tatsächlich Sinn, schnell wieder mit Sport zu beginnen. Sei es draußen oder im Zweifel auch mit YouTube vor der Glotze. Im Nachhinein habe ich mich bei beiden Kindern gefragt, warum ich die viele Zeit an der Stelle nicht besser für mich genutzt habe.
    Und letzter Tipp: lass es deinem Mann nicht durchgehen, dass er sich immer weniger beteiligt. Die Männer können das häufig nicht nachvollziehen wie es ist wenn man die ganze Zeit zu Hause ist. Da muss man sie einspannen und vielleicht auch mal ein paar Tage mit Kind alleine lassen. Oder noch besser, selber für einige Monate in Elternzeit schicken!
    Liebe Grüße und alles Gute!

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