„Du bist der Mann, du musst doch das Geld verdienen“ – ein Gastbeitrag übers Hausmann-Sein

Einmal die Rollen mit der Frau tauschen und „Hausmann“ sein – davon hatte Philipp Weber tatsächlich schon länger geträumt. Er hat den Schritt dann schließlich umgesetzt. Über seine Erfahrungen berichtet er mir heute in einem Gastbeitrag, ich freue mich sehr! Lest selbst, wie Philipp dazu kam und welche Erfahrungen er gemacht hat:

„Mein Name ist Philipp Weber, ich bin 33 Jahre, verheiratet, habe einen Sohn der im November 2 Jahre wird. Kommenden Februar erwarten wir nochmals Nachwuchs. Aktuell arbeite ich als Verkaufsleiter für einen der weltweit größten Grußkartenhersteller. Ich bin ausgebildeter Fußballtrainer und zertifizierter Fußballmanager. Meine Frau ist Kinderkrankenschwester. Geträumt habe ich schon immer davon, mal „Hausmann“ zu sein. Getraut ehrlich gesagt nicht, was aber damit zusammenhing, dass wir damals ein Haus gekauft haben und wir das Risiko „nur ein Gehalt“ zu haben nicht eingehen wollten/konnten.

Was zu dieser Zeit (2019) aber auch war, ich verspürte eine gewisse Unzufriedenheit in meinem damaligen Job (Nationaler Key Account Manager), ein Wechsel kam aus diversen Gründen (unbefristeter Vertrag, Haus gekauft, Sohn) nicht in Frage. Es kam wie es kommen musste, die Firma baute einige Stellen ab und ich war dabei. Was war das nun? Pech? Glück? Schicksal? Ich würde es als Glück und Schicksal bezeichnen, denn mir wurde eine Entscheidung abgenommen, die ich innerlich bereits getroffen hatte, mir aber der Mut zu dieser Entscheidung fehlte, nämlich den Arbeitgeber zu verlassen und etwas neues zu tun.

Die Kündigung habe ich an meinem letzten Urlaubstag abends telefonisch erhalten. Wir haben uns nach dem Telefonat eine Frage gestellt: „Was ist nun das schlimmste, was passieren kann? – Das wir unser neues, aufwendig in Eigenleistung renoviertes Zuhause nicht mehr finanzieren können“. Glücklicherweise konnten wir diese Frage mit „wir können es finanzieren“ beantworten. Im Anschluss sagte ich zu meiner Frau, nun lass uns die geschenkte Zeit nutzen. Ich war 3 Monate freigestellt.

Vier Tage nach der Kündigung bekam ich die Anfrage, ob ich mir vorstellen kann, als Talentscout für den FC Bayern München nach China zu fliegen. Bitte was? FC Bayern München? China? Talentscout? Ich? Ähm, ja! Ja! Ja! Ich habe Zeit und Lust! Nach 10 Tagen China wieder zuhause angekommen, kam die nächste Anfrage, Jugendfußballcamp in Nigeria für den 1.FSV Mainz 05 leiten. Klar, auch das mache ich.

Zwischen China und Nigeria hatte sich dann noch die Möglichkeit ergeben, in einer Mühle, gemeinsam mit der Inhaberin Brotbackworkshops zu geben. Hier wurde jemand gesucht, der unterstützt und Lust hat, mit gut gelaunten Menschen Brot zu backen. Ich koche gerne und warum nicht auch Brot backen, dachte ich mir. Dies tat ich bis März 2020.

Zurück aus Nigeria sind wir als Familie noch in den ein oder anderen Urlaub gefahren und die Idee & mein Traum entwickelten sich immer weiter, „Hausmann“ sein zu können. Nach einigen Gesprächen mit potenziellen neuen Arbeitgebern untermauerte sich das Vorhaben umso deutlicher. Denn einen Job zu machen, dass ich ihn mache, mache ich nicht mehr. Es muss passen.

Ich wollte ohne „Druck“ meinen neuen Job finden. Daher tauschten wir die Rollen zuhause und meine Frau ging arbeiten und ich war nun „Hausmann“. Ein Traum geht in Erfüllung, wenngleich man mich dazu anfangs wohl zwingen musste. Und nach dem Erhalt der Kündigung waren die ersten Tage auch nicht einfach, man macht sich Vorwürfe, hat man was falsch gemacht, etc.. Mittlerweile blicke ich voller Dankbarkeit auf diese wunderbare Zeit zurück und bin froh, dass alles kam wie es scheinbar kommen musste.

Wir als kleine Familie haben die Situation sehr schnell so akzeptiert, auch die Familie und die engen Freunde haben verstanden, was wir machten. Und dafür bin ich sehr dankbar. Ich hatte einige Menschen, mit denen ich über die Situation komplett offen sprechen konnte, das hat mir Mut gemacht und Kraft gegeben. Bekannte haben es teilweise nicht verstanden. „Du bist der Mann, Du musst doch Geld verdienen“

Warum muss ich das?

Ein weiteres Beispiel blieb mir in Erinnerung, als ich mit meinem Vater an einem Vormittag etwas unternommen habe, kam der Kommentar: „wenn man sonst nichts zu tun hat, aber das hast Du ja nicht, Du arbeitest ja nichts“ – ich kommentierte das nicht, drehte mich um und ging.

Ich bin der Meinung ein Kind 24h zu betreuen ist mehr „Arbeit“, als irgendein Managerjob. An dieser Stelle hebe ich gerne und in aller Deutlichkeit hervor, dass dies für mich keine Arbeit ist, mein Kind zu betreuen, sondern die schönste Aufgabe die es gibt! Die Rollen getauscht haben wir in Summe ca. 5 Monate, einfach deshalb nicht länger, weil ich einen tollen Job gefunden habe, der passt.

Jederzeit würde ich das wieder tun!

Und ich freue mich auch jetzt schon auf die Elternzeit beim nächsten Kind. Lasst uns doch alle gemeinsam Situationen annehmen und das Beste daraus machen, ohne negative Kommentare, vielleicht haben es sich manche bewusst so ausgesucht, andere wurden gezwungen, aber jeder handelt im Sinne seiner Möglichkeiten. Etwas mehr Miteinander hilft mehr, als Gegeneinander und positive Worte tun jedem von uns gut. Allem voran wünsche ich allen den Mut, Dinge zu verändern und auch mal neue Wege zu gehen!“

Danke, lieber Philipp für diese Mut machenden Worte! Ich finde auch, es sollte viel selbstverständlicher sein – so selbstverständlich, dass man nicht mehr darüber reden muss und keine blöden Kommentare mehr kommen. Aber bis es so selbstverständlich ist, zeige ich immer wieder gerne solche Beispiele und Gastbeiträge, um deutlich zu machen, wie viele verschiedene Modelle es gibt, die Care Arbeit in der Familie aufzuteilen. Denn zu lesen, wie andere es machen, hilft, auch selbst einen Schritt zu machen.

Mehr über Vereinbarkeit und das Leben mit Kindern lest Ihr auch in meinen Büchern:

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“
  Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter 

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Und mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr mehr als 80 Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest– ich freue mich auf Euch!

2 Kommentare zu “„Du bist der Mann, du musst doch das Geld verdienen“ – ein Gastbeitrag übers Hausmann-Sein

  1. Mein Mann hat ebenfalls die Elternzeit für beide Kinder übernommen, was für uns damals so gut gepasst hat, weil wir beide noch Studenten waren und es einfacher war, dass sich erstmal nur einer (ich) einen Job sucht. Ideal wäre natürlich 50/50 gewesen. Oft erlebe ich, dass sich Eltern selbst einschränken und zum Beispiel ein Haus oder teures Auto kaufen, was aber hohe finanzielle Verpflichtungen nach sich zieht. Schon kann sich die Familie die Elternzeit des Mannes nicht leisten. Das ist schade.

  2. ich bin so froh das es sich endlich etwas tut und wandelt. auch wenn es noch in so vielen köpfen ist etwas erreichen zu müssen, das der mann nicht zuhause bleiben sollte…. wir würden es auch so machen das mein mann mehr zuhause ist. aber ich als ergotherapeutin verdiene einfach so wenig und ich müsste so viel arbeiten und dann kämen wir trotzdem nicht über die runden. dazu ist mein mann selbstständig im kleinen familienbetrieb und muss vollzeit arbeiten, arbeiten wenn arbeit da ist. als solateur und damit auch der witterung ausgesetzt also muss gearbeitet werden wenn arbeit da ist und das wetter ausreichend gut. somit sind wir in der klassischen aufteilung. ich nehme elternzeit und gehe dann wieder in teilzeit arbeiten, wieviel weiß ich noch nicht. die kinder fänden es auch toll wenn papa mehr zeit hätte, wenn er nach hause kommt soll alles nur noch papa machen… ich finde das so schön für ihn udn die kinder und gleichheit fände ich es auch schön wenn wir erwerbsarbeit und familien arbeit mehr unte runs aufteilen könnten. ich denke mir, warum sollen nicht auch die männer zuhause bleiben?! jede familie sollte das doch nach ihren eigenen bedürfnissen udn vorlieben machen können, nur höre ich auch loch von so vielen das viele arbeitgeber da immer noch probleme damit haben. das finde ich sehr schade. denn ich denke langfristig profitieren doch alle davon!

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