Endlich Ferien! Was fast 4 Monate Corona mit uns gemacht haben

Endlich. Ferien. Darauf habe ich in den letzten Wochen echt hingearbeitet. Dabei haben wir doch seit Mitte März fast so etwas wie Ferien, sollte man meinen. Schlafen seit Mitte März jeden Tag aus, machen fast jeden Nachmittag einen Ausflug in die Natur. Am Anfang war es auch ein bisschen so. Endlich viel Zeit zusammen, keine Termine, ausschlafen, gemütlich frühstücken und lange Spaziergänge im Wald. Selbst die Hausaufgaben beim Homeschooling packten wir recht entspannt und der Spagat zwischen Home Office und Kinderbetreuung fühlte sich noch nicht so schmerzhaft an. Schließlich kamen zwei Wochen nach dem Lockdown eh erst mal drei Wochen Osterferien, die wir hier zuhause an der Ostsee verbrachten statt wie geplant in Frankreich. Doch dann wurde der Spagat schmerzhafter, die Belastung größer und das Fragezeichen nach „Wann bekommen wir unser normales Leben zurück?“ wuchs ins Unermessliche. Lange war nicht klar, wann Schule und Kindergarten wieder losgingen. Und selbst als beides wieder losging, änderte sich für uns nichts, da mein Mann zur Risikogruppe zählt und wir deshalb die Kinder zuhause ließen. Der Spagat ging also weiter – und war eigentlich kaum noch machbar.

Wenn ich heute auf Mitte März zurückblicke, kommt es mir wie eine andere Welt vor. Wir waren gerade aus Finnland von einem Besuch bei meinem Vater zurück, Corona war zwar schon in Europa, aber irgendwie noch nicht so richtig (obwohl die Fallzahlen damals in unserer Gegend höher waren als heute!) – und auch am Flughafen in Helsinki und Hamburg war das Virus irgendwie noch fern, obwohl es ein Drehkreuz von Asienflügen war. Doch Flüge nach China waren zu dem Zeitpunkt schon gecancelt, so dass das Virus weit weg schien. Und dann überschlug es sich plötzlich! Was folgte, hätte ich so für Science Fiction gehalten. Ich kam mir vor wie eine Statistin in einem Katastrophenfilm, von dem ich gesagt hätte „das ist ja ganz schön übertrieben und irreal“. Tja. Es war aber kein Film. Und es war die echte wirkliche Wirklichkeit. Eine laufende Nase verlor ihre Unschuld. Schulen und Kindergärten zu. Läden und Restaurants zu. Grenzen dicht. Keine Flüge mehr. Dann machte sogar die Landesgrenze von Schleswig-Holstein zu und an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern gab es wieder Grenzkontrollen – dort, wo früher die DDR-Grenze war!  Dazu die unheimlichen Bilder aus Italien, Spanien und New York, die wirklich Angst machten.

Wenn man so zurückblickt,  wird einem erst klar, was für ein Ausnahmezustand das war. Überraschend fand ich, wie schnell man sich an diese neue Wirklichkeit gewöhnte.

Das zeigte sich ziemlich schnell beim Filme gucken – wenn ich im Fernsehen Menschen sah, die sich mit Handschlag und Küsschen begrüßten und Bilder von Konzerten, kam es mir unwirklich vor wie Bilder aus einem anderen Leben!  Es in Fleisch und Blut übergegangen, auf dem Fußweg im Slalom um die Passanten herumzulaufen. In der Warteschlange 2 Meter Abstand zu halten.  Worte wie „kontaktlose Lieferung“, „Lockdown“, „R-Faktor“ oder Kontaktbeschränkungen sind längst in den Alltagswortschatz aufgenommen worden. Selbst der Mund-Nasenschutz ist eine Selbstverständlichkeit geworden und ganz ehrlich:Ich habe ihn sogar ins Herz geschlossen. Ich fühle mich sicherer damit.

Dachte ich am Anfang noch naiv „nach Ostern ist alles wieder normal“, wurde mir langsam klar, dass die Normalität, wie wir sie kannten, eben nicht so schnell wiederkommen würde. Die Pandemie schlich sich ins Bewusstsein. Erst langsam und fast unmerklich – und dann war sie schließlich da. Und wird bleiben. Noch eine ganze Weile.  Diese Ungewissheit, wann die Welt wieder normal wird, die kann einen an schlechten Tagen in den Wahnsinn treiben. Da kommt dann das Gedankenkarussell, die Sehnsucht danach, wieder ohne Sorge im Café zu sitzen, die Sehnsucht nach einem Theaterbesuch, danach entspannt durch die Bibliothek zu laufen, die Kinder beim Bäcker in der Spielecke spielen zu lassen, die Sehnsucht danach, einfach einen Flug zu buchen, einen Urlaub zu planen. Die Sehnsucht danach, sich mit anderen zu treffen, sich zu umarmen. Die Sehnsucht nach einer Wirklichkeit ohne R-Faktor. An schlechten Tagen könnte ich heulen, wenn ich daran denke, dass meinem mittleren Sohn einfach mal so die letzten Wochen im Kindergarten geklaut worden sind, der Vorschulkinder-Rausschmiss inklusive.

Ich möchte endlich wieder eine Welt, in der man sich wegen einer laufenden Nase und etwas Halskratzen keine Sorgen machen muss!

Ich möchte es vor allem für meine Kinder. Und ich hoffe, dass es nach den Ferien normal weitergeht, so normal es halt möglich ist.

An guten Tagen komme ich erstaunlich gut mit der neuen Wirklichkeit klar. Dann schaffe ich es, die Ungewissheit zu verdrängen. Meine Sorge auszuknipsen. Dann sehe ich meine Familie an und sehe, wie gut wir es hinbekommen haben in diesen Ausnahmezustand-Wochen. Dass wir es gemeinsam gemeistert haben. Ohne durchzudrehen. Das ist schon ein Grund, sich ab und zu mal auf die Schultern zu klopfen! Wir haben das Beste draus gemacht. Familienzeit genossen. Waren fast täglich im Wald oder am Strand, was wir sonst nur am Wochenende gemacht haben. Haben jeden Tag ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt. Keine Termine und keinen Zeitdruck zu haben, hat ja auch seine guten Seiten! Und auch das Homeschooling hat unterm Strich wirklich gut geklappt – was auch an einer sehr guten Vorbereitung und Begleitung durch die Klassenlehrerin geklappt hat, was ich an dieser Stelle wirklich hervorheben muss! Die ganze Zusammenarbeit mit der Schule war wirklich klasse und hat uns den Alltag erleichtert. Selbst mit meiner Arbeit bin ich – bei allem Stress, den es mit sich brachte – am Ende immer noch fertig geworden. Klar, es blieben viele Projekte liegen, aber alles in allem kann ich mir selbst wirklich auf die Schulter klopfen.

Und das Gute: Diese positiven Tage überwiegen. Eindeutig.

Was bleibt, ist die Sorge, wie es weitergeht. Nach den Ferien sollen die Kinder zur Schule und in den Kindergarten. Der eine kommt in die erste Klasse, der andere in die vierte. Zu wichtige Schuljahre, um sie mit Homeschooling zu meistern. Ganz abgesehen davon, dass sie ihre Sozialkontakte brauchen. Es werden dann fünf Monate gewesen sein, fünf Monate ohne Schule und Kindergarten. Was genug ist, ist genug. Und ich werde mich auch freuen, wenn ich wieder in Ruhe einen Vormittag lang am Schreibtisch sitze. Auch mal wieder einen Moment Zeit für mich habe. Denn diese Momente sind viel zu selten geworden. Um nicht zu sagen: Sie waren eigentlich nicht vorhanden in den vergangenen Monaten. Aber es wird wiederkommen!

Was mich bange in die Zukunft blicken lässt, ist die Sorglosigkeit, die sich bei vielen breit macht. Corona ist eben nicht vorbei. Wie die derzeitigen Ausbrüche ja zeigen. Und das ist Tückische, genau wie im März vorm Lockdown: Man denkt „ach hier und da ein paar Fälle, das ist weit weg.“ Und dann ist er auf einmal da, der nächste Lockdown. Deshalb, Ihr Lieben: Passt auf euch auf, auf eure Kinder und haltet Abstand! Schon allein aus Rücksicht auf Risikogruppen, wie meinen Mann.

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Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

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