Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen?

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Ich erinnere mich noch gut an den Geburtsvorbereitungskurs, damals vor mehr als neun Jahren, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. „Ihr macht euch jetzt in der Schwangerschaft Sorgen um eure Kinder. Und ich sage euch: Das wird nicht aufhören. Ihr werdet euch immer Sorgen um eure Kinder machen. Immer.“ Die Dame ist ein bisschen arg theatralisch, dachte ich damals. Wie die anderen Teilnehmer wohl auch, wie die Blicke zeigten, die wir wechselten. Heute, mehr als neun Jahre später, weiß ich genau, was gemeint war. Denn die Sorgen um die Kinder hören nicht einfach auf, nur weil sie älter werden oder weil man beim zweiten oder dritten Kind mehr weiß. Denn auch, wenn sich einige Sorgen mit der Zeit auflösen, kommen andere Sorgen hinzu. Und auch, wenn man beim zweiten (oder dritten) Kind schon viel routinierter ist und deshalb viele Dinge besser einschätzen kann, bringt jedes Kind neue Sorgen mit.

Während ich beim ersten Kind hinter jedem Weinen gleich Bauchschmerzen, einen Infekt oder eine unbemerkte Verletzung vermutete, konnte ich beim zweiten Kind schon besser ein Meckern von einem echten Schreien und Weinen unterscheiden. Und auch im Umgang mit dem kranken Kind, wurde ich von Kind zu Kind sicherer. Beim ersten Kind sah mich der Kinderarzt anfangs noch bei fast jeder laufenden Nase und erhöhten Temperatur. Beim dritten Kind habe ich eine Art inneres „Warnsystem“ entwickelt und kann eine Erkältung ziemlich treffsicher von Scharlach unterscheiden und weiß, wie man einen Antibiotikasaft zusammenrührt und woran man eine Mittelohrentzündung erkennt. Auch in Sachen „Symptome googeln“ habe ich einen Lernprozess hinter mir und habe aufgehört, bei jedem Zwicken und Zwacken gleich die Suchmaschine zu bemühen. Und falls ich es mal doch mache, dann habe ich gelernt seriöse Informationen zu erkennen und gewisse Beiträge in Foren besorgter Mütter einfach mal zu überlesen.

Wenn die Kinder älter werden, verändern sich die Sorgen

Doch auch wenn die Infekte mit zunehmendem Alter der Kinder zum Glück abnehmen, nehmen die Sorgen nicht ab. Sie verändern sich. Je mobiler die Kinder werden, umso mehr kam bei mir die Angst vor Unfällen hinzu. Ist der Tisch nicht zu hoch zum Draufklettern? Sollte ich nicht lieber ein paar Kissen neben das Bett legen, wenn die Kinder auf dem Bett herumhopsen? Kann die Kleine wirklich schon alleine rutschen? Was, wenn das Laufrad umkippt? Klappt das wirklich schon mit dem Treppensteigen oder sollte ich nicht lieber doch noch hinter dem Kind laufen? Kann sich mein Sohn wirklich schon alleine auf der Schaukel festhalten? Was, wenn er einfach loslässt und runterfällt?

Wenn man sich im Alltag umschaut, dann entdeckt man überall Gefahren – es kann einen nahezu verrückt machen! Was mir geholfen hat: die wichtigsten Gefahren durch ein kindersicheres Zuhause zu verbannen. Dinge wie Steckdosensicherungen, Bänder und Kordeln außer Reichweite aufbewahren und von Kinderkleidung ganz entfernen, giftige Stoffe und Flüssigkeiten wegschließen oder Regale an den Wänden befestigen, haben mich gleich ruhiger werden lassen. Die wichtigsten Tipps, wie man sein Zuhause kindersicher gestaltet, findet Ihr übrigens  hier auf dem Blog der AOK Hessen.

Leben ohne Risiko gibt es nicht

Was ich hingegen wirklich lernen musste: zu akzeptieren, dass man nie jegliche Risiken aus dem Leben mit Kindern verbannen kann. Das Leben ist nun mal nicht ohne Risiko. Man kann das Risiko minimieren, aber ein Restrisiko besteht immer. Was ich aber auch lernte: Nicht jedes Risiko ist gleich schlimm. Wir können unsere Kinder nun mal nicht in Watte packen und vor jeder Beule und Schramme schützen. Wenn Kinder laufen lernen, gehört es dazu, dass sie hinfallen. Und wieder aufstehen und es noch einmal versuchen. Beim Radfahren fällt fast jeder einmal hin – mit einem Helm lässt sich das Risiko aber verkleinern, dass es ernsthafte Verletzungen zur Folge hat.

Ich bin tatsächlich bei jedem Kind entspannter geworden und habe gelernt zu unterscheiden: Hat das jetzt einen ernsthaften Unfall zur Folge oder lediglich einen blauen Fleck? Klar, keine Mutter möchte ihre Kinder weinen sehen. Und auch mir tun die blauen Flecken meiner Kinder immer noch selbst weh. Aber ich habe gelernt, meinen Kindern etwas zuzutrauen. Und je älter meine Kinder werden, umso mehr stelle ich fest: Die meisten Unfälle gehen glimpflich aus.

Es ist ein bisschen wie das Fahren auf der Autobahn: Die Leitplanken und das Tempolimit geben die Rahmenbedingungen vor, innerhalb denen man Gas geben darf. Ich bin also sowas wie Leitplanke samt Tempolimit auf der Autobahn des Lebens meiner Kinder, wenn man so will.

Erste-Hilfe-Kenntnisse helfen bei den Sorgen um die Kinder

Was mir aber auch geholfen hat, mir weniger Sorgen um meinen Kinder zu machen, war ein Erste Hilfe Kurs für Babys und Kleinkinder, den ich noch in der ersten Schwangerschaft gemacht habe. Erst hat der Kurs meine Ängste noch weiter geschürt, denn ich sah plötzlich überall Gefahren – man wird ja sensibilisiert, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Aber je mehr ich lernte – und das ging weit über die Inhalte im Ersten Hilfe Kurs für den Führerschein hinaus – umso mehr Sicherheit gab es mir. Zu wissen, was man in einem Notfall tun kann, hilft, in brenzligen Situationen einen klaren Kopf zu behalten.

Unser Vertrauen macht unsere Kinder stark

Aber egal, wie viele Informationen ich lese, wie kindersicher das Haus ist oder wie viel Erste-Hilfe-Kurse ich besuche: Die Sorgen um meine Kinder hören nie auf. So wie es die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs damals prophezeit hat. Es kommen immer wieder neue Sorgen hinzu – zum Beispiel, wenn die Kinder selbständiger werden, so wie mein Großer. Als er letztens zum ersten Mal alleine mit einem Freund durch die Stadt strolchte statt sich artig zuhause unter Elternaufsicht zu treffen, schaute ich immer wieder auf mein Handy und war unfassbar froh, als er zur vereinbarten Zeit wieder zuhause auftauchte. Den eigenen Kindern ihre Selbständig zuzutrauen, auch das ist ein Lernprozess, durch den wir Eltern durchmüssen. Und das ist kein leichter Lernprozess, glaubt mir!

Was mir geholfen hat? Erstens das Vertrauen in meinen Sohn, der eigentlich recht vernünftig und eher vorsichtig ist, und zweitens die Erinnerung an meine eigene Kindheit und daran, wie groß mein Bewegungsradius in dem Alter bereits war. Meine Eltern haben mir viel zugetraut und vertraut – und genau das will ich auch so an meine Kinder weitergeben.

Denn ich bin fest davon überzeugt: Unser Vertrauen in die Fähigkeiten unserer Kind macht unsere Kinder stark.

Kennt Ihr mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr viele Rezepte  nicht nur für Kinder – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

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