Schwebezustand zwischen „halber Normalität“ und Sorgen: Corona-Status Quo

Seit fast zwei Monaten hat die Schule wieder begonnen. Wir steuern in Schleswig-Holstein geradewegs auf die Herbstferien zu. Bisher ohne Lockdown, ohne Schul- oder Kitaschließung und außer 2 Erkältungstagen auch ohne Infekt. Auch wenn wir schon einen Corona-Abstrich hinter uns haben – die Normalität hat uns wieder. Halt! Ich korrigiere: So eine Art „halbe Normalität“. Es ist eher eine Art Schwebezustand. Denn natürlich ist nicht alles normal. Und über all dem, was normal ist, schwebt die ganze Zeit so eine diffuse Bedrohung, so ein schales Gefühl. Denn auch, wenn wir hier im Norden in Sachen Corona-Fälle echt von größeren Fallzahlen verschont geblieben sind: Die Tatsache, dass grad überall Fälle plötzlich aufpoppen und sich auch nicht mehr nur mit Reiserrückkehrern erklären lassen, macht mir Sorgen. Auch hier bei uns im Norden stehen jeden Tag Meldungen von Schulschließungen in näherer Umgebung in der Zeitung. Auch ganz in der Nähe. Und der Gedanke „wann unsere Schule und Kita wohl dran sind?“ lässt sich nicht einfach so aus dem Hinterkopf verbannen.

Es ist irgendwie wie ein Hütchenspiel: Wo taucht die Geldmünze, ich meine, der nächste Coronafall auf?! Als ob sich ein Band immer weiter zuzieht. Obwohl wir hier von den Fallzahlen meilenweit von Bayern oder generell Süddeutschland entfernt sind, ist da so ein permanentes Unbehagen, was sich nicht aus dem Hinterkopf verbannen lässt. Und einem die Planbarkeit nimmt. In zwei Wochen wollen wir nach Dänemark. Ich hoffe, Corona grätscht uns nicht dazwischen. Auch beim Arbeiten lässt die Unplanbarkeit einen nicht los. Mit einer Freundin einen Kaffee an der frischen Luft trinken? Lieber nicht, sondern jede freie Minute zum Arbeiten nutzen, wer weiß, wann die Kinder infektbedingt oder wegen Quarantäne zuhause bleiben müssen. Es ist einfach immer im Hinterkopf, dieses Stimmchen, dieses Gefühl.

Aber gleichzeitig ist da auch eine Gewissheit, dass selbst, wenn die Kinder mal ein oder zwei Wochen zuhause bleiben müssen, das nicht der Weltuntergang ist. Dass wir das schon hinbekommen. Ja, auch mit Hilfe von Paw Patrol und Peppa Wutz. Aber das ist dann halt so. Ich weiß ja (naja, ich hoffe es vielmehr), dass es diesmal eher von kürzerer Dauer wäre. Ich glaube nicht, dass es noch einmal einen derart langen Lockdown geben würde. Ich kann nicht in die Zukunft schauen, aber es gibt ja doch mittlerweile viele neue Erkenntnisse und mit derart radikalen und langen Schul- und Kindergartenschließungen wie im Frühjahr rechne ich eher nicht. Und ein paar Wochen überbrücken, das schaffen wir.

Seit sich die Schnupfenregelungen bei uns im Bundesland gelockert haben, hat sich auch die Angst vorm Schnupfen etwas gelegt. Wir müssen die Kindern nur noch mit Fieber zuhause behalten (und Husten, Durchfall usw)- aber da lässt man sein Kind ja auch in Nicht-Corona-Zeiten zuhause.

Also doch ein bisschen Normalität ist eingekehrt. Dass meine Kinder in der Schule den ganzen Tag Masken tragen, ist so normal geworden wie morgens Schuhe anziehen (sie müssen sie nur auf den Fluren tragen, tragen sie aber auch im Klassenzimmer aus Rücksicht auf ihren Vater, der Risikopatient ist). An die Maske im Supermarkt habe ich mich so gewöhnt, dass ich sie nach dem Einkaufen vergesse wieder abzunehmen. Händewaschen war hier eh schon immer Regel und in Infektzeiten auch immer sehr gründlich. Und das mit dem Abstand halten in Warteschlangen und an Ampeln und überhaupt finde ich sogar gut, auf die Pelle rücken mochte ich noch nie und ich gehörte auch nie zu der Bussi-Bussi-Fraktion. Große Menschenmengen und Gedränge habe ich auch früher schon gemieden.

Normalität also. Ein bisschen zumindest. Aber nicht ganz.

Denn ich vermisse es, Freunde einzuladen. Mal eben im Café einen Kaffee zu trinken. Essen zu gehen. Freunde zu besuchen. Reisen zu planen. Ins Theater zu gehen. Mal spontan übers Wochenende in ein Hotel zu fahren. Durchs Museum zu schlendern. Entspannt bummeln zu gehen. Lange in der Bücherei zu stöbern.

Ja, ich fühle mich manchmal sozial etwas isoliert. Auch weil wir uns sehr an die Regeln halten – aus Rücksicht auf meinen Mann. Wir gehen nicht ins Restaurant, bestellen uns Essen nur zum Abholen. Wir gehen nur in Cafés mit einem großen Außenbereich. Freunde treffe ich draußen. Theater, Kino, Hotel meiden wir ganz. Durch die Bücherei oder durch Läden husche ich im Schnelltempo. Ich habe es letztens geschafft, bei Ikea im TurboDurchgang tatsächlich nur das zu kaufen, was auf dem Zettel stand!

Mir fehlt das. Es fehlt das Gesellige. Es fehlt das Beisammensein. Ich bewege mich scheinbar normal durch den Alltag, stoße aber überall an unsichtbare Mauern. Wenn es darum geht, sich zu verabreden. Auf dem Spielplatz, ja. Oder im Cafe, aber nur bei gutem Wetter und dort, wo die Tische weit genug auseinanderstehen. Und was machen wir, wenn das Wetter schlechter wird? Wie lange kann man sich so isolieren? Es ist halt doch nicht normal, wenn man nicht einfach so mit einer Freundin im Auto irgendwohin fährt – weil sich im Auto ja kein Abstand halten lässt.

Es ist, als würde ich mit angezogener Handbremse fahren.

Also alles in allem ist es ein Schwebezustand. Zwischen Zuversicht. Und Bangen. Denn da ist ja auch noch die gesundheitliche Sorge. Mein Mann darf es nicht kriegen, ich will es nicht bekommen und meinen Kindern wünsche ich auch kein Corona!

Es bleibt nur, das Beste draus zu machen. Und zurzeit ist es gut. Ich bin so ausgeglichen wie lange nicht mehr, seit ich wieder den Vormittag für mich und meine Arbeit habe und am Nachmittag ganz für die Kinder da sein kann. Aller Ungewissheit und allen Sorgen zum Trotz: Es ist alles gerade wieder im Lot. Das Gefühl der Zerrissenheit, dieses „ich werde nichts und niemandem gerecht“ aus der Lockdown-Zeit, das ist weg. Und ich hoffe, es kommt nicht wieder!

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Ein Kommentar zu “Schwebezustand zwischen „halber Normalität“ und Sorgen: Corona-Status Quo

  1. Mal eine Corona-unabhängige Frage: das klingt bei dir immer so schön: vormittags Arbeit und den Nachmittag hast du dann ganz für die Kinder. Wie habt ihr das denn mit Haushalt und co geregelt? Ich fange in 2 Wochen wieder an zu arbeiten und mir bangt es schon davor, dass die Nachmittage gar nicht so echte Kinder-Nachmittage werden, weil da ja eben auch noch der Haushalt ist…
    Bin einfach neugierig und finde Input von anderen, wie die solche Sachen regeln oft hilfreich!

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