Gesunde Ernährung für Kinder: Tipps von einer Ernährungsexpertin

*Werbung und Experteninterview*

Das mit der gesunden Ernährung von Kindern ist ja so eine Sache… ich hatte mir, bevor ich Kinder hatte, immer vorgenommen, sie natürlich gesund zu ernähren, wenig Süßigkeiten, viel Gemüse und Obst und Pommes nur zu besonderen Anlässen. In meiner Vorstellung war das alles ganz einfach: Da ich mich gesund ernähre, würden das die Kinder schon auch machen, dachte ich! Ich gebe zu: Ich belächelte es sogar ein wenig von oben herab, wenn mir Eltern von ihren Kindern erzählten, die wochenlang nur Nudeln aßen. Tja. Ich wurde bald eines Besseren belehrt. Denn das mit der gesunden Ernährung für Kinder ist nicht immer so ganz einfach. Denn Kinder haben ihre Phasen, sie sind misstrauisch gegenüber neuen Gerichten und Geschmäckern und natürlich haben sie sehr schnell raus, dass Gummibärchen und Co. sehr lecker sind. Wie man Kinder gesünder ernähren kann, was man dabei beachten muss, wie viele Süßigkeiten es sein dürfen und welche Alternativen es gibt und wie Eltern damit umgehen sollten, wenn Kinder wochenlang nur Nudeln mit Tomatensoße essen möchten, habe ich die Ernährungsexpertin der KNAPPSCHAFT Sarah Schwietering gefragt. Sie kennt sich nämlich mit dem Thema Ernährung und Familienküche bestens aus und gibt dazu auch lesenswerte Tipps für den Blog der Knappschaft.

Sarah Schwieterin ist Ernährungsexpertin der KNAPPSCHAFT. Foto: Knappschaft

Eltern wissen in der Theorie eigentlich alle, dass gesundes Essen vor allem frisch sein sollte,
möglichst viel Obst und Gemüse beinhalten sollte und wenig Süßigkeiten. Aber Theorie und Praxis
sind ja immer so eine Sache, vor allem mit Kindern! Was sind die wichtigsten Dinge, die Eltern
beachten sollten, wenn sie ihre Familie gesund ernähren möchten?

Sarah: Seien Sie Vorbild! Leben Sie vor! Gestalten Sie jeden Tag aufs Neue aktiv gemeinsame Mahlzeiten
mit Ihrer Familie. Das ist das aller wichtigste. Welcher Dreijährige mag denn Broccoli essen, wenn
Mama und Papa es nicht tun? Warum sollte ein Kind viel trinken, wenn die eigenen Eltern es nicht
tun? Warum sollte ein Schulkind gern Vollkornbrot essen, wenn die Großen nur Toast mögen? Eltern
müssen verstehen, dass sie der Kompass sind, an dem ihre Kinder sich orientieren… auch was das
Essen angeht. Dann sind sicher noch nicht alle Hindernisse beseitigt, aber es ist der erste, wichtige
Schritt auf dem Weg zur „gesunden Familienkost“.

„Erzeugen Sie keinen Druck!“

Wir wissen ja alle, dass Gemüse gesünder ist als Gummibärchen – und dass das Essen möglichst vielfältig sein soll. Aber fast alle Eltern kennen es, dass ihre Kinder eher nicht für Neues zu begeistern sind. Wie schaffe ich es, meinen Kindern verschiedene Gemüsearten schmackhaft zu machen, wenn sie nur Nudeln mit Tomatensoße essen wollen?

Sarah: Kochen Sie nicht so oft Nudeln mit Tomatensoße! Wer immer sein Lieblingsessen serviert
bekommt hat schließlich keinen Grund, etwas Neues zu probieren. Bieten Sie immer wieder verschieden Gemüsesorten in unterschiedlicher Form an, auch den Allerkleinsten schon. Ganz wichtig dabei: Erzeugen Sie keinen Druck! Sprechen Sie lieber in der Familie die Regel ab, dass alles Neue zumindest probiert wird. Wer dann etwas nicht mag, der muss
es nicht essen. Trotzdem kann man es einige Wochen später noch einmal ausprobieren… Geschmack entwickelt sich nämlich. Auch hier gilt: seien Sie Vorbild! Wenn Sie selbst am liebsten jeden Tag Nudeln mit Tomatensoße
essen, dann wird Ihr Kind kaum verstehen, warum Sie das tun dürfen, es selbst aber einen
gemischten Salat vorgesetzt bekommt.

Die Probier-Regel gibt es bei uns in der Familie auch, sie funktioniert meistens. Aber trotzdem gibt es immer Phasen, wo Kinder besonders kritisch neuen Lebensmitteln gegenüber sind. Wie schaffe ich es, sie dennoch zu einem abwechslungsreichem, gesunden Essen zu bewegen?

Sarah: Nutzen Sie die Vorlieben Ihrer Kinder. Irgendein Gemüse mag fast jedes Kind. Ob Gurkenscheiben
Cocktailtomaten oder Knabbermöhrchen, ein bisschen Rohkost zum Butterbrot geht bei den meisten
Kindern. Auch eine kindgerechte Gemüseauswahl bei den warmen Gerichten hilft natürlich. Erbsen,
Mais, Süßkartoffeln, Möhren oder Kürbis stehen bei vielen Kindern sicher höher im Kurs als
Rosenkohl und Chicorée. Ein bisschen Schummeln ist erlaubt. Sellerie und Möhren in die Tomatensauce zu schmuggeln ist natürlich der Klassiker, ersetzt aber nicht die oben genannten Punkte. „Ernährungserziehung“ ist
eben genau so viel Arbeit, wie die Erziehung in anderen Bereichen. Denn wenn ich möchte, dass
mein Kind zu einem emphatischen Menschen heranwächst muss ich das ja auch vorleben,
kommunikativ begleiten und als Thema präsent haben. Das Wichtigste zum Schluss: beziehen Sie Ihre Kinder aktiv mit ein. Lassen Sie beim gemeinsamen Einkauf mitentscheiden, welches Obst gekauft wird. Lassen Sie sich altersgerecht ein bisschen beim Zubereiten helfen. Gurken oder Pilze schneiden können schon kleine Kinder. Backen Sie am
Wochenende gemeinsam ein Vollkornbrot. Gestalten Sie gemeinsam einen Wochenspeiseplan…

sharing cherry tomatoes
Photo by fauxels on Pexels.com

„Immer wieder anbieten!“

Ist es denn ok, wenn Kinder eine Phase haben, in der sie nur Nudeln mit Soße essen möchten?

Sarah: Das kommt natürlich darauf an, wie lange diese Phase dauert und wie ausgeprägt sie wirklich ist. Isst
ein Kind über Monate tatsächlich nur Toast mit Butter und sonst überhaupt nichts ist das schon
etwas, was einer genaueren Betrachtung bedarf. Erster Ansprechpartner*in ist in einem solchen Fall
sicher die Kinderärztin /der Kinderarzt. Diese Extreme sind aber erfahrungsgemäß eher die
Ausnahme. Viel häufiger sehe ich Kinder mit sogenannten „altersspezifischen Vorlieben“. Da stehen
dann Pizza, Nudeln, Pommes, Bratwurst und Fischstäbchen hoch im Kurs. Was in der Regel aber nicht
bedeutet, dass gar nichts anderes gegessen wird. Viele Kinder essen gern Rohkost wie
Paprikastreifen, Möhrenstifte oder bunte Minitomaten. Das ist doch ein Anfang. Auch verschiedene
Obstsorten sind häufig überhaupt kein Problem. Es gilt: immer wieder anbieten und selber mitessen.

Diese altersspezifischen Vorlieben kennt wohl jeder: Alle Kinder mögen Dinge wie Chicken Nuggets oder Pommes: Wie oft darf so etwas sein?

Sarah: Auch auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es geht eben immer um das große
Ganze. Wer im Alltag Vollkornbrot isst, naturbelassene Milchprodukte verwendet, täglich Obst und
Gemüse auf dem Speiseplan hat, viel Wasser trinkt und sich mit Süßkram und fettigen bzw. zuckrigen
Snacks zurückhält, dem können Chicken Nuggets und Pommes wenig anhaben. Das Thema lautet
also: ECHTE Ausnahmen. Denn die meisten würden sagen: „Das gibt es bei uns ja nicht jeden Tag.“
Häufig zeigt sich aber in den Ernährungsberatungen aber, dass es fast täglich andere Ausnahmen
gibt. Den einen Tag gibt es Hamburger, den nächsten Tag Pizza, dann mal Pommes, gefolgt von
Kuchen oder Torte, dann ausnahmsweise mal eine Limonade und zum guten Schluss die Brat- oder
Currywurst. Jeden Tag eine andere Ausnahme ist dann eben irgendwie auch keine Ausnahme mehr.
In vielen Fällen hilft es, sich diese „Leckerchen“ für besondere Gelegenheiten, wie etwa Geburtstage,
Weihnachten, oder Familienfeiern, aufzuheben.

brown cone with white sprinkled icing
Photo by Calebe Miranda on Pexels.com

„Eine Portion Süßes am Tag ist ok“

Und was ist mit Süßigkeiten: Wie oft dürfen Kinder etwas Süßes essen?

Sarah: Die Faustregel lautet: eine Portion Süßigkeiten pro Tag ist okay. Dabei entspricht eine Portion der
eigenen Handfläche. Das kann für ein dreijähriges Kind etwa ein Riegel Schokolade sein oder – bis 6
Gummibärchen.

Sechs Gummibärchen ist schnell erreicht! Ich gestehe: Da muss ich bei meinen Kindern wirklich genauer hinschauen. Was gibt es sonst noch bei Süßigkeiten für Kinder zu beachten?

Sarah: Vor allem muss man beachten, dass sich hinter viel mehr Dingen Süßigkeiten verbergen als häufig
angenommen wird. Das fängt bei Müslis oder Cerealien, Schokocreme sowie dem Frühstückskakao
am Morgen an, geht über fertige Puddings, Kinderjoghurts, Quetschies und Milch-Snacks und endet
bei speziellen Kinder-Getränken, die häufig mit Zucker vollgepumpt sind. Das Gemeine daran ist, dass
die Hersteller häufig suggerieren, dass Ihre speziellen Kinderprodukte gesund seien und einen
besonderen Nutzen hätten. Dabei ist es genau anders herum: Kinder brauchen keine industriell
erzeugten Spezialprodukte sondern Grundnahrungsmittel.

Gibt es Süßigkeiten, die besser sind als andere Süßigkeiten?

Sarah: Salzstangen haben weniger Fett als Chips und Bitterschokolade weniger Zucker als die
Vollmilchvariante. Deswegen sollten wir trotzdem nicht besonders viele Salzstangen essen und
Bitterschokolade steht bei den Kleinen meistens auch nicht sonderlich hoch im Kurs. Viel besser ist es
deswegen ein gutes Maß für den ganzen Süßkram zu finden. Außerdem hilft es natürlich ungemein,
wenn die Kinder mitentscheiden können. Wer zwischen Lolli und Schoki zumindest selbst auswählen
darf, ist sicherlich zufriedener und kooperativer, als wenn er ungefragt Rosinen vorgesetzt bekommt.

Was ist mit Süßigkeiten als Belohnung? Das ist etwas, das in Elternkreisen oft diskutiert wird.

Sarah: Grundsätzlich würde ich immer davon abraten mit Essen zu belohnen. Wer von Kleinauf lernt, dass
Essen Belohnung ist, der hat es oft schwer im Erwachsenenalter davon weg zu kommen. Und das ist
dann häufig ein Problem in der Erwachsenenberatung, wenn es um das Thema Übergewicht geht.
Trotzdem ist natürlich der Spielraum bei süßen Sachen etwas größer, wenn das „Drumherum“
stimmt. Als Beispiel: Zum Mittag wurde nur ein paar Mal im Essen gepickt, das Gemüse liegt
unangetastet auf dem Teller und bei jeder Gabel gibt´s Gezeter… dann gibt es eben auch keinen
Nachtisch. Wer hingegen von allem probiert, nicht jede einzelne Erbse ausdiskutiert und eine
angemessene Portion verputzt, der hat gute Chancen auf ein Dessert.

person slicing fruits on a brown wooden chopping board
Photo by Cristian Rojas on Pexels.com

Gesunde Alternativen zu Gummibärchen und Co.

Gibt es auch gesunde Alternativen zu Schokolade oder Gummibärchen?

Sarah: Natürlich gibt es gesündere Süßigkeiten als Gummibärchen und Schokolade. Man muss aber den
Kontext anschauen. Für meine Tochter wäre zum Beispiel eine Dattel keine Alternative, wenn sie sich
grade Gummibärchen wünscht. Dafür gibt es bei uns selbstgemachte Schokocreme ohne
Zuckerzusatz, Obstspieße, selbstgebackene Kekse oder Bananenbrot… alles aus Vollkorn und mit
wenig (oder ganz ohne) Zucker und Fett. Somit fallen viele „Zucker-Baustellen“ weg und der
Spielraum für die geliebten Gummibärchen ist vorhanden. Gab es aber schon bei Oma und Opa Eis
oder Bonbons und im Kindergarten Schokopops zum Frühstück, passen wir zu Hause etwas genauer
auf. Es ist eben wie bei Allem: Die Mischung macht´s!

Meine Kinder wollen ständig etwas snacken, was ich versuche zu vermeiden, damit sie zu den Hauptmahlzeiten genug Hunger haben. Aber natürlich kommt ab und zu der große Hunger zwischendurch: Welche gesunden Snacks gibt es für Kinder?

Sarah: Grundsätzlich empfiehlt es sich, das Snacken weitestgehend zu vermeiden. Auch Kinder müssen nicht
dauernd essen. Das mindert zum Beispiel auch den Appetit bei den Hauptmahlzeiten. Wenn es in der
Familie vielleicht ohnehin schon viele Diskussionen am Esstisch gibt, würde ich die
Zwischenmahlzeiten auf jeden Fall genauer im Blick haben. Denn wer kaum Hunger hat, weil es
schon viele Snacks gab, der wird sicherlich kaum mit gutem Appetit etwas Neues probieren. Zwischen
den Hauptmahlzeiten sollte man sich also tatsächlich auf ein Minimum beschränken. Das kann eine
Hand voll Obst sein, ein bisschen Gemüserohkost oder eine Naturjoghurt mit etwas Obst, evtl. ein
paar Nüsse, mehr Ideen gibt es auch auf dem Blog der Knappschaft.

Danke für das Interview, liebe Sarah! Eigentlich gar nicht so schwer, das Ding mit der gesunden Ernährung von Kindern! Weitere Tipps von der Ernährungsberaterin Sarah zum Thema Kinderernährung und gesunde Ernährung findet ihr übrigens hier auf dem Blog der Knappschaft, wo es auch viele weitere lesenswerte Expertentipps zu Gesundheitsthemen gibt und leckere Rezeptideen. Und wenn ihr noch Fragen zum Thema Kinderernährung habt, dann könnt ihr euch hier auch direkt an Sarah wenden.

Kennt Ihr mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr viele weitere Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“
  Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter 

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Beim Kommentieren stimmt Ihr meiner Datenschutzerklärung (siehe Menü) zu.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.