Wie wird der Corona-Herbst? Mama-Gedanken am Ende der Sommerferien

Eigentlich stecken wir ja noch mitten im Sommer. Aber unser langer Sommerurlaub bei meiner Familie in Finnland liegt hinter uns. Noch knapp 10 Tage, dann beginnt die Schule wieder. Und der Kindergarten. Es mag sich vielleicht komisch anhören, aber für mich beginnt der Herbst immer schon im August. Dann schleicht er sich nämlich heimlich an. Mit plötzlich kühleren Nächten, mit dem früher Dunkelwerden, Tag für Tag, ganz langsam, bis einem auf einmal auffällt: Hey, es ist ja schon dunkel, dabei ist es doch erst neun. Eigentlich noch Hochsommer, aber gefühlt irgendwie nicht. Spätestens, wenn die Felder abgeerntet sind und es keine Erdbeeren mehr zu kaufen gibt, ist aus dem Sommer auf einmal ein Spätsommer geworden. Oder: fast Herbst. Was gar nicht schlimm ist. Denn ich mag den Herbst, besonders den Übergang  von Sommer zu Herbst. Die warmen Farben, das weichere Licht, den Kontrast aus kühleren Nächten und warmen Tagen. Aber: Dieses Jahr mischt sich in die Vorfreude auf den Herbst, die ich sonst immer am Ende der Sommerferien habe, ein banges Gefühl. Man könnte auch sagen: Die Angst vorm Schnupfen der Kinder.

Nach fast fünf (!) Monaten werden meine Kinder wieder in die Schule und den Kindergarten gehen. Ich gebe es zu: Ich freue mich auf den Tag, an dem ich vormittags alleine an meinem Schreibtisch sitze und einfach nur ungestört mehrere Stunden am Stück arbeiten kann. Ein leeres Haus, zum ersten Mal nach fünf Monaten. Ja, ich freue mich drauf. Zeit für mich und die Arbeit. Ohne nebenher Geschwisterstreitereien zu schlichten, Brote zu schmieren oder das Töpfchen auszuleeren. Genauso weiß ich, dass ich mich nach diesen fünf Stunden wie verrückt freuen werde, meine Kinder wieder um mich zu haben. Und dass ich es dann auch viel besser genießen kann. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass ich meine Arbeit geschafft habe. Denn die letzten Monate war es ein ständiges Aufgaben vor mich herschieben, ein ständiges „ich muss ja auch noch“ und „ich habe ganz vergessen“, was mich viel zu oft gereizt und genervt sein ließ.

Aber bei aller Vorfreude auf ein bisschen mehr „Normalität“ (wie auch immer sie aussehen wird): Diese Ungewissheit, was uns in diesem „Corona-Herbst“ erwartet, ist alles andere als schön. Sie nagt und zermürbt, ganz sachte, im Hintergrund. Abschütteln lassen sich diese Gedanken nicht. Wer kleine Kinder hat, dem ist eh jeden Herbst von Neuem bange beim Gedanken an Kindergarteninfekte wie Scharlach, Norovirus und Co. Vor allem, wenn man mehrere Kinder hat, reihen sich so Krankentage an Krankentage, dass einem schwindelig wird. Doch dieses Jahr ist dieses bange Gefühl noch einmal exponentiell erhöht. Denn nun reicht schon ein banaler Schnupfen.

Laufende Nase ist sowas wie ein gesundheitlicher Normalzustand von Kindern

Es heißt so nett bei uns im Bundesland: Natürlich dürfen Kinder mit einer harmlosen laufenden Nase in den Kindergarten. ABER: Erst nachdem man sie 48 Stunden zuhause behält, um zu sehen, ob Fieber oder andere auf Corona hindeutende Symptome hinzukommen. Dh in der Praxis: Läuft die Nase (und ganz ehrlich, bei kleinen Kindern ist das irgendwie gesundheitlicher Normalzustand von Oktober bis April), hast du das Kind zwei Tage lang zuhause. Dann darf es wieder hin. Höchstwahrscheinlich läuft dann beim nächsten Kind die Nase und so geht es dann reihum. Bei meiner zweijährigen Tochter lief im letzten Herbst und Winter eigentlich nonstop die Nase!

Versteht mich nicht falsch: Ich bin eine Verfechterin der Corona-Maßnahmen, schon allein, weil mein Mann zur Risikogruppe gehört. Und genau so wenig möchte ich diese Krankheit, die so unberechenbar und immer noch unbekannt ist, selbst bekommen, geschweige denn, dass ich möchte, dass meine Kinder erkranken. Denn so viel ist in den vergangenen Monaten klar geworden: Corona ist eben keine „harmlose Grippe“ (wobei ja auch eine Grippe nicht harmlos ist!) und trifft eben auch immer wieder junge, nicht zur Risikogruppe gehörende Menschen stark. Und bisher weiß keiner die Gründe dafür. Also lieber schützen, wo es geht, Rücksicht nehmen und so helfen, dass die Pandemie sich nicht ausbreitet.

Deshalb ist klar: Kranke Kinder gehören nach Hause! Aber es fehlt mir ein Konzept, was mit den ganzen Schnupfenkindern passieren soll. Ganz ehrlich: Mir fällt keine Lösung ein und natürlich fühle ich mich besser, wenn ich weiß, dass jeder Schnupfen erst einmal abgeklärt wird und so das Ansteckungsrisiko für meine Kinder minimiert wird. Ich bin dankbar dafür.

Einerseits. Aber gleichzeitig graut es mir vor dem Herbst. Weil ich schlicht nicht weiß, wie ich meine Arbeit bewerkstelligen soll. Meine Arbeit, die ich in den vergangenen Monaten aufs Nötigste beschränkt habe. So viele Projekte, die ich aufgeschoben habe. An die mich gar nicht rantraue, weil ich einfach nicht vernünftig kalkulieren kann, wann ich Zeit dafür haben werde.

Und diese Ungewissheit hat mir in gerade mal fünf Tagen sämtliche Urlaubserholung geraubt. So schnell wie das Gedankenkarussell im Urlaub fort war, ist es nun wieder da. Das Jahr 2020 ist wirklich eine besondere Herausforderung für alle Eltern. Was kommt im Herbst auf uns zu? Werden wir Eltern ständig zum Kinderarzt rennen, um unser Kind gesundschreiben zu lassen? Und was bedeutet das für Eltern, die nicht wie ich selbständig sind, sondern sich alle paar Wochen dafür bei ihrem Arbeitgeber entschuldigen müssen, dass sie mal wieder zwei Tage mit ihren Kindern zuhause bleiben müssen, um 48 Stunden lang die laufende Nase zu beobachten?

Und dann die bange Frage: Wie lange wird dieser Zustand anhalten? Wird es jetzt immer so weitergehen?!

Was mich daran wirklich ärgert: Dass es immer noch genug Menschen gibt, die der Meinung sind, dass es doch gar kein Problem ist, Homeoffice und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren. Das geht vielleicht bei älteren Kindern. Aber jedem, der so etwas behauptet, würde ich gerne mal einen Tag lang mit meiner zweijährigen Tochter im Homeoffice verbringen lassen! Klar, sie kann sich selbst beschäftigen. Aber eben nur begrenzt. Je nach Alter beträgt diese Zeitspanne nicht mehr als 30 Minuten. Und: Man muss ja trotzdem ein Auge auf die Kinder haben (ich sag‘ nur Klopapierkonfetti und Papprollen im Klo, inklusive Überschwemmung, weil die Quietscheente auf dem Badezimmerfußboden schwimmen wollte). Konzentriertes Arbeiten geht anders.

Und übrigens auch die älteren Kinder kann man nicht einfach 5 Stunden alleine im Kinderzimmer sitzen lassen. Das geht vielleicht ab einem Alter von 12, 13 Jahren. Aber nicht mit Grundschülern.

Ich weiß kein Konzept, ich weiß keine Lösung. Ich will keine kranken Kinder im Kindergarten. Ich will mich und die Familie vor Corona schützen. Aber genauso brauche (und will!) ich Zeit zum konzentrierten Arbeiten. Das Geld fliegt ja nicht durchs Nichtstun durchs Fenster, zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, wie das funktioniert.

Was ich hoffe? Dass sich durch die Hygieneregeln im Kindergarten und in der Schule weniger Infekte verbreiten als sonst und auch die Nase nicht mehr so häufig läuft wie sonst. Wenn dadurch weniger Noroviren kursieren als sonst, wäre das ja auch ein netter Nebeneffekt. Was ich noch hoffe? Dass sich die Testmöglichkeiten für Corona vereinfachen und schneller werden. Und dass es gelingt, eine zweite Welle abzuwenden. Und dabei sind wir alle gefragt. In diesem Fall kommt es tatsächlich auf jeden Einzelnen von uns an.

Kennt Ihr eigentlich schon mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr mehr als 80 Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest– ich freue mich auf Euch!

Beim Kommentieren stimmt Ihr meiner Datenschutzerklärung (siehe Menü) zu.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.